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Samstag, 12. Juni 2021

Die Milch macht's: Blumenpott zum Beschriften

Es ist ein ewiger Kampf: Wer ist umweltfreundlicher, die Glasflasche oder das Tetrapak? Während mir beim Tetrapak noch nicht mal die Wahl des richtigen Artikels klar ist (der, die oder das Tetrapak - wer mich fragt, bleibt dumm), kommt es bei der Nachhaltigkeit drauf an, wen man fragt. Die Glasflasche ist schwer, aber kann wiederbefüllt werden. Doch, so unken einige, soll beim Waschen der Flasche Mikroplastik frei werden, weil die Schrubberbürsten aus Plastik sind. Beim Tetrapak ist die Sache klar: Mehrweg ist nicht drin, in der Wertstoffsammlung (auch so ein herrlicher Euphemismus für Müll) müssen die Materialien Papier und Aluminium aufwendig voneinander getrennt werden, möchte man die Komponenten wiederverwerten.


Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, Milch in der Glasflasche zu kaufen, doch gibt es die nicht überall. Gerade beim Camping, wenn man dabei auch noch mit dem Fahrrad einkauft, kann man sich den (Bio-)Laden nicht immer aussuchen. Die Frage bleibt also: Tetrapak - Lichtgestalt oder Umweltsau?

Eine bekannte Landzeitschrift hat neulich gezeigt, wie man aus Tetrapaks Dinge bastelt. Das wurde ein großer Erfolg, schon waren die Dinger geadelt und wurden zur begehrten Bastelpappe, die noch dazu quasi umsonst zu haben ist.

Die Herstellung eines Blumentopfes aus einer leeren Milchpackung ist ganz einfach: Man schneidet sie auf der gewünschten Höhe durch und reißt die bunte bedruckte Oberfläche ab. Darunter kommt die braune Pappschicht zum Vorschein. Dann kreempelt man den oberen Rand ein paar mal um, damit die nicht immer gerade Schnittkante versteckt wird. Fertig ist ein Über- oder Pflanztopf.



 

Die mit der Alubeschichtung halten das Wasser auch ewig, aber es gibt noch eine Variante, die ohne das in der Gewinnung nicht so umweltfreundliche Metall auskommt. Diese Tetrapaks sind innen mit Pflanzenkunststoff auf Zellulosebasis beschichtet, der Karton ist aus Recyclingpapier. Meist findet man diese Kartons befüllt mit Frischmilch. Dabei muss der Pflanzenkunststoff auch nicht so lange halten wie bei H-Milch. Trotzdem müssen diese Kartons in der Gelben Tonne entsorgt werden, und man fragt sich, ob das Recycling hierbei überhaupt klappt oder ob stattdessen die thermische Verwertung ins Spiel kommt (mein anderer Lieblings-Euphemismus für Verbrennen)?


Daher hatte ich kein schlechtes Gewissen, die Blumenpötte aus diesen Kartons mal genauer zu testen. Tatsächlich zersetzt sich die innere Schicht irgendwann, wenn der Topf bepflanzt wird, und Wasser läuft aus. Es funktioniert also, die Zelluloseschicht zersetzt sich.

Die Töpfe lassen sich auch prima als Geschenkverpackung nutzen, die man beschriften kann, dazu reicht ein Bleistift. So kann der Beschenkte nicht vergessen, welche Pflanze da wächst.

In dem alubeschichteten Topf, den ich als Vergleich bepflanzt habe, wächst übrigens Dorstenia hildebrandtii aus Afrika. 



Dieses wirklich ulkige kleine Gewächs ist eine Caudex-Pflanze, das heißt, sie speichert Wasser für schlechte Zeiten in ihrem Stamm. Der ist auch schon ziemlich aufgebläht. Dorstenias sind Maulbeergewächse mit bizarren Blüten und nicht im Handel zu finden, nur auf Kakteenbörsen wird man fündig. Meine habe ich aus Samen gezogen, was sehr einfach geht. Obwohl sie Wasser speichern kann, ist diese Pflanze aber doch recht schnell schlapp, wenn man sie zu wenig gießt. Daher kann sie auch in diesem Tetrapak-Topf ohne Abzugsloch wohnen, ich habe sie noch nie überwässert. Schon nach einem halben Jahr bildet die Pflanze kleine Duschköpfe aus - das sind die bizarren Blüten Marke Dorstenia:





Was haltet ihr von den DIY-Töpfen aus Milchkartons, habt ihr sie schon mal selbst gebastelt?


Samstag, 23. Dezember 2017

Kaffee auf Rädern

"Oh, wer um alle Rosen wüßte, die rings in stillen Gärten stehn - oh, wer um alle wüßte, müßte wie im Rausch durchs Leben gehn." Und so weiter und so fort. So schrub weiland Christian Morgenstern. Wir kennen das Gedicht, zumindest den Anfang, sicher alle, denn es wird nur allzu gern zitiert. Vor allem in der Gartenliteratur. 

Mir fällt eine Variante dazu ein: "Oh, wer um all die Samen wüsste, die rings in stillen Kammern stehn, oh, wer um alle wüsste, müsste ganz beschämt durchs Leben gehn". So ist es nämlich und ich bin keinen Deut besser, denn auch ich habe schubladenweise Blumen- oder Gemüsesamen herumliegen, die für immer ungesät bleiben werden, oder wenn doch gesät, dann nach all der Zeit bestimmt ungekeimt.


Das finde ich irgendwie nicht nett und habe deswegen auch ein ganz schlechtes Gewissen.

Und dann wiederum sammle ich von anderen Pflanzen keine Samen, weil ich denke, dass sie ewig leben. Wenn sie dann doch überraschend das Zeitliche segnen, fühle ich mich schuldig, und all die anderen in der Schublade vor sich hin alternden Samen sind kein Ersatz für die verlorengegangene Pflanze.

Nur bei meinem Kaffee (Coffea arabica) gehe ich immer auf Nummer Sicher und lege mir beizeiten eine Sicherungskopie zu. Das geht aber nur bei Kaffeebohnen in the green, denn die Saat bleibt nicht lange keimfähig und eine Samenbank würde rein gar nichts bringen, außer die Schublade noch mehr vollzustopfen.


Dieses Jahr bin ich noch einen Schritt weitergegangen mit meinen Sicherungsmaßnahmen und habe Mutter- und Tochterpflanze umgetopft in Selbstbewässerungstöpfe. So müssen sie keinen Durst erleiden und leben hoffentlich länger.

Die kleine Version hat diesen lustigen Topf bekommen, bei dem ein grünes Blümchen anzeigt, ob der Untersetzer Wasser braucht. Ist die Blume sichtbar, ist alles in Ordnung, verkriecht sie sich, muss man Wasser unten einfüllen, das mit Hilfe eines Dochtes zu den Wurzeln hochgezogen wird.



Die große Pflanze habe ich zum Coffee to go umgebaut, bzw. Kaffee auf Rädern: Der fahrbare Untersatz ist praktisch, weil er ein großes Volumen bietet und mobil ist. Die Pflanze ist mittlerweile so stattlich geworden, dass ich ihr nicht mehr mit mickrigen Topfgrößen kommen kann und sie auch nicht ständig hochheben möchte, wenn unter ihr geputzt werden soll. Und den alten Topf beim Putzen mit dem Fuß wegzuschieben machte immer ein nervenzerfetzendes Geräusch...




Und so haben jetzt beide Kaffeepflanzen zu Weihnachten ein neues Unterteil bekommen und werden hoffentlich steinalt. Der große funktioniert sogar als Weihnachtsbaum - rote Kugeln hat er ja schon!


Mit diesem in alter Tradition gänzlich unweihnachtlichen Artikel (und ich hab's wirklich versucht - man beachte die Lichterkette im Kaffee!) möchte ich euch aber doch auch Frohe Weihnachten wünschen!

Samstag, 9. Januar 2016

Cooler Kaktus

Ich mag Kakteen nicht so gerne - und das beruht auf Gegenseitigkeit. Es liegt nicht an ihrem unnahbaren Wesen oder ihrem Aussehen.


Der eigentliche Nachteil bei den pieksigen Dingern ist, dass ich nie weiß, wann ich sie gießen muss. Wann war noch mal das letzte Mal gewesen? Egal ob zuwenig oder zuviel Wasser, Herr Kaktus sieht für Monate im Voraus erst einmal immer gleich aus. Wo andere Pflanzen immerhin anklagend die Blätter hängen lassen, sind Kakteen das pflanzengewordene Pokerface. Erst wenn es wirklich zu spät ist - und sie entweder verschrumpelt oder verfault sind - dann sieht man, dass man etwas ganz gehörig falsch gemacht hat.

Und wegen dieser negativen Erfahrungen, von denen mein grüner Daumen heute noch ganz schlimm traumatisiert ist, habe ich zunächst weggesehen, als beim Discounter im Kakteen-Schleuderpreis-Regal ein wirklich winziges Ästchen von einem Stachelritter abgebrochen herum lag. Man kann sie nicht alle retten, oder? Schon kurz vor der Kasse aber hatte mein schlechtes Gewissen dann doch die Oberhand gewonnen und ich habe die Kaktus-Gliedmaße in die Jackentasche gesteckt. Wäre ja sowieso im Müll gelandet.
Der kleinste Topf, den ich finden konnte, wurde sogleich mit einem Sand-Erde-Gemisch gefüllt, und der Zwerg hineingesetzt. Den Sommer über stand er draußen und er wuchs tatsächlich! Mein grüner Daumen war ein bisschen versöhnt.


Der kleine Kerl verzweigte sich hübsch, hatte kuschelweiche Stacheln und war wohl ein Rhipsalis pilocarpa. Den Winter musste er auf der Fensterbank verbringen, wo eine lobenswerte Eigenschaft auffiel: Der Kaktus wurde recht schnell schrumpelig und bekam Falten, wenn die Gießkanne mal wieder in Erscheinung treten sollte. Perfekt, so kann man auch als Kakteenanfänger nicht viel falsch machen - diese Spezies meldet sich wenigstens rechtzeitig!

Im Herbst habe ich dieser wunderbaren Persönlichkeit einen größeren Topf gegönnt. Weil seine Rastazöpfe mittlerweile so lustig herunterhingen, hat er als Übertopf eine weiße Tasse mit Piercing bekommen aus der man sowieso wegen des Lochs nicht trinken konnte ohne sich zu bekleckern. Mit Porzellanfarbe habe ich dem kleinen Rastafari ein Lachgesicht unter seiner Frisur verpasst. Das Piercing hatte endlich einen Sinn.


Der lustige Rhipsalis hat sich sehr über den neuen Topf gefreut und gleich einen Bad-Hair-Day bekommen. Die vier Senkrechtstarter-Zweige wachsen rasend schnell und werden sicher auch bald herunterhängen und sich verzweigen.


Die hübsche, haarige Pflanze hat mich zwei Dinge gelehrt: Nicht alle Kakteen haben ein Pokerface und manche lassen sich wunderbar durch abgebrochene Zweige vermehren.

Haltet beim nächsten Supermarktbesuch also unbedingt die Augen auf!

Samstag, 24. Januar 2015

Top­f-Fa­vo­rit

Im Winter, wenn kein störendes Grün draußen vom Anblick der warmen Seite des Wohnzimmerfensters ablenkt, sieht man erst das ganze Ausmaß des Gedränges: Meine Zimmerpflanzen-Zwangswohngemeinschaft ist die reinste Ellbogengesellschaft. Die Aloe vera versucht mit ihren bewaffneten Krakenarmen die Pfefferminzgeranie von der Fensterbank zu schubsen, diese wiederum bemüht sich nach Kräften, die kleineren Nachbarn mit ihren Stinkeblättern zum Verduften zu bringen. Das Brutblatt schließlich arbeitet eher auf subversive Art an der Weltherrschaft, indem es seine Kindel in jeden erreichbaren Blumentopf fallen lässt.

Und zwischen all den grünen Verdrängungswettbewerbern erblickt man des Öfteren ein schwarzes Raubtier auf einem Kissen, das so manche zu übermütige Pflanzen durch gnadenloses Zerbeißen in die Schranken weist und so punktuell für die Wiederherstellung des biologischen Gleichgewichts sorgt.

Doch der Mikrokosmos Fensterbank droht trotz Katzenschützenhilfe des Öfteren aus dem Lot zu geraten. Pflanzen, die sich nicht teilen lassen oder mit Hilfe von Kindeln nicht immer wieder bei Null anfangen können, brauchen früher oder später einen größeren Topf, da hilft auch keine Diät. Das ist dann wie in einer großen Familie, wo die älteren Kinder ihre abgetragenen Kleidungsstücke an die kleineren nach unten weiterreichen, nur dass hier nicht geschmollt wird, wenn das Grünzeug einen gebrauchten Topf anziehen soll.


Das System funktioniert eine Weile lang recht gut, bis irgendwann zu viele Pflanzen auf einmal aus ihrer Topfgröße herausgewachsen sind. Zum einen können die vielen großen Kübel gar nicht mehr alle zusammen auf der Fensterbank stehen, zum anderen ist bald ein Durchmesser überschritten, der noch komfortabel auf den Sims passen würde, ohne in Scherben zu enden.

Auch gibt es gern mal einen Engpass im heimischen Warenlager ab einem bestimmten Topfvolumen, gerade für schon fortgeschrittene Insassen.

Zum Glück schmeißt aber meine Mutter nie was weg - und man staunt, wie modern die jahrzehntelang völlig inakzeptabel gewesenen Töpfe nun wieder aussehen, kaum wartet man mal 30-40 Jahre. Ich konnte mir also aus ihrem Fundus etwas aussuchen und mitnehmen - das heißt Geld gespart und Umwelt geschont.

Dieser hier hat es als Topf-Favorit in die Endauswahl geschafft - ein relativ leichter, großer Übertopf im modischen Zebralook, der sogar aus den 50er Jahren stammen könnte. Etwas angeschlagen ist er an manchen Stellen, aber sowas verzeiht man bei dem Alter und nennt es Patina. Der Sansevierie stand er schon richtig gut, ich habe ihn dann aber doch der Ufo-Pflanze (Pilea peperomioides) - mit Spathiphyllum zur Untermiete - angezogen.


Das Platzproblem wird dadurch gelöst, dass dieser oder ein anderer Topf samt Bewohnern mit ins Büro kommt, damit er zuhause nicht etwa mit der Aloe vera um den Platz an der Sonne konkurrieren muss. Da der Zebratopf aber so gut zum Raubtier passt, darf er vielleicht sogar bleiben, mal sehen.

Schön, wenn ein Gang in den Keller die Ellbogengesellschaft ein bisschen entspannter macht!

Freitag, 11. Mai 2012

Birken-Striptease

Früher dachte ich immer: Wenn ich einmal groß bin, habe ich einen Garten mit einem kleinen Birkenwäldchen. Birken waren nämlich schon immer meine Lieblingsbäume: Schlank, licht und mit dieser unglaublich weißen Rinde ausgestattet, die ihnen so schnell keiner nachmacht.


Mittlerweile bin ich groß, aber mein Garten ist es nicht. Der wächst auch genauso wenig wie ich das in meinem Alter noch tue.


Also lassen wir das besser mal mit dem flotten Birkenhain.  Nicht, dass sie es nicht versucht hätten. Birken werden schließlich ständig frei Haus eingeflogen. Keim- und sonstige Hemmungen haben sie nicht, so dass man das Birkenwäldchen gleich gratis zum Garten dazubekommt, wenn man nicht aufpasst. Habe ich aber. Denn so klappt das nicht mit den weißen Riesen. Nicht so und nicht hier.


Und so bleibt mir nur, sie im Park zu bewundern. Mit ein bisschen Glück findet sich auch meine Lieblingsart dort: Die Himalaya-Birke (Betula utilis) mit ihrer extravaganten Rinde. Die ist schon so ein bisschen der Star unter den Parkbäumen, eine wahre Lichtgestalt ganz in Weiß und Grün.

Was sie außerdem noch auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie liebend gern die Hüllen fallen lässt. Auch vor Spaziergängern, da ziert sie sich nicht besonders. Ihre Rinde rollt sie in großen Stücken ab und lässt sie vom Winde verwehen. So kommt auch unsereins zu einem Spurenelement Birke für den eigenen Garten.


Aber was macht man dann mit der weißen Ware? Nun, man könnte jetzt natürlich den eigenen Apfelbaum als Birke verkleiden. Funktioniert nicht nur an Karneval und hätte im Winter sogar einen richtig positiven Effekt auf den Baum, denn die weiße Hülle beugt Frostspannungen im Stamm vor. Vielleicht verwirrt diese Tarnung sogar Frostspanner? 

So verlockend diese Idee auch ist, so aufwendig und wenig praktikabel ist sie leider. Man bräuchte schon viele große Stücke, um auch nur den untersten Baumbereich zu tapezieren. Hinzu kommt, dass sich die Nachbarn vermutlich scheckig lachen würden.

Also bleiben wir mal bescheiden und verkleiden einfach eine leere, ausgewaschene Konservendose. Dann sieht sie richtig edel aus und verliert etwas von ihrem industriellen Charme.


Dieser kostenlos veredelte Blumenübertopf überzeugt bestimmt jeden und ist ganz schnell hergestellt: Einfach Höhe und Umfang mit dem Maßband ausmessen, auf die Rückseite der Birkenrinde anzeichnen und ausschneiden. Entweder man schlägt anschließend Nieten in die Ecken (so eine Art Blumentopf-Mieder) oder bindet die Rinde einfach komplett mit Paketschnur an die Dose. Tesafilm tut's auch, mit Klebstoff dagegen kann man die Dose nicht mehr auswechseln, sollte sie einmal rostig geworden sein.



Da die Rinde so schön weiß ist, kann man auch prima Aussaaten darauf vermerken, schließlich wurde sie schon in alten Zeiten als Papier verwendet.

Und so kommt man auch als Kleinstgartenbesitzer zu seinem Stückchen Lieblingsbaum!


Samstag, 5. Februar 2011

Wünsch dir was!

Manchmal ist es geradezu unheimlich, wie prompt manche Wünsche doch erfüllt werden.
Und noch dazu an einem Sonntag, und zwar keinem verkaufsoffenen, wo man sich selbst mit monetärer Hilfe und entschlossenem Zücken der Geldbörse nur allerkleinste - meist kalorienhaltige - Dinge schenken kann.

Unzählige Male hatte ich bereits die sagenhaften Sperrmüllfunde anderer bewundert, doch immer wenn ich  einem solchen Ereignis beiwohnen durfte, hinderten mich irgendwelche Widrigkeiten daran, wirklich wahre Schätze an mich zu reißen.

Hinderungsgrund Nummer ein: Ich eilte gerade zur Arbeit und nahm nur noch aus dem Augenwinkel und im Halbdunkel eine möglicherweise absolut begehrenswerte alte Kommode wahr, hatte aber nun überhaupt keine Zeit, der Sache gründlich auf den Grund zu gehen.
Bei derartigen Ablenkungen hilft nur: Die Augen geradeaus, bevor man unsanft mit dem nächsten Laternenpfahl Bekanntschaft macht (stand der eigentlich schon immer da?). Naja, sicherlich waren die inneren Werte des guten Stücks halb von Moder zerfressen oder enthielten unliebsame Mitbewohner: So ungefähr tröstet sich frau dann über den entgangenen Fang hinweg.

Hinderungsgrund Nummer zwei, und das ist der weit häufigere: Der Sperrmüllhaufen sieht aus wie die Tagesproduktion eines mittleren Spanplattenwerkes mit noch dazu schlechtem Farbgeschmack. Wann waren noch mal schwarze Regale aus mitteldichter Faserplatte modern? Ach ja, die guten alten 80er. Tolle Musik, deprimierende Möbel. Auch leukoplastfarbene Küchenschränke halten sich bevorzugt an Straßenrändern auf, ebenso wie altgediente Ledersofas mit eindeutigen Spuren eines Kratzbaumes beraubter Sofatiger.

Aber man muss ja auch mal Glück haben. Letzten Sonntag war es dann endlich soweit.

Beim langen Spaziergang durch Felder, Wiesen und Schrebergärten entdeckte ich in meinem Lieblings-Kleingarten diesen zauberhaften bepflanzten Topf, absolut witterungstauglich und farblich durchaus ansprechend:


So einen großen Topf, den wollte ich auch, und zwar möglichst gestern.

Nach einer großen Schleife durch die Parkwiesen (wir waren schon etwas müde gelaufen), etwa auf gleicher Höhe des topfreichen Schrebergartens, aber einige Parallelstraßen weiter, lag plötzlich ein unförmiges, übergroßes Hindernis im Weg. Ich traute meinen Augen kaum: Ein Sperrmüllhaufen!

Und was für einer! Nicht zu übersehen lag an vorderster Front ein Berg Altmetall, dessen Hauptdarsteller ein alter Einkochtopf oder Waschkessel der Marke "Constantia" war.

Der musste selbstverständlich mit, hatte ich mir doch eben noch einen antiken Topf zum Bepflanzen gewünscht!

Der Rückweg wurde mit diesem sperrigen Gewicht dann zwar etwas beschwerlich, allerdings auch kurzweilig, denn jeder zweite Passant wollte die Geschichte des schönen Topfes wissen und stellte Mutmaßungen über Zweck und Alter an, bis letzte Schätzungen sich auf die 40er Jahre konzentrierten.

Für das Foto steht übergangsweise mein Kaffeestrauch Modell, der ob der Jahreszeit etwas beleidigt ist und einigermaßen gerupft aussieht. Trotzdem erfreut er mit Kaffeekirschen in rot und grün.


Nach draußen darf der Topf leider nicht, da das zeitgenössische, ungemein zierende Etikett ein Aufkleber ist und sich schleunigst in Wohlgefallen auflösen würde - Was andererseits darauf hindeutet, dass das gute Stück nicht oft mit Wasser in Berührung gekommen sein muss.

Wir werden sehen, welchem meiner grünen Lieblinge der Kessel am besten zu Gesicht steht. Der Kaffee ist schon mal ein guter Anfang, allerdings hätte der etwas dagegen, wegen seines Übertopfes im Sommer Stubenarrest zu bekommen, bloß weil dessen Etikett so eine Mimose ist.

Wünschen lohnt sich also doch und das Glück liegt manchmal auf der Straße. In einem Sperrmüllhaufen.

Montag, 16. August 2010

Alteisen

Wenn ich ein Vogel wäre, dann wäre ich wohl eine Elster. Ich kann nämlich auch oft meine Klappe nicht halten und liebe glänzende Dinge. Nein, Gold und Diamanten müssen es nicht sein, aber ein leichter Hang zu Glas und Metall lässt sich bei mir nicht leugnen.

Ich liebe diese verzinkten Übertöpfe, schön geformte alte Flaschen und Mobiles aus Metall, gerne mit Glaselementen, die so schön in der Sonne glitzern (wenn man sie immer fleißig abstaubt, das ist die Crux daran...).

So kam es also zu folgender Recycling-Idee:

Neulich fiel mir in meinem alljährlich wiederkehrenden Umtopf-Aktionismus ein viel zu kleiner Topf mit viel zu groß gewordenen Ablegern der Leuchterblume (Ceropegia woodii) ins Auge und dann in die Hände.

Leuchterblumen sind toll - sie bilden mit ihren meterlangen Ranken die schönsten lebenden Gardinen, die man sich vorstellen kann, schmücken jedes Billy-Regal im Handumdrehen oder lassen sich zu kunstvollen Kränzen wickeln (die man einige Monate später unter einer Stunde Arbeit nicht mehr entwirrt bekommt). Zudem sind sie anspruchslos und ganz leicht zu vermehren. Das ist vor allem dann angesagt, wenn die Gardine den Boden erreicht hat. Dazu muss man nur die Brutknöllchen abzwicken, die aussehen wie winzig kleine Kartoffeln, und einpflanzen. Wächst garantiert an.

Da das so einfach ist, werden Leuchterblumen gerne unter der Hand weitergereicht. Mit ein bisschen Glück kennt man jemanden, der jemanden kennt, der eine zuhause hat.

Jetzt stand ich also da mit meinem frisch umgetopften Gardinennachwuchs und es war auf die Schnelle zuhause kein Übertopf aufzutreiben. Entweder waren sie zu groß oder zu klein.
Mit geschultem Elsternblick fiel mir die leere, glitzernde Konservendose in der Küche ins Auge, die noch nicht weggeräumt war. Unordnung kann also manchmal auch Vorteile haben.
Die Maisreste in der Dose ließen sich leicht wegspülen, dann noch schnell das Etikett abgezogen und fertig war der Übertopf - ganz passend zu den anderen Metallübertöpfen.

Da die Dose innen beschichtet ist, wird sie so schnell nicht rosten, und falls doch, gibt es eben wieder Salat.



Sieht doch nicht schlecht aus, oder?