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Samstag, 31. Oktober 2020

Gratistopf, Gratispflanzen

Was denken sich die Hausbauer eigentlich dabei, die Fensterbänke in Küche und Bad nur halb so tief zu machen wie die im Wohnzimmer? Als hätten sich Pflanzen dort gefälligst klein und unauffällig zu verhalten und sich schmale, kleine Töpfe anzuziehen, die auf diese Minifensterbänke passen. Wegen dieses Baumangels kann ich meinen neuen Übertopf nämlich nicht dort aufstellen, wo er thematisch am besten hinpassen würde: In die Küche.

Die geräumige Tomatendose in Gastronomiegröße habe ich aus der Pizzeria, wo die Behälter mit einer Kräuerfüllung aus Basilikum- oder Rosmarintöpfen als Tischdeko herhalten müssen. Ich habe einfach mal gefragt, ob ich so eine leere Dose bekommen kann, wenn in der Küche wieder eine angefallen ist. Und schon hatte ich so ein rotes Prachtstück in der Hand!

Gefüllt mit dem rustikalen Geldbaum sieht der neue Übertopf im Tomatendesign richtig schick aus. Zwar steht er nun nicht in der Küche, aber er kann direkt auf die Tomatenpflanzen auf der anderen Seite vom Wohnzimmerfenster schauen, die sich wiederum durch den Anblick der Konservendose hoffentlich richtig motiviert fühlen. Hier steht der Topf nämlich nur für's Foto auf dem Hocker:



Der Geldbaum selbst war auch gratis, ich habe ihn aus einem einzigen Blatt gezogen. Das war vor zehn Jahren:


Ein Ableger ist auch diese Dracaena surculosa, die ich als abgeschnittener Ast in der Arbeit beim Pflanzenschnitt der Büropflanzen retten konnte. Sie wächst deutlich schneller als der Geldbaum. Der Zweig hat in der Vase ganz leicht Wurzeln geschlagen und sich von selbst später verzweigt. Die Blätter sind sehr hübsch gefleckt, wie die pflanzengewordene Milchstraße:



Meine selbstgezogenen Kaffeepflanzen wachsen auch schon wieder reichlich auf der Fensterbank. Frische, ungeröstete Kaffeebohnen eignen sich zur Aussaat und schon hat man eine ganze Plantage beeinander.

Möchte man die Zwerge verschenken, eignen sich bunte Brötchentüten als Verpackung, vor allem, wenn man unsicher ist, welche Übertöpfe der beschenkte bevorzugt - eventuell hat er ja auch schon genug davon im Schrank. Diese Tüte ist besonders hübsch bedruckt.

Auch Crassula 'Hottentot' steht die Tüte gut. Diese kleine Pflanze kann man gut vermehren, indem man ihre Locken, äh, Zweige in Erde steckt.


Eigentlich war ich dazu übergegangen, beim Brötchenholen einen Stoffbeutel mitzunehmen, doch in Zeiten von Corona mag den trotz Vollwaschmittel und eidesstattlicher Erklärung, dass er frisch gewaschen ist, keiner mehr befüllen. Also doch wieder Brötchentüten aus Papier, immerhin weiter genutzt als temporärer Übertopf...


Habt ihr auch kostenlose Übertöpfe oder selbst gezogene Zimmerpflanzen zuhause, auf die ihr stolz seid?

Mittwoch, 6. August 2014

Licht aus der Konserve

Unglaublich, es ist Sommer - die Stockrosen blühen, die Wicken wollen den Himmel berühren und die Tomaten fangen endlich an, reif zu werden. Könnte man das alles doch irgendwie konservieren für schlimme Wintertage, vor allem die Tomaten. Aber zum Glück tun das ja andere für uns, nämlich professionell und für die Ewigkeit. Naja, fast - zumindest für eine kleine Ewigkeit.


Konzentrierte konservierte Paradeiser heißen dann Tomatenmark - diese Essenz des Sommers ist meist tief dunkelrot und lässt sich im Winter prima für Saucen verwenden. Es kommt in kleinen Dosen daher - im doppelten Wortsinne. Warum ich das bittschön jetzt mitten im Sommer erzähle, wo ich mir meine Tomaten nur von der Terrasse zu pflücken brauche?

Darum: Das hier waren Tomatenmarkdosen. Leer gegessen im Herbst oder Winter, schmückend nun den Garten im Sommer.



Irgendwann fiel mir endlich einmal auf, dass diese Döschen perfekt um ein Teelicht herum passen. So ein Zufall. Gut gereinigt sind sie Behältnisse dann zwar innen erhellend, aber außen noch zu schlicht und vor allem eben ein Werbeträger für Tomatenmark.

Doch dem kann entgegengewirkt werden mit: Schere, Klebe, Buntpapier. Einfach die Dose außen herum vermessen (vor allem die Höhe ist wichtig, die Länge kann passend gemacht werden, zur Not durch überlappende Enden), ein Stück hübsches Papier zurechtschneiden und außen auf den Behälter kleben. Fertig!

Es geht einfach alles - Geschenkpapier, Birkenrinde, Zeitungen, Landkarten oder einfach ein ausgedruckter Schriftzug. Man möchte gar nicht mehr aufhören mit dem Basteln und überlegt sich immer mehr Rezepte, an die unbedingt Tomatenmark gehört.

Die bunten Döschen können aber noch mehr beherbergen als Kerzen. Sie sind so leicht, dass man sie zum Zelten oder mit in den Garten nehmen kann. Auf einer Pflanze abgestellt kann man an einer anderen bequem darin Samen sammeln - sowas ist eine Kleinigkeit für das Schmuckstück. Falls man das passende Papier mit dem pflanzlichen Samenspender aufgedruckt zur Hand hat, kann dies ein schön verpacktes Gartengeschenk werden. Auch kleine Pflänzchen können für kurze Zeit darin wachsen und so den Besitzer wechseln.


Nett sind auch kleine Urlaubsmitbringsel verpackt in einer Dose, und zwar beklebt mit der Landkarte vom Ferienort. Wenn es etwas mehr sein darf, sind größere Konserven angesagt. Klebstoff gegenüber sind sie alle nicht abgeneigt.

Nur wasserdicht sind sie nicht und lassen bei Regen alsbald die Hüllen fallen. Das dürfte aber zu verschmerzen sein, im Fall der Fälle einfach wieder ein Stück konservierten Sommer ins Essen geben...

Freitag, 11. Mai 2012

Birken-Striptease

Früher dachte ich immer: Wenn ich einmal groß bin, habe ich einen Garten mit einem kleinen Birkenwäldchen. Birken waren nämlich schon immer meine Lieblingsbäume: Schlank, licht und mit dieser unglaublich weißen Rinde ausgestattet, die ihnen so schnell keiner nachmacht.


Mittlerweile bin ich groß, aber mein Garten ist es nicht. Der wächst auch genauso wenig wie ich das in meinem Alter noch tue.


Also lassen wir das besser mal mit dem flotten Birkenhain.  Nicht, dass sie es nicht versucht hätten. Birken werden schließlich ständig frei Haus eingeflogen. Keim- und sonstige Hemmungen haben sie nicht, so dass man das Birkenwäldchen gleich gratis zum Garten dazubekommt, wenn man nicht aufpasst. Habe ich aber. Denn so klappt das nicht mit den weißen Riesen. Nicht so und nicht hier.


Und so bleibt mir nur, sie im Park zu bewundern. Mit ein bisschen Glück findet sich auch meine Lieblingsart dort: Die Himalaya-Birke (Betula utilis) mit ihrer extravaganten Rinde. Die ist schon so ein bisschen der Star unter den Parkbäumen, eine wahre Lichtgestalt ganz in Weiß und Grün.

Was sie außerdem noch auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie liebend gern die Hüllen fallen lässt. Auch vor Spaziergängern, da ziert sie sich nicht besonders. Ihre Rinde rollt sie in großen Stücken ab und lässt sie vom Winde verwehen. So kommt auch unsereins zu einem Spurenelement Birke für den eigenen Garten.


Aber was macht man dann mit der weißen Ware? Nun, man könnte jetzt natürlich den eigenen Apfelbaum als Birke verkleiden. Funktioniert nicht nur an Karneval und hätte im Winter sogar einen richtig positiven Effekt auf den Baum, denn die weiße Hülle beugt Frostspannungen im Stamm vor. Vielleicht verwirrt diese Tarnung sogar Frostspanner? 

So verlockend diese Idee auch ist, so aufwendig und wenig praktikabel ist sie leider. Man bräuchte schon viele große Stücke, um auch nur den untersten Baumbereich zu tapezieren. Hinzu kommt, dass sich die Nachbarn vermutlich scheckig lachen würden.

Also bleiben wir mal bescheiden und verkleiden einfach eine leere, ausgewaschene Konservendose. Dann sieht sie richtig edel aus und verliert etwas von ihrem industriellen Charme.


Dieser kostenlos veredelte Blumenübertopf überzeugt bestimmt jeden und ist ganz schnell hergestellt: Einfach Höhe und Umfang mit dem Maßband ausmessen, auf die Rückseite der Birkenrinde anzeichnen und ausschneiden. Entweder man schlägt anschließend Nieten in die Ecken (so eine Art Blumentopf-Mieder) oder bindet die Rinde einfach komplett mit Paketschnur an die Dose. Tesafilm tut's auch, mit Klebstoff dagegen kann man die Dose nicht mehr auswechseln, sollte sie einmal rostig geworden sein.



Da die Rinde so schön weiß ist, kann man auch prima Aussaaten darauf vermerken, schließlich wurde sie schon in alten Zeiten als Papier verwendet.

Und so kommt man auch als Kleinstgartenbesitzer zu seinem Stückchen Lieblingsbaum!