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Samstag, 15. August 2015

Abhängen im Garten

Gartenmöbel braucht man schon, ob luxuriös oder mit ehrenwerter Patina. Denn wie sollte der Gärtner sonst dem Unkraut beim Wachsen zusehen oder den Bienen beim Bestäuben? Ausruhen wenn andere arbeiten, das ist die Devise.

In kleinen Gärten machen Liegestühle und andere Gemütlichmacher aber auch Probleme: Man kann sich ganz schnell den ganzen Rasen zustellen mit den Faulenzer-Freisitzen. Spätestens beim Rasenmähen wird dann geschimpft wie ein Rohrspatz über den Hindernislauf.

Klappbare Möbel sind schon mal ein guter Anfang. Bei Nichtbenutzung oder schlechtem Wetter lassen sie sich einfach zusammenstauchen und im Haus verstecken. Auch dort tragen sie durch das geringe Packmaß nicht so auf.

Viel besser und auch günstiger für Minigärten sind aber die Helden des wahren Müßiggangs, die Hängematten. Gemütlicher abhängen im Garten geht einfach nicht. Die Gartentiere bemerken den schläfrigen Gärtner bald nicht mehr und turnen in aller nächster Nähe um ihn herum, während ein Liegestuhl immer Verdacht erregt, ob der Insasse nun geistig noch anwesend ist oder schon längst im Reich der Träume weilt.

Die Mauersegler und das Ziehen der Wolken lassen sich aus dem Hängematten-Kokon heraus ganz vortrefflich beobachten. Das Unkraut ist auch nicht mehr so im Blickfeld, so dass die Ruhe endlich einmal eine vollkommene ist und nicht durch ständiges Aufspringen zwecks Jätens jäh unterbrochen wird.

Hängematten lassen sich selbst nähen in Wunschfarbe oder zumindest umarbeiten. Sie sind im Gegensatz zu stoffbespannten Klappstühlen waschbar und können einfach bleiben wo sie sind, wenn darunter Rasen gemäht wird. Nach einem Regen trocknen sie auch schnell wieder, denn sie hängen sowieso schon auf der Leine. Bei Nichtgebrauch machen sie sich schließlich unschlagbar klein.

So richtig günstig sind Hängematten aber nur, wenn Bäume vorhanden sind. Gehölze mit tragfähigen Ausmaßen spenden Schatten und brauchen keinen zusätzlichen Platz. Große Hängemattenhalter wiederum sind weder günstig noch platzsparend.


Da wir nur einen ernstzunehmenden Baum im Garten haben, den zehnjährigen Zierapfel 'Golden Hornet', hat unsere Hängematte auf einer Seite einen Metallständer, der nebenbei immerhin noch eine Wildrose vor dem Niederknien bewahrt und sich mehr oder weniger unauffällig ins Beet integriert.


Der Vorgänger des Baumersatzes war sogar selbst gebaut aus altem Zeltgestänge, aber leider etwas niedrig:


Der selbstgedrehte Efeukranz ist übrigens vom Selbstbauhalter umgezogen zum großen Modell - man sieht ihm das Alter auch an.

Für ein Nickerchen ohne neugierige Wespenweibchen ist ein optionales Fliegennetz angebracht, durch das die Welt noch ein bisschen grüner wird.

Ich bin seit diesem Jahr jedenfalls überzeugter Hängemattenanhänger und möchte das schwerelose Stück Stoff nicht mehr missen. Der Zierapfel möge es mir verzeihen!

Donnerstag, 30. August 2012

Ruhesitz

Kürzlich flatterte mal wieder der Rentenbescheid ins Haus. Und wie immer erschrak ich etwas über das dort angepeilte Datum des Renteneintritts, das sich stets weiter von mir wegbewegt. Kaum ist eine Zeitspanne irgendwo zwischen Lebenslänglich und der Dauer der letzten Eiszeit vergangen, kann ich mich auch schon auf die faule Haut legen.

Na, schön. Dann bringt es wohl auch nichts, sich Gedanken über etwaige Altersruhesitze zu machen. Stattdessen ist es viel dringlicher, sich bei Sommerwetter um einen adäquaten Ruheplatz für die kleine Pause zwischendurch zu kümmern.

Nun muss man bei solchen Ruhesitzen für die Horizontallage (auch Liegestühle genannt) ja zwischen ganz unterschiedlichen Materialien und diversen Preislagen wählen, bevor man sich überhaupt irgendwo hinlegen kann.

Da gibt es Ruhepole aus Teak - tropisch, teuer und ökologisch zweifelhaft. Oder wacklige Gestelle aus Kunststoff, die androhen, unter der sengenden Sonne Ostwestfalens entweder zu schmelzen oder fix auszubleichen.

Wenn man außerdem so wie ich mit einer eher schmächtigen Statur ausgestattet ist, spielen nicht nur Preis und Material eine Rolle, sondern auch Gewicht und Mobilitätsgarantie. Eine ausladende, unnachgiebige Liege durch den Garten und auf dem Weg dorthin zunächst einmal durch den schmalen Rosenbogen zu wuchten, kommt einem Abrisskommando gleich. Nicht nur was den Garten, sondern auch, was meine Bandscheiben angeht. Wenn ich mich mit dem Sonnenstand inklusive Sitzgelegenheit mitbewegen möchte, bin ich auch gerne selbständig und möchte nicht immerfort nach fremder (oder angeheirateter) Muskelkraft rufen.

Und daher sieht meine Traumliege dann auch so aus:



Leicht, ungeschlagen preiswert, hübsch und flexibel. Die Klappliege im Sträflingslook bringt einen maritimen Hauch in jede Gartenecke und lässt sich federleicht an Ort und Stelle bringen.

Man kann sie der Sonne, dem Schatten, oder den Gartenattraktionen hinterhertragen, wie es einem beliebt. Man bringt sie ganz leicht zu den Schmetterlingen oder den Schmeißfliegen, zu den Bienen oder den Blattwanzen, je nach faunistischer Gartengrundausstattung oder persönlicher Vorliebe.



Streifen machen nicht nur schlank - dieser Ruhesitz ist es auch. Zusammengeklappt macht er sich sagenhaft dünn und trägt auch in beengten Stauräumen nicht auf.


Hat man die Falttechnik nach Origami-Art erst einmal verinnerlicht, geht das Klappen ganz rapide von der Hand. Meine Liege hat drei Stufen, in denen sie einrasten kann, um die Sitzposition zu variieren. Außerdem gibt der Stoffbezug wunderbar nach und passt sich der Körperform an wie kein Holz es jemals könnte.

Waren diese Klappstühle früher als Todesfallen mit Unfallgarantie bekannt, muss man heutzutage keine Angst mehr davor haben, dass das Gestell unvermittelt unter dem Allerwertesten nachgibt. Mittlerweile gibt es diverse Sicherungsmechanismen, die die tragenden Teile am Unterbau verankern.

Ich jedenfalls möchte meine gestreifte Lümmel-Liege nicht mehr missen. Wir passen einfach zueinander -  Preis und Komfort von diesen Dingern sind ungeschlagen.
Und sollte doch mal eine Mönchsgrasmücke Holunderflecken auf dem Stoff hinterlassen, kann man ihn zur Not auch austauschen.

Bequemer und billiger ist ein Ruhesitz jedenfalls kaum zu bekommen. Und schließlich können sich diese Berliner hier doch nicht alle irren?