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Samstag, 9. Juni 2018

Unkrautbekämpfung und Rasenmähen auf kanadisch

Das Unkraut einfach aufessen. Das kann man machen. Beim Giersch zum Beispiel. Man kann das Unkraut aber auch aufessen lassen - wenn man in Kanada in den Bergen wohnt und pelzige Mitbewohner im Garten hat.

Dieses Streifenhörnchen hier liebt Löwenzahn. Am besten schmeckt der, wenn er gerade verblüht ist und sich schon die Samen bilden, aber die Saat noch nicht wegfliegen kann. Als Esstisch wird der Baumstamm benutzt, darauf schon ein ordentlicher Haufen Speisereste:



Löwenzahn mögen auch die Columbia-Ziesel sehr gern, mampfen aber auch mit Begeisterung Wegerichblätter aus dem Rasen.



Man muss aber damit leben, dass die niedlichen Nager eben unterm Rasen ihre Wohnung haben und deswegen Löcher buddeln. Dafür sind sie aber 7 Monate im Jahr unsichtbar, wenn sie unter der Erde Winterschlaf halten.



Bevor sie mit dem Unkrautvertilgen anfangen können, müssen die Ziesel erstmal schauen, ob denn auch die Luft rein ist. Und das kann dauern... 


Da muss man sich sogar auf die Hinterbeine stellen:



Genau, in alle Richtungen umschauen, das ist wichtig!




Die meiste Zeit verbringen sie tatsächlich damit, Männchen zu machen, um den Überblick zu behalten. Erst wenn die Lage geklärt ist, kann man hektisch ans Werk gehen und sich den Bauch vollstopfen.



Während die pelzigen Angsthasen den ganzen Aufstand mit ihrer Rundumüberwachung gemacht haben, hat die Wanderdrossel schon dreimal Babynahrung zusammengesucht und verfüttert:



Das hier ist ein Goldmantel-Ziesel. Das kann man im Garten nur sehen, wenn man einen sehr großen Steingarten mit Wald  - und am besten noch einem Fluss  - in den Bergen hat:



Natürlich geht auch Bestäubung anders in Kanada. Das machen nicht nur Insekten hauptberuflich, sondern auch Kolibris beherrschen diese Zunft ganz gut. Die klingen wie eine Hummel, wenn man nah dran ist, aber lauter und dicker. Es gibt im Westen zwei Arten, den Annakolibri und die Rotrücken-Zimtelfe, hier sind die Männchen sehr schön rostbraun gefärbt und veranstalten extravagante Flugmanöver - Elfen im Sturzflug. Gar nicht elfengleich ist die Revierverteidigung, denn auch die armen Weibchen werden verscheucht, obwohl sie schon die ganze Kindererziehung am Hacken haben.

Das hier ist die Zimtelfe:




Diese kleinen Brummer sind Annakolibris:



Kolibris haben in Nordamerika sehr von den vielen exotischen Pflanzen in den Gärten profitiert und konnten ihr Verbreitungsgebiet so nach Norden ausdehnen. Manche Tiere brauchen also noch nicht mal unbedingt heimische Pflanzen.

Dieser Rasenmäher mit integrierter Dünge-Funktion ist mittlerweile auch in Deutschland erhältlich, aber dies hier ist das Original - eine echt kanadische Kanadagans, Made in Canada.



Geliefert wird sie mit messerscharfem Schnabel zum exakten Rasentrimmen.



Sie ist selbstreinigend und geht automatisch in den Ruhezustand.



Das kompakte kleine Modell in Gelb bleibt leider nicht so handlich.




Von all diesen netten Unkrautessern und Rasenmähern bleibt mir nur die Kanadagans, alle anderen musste ich leider in Kanada zurücklassen. Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder?

Sonntag, 29. Juli 2012

Münchner Freiheit

Was ist die Farbe von München im Hochsommer? Für mich Orange mit viel Gelb - Farben wie die Sonne. Kunststück, um die Jahreszeit, werdet ihr sagen. Aber München ist selbst da Orange, wo die Sonne nie scheint, zum Beispiel in der U-Bahn am Marienplatz. Und auch dort, wo Jahreszeiten egal sind, wie beim Gelb der Theatinerkirche.

München hat wirklich viel Orange - aber diese Kanadagänse hier im Nymphenburger Schlosspark (Eintritt frei) haben beschlossen, dass das beileibe nicht ihre Farbe sei. Sie mögen doch lieber gedecktere Töne, da sind sie konservativ. Und so nehmen sie sich die Münchner Freiheit heraus und mampfen die knalligen Farben einfach auf. Gänse als Pflanzenschädlinge - sowas ist unbekannt im kleinen Reihenhausgarten. Wenn man die Gans zum Gärtner macht, kann man sich immerhin das lästige Rasenmähen sparen.


Nebenan im botanischen Garten kosten die Sommerfarben fünf Euro Eintritt pro Person (Gänse kostenlos), aber dafür gibt es auch viel heiße Luft in Form von Tropenhäusern - und einen sensationellen Senkgarten mit Seerosenbecken.


Das spannendste an München war das Olympiagelände (Eintritt frei) - nicht nur, weil wir gleich alt sind (es hat sich aber deutlich besser gehalten).


Leider waren die Wiesen gerade gemäht worden, man konnte trotzdem noch die Blattrosetten vom Wiesen-Salbei erkennen.
Vom Olympiaberg hat man eine gute Übersicht über die Stadt. Außerdem fand hier das Gipfeltreffen der Neophyten statt: Bocksdorn und Schlanke Karde hatten das olympische Motto aufgegriffen und sich dort versammelt:


Das Olympiadorf schließlich war dann die ganz große gärtnerische Überraschung - die schon einmal komplett neu gebauten Sportlerbungalows dienen als Studentenwohnheim und boten einen spektakulären Anblick: Von den Bewohnern bemalte Fassaden wetteiferten mit den Taglilien, die in verschiedenen Farben die engen Gassen säumten - aber ganz streng immer nur eine Sorte pro Reihe!


Und das passt - Hemerocallis mit ihren fröhlichen Farben mildern die harten Kanten und wirken naturnah und unkompliziert - irgendwie studentisch.


Auch die Studenten selbst gärtnern ein bisschen mit, tanzen schon mal aus der Reihe und haben im Farbschema bleibend Sonnenhut und Kapuzinerkresse beigesteuert - Pflanzen, die auch zum studentischen Budget passen. Und wer weiß - vielleicht haben sich unter den Stauden auch noch gelbe Krokusse versteckt?

Nicht nur also, dass die grandiosen Taglilien meinen Eindruck von München als Stadt in Orange bestärkt haben. Sie haben mir außerdem die Augen dafür geöffnet, diese anspruchslosen wildhaften Sorten auch einmal als Hauptperson zu betrachten - denn selbst in Reih' und Glied haben sie nichts Strenges an sich. Und eigentlich ist Orange doch auch ganz schön?