Posts mit dem Label Sommer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sommer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 6. August 2014

Licht aus der Konserve

Unglaublich, es ist Sommer - die Stockrosen blühen, die Wicken wollen den Himmel berühren und die Tomaten fangen endlich an, reif zu werden. Könnte man das alles doch irgendwie konservieren für schlimme Wintertage, vor allem die Tomaten. Aber zum Glück tun das ja andere für uns, nämlich professionell und für die Ewigkeit. Naja, fast - zumindest für eine kleine Ewigkeit.


Konzentrierte konservierte Paradeiser heißen dann Tomatenmark - diese Essenz des Sommers ist meist tief dunkelrot und lässt sich im Winter prima für Saucen verwenden. Es kommt in kleinen Dosen daher - im doppelten Wortsinne. Warum ich das bittschön jetzt mitten im Sommer erzähle, wo ich mir meine Tomaten nur von der Terrasse zu pflücken brauche?

Darum: Das hier waren Tomatenmarkdosen. Leer gegessen im Herbst oder Winter, schmückend nun den Garten im Sommer.



Irgendwann fiel mir endlich einmal auf, dass diese Döschen perfekt um ein Teelicht herum passen. So ein Zufall. Gut gereinigt sind sie Behältnisse dann zwar innen erhellend, aber außen noch zu schlicht und vor allem eben ein Werbeträger für Tomatenmark.

Doch dem kann entgegengewirkt werden mit: Schere, Klebe, Buntpapier. Einfach die Dose außen herum vermessen (vor allem die Höhe ist wichtig, die Länge kann passend gemacht werden, zur Not durch überlappende Enden), ein Stück hübsches Papier zurechtschneiden und außen auf den Behälter kleben. Fertig!

Es geht einfach alles - Geschenkpapier, Birkenrinde, Zeitungen, Landkarten oder einfach ein ausgedruckter Schriftzug. Man möchte gar nicht mehr aufhören mit dem Basteln und überlegt sich immer mehr Rezepte, an die unbedingt Tomatenmark gehört.

Die bunten Döschen können aber noch mehr beherbergen als Kerzen. Sie sind so leicht, dass man sie zum Zelten oder mit in den Garten nehmen kann. Auf einer Pflanze abgestellt kann man an einer anderen bequem darin Samen sammeln - sowas ist eine Kleinigkeit für das Schmuckstück. Falls man das passende Papier mit dem pflanzlichen Samenspender aufgedruckt zur Hand hat, kann dies ein schön verpacktes Gartengeschenk werden. Auch kleine Pflänzchen können für kurze Zeit darin wachsen und so den Besitzer wechseln.


Nett sind auch kleine Urlaubsmitbringsel verpackt in einer Dose, und zwar beklebt mit der Landkarte vom Ferienort. Wenn es etwas mehr sein darf, sind größere Konserven angesagt. Klebstoff gegenüber sind sie alle nicht abgeneigt.

Nur wasserdicht sind sie nicht und lassen bei Regen alsbald die Hüllen fallen. Das dürfte aber zu verschmerzen sein, im Fall der Fälle einfach wieder ein Stück konservierten Sommer ins Essen geben...

Mittwoch, 30. Juli 2014

Pflaumenfest

Ein bekanntes Sprichwort lautet: Man soll die Früchte feiern, wie sie fallen. Oder so ähnlich. Ich kann da jedenfalls nie nein sagen und feiere nun schon seit ein paar Wochen mein ganz persönliches Pflaumenfest. Da habe ich auch einiges nachzuholen, denn seit zehn Jahren hatte ich Pflaumen auf den Augen und daher nicht bemerkt, dass in unserer Siedlung ein Baum mit leckeren Früchten herumsteht, der anteilig sogar mir gehört.


Seit ich Pflaume das nun endlich mal gemerkt habe, ist das Obst nicht mehr vor mir sicher. Ich habe das fabriziert, was ich am besten kann: Marmelade. Dazu gehört nicht viel, man braucht lediglich einen Topf, einen Herd, einen Löffel und Gelierzucker, aber kein Talent. Und natürlich leere Schraubdeckelgläser, die gern recycelt sein dürfen. Als die ersten drei Kilogramm immer noch kein Ende nahmen, habe ich völlig nüchterne Früchte in einen Liter Wodka eingelegt und ihnen 500 g Kandiszucker hinterhergeschmissen. Wäre doch gelacht, wenn am Ende nur die Pflaumen blau würden.



Obwohl die feierliche Entdeckung des Baumes ein Jahrzehnt in Anspruch nahm, ist mir bei der Zubereitung binnen Minuten einiges klar geworden. Erstens: Je blauer die Frucht, umso weniger Gemetzel ist nötig, um den Kern loszuwerden. Zweitens: Die Dinger nie entkernen, wenn man kurz darauf unter Leute geht - der Saft färbt die Finger so gut, dass man am Ende aussieht, als wäre eine starke Nikotinabhängigkeit nicht von der Hand zu weisen. Nach nur zehn bis zwanzig Mal Händewaschen vergeht das dann auch wieder.


Und nun brauche ich Namen und wüsste doch ganz gerne, was das überhaupt für eine Art ist. Ist das nun eine Kirschpflaume oder Myrobalane (Prunus cerasifera) oder eine übereifrige Reneklode oder Kreike (Prunus domestica)? Geblüht wurde sehr früh Anfang April in strahlendem Weiß, aber ohne Blätter. Die Schale der Früchte schmeckt sauer, obwohl das Fruchtfleisch sehr süß ist. Die Reifezeit Mitte Juli müsste eigentlich für eine Myrobalane sprechen, aber wer weiß ob die Züchter nicht andere frühreife Früchtchen erfunden haben.

In der ersten Woche, als ich Pflaumen vom Baum geschüttelt habe, waren sie kugelrund und rötlich. Obwohl sie unreif aussahen, schmeckten sie hervorragend und das Gehölz versuchte mit bemerkenswerter Entschlossenheit, sich ihrer zu entledigen. In der zweiten Woche waren sie immer noch rundlich, aber herrlich pflaumenblau. Das hat dem Baum dann selbst so gut gefallen, dass er sie doch nicht heruntergeworfen hat. Versteh einer diese Pflaume!


Ein anderes Rätsel ist, warum ich beim Ernten offenbar die einzige bin. Erkennt denn niemand, dass dort etwas Essbares und noch dazu Kostenloses wächst? Schmecken Obst und Marmelade aus dem Supermarkt denn besser als frisch vom Baum? Noch nicht mal mit den Wespen muss ich mir die Pflaumen teilen, die Früchte sind völlig unversehrt - und die Nachbarn wohl alle zu mundfaul zum Probieren.

Egal, so langsam bin ich der Obstschwemme Herr geworden. Nur noch ein Kuchen trennt mich von der vollständigen Erleichterung der schon ganz krummen Äste. Zumindest die, an die ich heran komme. Die in den höheren Sphären biegen sich immer noch unter der süßen Last. Aber auch die Früchte werden irgendwann fallen, denn runter kommen sie am Ende alle!

Mittwoch, 5. Februar 2014

Zimmer frei

Letzte Woche war es eiskalt und meine Laune war ebenfalls ganz gehörig auf dem Tiefpunkt angelangt. Der ewigen Dunkelheit überdrüssig, habe ich insgeheim schon vom Sommer geträumt, was seine Abwesenheit aber nur noch schmerzlicher machte.

Wie gut, dass an diesem griesgrämigen, grauen Wintertag ganz unverhofft ein Stück Sommer im Briefkasten lag, in Form des Buches "Mein Zimmer im Grünen" von Joanna Goetz, Hilde Frey und Carmen Siegrist-Scherrer (erschienen bei Topp-Kreativ).


Darin geht es nicht etwa darum, seine vier Wände grün anzustreichen, sondern lieber gleich möglichst viel draußen zu wohnen. Das geht erfahrungsgemäß deutlich besser im Sommer als im Winter, daher beschäftigt sich das Buch auch ausschließlich mit dieser beliebten Jahreszeit.

Eine der Autorinnen, Carmen, kenne ich ja auch schon länger, sie hat diesen wunderschönen Garten in der Schweiz - voller Blumen, bunter Decken, Katzen und Selbstgemachtem.

Da die Schweiz aber soweit weg ist, und ich ihren Garten daher wohl in diesem Leben nicht mehr zu Gesicht bekommen werde, habe ich jetzt ein Stück davon für die gemütliche Sofapause. Auch dem berühmten Gartenbett wurde ein ganzes Kapitel gewidmet, inklusive probeliegender Katze.

Die anderen Autorinnen waren auch nicht untätig und haben Rezepte, Deko-Ideen für draußen und allerhand kreative Dinge beigesteuert. Es findet ein Picknick am See statt, es wird ein Zirkuszelt für Kinder genäht und ein Minibalkon zum sonnigen Büro umfunktioniert. Es dreht sich eben alles um das Einrichten von Zimmern im Grünen.

Dabei gibt es viele günstige Recycling-Ideen, wie einen bepflanzten Regenschirm, Sitzmöbel und Regale aus Paletten, sowie ein Pflanzenregal aus Schubladen vom Sperrmüll. Selbst eine alte Mausefalle findet eine neue Beschäftigung als zünftiger Zettelhalter im Balkonbüro.

Die meisten Ideen lassen sich leicht nachmachen, bei anderen hätte ich mir noch eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung gewünscht, weil ich immer so schwer von Begriff bin, was rein textuelle Beschreibungen angeht. Die Fotos sind jedenfalls alle sehr gut und so lässt es sich herrlich vom Sommer träumen.

Für so manche Objekte braucht man einen sehr großen Garten, andere wiederum machen sich dünn.

Die Sitzkissen maßgeschneidert für Zinkwanne und -eimer werde ich sicher einmal nachmachen, die mehrschichtige bunte Torte, der reichlich Lebensmittelfarbe eingebläut wurde, eher nicht. Sobald das nächste Mal ein Regenschirm sein Leben aushaucht, kann ich mir durchaus vorstellen, ihn zu bepflanzen und damit ausnahmsweise auch einmal zum Star bei gutem Wetter zu machen.

Am besten hat mir aber Carmens Garten gefallen, denn der braucht keine Lebensmittelfarbe und keinen Zuckerguss, der ist einfach nur schön, so wie er ist. Und jetzt habe ich ihn auch zu hause, zum Bewundern - das gelingt zwar noch nicht im Zimmer im Grünen, aber kommt Zeit, kommt Sommer!


PS: Hier noch ein echtes Winterthema: Wie stellt man Mulch aus Vogelfutter her?

Donnerstag, 30. August 2012

Ruhesitz

Kürzlich flatterte mal wieder der Rentenbescheid ins Haus. Und wie immer erschrak ich etwas über das dort angepeilte Datum des Renteneintritts, das sich stets weiter von mir wegbewegt. Kaum ist eine Zeitspanne irgendwo zwischen Lebenslänglich und der Dauer der letzten Eiszeit vergangen, kann ich mich auch schon auf die faule Haut legen.

Na, schön. Dann bringt es wohl auch nichts, sich Gedanken über etwaige Altersruhesitze zu machen. Stattdessen ist es viel dringlicher, sich bei Sommerwetter um einen adäquaten Ruheplatz für die kleine Pause zwischendurch zu kümmern.

Nun muss man bei solchen Ruhesitzen für die Horizontallage (auch Liegestühle genannt) ja zwischen ganz unterschiedlichen Materialien und diversen Preislagen wählen, bevor man sich überhaupt irgendwo hinlegen kann.

Da gibt es Ruhepole aus Teak - tropisch, teuer und ökologisch zweifelhaft. Oder wacklige Gestelle aus Kunststoff, die androhen, unter der sengenden Sonne Ostwestfalens entweder zu schmelzen oder fix auszubleichen.

Wenn man außerdem so wie ich mit einer eher schmächtigen Statur ausgestattet ist, spielen nicht nur Preis und Material eine Rolle, sondern auch Gewicht und Mobilitätsgarantie. Eine ausladende, unnachgiebige Liege durch den Garten und auf dem Weg dorthin zunächst einmal durch den schmalen Rosenbogen zu wuchten, kommt einem Abrisskommando gleich. Nicht nur was den Garten, sondern auch, was meine Bandscheiben angeht. Wenn ich mich mit dem Sonnenstand inklusive Sitzgelegenheit mitbewegen möchte, bin ich auch gerne selbständig und möchte nicht immerfort nach fremder (oder angeheirateter) Muskelkraft rufen.

Und daher sieht meine Traumliege dann auch so aus:



Leicht, ungeschlagen preiswert, hübsch und flexibel. Die Klappliege im Sträflingslook bringt einen maritimen Hauch in jede Gartenecke und lässt sich federleicht an Ort und Stelle bringen.

Man kann sie der Sonne, dem Schatten, oder den Gartenattraktionen hinterhertragen, wie es einem beliebt. Man bringt sie ganz leicht zu den Schmetterlingen oder den Schmeißfliegen, zu den Bienen oder den Blattwanzen, je nach faunistischer Gartengrundausstattung oder persönlicher Vorliebe.



Streifen machen nicht nur schlank - dieser Ruhesitz ist es auch. Zusammengeklappt macht er sich sagenhaft dünn und trägt auch in beengten Stauräumen nicht auf.


Hat man die Falttechnik nach Origami-Art erst einmal verinnerlicht, geht das Klappen ganz rapide von der Hand. Meine Liege hat drei Stufen, in denen sie einrasten kann, um die Sitzposition zu variieren. Außerdem gibt der Stoffbezug wunderbar nach und passt sich der Körperform an wie kein Holz es jemals könnte.

Waren diese Klappstühle früher als Todesfallen mit Unfallgarantie bekannt, muss man heutzutage keine Angst mehr davor haben, dass das Gestell unvermittelt unter dem Allerwertesten nachgibt. Mittlerweile gibt es diverse Sicherungsmechanismen, die die tragenden Teile am Unterbau verankern.

Ich jedenfalls möchte meine gestreifte Lümmel-Liege nicht mehr missen. Wir passen einfach zueinander -  Preis und Komfort von diesen Dingern sind ungeschlagen.
Und sollte doch mal eine Mönchsgrasmücke Holunderflecken auf dem Stoff hinterlassen, kann man ihn zur Not auch austauschen.

Bequemer und billiger ist ein Ruhesitz jedenfalls kaum zu bekommen. Und schließlich können sich diese Berliner hier doch nicht alle irren?


Sonntag, 29. Juli 2012

Münchner Freiheit

Was ist die Farbe von München im Hochsommer? Für mich Orange mit viel Gelb - Farben wie die Sonne. Kunststück, um die Jahreszeit, werdet ihr sagen. Aber München ist selbst da Orange, wo die Sonne nie scheint, zum Beispiel in der U-Bahn am Marienplatz. Und auch dort, wo Jahreszeiten egal sind, wie beim Gelb der Theatinerkirche.

München hat wirklich viel Orange - aber diese Kanadagänse hier im Nymphenburger Schlosspark (Eintritt frei) haben beschlossen, dass das beileibe nicht ihre Farbe sei. Sie mögen doch lieber gedecktere Töne, da sind sie konservativ. Und so nehmen sie sich die Münchner Freiheit heraus und mampfen die knalligen Farben einfach auf. Gänse als Pflanzenschädlinge - sowas ist unbekannt im kleinen Reihenhausgarten. Wenn man die Gans zum Gärtner macht, kann man sich immerhin das lästige Rasenmähen sparen.


Nebenan im botanischen Garten kosten die Sommerfarben fünf Euro Eintritt pro Person (Gänse kostenlos), aber dafür gibt es auch viel heiße Luft in Form von Tropenhäusern - und einen sensationellen Senkgarten mit Seerosenbecken.


Das spannendste an München war das Olympiagelände (Eintritt frei) - nicht nur, weil wir gleich alt sind (es hat sich aber deutlich besser gehalten).


Leider waren die Wiesen gerade gemäht worden, man konnte trotzdem noch die Blattrosetten vom Wiesen-Salbei erkennen.
Vom Olympiaberg hat man eine gute Übersicht über die Stadt. Außerdem fand hier das Gipfeltreffen der Neophyten statt: Bocksdorn und Schlanke Karde hatten das olympische Motto aufgegriffen und sich dort versammelt:


Das Olympiadorf schließlich war dann die ganz große gärtnerische Überraschung - die schon einmal komplett neu gebauten Sportlerbungalows dienen als Studentenwohnheim und boten einen spektakulären Anblick: Von den Bewohnern bemalte Fassaden wetteiferten mit den Taglilien, die in verschiedenen Farben die engen Gassen säumten - aber ganz streng immer nur eine Sorte pro Reihe!


Und das passt - Hemerocallis mit ihren fröhlichen Farben mildern die harten Kanten und wirken naturnah und unkompliziert - irgendwie studentisch.


Auch die Studenten selbst gärtnern ein bisschen mit, tanzen schon mal aus der Reihe und haben im Farbschema bleibend Sonnenhut und Kapuzinerkresse beigesteuert - Pflanzen, die auch zum studentischen Budget passen. Und wer weiß - vielleicht haben sich unter den Stauden auch noch gelbe Krokusse versteckt?

Nicht nur also, dass die grandiosen Taglilien meinen Eindruck von München als Stadt in Orange bestärkt haben. Sie haben mir außerdem die Augen dafür geöffnet, diese anspruchslosen wildhaften Sorten auch einmal als Hauptperson zu betrachten - denn selbst in Reih' und Glied haben sie nichts Strenges an sich. Und eigentlich ist Orange doch auch ganz schön?

Samstag, 7. August 2010

Haustiere

Es ist wahrlich kein Wespensommer, dazu war der Mai zu kalt. Außer bei der feindlichen Übernahme diverser Bäckereiauslagen sind mir die schwarz-gelben Stacheltiere noch nicht negativ aufgefallen.
Zugegeben, die massenweisen Naschangriffe auf Bienenstich und Berliner lassen zwar darauf schließen, dass das feilgebotene Backwerk einigermaßen essbar sein muss, aber solchermaßen angeknabberte Leckereien können die Wespen dann auch von mir aus behalten. Kaufen muss ich das nicht mehr. So gesehen unterstützen die Tierchen unbewusst vielleicht den ein oder anderen bei seiner sommerlichen Diät.

Trotzdem, das ist noch lange kein Grund, das Sommerloch mit zweifelhaften Berichten über die fliegenden "Stechmaschinen" zu füllen.
Das Vokabular der Journalisten reicht dabei von "Nichtsnutze" über "Nur eine tote Wespe ist eine gute Wespe" bis hin zu "Der Welt ginge es besser ohne Wespen.".
Ist das so? Die fliegende Armada ist das Gegenteil von unnütz, vertilgen Wespen doch als echte Jäger Unmengen von Fliegen und anderen Insekten, die wir auch wieder nicht gern auf unserem Kuchen sehen. Nur wenn sie zuviel Freizeit haben - die Larven sind aus dem Haus - stürzen sie sich auf alles Süße.

Lediglich zwei Arten treten als Vorkoster an Pflaumenkuchen und Kotelett unangenehm in Erscheinung: Die Deutsche und die Gemeine Wespe. So ruinieren diese beiden den Ruf aller weiteren sozialen Faltenwespen dann so gründlich gleich mit, dass Bekämpfungsmaßnahmen meistens die falschen treffen, nämlich die offen nistenden Arten, die man schnell entdeckt, während die Nester der lästigen Kuchenkauer unterirdisch oder hinter Wandverschalungen versteckt sind.

In Schuppen oder Gewächshäusern trifft man manchmal auf die offenen Nester der langbeinigen Feldwespen (Polistes), die völlig friedfertige Mitbewohner sind.


Das wirkungsvollste (und günstigste) Mittel gegen Mitesser beim Grillabend ist (man glaubt es kaum) - ein eigenes Wespennest am Haus!
Vor ein paar Jahren beherbergten wir ein Nest der "schlimmen" Deutschen Wespe hinter der Dämmung unter den Dachsparren. Die Damen hatten aber besseres zu tun, als direkt unter ihrem Nest auf Beutezüge zu gehen - und fremde Flieger wurden offenbar vertrieben. Das war das entspannteste Wespenjahr, das wir je hatten!
Nun kann man Wespennester aber nicht kaufen, und wenn das ginge, wollte sie keiner haben.

Im botanischen Garten nisten immer mal wieder Wespen im Steingarten. Statt in Panik zu verfallen, den Kammerjäger zu rufen oder ganze Wege großräumig abzusperren, wird das Nest einfach gekennzeichnet. Diese pragmatische Lösung funktioniert! Selbst wenn man direkt vor dem Einflugloch herumlungert, wird man von den Mädels ignoriert:


Dieses Jahr haben wir die Ehre, ein Nest der Sächsischen Wespe am Haus zu haben - interessanterweise genau an der Stelle, wo vor Jahren die Deutsche Wespe genistet hat, nur eben frei zugänglich außen unter dem Dachüberstand:


Die Tiere sind fleißig und friedfertig, haben keinen Hang zu Grillfleisch oder Süßkram und gehen, bzw. fliegen, ihrer Wege, ohne sich an neugierigem Publikumsverkehr zu stören.

Doch selbst bei den Pazifisten unter den Hautflüglern sollte man sich nicht alles erlauben. Der Tag, an dem man sich an ihrem Nest zu schaffen macht, ist Stichtag! Solange man aber genügend Abstand hält und die Brutstätte nicht anrührt, können alle in Frieden leben.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Wir sind Helden

In den letzten Wochen hat sich gezeigt, wer die Hitze-Helden und wer die Schattenparker unter den Stauden sind. Die einen halten ohne künstliche Bewässerungsnachhilfe klaglos durch, die anderen wollen alle zwei Tage mit Wasser aus der Gießkanne bedient werden.

Der größte Säufer von allen ist ohne Frage der Rasen. Wenn er nicht den Rest des Jahre in einer ansprechenderen Farbe als in diesem hitzegestressten "brün" daherkäme, wäre er schon längst durch Kies ersetzt worden.
Ihm dicht auf den Fersen ist der Rest der Schattenparker-Fraktion: Astilben, Astrantia, Stauden-Nachtkerze, Wald-Erdbeeren und nicht zuletzt Gelber Sonnenhut (Rudbeckia fulgida), der auch sicherlich nur so heißt, weil er selbigen bitter nötig hat und nicht, weil er etwa aussieht wie ein Sombrero.
Unter den Gemüsen ist der Rhabarber am wenigsten leidensfähig.

Lobende Erwähnung aufgrund heldenhafter Hitzetoleranz finden dagegen folgende nahezu wartungsfreien Stauden:

  • Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria)

  • Salbei (Salvia officinalis)

  • Wollziest (Stachys byzantina)
  • Thymian (Thymus)
  • Fette Henne und andere Sedum
  • Sempervivum
  • Polsterphlox (Phlox subulata)
  • Färberkamille (Anthemis tinctoria)
  • Frauenmantel (Alchemilla) - wenn er eingewachsen ist
  • Gold-Schafgarbe (Achillea filipendulina)
  • Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites)
  • Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias)
  • Oregano
  • Königskerzen
  • Wilde Karde (Dipsacus)
  • Edeldisteln (Eryngium alpinum, Echninops ritro und andere)

  • Eselsdistel (Onopordum acanthium)
  • Katzenminze (Nepeta x fassenii)

  • Lavendel
  • Ysop (Hyssopus officinalis)

Überraschenderweise hält sich auch meine Japananemone (Anemone hupehensis) ganz tapfer im Halbschatten! Meine Funkien leiden ebenfalls relativ wenig, wenn sie schattig genug stehen.

Wenn ich einen größeren Garten zu versorgen hätte, würde ich ein ganzes Beet nur mit diesen Hitzehelden bepflanzen. Das spart Wasser und Nerven.

Natürlich darf auch die Pflanzengruppe nicht unerwähnt bleiben, die sich der sommerlichen Trockenheit auf ihre ganz eigene, raffinierte Art stellt, ich nenne sie mal die Drückeberger. Man kennt sie auch als Geophyten - Pflanzen mit Knollen oder Zwiebeln, die den ganzen Sommer träge unter der Erde verschlafen und erst im Frühling oder Herbst wieder mitspielen, wenn die Niederschläge reichlicher werden und das Licht durch die Bäume dringt. Die Drückeberger hat man um diese Jahreszeit schon vergessen, aber sie sind noch da und warten.

Also durchhalten, ihr Helden, denn der Sommer ist noch lang. Die Schattenparker werden selbstverständlich mit durchgeschleppt - ein Sommer ohne Sonnenhut wäre doch kein Sommer.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Tipps für Warmduscher

Der Garten als Oase - dieser Begriff ist so vielzitiert wie überstrapaziert, aber in diesen Wochen stimmt er dann doch. Er ist keine Wellnessoase, dazu ist es mir viel zu heiß. Eher schon eine Fitnessoase, denn fit wird man zwar schon vom vielen Gießkannenschleppen, aber Spaß macht das nicht. Die ersten Tage sind ja noch ganz anregend, bei der abendlichen Wasserstandskontrolle seine Schützlinge ganz genau zu beobachten und allen wenigstens einen flüchtigen Blick zu gönnen. Spätestens nach einer Woche verliert der Anblick von unter sengender Sonne welkenden Wicken und siechendem Sonnenhut schon ein wenig seinen Reiz, nach zwei Wochen feuert man jede Gewitterwolke einzeln an sich zu erleichtern, nach dreien überlegt man, ob Auswandern in die mit Niederschlägen gesegneten Niederlande eine Option wäre (was ein Tuin ist, weiß man immerhin schon, und davon verstehen die Niederländer was).
Rund um den Garten verbrannte Erde, versucht man, gerade eben dies im eigenen Reich mit allen Mitteln zu verhindern - die Bezeichnung Oase fällt einem wieder ein und wie zutreffend sie doch ist in diesen Tagen.



Eine Regentonne ist natürlich Pflicht, aber es ist wie früher mit dem Taschengeld: Man muss sparsam sein und kann nicht mehr ausgeben als da ist, und irgendwann ist alles verplempert. Zum Glück gibt es Kredit in Form eines Brunnens - hier kann man sich Wasser pumpen, im ganz wörtlichen Sinn.
Das geht auf Kosten des Grundwassers - ob das Anzapfen dieser Vorräte ihm auf Dauer gut tut, darüber bin ich mir irgendwie nicht ganz sicher.

Leitungswasser ist dagegen eine scheinbar unerschöpfliche Resource, aber es hat auch seinen Preis.
Sparen lässt sich hier mit einem separaten Wasserzähler für den Garten, dabei entfallen immerhin die Abwassergebühren.
Trotz allem hat sich jemand sehr viel Mühe damit gemacht, dieses Wasser aufzubereiten und Energie hineingesteckt, es uns in Trinkqualität ins Haus zu liefern. Eigentlich ist es also viel zu schade für den Garten.


Warum also nicht das nutzen, was sowieso im Ausguss landen würde?
Beim Gemüse- und Obstwaschen kann man das Leitungswasser einfach in einer Schüssel auffangen, das reicht dann schon mal für ein paar Blumenkübel.
Wer gerne Blattsalate isst, schafft es womöglich, der ganzen Terrassenbepflanzung damit den Tag zu retten.

Für Warmduscher habe ich einen ganz besonderen Tipp, bei dem sich diese oft belächelte Randgruppe der Gesellschaft (ich gehöre auch dazu) einmal so richtig nützlich vorkommen kann: Solange noch so ganz fies kaltes Wasser aus der Dusche rinnt, einfach die Gießkanne unter die Brause halten, bis die richtige Verwöhntemperatur erreicht ist.
Je nach Art der Warmwasserbereitung kann man dabei schon ordentlich kostbares Nass ernten - Kostenfaktor gleich Null. Nur kalt duschen ist billiger, aber das können ruhig die anderen machen.
Die Ausbeute sollte dann am besten Zeit haben, sich auf Außentemperatur zu erwärmen, denn Pflanzen sind auch bekennende Warmduscher.


Gegen die momentane Trockenheit im Garten kann man allerdings nur schwerlich anduschen. Mein Rasen ist schon letzte Woche rasend schnell ganz braun geworden und raschelt wehleidig bei jedem Schritt. Aber der bekrabbelt sich schon wieder, sieht nur unschön aus - die Oase ist eben doch nicht perfekt.
Allerdings - meine Stauden will ich nicht welken lassen, das kann ich dann doch nicht mit ansehen.
Also hoffe ich weiterhin auf Regen in den nächsten Tagen, damit die Regentonne wieder aufgefüllt wird und ich mich zur Abwechslung auch mal einen Abend entspannen kann.
In dem Sinne: Viele Grüße aus der Sahelzone von NRW. Ich geh dann mal duschen.