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Samstag, 16. Mai 2026

Zimmerpflanzen-Umtopf-Marathon

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Meine Zimmerpflanzen haben jetzt einen offiziellen Sponsor! Für dieses Jahr zumindest wurden sie untenrum eingekleidet von Patzer Erden. Ich habe 3 mal 18 Liter torffreie Zimmerpflanzenerde bekommen.

Der Paketbote war nicht gerade begeistert, und wenn ich Glück habe, hält sich auch die Begeisterung der Trauermücken in Grenzen, denn das Datenblatt zu der Erde liest sich schon mal sehr gut:

Gebrauchsfertige, besonders lockere, gut durchlüftete Erde mit einem hohen Anteil an Naturton, der für eine sehr gute Wasser- und Nährstoffspeicherung sowie -verteilung sorgt. Für gesundes Wurzelwachstum und eine schnell abtrocknende Oberfläche. Enthält Vorratsdünger und alle, für das Pflanzenwachstum notwendigen Nährstoffe. • enthält viel Naturton - als Wasser- & Nährstoffspeicher • strukturstabil & gut abtrocknend an der Oberfläche • ideal für Innenräume, wenig anziehend für Trauermücken.

Bestandteile sind: Naturton, Holzfaser, Blähton, Lava, Bims.

Ich kann bestätigen, dass die Oberfläche wirklich gut abtrocknet. Die Erde ist dank der mineralischen Bestandteile schwer, gut also für kopflastige Pflanzen. Die wird daher auch weniger in sich zusammen fallen als Produkte nur aus organischen Materialien. Denn das war bei manchen meiner Zimmerpflanzen ein großes Problem: Nach ein paar Monaten war das Substrat so in sich zusammen gefallen, dass bei hohen Töpfen zwischen Topfrand und Erde bestimmt 20 cm Platz war. Wenn ich es mir recht überlege habe ich meinen Gewächsen noch nie richtige Zimmerpflanzenerde gegönnt, sondern immer nur irgendeine torffreie Blumenerde genommen.

Nach diesem Umtopfmarathon habe ich jetzt auch wirklich einiges gelernt:

  • Während die meisten Pflanzen nur locker in der alten Erde saßen und man ganz viel altes Substrat ausklopfen und abbröseln konnte, bis fast nur noch die Wurzeln übrig waren, hielt der Geldbaum sehr an der Erde fest. Der Wurzelballen war wie Beton. Da konnte ich nur ganz wenig frische Erde zugeben - beim nächsten Mal muss doch ein größerer Topf her.
  • Scherben als vermeintliche Dränage unten einzubauen ist Unsinn. Oft hatten das Rhizom sich die Tonteile einverleibt, war drum herum gewachsen und die Wurzeln befanden sich statt der Scherben am Topfboden, die sie kurzerhand hochgezogen hatten. So ist das keine Dränage, sondern einfach nur ein Hindernis. Als ich die Dinger entfernt hatte, war wieder mehr Platz für frische Erde.
  • Dünne Plastiktöpfe für Sansevierien bekommt man nur noch mit der Kneifzange runter, denn das starke Rhizom verformt einfach alles und kann auch Ton sprengen. Wenn man den Bogenhanf aber immer rechtzeitig teilt, passiert dem Tontopf nichts, während Kunststoff so verformt wird, dass er sich nicht mehr einfach abziehen lässt.
  • Selbstbewässerungstöpfe klingen praktisch, man bekommt die Pflanze aber irgendwann nicht mehr heraus, weil die Wurzeln durch das Gitter über dem Reservoir wachsen und sich festkrallen. Außerdem eignet sich so ein Topf nicht für die Terrasse, weil der Topf keinen Ablauf hat und bei Regen voll läuft.

Meine große Kaffeepflanze war ein ganz besonderes Problem - zum einen sitzt sie in besagtem Selbstbewässerungstopf, und da sitzt sie fest, zum anderem hat sie immer eine Laubschicht auf dem Substrat, in dem die Oegoconia-Motten leben. Die sind irgendwann unbemerkt ins Wohnzimmer geflogen und wohnten fortan in der Laubschicht. Sie fressen nichts anderes als die alten Blätter, die der Kaffeestrauch abwirft. Also musste das alte Laub erstmal beiseite gelegt werden, bevor ich dem Kaffee eine Kopfdüngung aus frischem Substrat verpassen konnte - dann alles wieder retour, und dabei aufpassen, dass keine Raupe verloren geht oder unter der neuen Erde begraben wird (ich weiß, jeder andere hätte sie einfach vor die Tür gesetzt, aber ich mag die kleinen Kerle mit ihren gepunkteten Flügeln...).


Auch hier war das Erdniveau ziemlich abgesackt:



Der kleine Kaffee hier rechts musste zusätzlich noch von sich selbst in den Topf gesäten Dorstenias befreit werden:



Das Spathyphyllum war dagegen pflegeleicht. Die alte Erde ließ sich sehr gut abschütteln. Bei der Gelegenheit konnte ich auch die winzige Zamioculcas aus dem Wurzelballen herausoperieren. Irgendwann hatte ich mal ein abgebrochenes Blatt in die Erde gesteckt, denn so kann man Zamioculcas vermehren. Nur dass die Kleine ziemlich unter der größeren Nachbarin zu leiden hatte und extrem langsam wuchs - von wegen Glücksfeder.... Jetzt hat sie ihren eigenen Topf bekommen.



Die kleine Glücksfeder mit ihrer lustigen Speicherwurzel hat jetzt ein Einzelzimmer mit neuer Erde gegen Trauermücken:







Das Spathyphyllum sah nach dem Umtopfen gleich viel glücklicher aus - und ich auch! Mein mittelgroßer Kaffee hat sogar gleich angefangen zu blühen! Danke an Patzer für diese tolle Erde!

Montag, 8. April 2013

Messerscharf

Das hier ist das wohl verkannteste Gartenwerkzeug der Neuzeit:

Das mag daran liegen, dass der natürliche Lebensraum dieses Gerätes eher in einer Küche zu finden ist als an der frischen Luft. Die Rede ist vom guten alten Brotmesser. Wenn dieses zum zahnlosen Tiger geworden ist, und das Schneiden von knackigen Krusten nicht mehr so von der Hand geht, kann es seine zweite Karriere im Garten starten. Dazu braucht es keinen dreifach gehärteten Damaszener-Stahl, die einfache Ausführung tut es auch. Denn schwaches Wurzelwerk schafft es immer noch wie sonst keiner - was ihm auf den Laib geschneidert ist, funktioniert auch draußen.

Viele Frühlingsaufgaben kann man mit ihm bewältigen: Einer der Anwendungsfälle ist das Teilen von Stauden. Hat man die erst einmal mit dem Spaten ausgehoben, macht das Messer aus einem Wurzelballen viele.

Das klappt auch bei krautig wachsenden Zimmerpflanzen, wie beim Spathiphyllum. Jetzt im Frühjahr ist Zeit für eine Inspektion: Wenn das Einblatt trotz richtiger Bewässerung (nicht zu viel und nicht zu wenig) welk aussieht und die Erde muffig riecht, sollte neues Substrat her, und zwar schnell. Wenn man gar keinen größeren Topf mehr hat, um es wieder glücklich zu machen, muss es sich zum Wohle der Schönheit unter's Messer legen. Ein Viertel des Ballens wieder mit neuer Erde zurück in den alten Topf und alles wird gut. Die anderen drei Teile kann man verschenken oder anderweitig eintopfen.

Die meisten Zwiebel- und Knollenpflanzen allerdings leben nicht so gern auf Messers Schneide. Hier ist eher Handarbeit beim Teilen gefragt.

Wer ganz neugierig ist, kann auch mal Sensemann spielen und nachschauen, wie so ein alter Wurzelballen vom letzten Jahr von innen aussieht. Die Erde der alten Tomatentöpfe oder anderer Gemüseanbauten bietet sich dafür an. Schnell mit einem scharfen Schnitt entzwei und man wird sehen, dass die Wurzeln immer an der Wand lang gewachsen sind. Jetzt kann man den Ballen von innen ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und das wenig durchwurzelte Innere auflockern und als Anzuchterde verwenden. Aus Gründen der Hygiene allerdings nicht mehr bei derselben Pflanzenfamilie, die bereits darin gewachsen ist. Sommerblumen oder Stauden vorziehen kann man aber auch in dem alten, gut abgemagerten Gemüsesubstrat. Der Rest kann in den Kompost.

Bevor man den Töpfen so zu Leibe rückt, ist zunächst noch Schichtwechsel angesagt: Man kann jetzt noch etwaigen Aufwuchs entfernen. Meine Tomatentöpfe werden immer gern von Vergissmeinnicht besiedelt, wo auch immer die Samen hergekommen sind. Da die Vertreter im Beet diesen Winter offenbar gelitten haben, bin ich froh über den an der Hauswand unverfroren überwinterten Nachwuchs. Also einfach die oberste Schicht des Topfes abgetragen - ihr ahnt es schon: Hier kommt wieder das Messer zum Einsatz. Jetzt noch schnell in kleinere Portionen reißen und ab ins Beet. So kann der Frühling doch noch sein blaues Wunder erleben. Und das Brotmesser ist reif für die Wäsche und hat sich eine Pause verdient. Bis zum nächsten Jahr.

Freitag, 28. Januar 2011

Moderne Zeiten

Aha. Das Trendbarometer hat also mal wieder Neues zu berichten und schon grübelt man, ob man jetzt völlig spießig und unmodern ist.
Nicht genug, dass uns die Mode jedes Jahr wieder zur kritischen Durchsicht des Kleiderschranks zwingt, jetzt macht  uns auch noch die Blumenindustrie ein schlechtes Gewissen.
Der Zimmerpflanzentrend geht nämlich weg vom kleinteiligen, wuseligen Blumenfenster, hin zu riesigen Solisten, je größer, desto besser.


Okay, mit ein paar Urwaldriesen kann ich auch aufwarten, aber das Wohnzimmerfenster sieht in der Tat aus wie ein Pflanzenkindergarten auf Wandertag - hier ein Babygeldbaum, dort ein Echeverien-Kindel, dazwischen auch noch ein Blattsteckling von Sansevieria cylindrica, der natürlich schief angewachsen ist und so lustig Schlagseite hat wie nach einer durchzechten Nacht.
Über all diesem unruhigen Gewimmel thront würdevoll mit eiserner Contenance der alte Geldbaum. Die ganze bunte Bagage wird darüberhinaus flankiert von zwei Sansevieria trifasciata-Töpfen, die streng und aufrecht wie Gouvernanten über die Krabbelgruppe wachen - so wie weiland Fräulein Rottenmeyer.
(Gibt es möglicherweise ein pflanzliches Pendant zum "Animal hoarding"? Ich mache mir ernsthaft Sorgen.)

Das Ganze Durcheinander würde eventuell so eben noch der Stilpolizei entgehen, wenn die Töpfe wenigstens einheitlich aussehen würden. Tun sie aber nicht. Schnäppchen, Geschenke und Fundstücke lassen sich in den seltensten Fällen in eine Uniform zwingen.

Frau Katze würde den Trendsettern sicher von Herzen beipflichten, denn die Fensterbank ist auch für ihren Geschmack viel zu voll. Wie gerne würde sie die ganze Fläche zu ihrem Catwalk umwidmen, aber immer steht ein blöder Topf im Weg und hindert beim Fliegenfangen und Meisenbeobachten.

Übersichtlich und aufgeräumt soll sich das Wohnzimmer gefälligst präsentieren mit dezent eingestreuten pflanzlichen "Accessoires":

Szene auf der Landesgartenschau Hemer 2010

Ach, Moden und Katze hin oder her, ich habe beschlossen, das Dilemma auszusitzen.
Das kann ich sowieso am besten. Auf dem Sofa, neben meinen Pflanzenkindern.

Ist es nicht bei der Haute Couture auch so, dass sich irgendwann jeder Trend wiederholt - kaum wartet man mal 20 bis 30 Jahre?
Genauso ist es auch bei Zimmerpflanzen. Kommt alles wieder - siehe Sansevieria trifasciata, die das Comeback des 21. Jahrhunderts feiert. So unmodern ist meine Fensterbank also doch nicht, halleluja!

Die als Stilmittel gehandelten Pflanzensolitäre sind auch vor allem eines: Sauteuer!
Gerade die in Würde gealterten, langsam wachsenden Vertreter, die so richtig was hermachen, sind unbezahlbar. Nie würde man sich verzeihen, so ein kostbares Exemplar zu Tode gegossen oder einer marodierenden Horde Spinnmilben überlassen zu haben.

Günstig und überall zu haben sind der altbekannte Gummibaum, Ficus benjamini, Dracaena marginata oder Schefflera.
Beim Discounter bekommt man so ein Exemplar in der Größe 1,40 - 1,60 Meter für etwa 10 Euro.
Die sind dann aber in dieser immer noch bescheidenen Größe gleich wieder am Rande von langweilig und haben nicht das Zeug, die eigene Wohnung zum Stilolymp zu erheben.
Gefragter ist da schon die Geigenfeige, Ficus lyrata. Die ist nicht allzu teuer und wächst schnell, allerdings auch schnell über ihre Verhältnisse hinaus, so dass alsbald Folgekosten in Form eines neuen Wintergartens anstehen - oder die Schere.

Extravagant und ein echter Blickfang ist die Drachenbaum-Sippschaft, nämlich die eher selten in Wohnungen anzutreffenden Dracaena deremenis, Dracaena fragrans und Dracaena reflexa. Letztere wächst sehr langsam, wird aber im Alter gigantisch. Am ehesten zum Turbo neigt D. fragrans. Alle genannten Drachenbäume kann man ganz einfach über Stecklinge vermehren, die im Wasserglas leicht bewurzeln.

Palmen oder gar Palmfarne sind extrem angesagt, aber leider relativ teuer und überdies eher empfindlich.


Zu meiner Ehrenrettung greift möglicherweise ein altes, ausuferndes Einblatt (Spathiphyllum) ein, welches das Wohnzimmer dominiert und vehement mit seinem Blattwerk ins abendliche Fernsehprogramm eingreift.
Irgendwie wirken in letzter Zeit selbst die Nachrichten so merkwürdig tropisch.

Letzten Endes gibt es doch auch Wichtigeres, als in Sachen Zimmerpflanzen jedem Trend hinterherzueilen. Ökologisch wäre das sowieso nicht - Wegwerfmentalität lässt grüßen.

Und haben nicht auch die teuren Geldbaummethusalems aus den Hochglanz-Werbebroschüren der Blumenindustrie mal ganz klein angefangen?
Vielleicht als Blattsteckling in einem winzigen Topf, so wie meine Kindergartengruppe.