Ein Urlaub am Meer ist immer schön, aber geht auch mehr als Meer? Ich bin da ja durchaus anspruchsvoll, am meisten freue ich mich über Tage an der Küste, an denen es auch Blumen, Insektengesumme und Vogelgezwitscher zusätzlich zum Meeresrauschen gibt.
Und was ist schöner, als sonnige Junitage mit Ruderalflächen, die in Rot und Blau explodieren?
Auch auf Rügen gibt es Morgen-, Mittag- und Abendrot mit Klatschmohn bei jedem Wetter. Wenn man früh aufsteht, kann man die Blüten im Gegenlicht fotografieren. Das hier war um kurz nach 6, noch vor dem Frühstück:
Der Mohn ist aber nicht allein, zwischen ihm wachsen auch die Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis) und der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) in kühlem Blau.
Und während der Mohn vor allem bei Hummeln punktet, finden sich an Ochsenzunge und Natternkopf auch die Schmetterlinge ein - und was für welche!
Der Hauhechel-Bläuling, das Kleine Wiesenvögelchen und der Hummelschwärmer dachten eigentlich, sie hätten die ganzen vielen Blüten und vor allem den Klee für sich allein, doch im Moment findet eine gigantische Invasion der wandernden Distelfalter statt, eine sehr leise Landnahme. Es sind Hunderte, sie sind einfach überall. Bestimmt denken die sesshaften Schmetterlinge nun: "Na, toll, immer diese Touristen, jetzt fressen sie uns auch noch den Nektar weg, die blöden orangefarbenen Angeber. Sollen doch selbst mal hier den Winter verbringen, diese warnwestenfarbigen Weicheier." Oder so ähnlich.
So eine Invasion mal hautnah mitzubekommen, ist schon was Besonderes. Besonders ist auch, dass die Distelfalter dieses Jahr anscheinend über eine östliche Wanderroute von Afrika über Israel aus einwandern. Dann weiter vom Balkan ins Baltikum haben sie nun auch Rügen erreicht, schon auf dem Weg auf die Insel haben sie hinter Berlin ständig den ICE begleitet, vielleicht wollten sie sich vom Fahrtwind mitreißen lassen, doch so richtig rasend schnell fährt der Zug auf dem Teil der Strecke nicht. Hilfreich sind natürlich auch die vielen blühenden Ruderalflächen an der Bahnstrecke und das Fehlen von Hindernissen, da tut man gut daran, den Gleisen zu folgen - wenn nur die lästigen Bahnhöfe nicht immer Weg wären.
Auf den Skabiosen-Flockenblumen wurde ganz besonders oft geschubst und gedrängelt, aber drei Distelfalter fanden nie auf einer Blüte Platz, der Klügere gibt eben nach.
In diesem Vorgarten freuen sie sich über die Spornblumen - auf dem rechten Bild sind 8 Falter zu finden:
Es gibt also doch mehr als Meer an der Ostsee - und was ist schöner als eine wilde Wanderwelle reisender Distelfalter?



























