Samstag, 1. Juni 2019

Im Garten die Welt retten

Da war noch die eine Tomate, für die keine Blumenerde mehr übrig war. Also musste es doch mal wieder eine Radtour zum Gartencenter geben, um einen Sack Erde zu kaufen. Alles um die 40 Liter lässt sich gut über den Gepäckträger werfen. Obwohl man immer Angst hat, auf halbem Wege eine Spur Erde zu hinterlassen wie weiland Hänsel und Gretel mit Brotkrumen, sind die Säcke erstaunlich reißfest. Es ist noch nie einer kaputtgegangen. Man sollte trotzdem keinen auf eine Nordpolarexpedition mitnehmen. Nun standen wir aber erstmal vor den Regalen mit Blumenerde. Torffrei sollte es sein, denn die Moore sind nicht nur wichtig fürs Klima, sondern auch für die vielen Tiere und Pflanzen, die darin leben. Das meiste war allerdings torffrei mit Guano, was auch wieder blöd ist, da die Ernte die Seevogelbrutplätze zerstört. Am Ende ist es die Baumarkt-Eigenmarke geworden, ohne Torf, ohne Guano, wie sich zuhause herausstellte aber mit viel Rinde. Nadelholz noch dazu. Die Tomate wird sich bedanken.

Man sieht, die Welt im Garten zu retten ist gar nicht so einfach, irgendeine Falle gibt es immer, durch die der ökologische Fußabdruck trotz aller Bemühungen und Nervenkitzel auf dem Fahrrad doch eine Nummer zu groß zu werden droht.

Immerhin meine Aurorafalter-Zucht am Wiesen-Schaumkraut und am Einjährigen Silberblatt gedeiht gut und ich freue mich, dass mein Garten doch ein bisschen was richtig macht in Sachen Gärtnern für Tiere.





Einer, der sich noch intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt hat, ist der britische Biologe Dave Goulson. Zum umweltfreundlichen Gärtnern hat er ein neues Buch geschrieben, das verblüffenderweise zuerst in der Übersetzung, dann im Original erscheint: "Wildlife Gardening - die Kunst, um eigenen Garten die Welt zu retten" aus dem Hanser-Verlag - garniert mit schönen Zeichnungen.



Das torffreie Gärtnern thematisiert er auch, außerdem erfährt man, wie man Hummeln, Ohrwürmer, Nachtfalter und Wildbienen ansiedeln kann, eine Obstwiese anlegt, dass man den Rasen auch mal blühen lassen sollte und ob heimische Pflanze im Garten besser sind als eingeführte. Das alles erzählt Dave Goulson durchaus mit Humor, für die deutschen Leser sind zusätzlich manchmal Fußnoten ergänzt, zum Beispiel, dass Rhododendron ponticum bei uns nicht verwildert ist.


Das Buch eignet sich nicht immer als Gute-Nacht-Lektüre, wenn man nämlich liest, dass amerikanische Gärten von der Regierung verordnete Giftduschen ertragen müssen, um den Zika-Virus einzudämmen, was zwar anscheinend nicht klappt, aber alle anderen Insekten dahinrafft. Danach ist einem schlecht und man kann noch schlechter einschlafen.


Erschreckend auch die Untersuchungen an Pollen und Nektar der im Baumarkt und im Gartencenter gekauften Pflanzen, die einen ziemlich hohen Wert an Neonicotinoiden erbracht haben. Blöd, wenn man extra bienenfreundliche Blumen kauft, die die Bestäuber dann vergiften.



Nicht ganz so gut hat mir das Kapitel mit dem klimaschädlichen Fleischkonsum gefallen, das Dave Goulson durch Einsammeln von überfahrenen Tieren angeht, gern wird auch mal ein Reh mitgenommen. Hier fehlt die Fußnote, dass das in Deutschland nicht erlaubt ist.


Auch findet sich ganz zu Anfang ein Übersetzungsfehler: Der Aurorafalter frisst nicht an den Schoten von Knoblauch und Weg-Rauke, sondern an Knoblauchs- und Weg-Rauke. Da die englische Sprache gern Bindestriche einspart, kann man sich denken, wo der Fehler herkam: "garlic and hedge mustard", also auch im Original schon missverständlich.


Jedenfalls sollte dieses Buch von jedem Gartenbesitzer gelesen werden, dann schaffen wir es zusammen vielleicht doch, die Welt zu retten. Ich habe mir jetzt vorgenommen, keine Stauden mehr ohne Biosiegel zu kaufen oder nur noch alles selbst zu vermehren, sicher ist sicher.

Kommentare:

  1. Ein toller Beitrag. Zu den ersten Bäumen, die wir gepflanzt haben, gehört die Säulenzierkirsche - ein Fehler, weil sie keine Nahrung für Tiere bietet... Wir haben es bemerkt und pflanzen jetzt ausschließlich Pflanzen, die ökologisch "sinnvoll" sind... Lasst uns mit unseren Gärten die Welt retten oder zumindest einen Beitrag leisten...

    AntwortenLöschen
  2. im Kleinen kann man viel erreichen, nur wie erreichen wir gartenbesitzer, die alles pflegeleicht haben wollen und alles mit Steinen zuschütten. Dabei wäre dies ein wunderbarer Untergrund für einen Präriegarten, und eine Vielzahl von sonneliebenen Trockenstauden. aus einem Rasen wurde im laufe der jahre eine Wiese, sie wird seltern gemäht und so siedeln sich viel Wildstauden an. Nun brauch ich auch keinen Fußballplatz mehr für meine Enkel und es gibt anderes zu entdecken. aber sie wird auch wie eine Wiese in längeren Abständen gepflegt. Auf Amrum und auch an den Küsten gab es wunderbare blütenreiche Wiesen mit vielen Seevögelgelegen, die regelmäßig von Schafen abgeweidet wurden. Dann kam der Naturschutz und das Weiden wurde untersagt. den Vöglen fehlte das kurze Gras und kein Vogel brütet dort mehr im einseitigen Bewuchs. dies las ich in den Amrumer Nachrichten. und das stimmt mich doch nachdenklich, das wäre so als würde man die Almen nicht mehr beweiden, dann wäre auch dort bald wieder nur Wald und keine bunter Bergwiese.
    Allerdings ohne Pflege gehts auch nicht im wilden garten , dann würden einezeln Pflanzen überhand nehmen . liebe grüße von Frauke

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Elke,
    mit dem Fahrrad auf Gartenerdetransport...alle Achtung. Bei meinem Baumschuler war heute das Staudenquartier schon gut geleert, doch ich konnte noch ein paar Lückenfüller für die Insekten bekommen. Ich kaufe nur noch dort, da es ein zertifizierter Betrieb ist und nach ökologischen Gesichtspunkten arbeitet. Jeder Gartenbesitzer kann etwas tun, es muss nur bei vielen noch das Bewusstsein kommen und der Schotter und die Giftspritze weg.
    Lieben Gruß, Marita

    AntwortenLöschen
  4. Oh, das hört sich nach einem Buch an, das unbedingt noch in die Sammlung muss (obwohl ich keine mehr kaufen wollte, aber das hört sich zu gut an). Wiesen-Schaumkraut ist bei uns im Garten leider nie wild aufgetaucht. Ich liebte als Kind die gelben und violetten Hänge der Streuobstwiesen im Frühling, mit Schlüsselblumen und Schaumkraut. Danke für das herrliche Bild (die Erdspur hinter dem Fahrrad!)- ich hoffe, die Tomate wächst trotzdem, nach all der Mühe. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, Bianca

    AntwortenLöschen
  5. Die vegane Erde, die ich gekauft habe, war nichts für die Pflanzen.da muss ich nochmals über die Bücher...
    Danke für den Gifthinweis zu den Kaufpflanzen. Werd ich mir merken...
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  6. Mit der richtigen Erde kämpfe ich jedes Mal, wenn ich im Gartencenter bin. Inzwischen findet man wenigstens torffrei und fürs Hochbeet geeignet. Also für den Gemüseanbau. Dafür muss man aber echt viele Tüten umdrehen und auf den Inhalt schauen.
    Jetzt hab ich das Wildlife Gardening schon zweimal....da muss ich mir was einfallen lassen. Auf jeden Fall endlich mal lesen....;-)
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen
  7. Meine Beetstauden kaufe ich alle bei "ordentlichen" Gärtnereien. Einige davon sind sogar Bio-Zertifiziert. Aber die ordinäre Balkonblume ist tatsächlich aus dem Gartencenter. Ich hätte nie einen Gedanken daran verschwendet, dass die giftig sein könnten. Erschreckend!
    Liebe Grüße,
    Krümel

    AntwortenLöschen
  8. Es ist wirklich nicht einfach! Blumenerde möglichst ohne Torf und Guano und dann auch noch möglichst plastikfrei verpackt! Ich versuche, auf möglichst viel zu achten... aber alles schaff ich nicht.
    Dass Pflanzen aus dem Gartencenter mit allerhand Mitteln behandelt sind, habe ich schon vermutet. Also muss ich da auch noch viel mehr darauf achten! Eine Wissenschaft für sich!
    Viele Grüße von
    Margit

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Elke,
    das ist für mich ein interessantes Buch, soll unser Garten doch naturnah sein und schöne Zeichnungen sehe ich mir immer gerne an, genauso wie Deine wunderschönen Bilder.
    Ja leider falle ich beim Kauf auch schon mal rein und merke dann erst zu Hause, was ich da gekauft habe. Beim genauen Lesen dessen, was da so alles aufgedruckt ist, stelle ich dann meist fest, dass es im Kleingedrucktem durchaus erwähnt wird und ärgere mich dann, dass ich das nicht schon im Laden gelesen habe...
    Wir versuchen es jetzt auch mal wieder mit Tomaten, habe sie aber einfach in Kompost gesetzt. Mal sehen, ob wie diesmal Erfolg haben.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    AntwortenLöschen
  10. Liebe Elke,
    ich hab zwar auch einen Haufen Viechzeug im Garten, aber ich denke nie groß drüber nach und lass sie einfach machen. Die Fauna kümmert sich schon alleine. Käfer freunen sich über Blattläuse, Vögel über Käfer und Raupen, Katzen und Greifvögel über Vögel und Mäuse. Eigentlich hat die Natur alles alles richtig eingerichtet. Warum muss der Mensch bloß immer dazwischen funken.
    Ganz viele liebe Pfingstgrüße sendet dir die Urte

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Elke,
    Ja, es ist nicht so einfach, denn alles kann man kaum richtig machen. Aber ich denke, wenn wir alle ein wenig darauf achten, kann schon ganz viel passieren. Das Buch ist sicher gut, um sich ein paar Dinge bewusster zu machen.
    Liebe Grüße
    Steffi

    AntwortenLöschen
  12. So refreshing to see insects enjoying your garden - instead of the frantic What can I do to stop them eating my plants?!

    AntwortenLöschen

Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich mit der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten durch diese Website einverstanden.

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...