Was ist grün und sieht aus wie ein etwas schräg wachsender Minikaktus? Das ist natürlich eine Gurke im blutjungen Alter. Und damit sie über das stachlige, dünne Stadium mit der wunderschönen gelben Trichterblüte hinauskommt, muss sie bestäubt werden, sonst möchte man dieses eher an einen haarigen Zahnstocher erinnernde grüne Ding nicht essen.
Dieses Jahr bin ich nämlich unter die Gurkenanbauer gegangen und möchte von meinen Erlebnissen mit der rankenden Pfanze berichten. Es fing alles an mit ein paar Saatkörnern, gurkentypisch groß und spitz zulaufend. Die habe ich im April auf der Fensterbank herangezogen, bis sie im Juni groß genug für einen Topf auf der Terrasse waren. Von 4 Samenkörnen hatte ich am Ende nur zwei Pflanzen. Weil Gurken wie Kürbisse auch männliche und weibliche Blüten haben, sollte man zur Sicherheit mindestens ein Pärchen haben, damit es mit der Bestäubung überhaupt klappt, denn selbstfruchtbar sind die leider nicht. Es herrscht grundsätzlich ein Frauenüberschuss, Männchen sind selten.
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| Weibchen |
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| Männchen |
Meine Gurkenpflanzen gehören der Sorte 'Gambit' an und sind robust und mehltauresistent. Sie brauchen viel Sonne und viel Wasser, außerdem möchten sie mit ihren telefonschnurartigen Ranken, die sehr lang und zupackend werden können, irgendwas haben, wo sie sich dran festhalten können.
Obwohl Rankstäbe in der Nähe sind, haben sich meine Schlingel am liebsten die Tomatenapflanze nebenan gekrallt.
Als Verdunstungsschutz habe ich die Blumenerde mit Asthäckseln und Grasschnitt gemulcht, was der Pflanze ganz offenbar nicht schlecht bekommt. Sonne gibt es nicht viel, da wir als Hitzeschutz noch ein Sonnensegel über die Terrasse und damit auch über die Gurken und Tomaten gehängt haben. Doch auch das scheint die Gurke nicht aus dem Konzept zu bringen. Und noch etwas ist ein bisschen unkonventionell, denn wer will schon einen koventionellen Gurkenanbau: Die Blumenerde in dem großen Topf ist noch vom letzten Jahr und hatte da schon Tomatenpflanzen intus. Da aber über den Winter Vergissmeinnicht und Winter-Portulak in der alten Erde abgingen wie Schmitz Katze, habe ich es nicht übers Herz gebracht, die Erde auszutauschen.
Jedenfalls blühen die Gurkenpflanzen und nun muss man die Blüten auch besser mal bestäubt bekommen. Bei zwei Pflanzen sind es immer zuwenige und es sind oft nicht alle Geschlechter gleichzeitig am Start, obwohl es schließlich nur zwei gibt. Bei so wenigen Blüten kann man sich auf eine Bestäubung durch Insekten nicht unbedingt verlassen, also habe ich die männlichen Blüten abgezupft, die Blütenblätter abgerissen und mit den verbliebenen Pollenträgern die weiblichen Blüten betupft.
Hat so leidlich geklappt, die Früchte sind zumindest größer geworden und die Pflanze hat sie nicht als sinnlos abgetan und auf den Boden geworfen.
Dieses ungleichmäßige Wachstum kommt daher, dass die Blüte nicht gleichmäßig bestäubt wurde. Man kann das eben nicht so gut und professionell wie die Bienen. Noch ein guter Grund mehr, gut auf die Insekten aufzupassen....
Schmecken tun aber auch diese Birnengurken - und konventionell sollte es ja schließlich auch nicht sein.

















