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Mittwoch, 26. Februar 2014

Vogelschutzgebiet Terrasse

Discounter sind tödlich. Für Pflanzen jedenfalls. Wer schon einmal nur wenige Tage nach Erscheinen eines floralen Schnäppchens nachgeschaut hat, wie es den armen Angebots-Opfern geht, sieht oftmals nur noch ein bisschen Grün - falls es sich beispielsweise um Sukkulenten handelt. Andere Pflanzen haben meist nicht so viel Glück und sehen bald ziemlich ramponiert aus.

Das hat mich schon vor vielen Jahren zum rettenden Notkauf angespornt, als ich nur einen Balkon zum Austoben des grünen Daumens zur Verfügung hatte - denn da die Pflanzen im Supermarkt immer so mitgenommen aussehen, tu ich ihnen gern den Gefallen und nehme sie tatsächlich mit.

Damals musste es unbedingt ein kleiner Topf mit einem reduzierten Restposten in Form eines Strauchs sein - unschlagbar günstig, aber ein Häufchen Elend. Bei Lichte betrachtet sah das bisschen Gehölz ziemlich langweilig aus - dunkelgrüne, derbe Blätter und davon auch nicht gerade viel. Aber auf dem Etikett prangte das Zauberwort "Vogelschutzgehölz", dem ich noch nie so recht widerstehen konnte.

Also flugs den lächerlich kleinen Obulus an der Kasse gezahlt und ab auf den Balkon mit dem Patienten. Schnell neu eingetopft, fertig - das Vogelschutzgebiet im zweiten Stock war ab sofort in Betrieb.

Nur, was war das Sträuchlein denn nun überhaupt? Es handelte sich um eine Kletterspindel, aber keine von den vollständig immergrünen Arten, sondern möglicherweise um eine Euonymus japonicus - mein Exemplar behält jedenfalls nur in milden Wintern ein paar Blätter.

Wenn das gute Stück eine Hauswand oder den Terrassensichtschutz berankt, kann es sommers bestimmt so dicht werden, dass es zum gepflegten Brutgeschäft einlädt. Wurde es auf dem Balkon aber nicht. Die Kohlmeise kam trotzdem zum Nisten, wollte allerdings mit dem kleinen Euonymus nichts zu tun haben.

Schließlich zog ich um in ein Haus mit Garten und die Kletterspindel hatte schon wieder Glück: Sie durfte mit und nun richtigen Erdboden spüren, an der Terrassenwand. Sie kletterte auch brav ein bisschen daran herum, wurde immer höher, war aber nie ganz dicht. Geschlagene zehn Jahre lang hat meine Euonymus auf das Vogelschutzgehölz gepfiffen.


Letzten September dann kam ihre große Sternstunde: Es wurde geblüht, sehr zur Freude der hiesigen Randgruppen der Insektenwelt - der Wespen und Schmeißfliegen. Wochenlang herrschte reger Flugbetrieb - die ansonsten fliegenfangenden Wespen schlossen vor lauter Nektarrausch sogar Waffenstillstand mit der in Massen anwesenden Beute.
 

Im Winter öffneten sich die Früchte schließlich und man sah deutlich die Verwandtschaft zum heimischen Pfaffenhütchen, welches ja auch Rotkehlchenbrot genannt wird.



Nun doch mal endlich richtig Vogelschutz? Nun ja, seht selbst: Jetzt Ende Februar haben die Früchte deutlich an Spannkraft eingebüßt und hängen immer noch unangetastet herum.


Schade. Aber sei's drum - sowohl die Büte als auch die kleinen Früchtchen haben mir sehr gefallen, außerdem ist es vielleicht doch nur die Nähe zum Wohnhaus, die die Rotkehlchen von der Einweihung meines Vogelschutzgehölzes abhält.

Falls ihr also im Discounter einmal so einem notleidenden Strauch begegnet, rettet ihn ruhig und berichtet mir bitte, wie eure Erfahrungen mit seiner Naturschutztauglichkeit sind. Sachdienliche Hinweise nehme ich gerne entgegen!

Mittwoch, 10. Juli 2013

Das Gutschein-Paradoxon


Jeder Hobbygärtner kennt es sicher: Das Gutschein-Paradoxon. Auch unter dem Namen Kaufrausch-Kalamität bekannt, bezeichnet es den geistigen Zustand von Personen, die mit einem wie auch immer gearteten geldwerten Vorteil bewaffnet ein Gartencenter betreten. Äußere Anzeichen sind ein irrer Blick und das hastige Hin-und-Her-Rennen mit dem Einkaufswagen, um nur kein Objekt der Begierde zu verpassen. Zu diesem Syndrom gehört auch der sofortige Verlust der Grundrechenarten. Der Patient neigt dazu, vor allem die simplen Gesetze der Addition und Multiplikation unverzüglich zu vergessen. 

So kommt es dann, dass im Vollbesitz eines Gutscheins stets ein jeder Betrag ab- statt aufgerundet wird, vor allem bei Schwellenpreisen, so dass dieser raffinierte Schachzug des Einzelhandels seine psychologische Wirkung zeigt. Aus 1,99 Euro wird dann ganz schnell 1,00 Euro, vier mal 1,99 sind also schlappe 4 Euro (Herr Adam Riese würde sich im Grabe umdrehen) - und weiter geht's im Fieberwahn, denn nichts ist schöner, als das Geld anderer Leute auszugeben.


Wer dann am Ende nur das doppelte bezahlen muss, hat noch einmal Glück gehabt. Natürlich war dann in unserer Wahrnehmung alles umsonst, denn wer könnte noch genau beziffern, was von den Waren von dem Gutschein bezahlt wurde und was nicht? So hat man immer noch ein gutes Gefühl. Auch das ist ein Charakteristikum des Gutschein-Paradoxons.
In Gartencentern ist dieser Gemütszustand ein besonders tückisches Problem. Es gibt schließlich so viele Kleinigkeiten zu kaufen. Da gibt es verschiedenste vermeintlich nützliche Gartengeräte, zu jeder Jahreszeit Blumenzwiebeln und Sämereien, sowie zu allem Überfluss auch noch Topfpflanzen bis zum Horizont. Und alles so schön bunt hier. Wer will da noch standhaft bleiben?


Wenn man ein neues Beet oder gar einen ganzen Garten mit Leben füllen muss, hat man es gut und kann beruhigt aus dem Vollen schöpfen. Wenn die winzige Anlage aber schon an Völlegefühl leidet, kann so ein Kaufrausch für die Pflanzen sehr unbequem werden. Kaufe ich mir zum Beispiel ein neues Tränendes Herz, gibt es am Ende bei den schon vorhandenen Pflanzen - und bei mir sowieso - nur ein blutendes. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Ausdehnung meines Gartens in der Erinnerung stets proportional zur Entfernung von ihm steigt - also bilde ich mir immer ein, ich würde noch massenhaft freie Pflanzplätze von der Größe eines mittleren Marktplatzes haben. 


Um mir und meinen Stauden also viel Kummer zu ersparen, habe ich mit den Jahren ein paar Strategien zur Vermeidung von pflanzlichen Spontankäufen entwickelt, für die ich eigentlich keinen Platz mehr habe. Zum einen reise ich mit dem Fahrrad an, dann kann man nicht so viel mitnehmen.
Außerdem halte ich mir immer vor Augen, dass so ein Gutschein nicht sofort das Zeitliche segnet, wenn er nicht komplett ausgegeben wird. Mittlerweile kann ich mir so etwas gut einteilen, denn was ich vor allem brauche, ist torffreie Blumenerde, und das immer wieder. Die ist nicht so billig wie die böse herkömmliche, aber durch Gutscheine wird der Gemüseanbau im Topf zum wahrhaft kostenlosen Vergnügen. Ein 20-Liter-Sack passt übrigens prima und unfallfrei auf den Fahrradgepäckträger!

 
Viel lieber kaufe ich sowieso auf Pflanzenbörsen, Sammler- und Staudenmärkten, wo es mehr Raritäten gibt als im Baumarkt um die Ecke. Für seltene Stauden, die man auf einem schönen Ausflug gekauft hat, tut man einfach alles und reißt sich ein Bein für sie aus. Oder einen Frauenmantel. Für diese Veranstaltungen gibt es leider selten Gutscheine. Sonst wären wir Gärtner aber auch wirklich hoffnungslos verloren - das Gutschein-Paradoxon lässt grüßen...

Mittwoch, 6. April 2011

Alarm im Supermarkt

Warum ist das nur so? Warum haben wir immer das Gefühl, bei den Angeboten beim Discounter gibt es was geschenkt?
Das ist vor allem bei Pflanzen der Fall und bei sämtlichem Gartenzubehör sowieso.


Die Supermarktketten scheinen uns willenlose Gärtner auch bestens zu kennen - locken sie doch im tiefsten Winter mit Rosenangeboten für nicht mal einen Euro, wenn wir für alles lebendige Grün noch anfälliger sind als für eine Erkältung.


Ganz schlimm wird's, wenn man seinen Garten erst ganz neu einrichten muss. Was habe ich zu der Zeit nicht alles herausgeschleppt bei allen nam- oder zweifelhaften Läden der Umgebung.
Besagte Ein-Euro-Rosen und zwar derer gleich drei, von denen nur eine überlebte.
Eine Spiraea im Miniaturformat, die sich später als echter Überraschungsgast entpuppte und eine Purpurbeere wurde.
Stauden, die von den Schnecken begeisterter empfangen wurden als von meinem Garten, und schon am ersten Abend gegessen waren. Oder solche, die nur einen äußerst minimalistischen Wurzelballen hatten. Das Ergebnis war dasselbe, nur ohne dabei die Schnecken satt zu machen.
Tonnenweise billige Narzissenzwiebeln - doch sie tanzten nur einen Frühling.
Frauenmantelrhizome in befremdlichen Verpackungen - die wuchsen sogar an! Das war ungefähr eine Woche, bevor ich entdeckte, dass mein neuer Garten voll mit Frauenmantel war. Er bestand fast nur aus Frauenmantel.

Damit man also sein Geld nicht ständig zum Fenster herauswirft, habe ich folgende Tipps:

  • Neue Gärten langsam kennenlernen, bevor man Pflanzen kauft, die schon da sind, oder beim Einpflanzen alteingesessene verhackstückt.
  • Keine Billiggeräte kaufen. Bei Rosenbögen zum Beispiel ist ihre Haltbarkeit in etwa proportional zu ihrem Preis. Ab einem gewissen Niveau ist allerdings keine weitere Steigerung mehr zu erwarten - Swarovski-Kristalle tragen schließlich wenig zur Stabilität bei. Leider verhält sich unsere Kauflust umgekehrt proportional zum Preis, aber da muss man durch, wenn's lange halten soll. Wenn es doch einer dieser berüchtigten Unter-10-Euro-Bögen sein soll, dann besser erst mit einjährigen Kletterern testen, denn eine Kletterrose aus den Trümmern zu operieren ist kein Spaß, für alle Beteiligten.
  • Lernen, was Schnecken wollen, und das dann möglichst nicht kaufen.
  • Stauden vorsichtig im Laden aus ihrem Topf ziehen. Ist der Wurzelballen kompakt? Oder gar verfault? Gibt es überhaupt einen, der diesen Namen verdienen würde?
  • Wenn die Pflanze nur so mitteldringend sein muss, lieber noch eine Nacht drüber schlafen. Hat man eine schlaflose, weil man sich Sorgen macht, ob die Pflanze auch am nächsten Tag noch zu haben ist, kann man sie beruhigt kaufen.
  • Die Wettervorhersage beachten - sinken die Temperaturen und damit auch die Überlebenschancen der neuen Pflanze?
  • Discounter sind grundsätzlich wasserscheu, will sagen: Pflanzen, die nicht sofort gekauft werden, sterben in Bälde einen grausamen Vertrockungstod. Auch wenn hier aus unserem Mitgefühl Profit geschlagen werden soll - hart bleiben beim Anblick der floralen Elendsquartiere. Man kann auch handeln - und so manche Wackelkandidaten habe ich auf Nachfrage sogar geschenkt bekommen.
  •  Wenn es wirklich nur ein klitzekleiner Einkauf werden soll, empfiehlt es sich, keinen Einkaufswagen zu nehmen. Wer erstmal genug Joghurtbecher waghalsig auf den Armen balanciert und mit dem Kinn abstützen muss, wird sich nicht noch einen Staudentopf mit Erde darin aufhalsen wollen. Die Gefahr des kompletten Einstäubens mit Erdkrümeln steigt stets proportional zur Länge der Kassenschlange, die sich prächtig unterhalten fühlen wird.

Sollte doch ein Malheur passiert sein, hilft nur noch eins: Standortbedingungen des Neuzuganges beachten, damit es ihm an nichts mangeln wird.
Bei anderem Gartenzubehör wie einem Rosenbogen hilft selbst das nicht, da kann man nur hoffen, dass er möglichst lange Haltung bewahrt, wenn wir das schon nicht schaffen beim nächsten Besuch im Supermarkt...


PS: Dieser Beitrag soll nicht suggerieren, dass die Qualität der Pflanzen beim Discounter grundsätzlich schlecht ist. Das ist sie nicht, man muss nur genau hinschauen und überlegen, ob man wirklich noch Platz hat für die floralen Verführer.

      Sonntag, 10. Oktober 2010

      Die Wucht in Tüten

      Schrecklich, diese Maßlosigkeit. Diese Mitnahme-Mentalität meinerseits.
      Wo soll das noch hinführen?
      Ich schäme mich sehr - habe ich doch gestern schon wieder nicht widerstehen können und Blumenzwiebeln gekauft, obwohl eben diese meinem Garten schon zu den Ohren wieder herauskommen.

      Aber zu meiner Verteidigung kann ich anführen, dass die Gebrüder Albrecht diese Zwiebeln seit Ende August anbieten - ich also schon seit über einem Monat erfolgreich dieser Versuchung getrotzt habe, und das war gar nicht leicht.

      Nun verhält es sich so, dass das Sortiment an Blumenzwiebeln immer mal wieder ergänzt wird durch gewisse modische Neuheiten. Und wie das oft so ist mit diesen Neuentdeckungen für den Garten: Was der Gärtner nicht kennt, das pflanzt er nicht. Kaufen erst recht nicht.

      Während also die altbekannten Lieblinge, die den Frühling erst zum Frühling machen, ziemlich plötzlich ausverkauft sind, bleiben die anderen, die sich womöglich noch erdreisten, erst zu den Eisheiligen zu blühen und nicht schon im März in Schnee und Eis, einfach links liegen.

      Bei Krokussen, Narzissen und Tulpen weiß man schließlich, was man hat: Die Tulpen und Narzissen werden im ersten Jahr alles geben und wunderbar blühen, im zweiten Jahr eventuell gar nicht mehr auftauchen oder nur Blätter zeigen. Egal - da weiß man, worauf man sich einlässt. Und eben weil sie sich so gern vom Acker machen oder im Falle der Tulpenzwiebeln in Wühlmausmägen landen (falls man kein Alcatraz aus Kaninchendraht um sie herumbaut) braucht es auch ständig Nachschub.

      Was in unserem Außenposten des Albrecht-Imperiums aber jedes Jahr auf's neue wie Blei im Regal liegenbleibt, ist der Goldlauch (Allium moly). Eigentlich eine schöne kleine Pflanze für auch feuchtere Böden, blüht aber erst im Mai. Da sie zudem noch zum Wuchern neigt, kauft man sie nicht zweimal.
      Schnell werden diese Zwiebeln daher zur Bückware und jede Woche sinkt ihr Preis.

      Dieses Jahr haben sie zur Abwechslung einmal Leidensgenossen, die ihnen Gesellschaft leisten: Die Prärielilie (Camassia cusickii). Die blüht ähnlich spät, passt also auch nicht ins typische Frühlingserwachen-Spektakel.
      Außerdem ist sie noch unbekannter als der kleine Goldlauch. Erschwerend kommt hinzu, dass auf der Packung noch nicht mal ein deutscher Name abgedruckt ist - sehr suspekt.

      Für beide sank nun der Kurs beständig, bis sie mittlerweile bei sagenhaften 10 Cent (in Worten: Zehn Cent!) pro Beutel angekommen sind. Dafür bekommt man drei äußerst feiste Prärielilien-Zwiebeln.



      Ob die Druckstellen allerdings so förderlich sind? Man wird sehen, wie sie sich entwickeln.

      Zwei Beutel habe ich mitgenommen, denn auf einem Bein kann man nicht stehen.

       
      Das darf man doch auch eigentlich nicht mehr kaufen nennen, das fällt eher schon unter lebensrettende Maßnahmen, denn noch ein paar Wochen später werden sie vermutlich auch aus dem untersten und vergessensten aller Regale verbannt und dem Müll überantwortet. Das will doch kein Pflanzenfreund, der etwas auf sich hält, auf dem Gewissen haben.
      Außerdem habe ich noch überhaupt keine Prärielilien. Goldlauch schon.

      Wenn ihr also noch eine oder mehrere dieser Arten braucht - schaut doch einfach einmal nach, im entlegensten Winkel eures Supermarktes werdet ihr vermutlich fündig. Zu einem Preis, der ihrer zwar nicht würdig ist, aber über Leben und Tod entscheiden wird. Holt sie da raus!

      Samstag, 10. Juli 2010

      Überraschungsei

      Als Gartenanfänger ist man sehr empfänglich für vermeintliche Schnäppchen und auch ich konnte in meinem ersten Garten(vor)frühling nicht widerstehen, als die Gebrüder Albrecht im eisigen Februar wurzelnackte Rosen zum Kampfpreis von 99 Cent das Stück anboten.
      Da hatte ich mir den ganzen Winter den sozusagen als Weihnachtgeschenk erworbenen Second-Hand-Garten durch die Wohnzimmerfensterscheibe angesehen und brannte förmlich darauf, mein Revier zu markieren, und zwar mit der ein oder anderen Pflanze. Rosen sollten es sein, jawoll.
      Leider glänzte ich noch durch völlige Ahnungslosigkeit und konnte gerade mal Wildrosen vom Rest der Sippe unterscheiden.
      Da standen sie also im Supermarkt, spottbillig und hübsch etikettiert. Zumindest mit bunten Bildchen, von Sortenbezeichnungen keine Spur. Draußen tobte zwar noch der Winter, aber umso verlockender wirkten eben jene bunten Schildchen.
      Also nicht lang gezögert und mal schnell drei Exemplare in den Einkaufswagen geworfen. Zwei Kletterrosen und eine rosafarbene Bodendeckerrose sollten es sein. Kosteten ja nicht die Welt und der neue Garten war doch noch so leer.
      Tja, aber wie pflanzt man die, in den Schnee etwa? Das Warten auf besseres Wetter mussten die Kandidaten also erstmal im Haus erledigen. Was ihnen schon mal gar nicht gut bekam.
      Dann endlich war ihre große Stunde da - ab in den Garten!
      Die Kletterrosen verschwanden sofort sang- und klanglos im Rosennirvana. Da war nichts mehr zu machen. Nach einem zögerlichen Austrieb, dem ich Durchhalteparolen einflüsterte, kam das große Welken. Die waren fertig mit Schönschreiben. Völlig fertig. Die waren reif für den Kompost.

      Nur die kleine Bodendeckerrose hielt eisern durch. Diese kleinen Kerlchen, Marke Fußangel, die man so gern in öffentliches Grün pflanzt, sind einfach nur zäh. Die kann man so schnell nicht umbringen, so viele Fehler man auch nacheinander macht. Meine Billigrose jedenfalls hat mir nichts übel genommen.
      Hellrosa wie auf dem Beipackzettel abgebildet war sie zwar nicht, aber immerhin Pink. Und bodendeckend - diese Information stimmte. Im professionellen Bodendecken konnte ihr so schnell keiner was vormachen, so dass ich ihr ewiges Abhängen auf anderen Pflanzen und Gegenständen irgendwann nicht mehr mit ansehen mochte.


      Über den Wuchshabitus von Kleinstrauchrosen hätte ich mich wohl besser vorher erkundigt, aber die Situation konnte doch noch zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten gerettet werden. Das Röschen wurde einfach aufgebockt. Am metallenen Obelisken steht sie seither erhaben über allem Irdischen und schwingt sich zu den Blüten des Wiesenstorchschnabels auf, mit dem sie so wunderbar harmoniert.


      Dummerweise muss ich zwanghaft alles beim Namen nennen können, was Flora oder Fauna entstammt. Überraschungseier aus dem Supermarkt machen es einem in der Beziehung nicht leicht.

      Die späte Blüte ab Juli, die feinen weißen Streifen in der nicht ganz gefüllten Blüte und die Büschel in Pink lassen einen gewagten Sortenvorschlag zu: Es könnte eine Lovely Fairy sein. Wer eine bessere Idee hat, kann sie mir gerne mitteilen, bis dahin werde ich sie mit ihrem jetzigen Arbeitstitel anreden.


      Immerhin ist sie gesund. Bei namenlosen Billigrosen kann man nämlich nicht sicher sein, welche Folgekosten auf einen zukommen. Antipilzmittel, um dem sommerlichen Blattfall vorzubeugen, sind jedenfalls nicht billig und machen noch dazu viel Arbeit.
      Da habe ich also noch mal Glück gehabt. Ich würde es auch nicht wieder tun, ganz ehrlich. Für derlei Experimente ist mein Garten einfach zu klein. Meine nächsten Rosen hatten alle einen Namen, einen Stammbaum sogar, sowie ein Züchteretikett. Die sind zwar teurer (wurzelnackt aber auch noch relativ günstig), aber man weiß wenigstens, was man kriegt - in Punkto Farbe, Duft, Blütenform und Blattgesundheit.
      Außerdem kann man sie mit Namen anreden.

      Dienstag, 1. Juni 2010

      Überleben im Gartencenter

      Hand auf's Herz: Wer kennt ihn nicht, den Kaufrausch im Gartencenter? Eigentlich wollte man nur gerade mal schnell ein Tütchen Rucola-Samen kaufen, Kostenpunkt noch nicht mal ein Euro. Oder nur mal kurz schauen, wo der Hammer hängt und was er kostet. Oder eine Tüte Blumenerde - ist ja nützlich und man braucht nun mal jetzt neue, sonst kommen die Tomatensämlinge nicht in die Erde und man verpasst das schöne Wetter, das ihnen einen guten Start ermöglichen wird.
      Soweit, so gut, alle guten Vorsätze werden noch mal vor Betreten der heiligen Hallen in Erinnerung gerufen.
      Aber dann.... Beim Anblick all der schönen getopften Sommerblumen, Raritäten wie panaschiertem Salbei oder Stauden, die man schon immer mal haben wollte, geht einem die Contenance schneller verloren, als man "Rose" sagen kann.

      Dann erblickt man zu allem Überfluss auch noch das magische Wort "Reduziert" am nächsten Regal!
      Wer kann da schon widerstehen?


      Zuhause kommt dann das jähe Erwachen aus dem Gartencenterkoma: Eigentlich hat man doch gar keinen Platz mehr!
      Ganz perfide ist das im zeitigen Frühjahr - der Gärtner lechzt sowieso nach Grün und ist dem Kaufrausch noch viel rapider erlegen, aber der Garten liegt noch halb im Winterschlaf und man erblickt überall vermeintlich freie Plätze im Beet! Natürlich passt doch da noch die neu erstandene Christrose hin?
      Den Anblick just dieser Stelle im Sommer (der Ausdruck "Grüne Hölle" wäre hier passend) hat man bereits geflissentlich vergessen. Man kann sich nicht alles merken. Schon beim Pflanzen der Staude wird einem dann doch etwas mulmig zumute. Sollte es auch, denn der Tod durch Verschatten lauert im Untergrund - schon in ein paar Wochen wird der Frauenmantel aus der Winterruhe erwacht sein und dem Neuankömmling zeigen, was 'ne Harke, pardon: ein Blatt ist. Alchemilla kennt da keinen Spaß.

      Ein paar Tricks gibt es aber doch, wie man den Schaden einigermaßen in Grenzen halten kann:

      Tipp 1: Am besten jemanden mitnehmen, der einem ins Gewissen redet. Ehemänner eignen sich ganz hervorragend für diese Aufgabe. Die wollen sowieso eigentlich nur in die Werkzeugabteilung, und das bitte plötzlich. Da haben sie dann ihren ganz eigenen Kaufrausch, aber wenigstens wir sind dann nicht schuld am Kollaps des Bankkontos.

      Tipp 2: Mit dem Rad zum Gartencenter/Baumarkt fahren. Ist sowieso gesünder, falls man nicht gerade an einer vierspurigen Straße langradeln muss. Einen Parkplatz findet man sofort, direkt am Eingang. Wenn man sich die Ausmaße von Gepäckträger und Rucksack immer wieder plastisch ins Gedächtnis zurückruft, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und nicht mogeln - die Seitenpacktaschen vom letzten Radurlaub bleiben selbstverständlich daheim - man möchte ja schließlich bei der nächsten Tour keine Erdkrümel in der Wäsche haben.
      Wird es doch ein bisschen mehr als gedacht, sollte man es sportlich nehmen. Mit dem Auto einkaufen kann ja jeder, aber nichts erfüllt einen so mit Stolz wie der erfolgreiche Tranport eines Sacks Blumenerde auf dem Fahrradgepäckträger! Es geht, ich habe es ausprobiert! 20-Liter-Säcke sind ein Kindergeburtstag.
      Alternativ funkioniert der Trick natürlich auch mit Bus&Bahn - da fehlt dann auch noch der Gepäckträger.
      Ganz Mutige gehen gleich zu Fuß.
      Es sei an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt vor Freunden mit Minibussen!

      Tipp 3: Wenn der Kaufrausch sich partout nicht vermeiden lassen will, sollte man ihm besser antizyklisch nachgeben. Pflanzen, die gerade frisch und blühend hereingekommen sind, sind erstmal teuer. Werden die Bestände dann langsam reduziert, reduziert sich meistens auch der Preis. Am besten geht das zu fortgeschrittener Jahreszeit - ab Oktober kriegen die Händler Panik und halbieren die Preise von Gehölzen und Stauden, bevor sie am Ende alles wegwerfen müssen.
      Ebenso fällt der Preis mit der Anzahl der Blüten. Ist die Blühsaison einer Pflanze vorbei, bekommt man sie fast hinterhergeschmissen. So konnte ich dieses Jahr schon eine Christrose für noch nicht mal 30 Cent statt 2,99 Euro ergattern (was dann geschah, siehe oben)!

      Vor allem Tipp 2 funktioniert übrigens ganz besonders gut bei Gartenfestivals jeglicher Couleur!



      Man hat eine schöne Radtour und gleichzeitig vermeidet man den Pleitegeier mangels Stauraum.
      Es sei denn, die Händler liefern neuerdings auch schon frei Haus, dann hat man den Salat....

      Wie man den Kaufrausch im Internet verhindert, steht freilich auf einem anderen Blatt.