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Samstag, 25. Juli 2026

Wenn Schädlinge geschädigt werden

Schädlinge haben es auch nicht leicht! Da denkt man immer, Schnecken, Erdflöhe und vor allem Kohlweißlingsraupen können sich einfach alles erlauben, aber auch sie brauchen mehr Glück als Verstand. Das konnte ich jetzt wieder erleben.

Seit Jahren habe ich diesen einen unsterblichen Palmkohl im Kübel auf der Terrasse, der diverse Pflanzennachbarn ertragen muss, nicht blühen mag und daher immer weiter wächst. Gut, der große Strunk ist einer Pilzkrankheit zum Opfer gefallen (davor schützte Blühfaulheit offenbar nicht), aber er hatte einen Seitentrieb, der sich die Pest nicht eingefangen hat und jetzt ordentlich groß geworden ist.

Zwei Kübel weiter hatte ich im Dezember einen winzigen Sämling vom Helgoländer Klippenkohl eingepflanzt. Der ist von Hause aus ein ewiger Kohl, den man (hoffentlich) für immer hat. Der kleine Kerl ist schon recht stattlich geworden für sein erstes Jahr auf dem Festland.

Stattlich ist dieses Jahr auch die Anzahl an Weißlingen. Sowohl der Kleine als auch der Große Kohlweißling sind erfreulicherweise wieder häufig zu sehen, das war schon mal anders. Besonders der Große hatte sich in den letzten Jahren rar gemacht.

In meinen Garten sind dann auch einige schöne weiße Weibchen beider Arten geflattert und zeigten großes Interesse an den beiden Kohlpflanzen. Wir erinnern uns: Daneben wächst Minze und das hat die Falter sonst immer von der Eiablage abgehalten, zu groß war die olfaktorische Verwirrung. Diesmal nicht, es wurden Eier gelegt, was das Zeug hält.

Und es schlüpften auch einige Raupen. Ich hatte zwischendurch schon große Angst um die beiden kleinen Kohlgewächse. Doch schlüpfte nicht aus allen Eiern eine Raupe, und mit der Zeit verschwanden immer mehr Larven.

Zuerst wurden die samtig grünen Raupen vom Kleinen Kohlweißling weniger. Dabei hatten sie sich so große Mühe gegeben, nicht aufzufallen. Die Farbe ist vor allem auf dem Klippenkohl fast nicht zu sehen, und nach jeder Häutung wurde sogar feinsäuberlich die alte Larvenhaut aufgefuttert, um nur ja keine Spuren zu hinterlassen. In Ruhe setzen sie sich auf die Mittelrippe, was sie extrem gut tarnt.

Finde die Raupe:

Der Große Kohlweißling legt immer gleich ein ganzes Gelege von Eiern, aus dem die Räupchen gleichzeitig schlüpfen und sehr gesellig beieinander bleiben. Man häutet sich zusammen und frisst zusammen. So eine gefräßige Raupengruppe kann schnell kurzen Prozess machen mit einem kleinen Kohl. Ich wollte die Bagage schon auf die Kapuzinerkresse umsiedeln, habe dann aber doch abgewartet und dabei zugesehen, wie die Geschwister einträchtig ihre nächste Häutung vorbereiteten. Nur die kleinste Raupe hatte sich abgesondert. Deswegen war sie wohl auch noch da, als die anderen längst spurlos verschwunden waren. Es hat aber nur ein paar Tage länger gedauert und dann war auch das Nesthäkchen weg.

Ich habe die Kohlmeisen im Verdacht, die ständig auf der Terrasse herum lungerten und noch späte Jungvögel mitbrachten. Also doch keine unbesiegbaren Schädlinge, obwohl die Raupen sicher sehr nach Senfölen geschmeckt haben. Jetzt taten sie mir wirklich leid und ich hätte gern ein paar von ihnen behalten.

Nur eine letzte Raupe vom Kleinen Kohlweißling ist noch da, wirkt aber sehr träge. Doch was krabbelt da auf ihr herum?



Tja, auch diese wird sich nicht zu einem weißen Schmetterling entwickeln, denn das sind Erzwespen, vermutlich die Art Baryscapus galactopus, die wiederum ein Hyperparasit ist und in den Raupenkörper hineinsticht, um Eier in die parasitische Larve der Schlupfwespe Hyposoter ebeninus zu legen, nicht in die Raupe selbst.


Die Raupe ist also schon parasitiert, die an ihr herum wuselnde Erzwespe macht es jetzt auch nicht mehr schlimmer, im Gegenteil, zukünftige Generationen von Kohlweißlingen werden es ihr danken, dass sie den Parasitoiden dezimiert.

Das zeigt aber, dass man bei Kohlweißlingen nicht immer in Panik verfallen muss. Jetzt finde ich es doch schade, die Raupen alle verloren zu haben.

Samstag, 25. Oktober 2025

Auslegeware

Ich gebe zu, dass ich von Teppichen auf der Terrasse oder im Garten nicht allzu viel halte. Dann müsste ich ja draußen auch staubsaugen, von dreckigen Katzenpfoten mal ganz zu schweigen. Oder die Outdoor-Textilien würden womöglich Mikroplastik in der Gegend verteilen. Auch blöd.

Nun habe ich aber doch Auslegeware im Garten, die die Terrasse in zünftigen 70ies-Farben einkleidet, und zwar in grün mit ganz viel orange. Die ist immerhin biologisch abbaubar, essbar und beim ersten Frost spätestens Matsche, und zwar derart, dass selbst ein Staubsauger machtlos wäre: Die Rede ist von der Kapuzinerkresse, die ich sehr spät im Sommer gesät hatte, und es waren sogar schon recht alte Samen.




Je oller, je doller, das ist das Motto von Tropaeolum majus.

Der Anfang ist einfach: Man muss nur Samen in Erde stecken und schauen, dass sie nicht austrocknen. Sie keimen ganz leicht und willig.

Bei genügend Nährstoffen in der Topferde ergießt sich die Einjährige aus Südamerika dann später wie ein rankender Wasserfall aus dem Kübel heraus und schmeißt sich an alles ran, was sie erreichen kann mit ihren saftigen Ranken. Die großen runden Blätter mit dem Zentralgestirn in der Mitte, aus dem wie Strahlen die Blattnerven abzweigen, sind essbar, schmecken scharf nach Senfölen und sollen als pflanzliches Antibiotikum wirken.

Die großen Samen, die meistens als Dreigestirn heranwachsen, lassen sich reichlich ernten, trocknen und im nächsten Jahr wieder aussäen. Oder im übernächsten, sie sind sehr langlebig.


Dieses Mal war ich verblüfft, dass ich mehrere grasgrüne Pflanzen aus den selbst gezogenen Samen bekommen habe und eine mit panaschiertem Laub.

Es gibt auch Sorten mit anderen Blütenfarben, die nicht ganz so 70ies-mäßig daherkommen.

Wüchsiger als die panaschierte ist bei mir die Kapuinerkresse mit den normalen, grünen Blättern. Die wächst sich wirklich die Seele aus dem Leib. An ihr hat auch der Kleine Kohlweißling Eier abgelegt, die aber wohl nie geschlüpft sind. Ich habe da den Unbeständigen Schmalhans im Verdacht, eine kleine Wanze, die ihre Zelt in all meinen Kübeln aufgeschlagen hat.

Im Botanischen Garten hatte es beim Großen Kohlweißling besser geklappt mit der Kapuzinerkresse, die dort im Heilpflanzengarten die Auslegeware der Hochbeete mimt:


Man sollte die Blätter wirklich öfter als Gemüse betrachten und in Kräuterquark essen. Jedes Mal nehme ich mir das vor und verpasse es dann doch wieder, bis es zu Frost kommt, und dann taugen sie nur noch als Smoothie, was aber eklig wäre.

Vielleicht klappt es ja diesmal. Samen für's nächste Jahr habe ich jedenfalls schon gesammelt von dieser feschen Auslegeware, die so einfach zu ziehen ist und immer für gute Laune gut ist.

Samstag, 21. September 2024

Blau wie das Meer

Er wächst im Niemandsland zwischen Meer und Festland und kann sich daher nicht entscheiden, ob er blau wie das Meer oder blau wie der Himmel sein möchte: Der Meerkohl (Crambe maritima). Er ist bei uns einzigartig, was sich schon im Gattungsnamen ausdrückt, denn er gehört nicht zu den anderen Kohlvertretern namens Brassica.


An der Ostsee zwischen Kiel und Flensburg wächst er ganz besonders häufig, sogar in Pflasterfugen, wo der Deich befestigt wurde. Seine Blätter sind von diesem unglaublichen Blau und noch dazu zäh wie Leder, fast schon sukkulent. Und diese robuste Konstitution braucht er dringend, denn er muss auch mal der Brandung und vor allem dem oft ruppigen Wind standhalten.

Seine Samenkapseln sind harte Kugeln, die so einiges aushalten. Jetzt im September war er schon verblüht.

Was auffällt: An der Ostsee sah ich deutlich mehr Große Kohlweißlinge fliegen als bei uns. Diese Art ist wegen ihrer gregären Lebensweise, bei der das Weibchen ein großes Eicluster an eine Pflanze legt, seltener als der Kleine Kohlweißling oder der Grünaderweißling, die einzelne Eier ablegen. Sie kommen daher auch mit mickrigen Appetithäppchen von Pflanze aus wie einem zu klein geratenen Grünkohl. Der Große aber braucht schon eine gestandene Pflanze.


Leider war der Urlaub vorbei, bevor ich herausfinden konnte, welchen Schaden die Raupen am Meerkohl anrichten können. Juckt es ihn überhaupt? Die dicken Blätter erlauben vielleicht mehr Fraßschaden als bei gewöhnlichem Kohl. Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass die Art danke des Meerkohls an der Ostsee so oft zu beobachten war, immerhin wächst er pestizidfrei heran und niemand sammelt die Raupen ab.








Meerkohl ist auch für uns essbar, nicht nur für Kohlweißlinge. Man sollte ihn aber wild nicht sammeln, da er ständig in Bedrängnis ist durch Urlauber, die in den Dünen herumlaufen oder -liegen, und das Verbauen oder Ummodellieren von Strandabschnitten. Ein Überwuchern durch Kartoffel-Rosen kann ebenso ein Problem sein. Auch Sturmfluten setzen ihm zu, die durch den Klimawandel häufiger werden. Alles in allem sind Kohlweißlinge wohl sein geringstes Problem.


Man kann ihn aber auch im Garten anbauen. Er braucht unbedingt viel Platz um sich herum und volle Sonne, wie er es am Strand vorfinden würde. Er ist eben doch ein sonnenverwöhnter Ostseeurlauber.

Im Botanischen Garten in Frankfurt am Main kann man ihn in eine Dünenlandschaft integriert sehen. Trockenheitsverträglich ist er definitiv.

Ein Tipp also für den wilden, essbaren Garten.