Es gibt Gemüse, das kennen viele nur als Fertigprodukt. Rote Bete zum Beispiel ist so eines. Wer hat sie nicht schon einmal aus dem Glas konsumiert oder als farbgebendes Element im Heringssalat mitgegessen, ohne diese Zutat groß zu beachten? Denn wenn sie eines kann, dann Farbe bekennen. Rot bis lila wird das Essen dann. Aber ansonsten scheint sie zur bloßen Beilage degradiert zu sein, darf höchst selten die Hauptrolle auf dem Teller spielen.
Dabei hat sie Besseres verdient. Sie schmeckt frisch aus dem Garten nicht nur viel besser als in Essig eingelegt aus dem Glas, sondern ist auch optisch eine echte Bereicherung für Beete und Kübel.
Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die Rote Rübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris) das schönste Gemüse auf der ganzen Welt ist und unbedingt ins Blumenbeet gepflanzt werden sollte! Das meine ich durchaus ernst, denn die rote Farbe wartet nicht nur unterirdisch, sondern pflanzt sich bis in die wunderschönen großen Blätter fort! Ein solches Kontrastprogramm im Laub mit der Grundfarbe Grün und fantastisch roten Blattadern bietet wahrlich nicht jedes Gemüse. Mangold kann da noch mithalten, wenn man eine der bunten Züchtungen erwischt. Das ist aber auch kein Wunder, schließlich gehören beide Farbspieler der gleichen Art an, denn auch Mangold nennt sich Beta vulgaris subsp. vulgaris - der Züchtungsschwerpunkt war hier nur ein anderer.
Obwohl man die Rote Bete wohl nicht auf prächtiges Laub hin selektiert hat, kann sie es trotzdem, einfach so.
Selbst die Keimlinge veranstalten schon eine große Show und sind wunderbar anzuschauen. Man kann die Blätter auch jung in den Salat werfen. Sie schmecken ein bisschen erdig und schon unverkennbar nach der Rübe. Aber so eine frühe Ernte bringt uns natürlich um selbige, also habe ich das nur mal ausprobiert, als ein Hagelschauer junge Blätter abgeknickt hatte.
Die Bete ist aber bei all ihren Dekorationsqualitäten keine Diva, sondern nicht allzu schwierig im Anbau. Die Samen keimen im April leicht und zuverlässig. Man sollte aber ein Auge auf Schnecken haben. Äußerst praktisch ist, dass sie auch im Halbschatten wächst. Nur genug Wasser möchte sie bitte haben, für die großen Blätter.
Ich habe sie dieses Jahr im großen Kübel auf der Terrasse angebaut, zusammen mit Zuckerschoten als Nachbarn. Die Sorte Robuschka habe ich dafür ausgewählt, denn kugelige Sorten eignen sich besser für Töpfe als lange.
Die eigene Anzucht aus Samen ist nicht nur günstig und einfach, sondern auch ästhetisch kein Problem - dass der Topf keine bunten Blumen enthält, stört überhaupt nicht, dafür sorgt die Rote Bete schon mit ihrer Effekthascherei, und das zuverlässig die ganze Saison lang.
Essen kann man sie schließlich auch noch - und jetzt darf man die kleinen Rüben ernten.
Leider hat es nur eine meiner Pflanzen zu marktfähiger Größe geschafft. Die nächstkleineren waren schon sehr schwierig zu schälen, die restlichen hatten erst gar keine Kugel ausgebildet.
Leider hat es nur eine meiner Pflanzen zu marktfähiger Größe geschafft. Die nächstkleineren waren schon sehr schwierig zu schälen, die restlichen hatten erst gar keine Kugel ausgebildet.
Köstlich waren sie, keine Frage. Das nächste Mal werde ich allerdings darauf achten, sie besser auszudünnen. Obwohl die Amseln beim Vereinzeln tatkräftig mitgeholfen haben und viele Pflänzchen samt Erde für den Nestbau verwendeten, standen sie wohl immer noch zu dicht.
Das Gute an Roter Bete aber ist: Wenn es mit dem Anbau doch nicht so gut klappt, erntet man einfach die Blätter und nennt sie Mini-Mangold!
Das Gute an Roter Bete aber ist: Wenn es mit dem Anbau doch nicht so gut klappt, erntet man einfach die Blätter und nennt sie Mini-Mangold!
Verschwendet war der Terrassenplatz jedoch auf gar keinen Fall - das schönste Gemüse der Welt war schließlich den ganzen Sommer über ein einziger Augenschmaus!



