Horror vacui - die Angst vor der Leere, soll bekanntermaßen vor allem Künstler befallen, die dann zusehen, jeden Zentimeter weiße Leinwand oder Papier mit Details zu füllen. Ich kenne diesen Gemütszustand auch nur zu gut, allerdings im Garten. Ich möchte damit natürlich nicht sagen, dass mein Revier da draußen irgendetwas mit Kunst zu tun hätte. Das läge mir fern und wäre auch glattweg gelogen.
Nein, mit dem Horror vacui bin ich stets auf Du und Du, wann immer mir ein Stück blanke Erde entgegenlacht. So was kann ich allenfalls im Winter ausstehen, zu allen anderen Zeiten muss ich so ein kahles Fleckchen zügig in Grund und Boden bepflanzen.
Alteingesessene Pflanzen tun also gut daran, vor diesem manischen Blick zurückzuschrecken, den ich sofort bekomme, wenn ich ein bisschen Raum zwischen ihnen entdecke. Allzu bald wird ihnen ein neuer Nachbar aufgezwängt. Und so tobt in meinem Garten immer die Evolution: Ring frei - möge die stärkere Pflanze sich durchsetzen.
So kann das dann aussehen:
Aber diese kleinen Lücken wissen findige Pflanzen auch ganz von allein auszunutzen und säen jede Nische gleich gewissenhaft zu. Vergissmeinnicht zum Beispiel. Und so kommt es, dass ich in meinem Garten während der Vegetationsperiode nur selten den Erdboden überhaupt zu Gesicht kriege.
Ganz anders sieht das in Töpfen und Kübeln aus. Frisch mit Blumenerde gefüllt, ist mir ihr Anblick mit so viel Braun ein Graus. So wie dieses Jahr, als ich stolz zwei klitzekleine Steckzwiebelchen in einem hübschen glasierten Behältnis geerdet hatte. Eigentlich war dort genug Platz für die Entfaltung ihrer Zwiebelpersönlichkeit, aber wie immer lebte ich im Hier und Jetzt und dachte: In so einem kleinen Garten ist soviel nackte Erde doch pure Platzverschwendung.
Und schwupps - hatten die beiden Gesellschaft von ein paar wirklich winzigen Sedum-Kindeln Marke Fette Henne. Nun ja - ich hatte gedacht, die neuen Nachbarn würden sehr lange sehr klein bleiben und einen brauchbaren Bodendecker für das junge Gemüse abgeben. Aber weit gefehlt, es kam ganz anders.
Die Fette Henne machte sich nämlich unglaublich breit und ihrem Namen alle Ehre. In atemberaubender Geschwindigkeit waren die Ableger in die Höhe geschossen und hatten die beiden Speisezwiebeln untergebuttert. Diese wiederum - mit weniger Ellbogenkraft gesegnet - machten sich dünn und wuchsen krakenartig und gar nicht dumm in die einzige Richtung, die genug Licht versprach: nach unten. Da der Topf in vorderster Front auf dem Gartentisch stand, war das eine gute Strategie.
Die wilde Wohngemeinschaft war zwar ein willkommener Anlass zu großer Erheiterung bei jeder Grillparty, aber was wäre die Gärtnerin, wenn sie nicht über sich selbst lachen könnte? Ein bisschen waren sie wie Pat und Patachon, Dick und Doof, Tom und Jerry oder andere ungleiche Paare.
Und dann schließlich, als die Fette Henne schon zum großen Finale ansetzte, konnte ich doch noch zwei prächtige Zwiebeln aus dem Topf ziehen. Oder wären sie ohne den raumgreifenden Nachbarn vielleicht noch dicker geworden?
Seit dieser Geschichte sehe ich beide Mitbewohner mit anderen Augen: Die so behäbig wirkende Fette Henne ist mir jetzt als ehrfurchtgebietender Senkrechtstarter ein Begriff. Die Speisezwiebel ist trotz beengter Verhältnisse eine wahre Kämpfernatur, solange sie nur von irgendwo noch genug Sonne abbekommt, und sei es von schräg oben.
Man sollte viel öfter Mut zur Mischkultur der unkonventionelleren Art haben - vielleicht finden sich doch ganz neue Traumpaare, von denen niemand etwas geahnt hat und die richtig Platz sparen im kleinen Garten. Und wenn es doch nicht klappt mit der Paarbildung, hält man die Streithähne eben im nächsten Jahr lieber voneinander fern.
So kann das dann aussehen:
| Geranium phaeum Samobor und Nachbarn |
| Campanula latifolia |
| Akelei, Pentaglottis und Tulipa tarda |
Aber diese kleinen Lücken wissen findige Pflanzen auch ganz von allein auszunutzen und säen jede Nische gleich gewissenhaft zu. Vergissmeinnicht zum Beispiel. Und so kommt es, dass ich in meinem Garten während der Vegetationsperiode nur selten den Erdboden überhaupt zu Gesicht kriege.
Ganz anders sieht das in Töpfen und Kübeln aus. Frisch mit Blumenerde gefüllt, ist mir ihr Anblick mit so viel Braun ein Graus. So wie dieses Jahr, als ich stolz zwei klitzekleine Steckzwiebelchen in einem hübschen glasierten Behältnis geerdet hatte. Eigentlich war dort genug Platz für die Entfaltung ihrer Zwiebelpersönlichkeit, aber wie immer lebte ich im Hier und Jetzt und dachte: In so einem kleinen Garten ist soviel nackte Erde doch pure Platzverschwendung.
Und schwupps - hatten die beiden Gesellschaft von ein paar wirklich winzigen Sedum-Kindeln Marke Fette Henne. Nun ja - ich hatte gedacht, die neuen Nachbarn würden sehr lange sehr klein bleiben und einen brauchbaren Bodendecker für das junge Gemüse abgeben. Aber weit gefehlt, es kam ganz anders.
Die Fette Henne machte sich nämlich unglaublich breit und ihrem Namen alle Ehre. In atemberaubender Geschwindigkeit waren die Ableger in die Höhe geschossen und hatten die beiden Speisezwiebeln untergebuttert. Diese wiederum - mit weniger Ellbogenkraft gesegnet - machten sich dünn und wuchsen krakenartig und gar nicht dumm in die einzige Richtung, die genug Licht versprach: nach unten. Da der Topf in vorderster Front auf dem Gartentisch stand, war das eine gute Strategie.
Die wilde Wohngemeinschaft war zwar ein willkommener Anlass zu großer Erheiterung bei jeder Grillparty, aber was wäre die Gärtnerin, wenn sie nicht über sich selbst lachen könnte? Ein bisschen waren sie wie Pat und Patachon, Dick und Doof, Tom und Jerry oder andere ungleiche Paare.
Und dann schließlich, als die Fette Henne schon zum großen Finale ansetzte, konnte ich doch noch zwei prächtige Zwiebeln aus dem Topf ziehen. Oder wären sie ohne den raumgreifenden Nachbarn vielleicht noch dicker geworden?
Seit dieser Geschichte sehe ich beide Mitbewohner mit anderen Augen: Die so behäbig wirkende Fette Henne ist mir jetzt als ehrfurchtgebietender Senkrechtstarter ein Begriff. Die Speisezwiebel ist trotz beengter Verhältnisse eine wahre Kämpfernatur, solange sie nur von irgendwo noch genug Sonne abbekommt, und sei es von schräg oben.
Man sollte viel öfter Mut zur Mischkultur der unkonventionelleren Art haben - vielleicht finden sich doch ganz neue Traumpaare, von denen niemand etwas geahnt hat und die richtig Platz sparen im kleinen Garten. Und wenn es doch nicht klappt mit der Paarbildung, hält man die Streithähne eben im nächsten Jahr lieber voneinander fern.