Samstag, 13. Februar 2016

Gärtnern vor Publikum

Das Null-Euro-Beet ist ganz idyllisch gelegen zwischen einer Reihe Garagen und einem China-Restaurant, das seit ein paar Monaten geöffnet hat und damit auch mein kleiner wilder Hinterhofgarten. Man darf sich seitdem nie unbeobachtet wähnen. Die Restaurantbesucher haben Logenplätze und können gleichzeitig Peking-Ente süß-sauer vertilgen und mir gemütlich im Warmen sitzend bei meiner Beet-Slapstick zuschauen.



Richtig sicher fühlt man sich nur vormittags, wenn der Hunger auf Nasi-Goreng bei normalen Menschen doch eher gering ausfällt. Die Mittagspause aber für's Unkrautzupfen nutzen? Kann man vergessen, da wird gespeist, was das Zeug hält. Nur der Ruhetag am Montag ist garantiert zuschauerfrei.

Da ich eher am Wochenende Zeit habe für Scherenakrobatik, muss ich damit leben, dass sich die Leute über mich amüsieren. Drinnen sitzen also gut gekleidete Menschen, draußen hockt eine Verrückte in ihren ältesten Klamotten zwischen verblühten Nachtkerzen und auf Krawall gebürsteten Brombeeren.

Für meinen mehr oder weniger gekonnten Ausfallschritt ins Beet, um an noch mehr alte Stängel vom letzten Jahr heranzukommen, ohne die Krokusse zu zertreten, ernte ich jedenfalls keinen Applaus, obwohl ich ihn ja wohl verdient hätte. Die Nachtkerzen schlagen beim Abschneiden mit Wucht zurück und mir mit Schmackes ins Gesicht. Ich bilde mir ein, ich würde Gelächter auf den Zuschauerrängen hören, wie in Sitcoms üblich.


Mein grimmiges Gesicht beim unbeabsichtigten Kuscheln mit einer Brennnessel oder beim Entwirren von amoklaufenden Brombeerranken kriegt hoffentlich angesichts einer Getränkebestellung keiner mit. Mittlerweile habe ich auch Durst.

Schließlich ist es soweit, die Altlasten liegen verstreut auf dem Rasen herum und die Biotonne kann wie eine Weihnachtsgans gestopft werden. Auch das geht leider wieder nicht elegant über die Bühne, so sehr ich mich auch bemühe. Ich setze mein ganzes Fliegengewicht ein, um die Zweige in die Untiefen der Tonne zu quetschen, damit ich den nicht unerheblichen Rest auch noch hinein bekomme. Am Ende blute ich auch noch aus mehreren Stichwunden an den Fingern in die Biotonne (die Brombeeren schon wieder), weil ich ja eigentlich nur mal kurz nach dem Rechten sehen wollte und keine Handschuhe mitgenommen habe. Irgendwann ist doch alles verstaut. Ich sehe davon ab, mich zu verbeugen.

Dann kommt die komische Gartenfrau auch noch mit der Kamera wieder und fotografiert das Unkraut...

Vielleicht sollte ich doch Eintritt nehmen oder am Ende der Vorstellung mit einer Trinkgeldbüchse rumgehen, immerhin bekommen die Restaurantbesucher sicher nicht oft so eine schaurige Show geboten...


* Die Bilder zeigen: Es blüht im Null-Euro-Beet! Die geretteten Elfenkrokusse aus der Mülltonnenaktion letztes Jahr sind glücklich, auch ein paar Schneeglöckchen aus meinem Vorgarten blühen dort. Die Rosette dieser Pflanze lässt mich grübeln, was das wohl werden soll, wenn's fertig ist - Ochsenzunge vielleicht? Was meint ihr?


Kommentare:

  1. Du hast es auf den Punkt gebracht, liebe Elke! Besser kann man es nicht beschreiben! Dann weißt Du ja, wie sich mein Gärtnern anfühlt, denn mit permanenten Zuschauern lebe ich Tag für Tag seit über 3 Jahren und das zu den unwirtlichsten und keineswegs sicheren Zeiten bei allein den vielen Passanten, die unseren Gehsteig passieren. ;-)
    Aber lanngsam bewächst der Zaun und so hoffe ich, gegen so manche Blicke abgeschirmt zu werden. Denn so macht entspanntes Gärtnern keinen Spaß, geschweige denn Relaxen im Garten. ;-)

    Liebe Grüße
    Sara

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  2. Ich hatte einen Nachbarn (mittlerweilen ist er umgezogen) der sass in seinem Gartenstuhl im Logenplatz, und hat mein wirken lautstark kommentiert.....
    Ich hoffe, das Null-Euro-Beet kann sich etwas verstecken, oder der Chinese ist nicht halb so gut wie angenommen, und muss dicht machen. Deinem Seelenfrieden beim Gärtnern zu Liebe
    Herzlichst
    yase

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    1. Der Chinese ist quasi ein Haus weitergezogen und war vorher schon rasend gut besucht...

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  3. Du könntest *Fotos mit der Gartenfee* anbieten, solltest halt drauf achten, dass du kein Loch im Hintern an der Hose hast.

    Sigrun

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  4. Hallo Elke,
    ich denke die letzten Bilder zeigen Hesperis matronalis (http://www.wildstaudenzauber.de/Stauden/hesperis_matronalis.htm).
    Dein Buch liegt auf meinem Tisch. Wenn nur der Frühling nicht so früh gekommen wäre!?
    Gruß Jochen

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    1. Hallo Jochen!
      Jaaaaa, danke, auf Hesperis matronalis wäre ich nie gekommen. Wie sind die Samen nur dahin gelangt? Ob die im Boden überdauern können wie Mohnsamen?
      Leider kann ich auf deinem Blog nicht kommentieren ohne Google+.
      VG
      Elke

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  5. Ja, das ist eine Nachtviole. Vielleicht war ein Vogel erst bei mir in Theesen und hat die Samen danach bei dir... verloren :-)

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  6. Wenn ich das lese bin ich froh daß ich rundherum Ruhe habe :) aber sehr amüsant beschrieben. Ein nerviger Nachbar oder ein Restaurant als Nachbar, ich wüsste nun nicht was ich schlimmer fände.

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  7. gut gekleidete menschen im chinarestaurant???
    ;-)
    sehr lustig geschrieben meine liebe! applaus! (wenn du schon keinen fürs dich-im-beet-verrenken bekommst!)
    zum glück liegt der bahnwärtergarten mitten im wald - und die züge sind meist viel zu schnell als dass die passagiere irgendwas sehen könnten - also wird von mai bis september im bikini gegärtnert!
    (und sofort sind alle züge dieses sommers zwischen DD und prag ausverkauft ;-P)
    xxxxx

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  8. Wunderbar beschrieben! Ich glaube, jeder der Zuschauer in seinem Garten, bzw. bei der Gartenarbeit hat, kann es sehr gut nachvollziehen und dich verstehen. Ich wünsche dir trotzdem einige ruhige Momente, in denen du deinen Garten nur für dich genießen kannst.
    Viele Grüße Doris

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  9. Liebe Elke,

    mit viel Genuss habe ich wieder Deinen Beitrag zum Thema: Gartenarbeiten als öffentliche Belustigung gelesen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sich das für Dich anfühlen mag - mein Garten ist auch von 4 Nachbarhäusern einsehbar und die Gartenstile sind nicht unisono mit meinem. Aber ich habe eine Idee für dich: Stell doch einige große Bilderrahmen im Gärtelein auf, versehen mit einem Hinweis: Zuschauen 5 Euro je halbe Stunde. Wenn Du dann toll im Bilde bist, kannst Du doch noch was damit verdienen und auch das Unkraut bleibt dann gewissermaßen im Rahmen .... ;-))

    LG Marion

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  10. köstlich dein Beitrag..
    wenn das Restaurant nicht auf wesentlich höherem Niveau liegt ließe sich der Bereich dortin vielleicht begrünen .. mit einer Pergola und Kletterpflanzen??
    liebe Grüße

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    1. Es liegt leider tatsächlich auf höherem Niveau. Die Hoffnung ist, dass der Betreiber irgendwann selbst mal eine Hecke pflanzt, aber das wird wieder Thuja, wetten?

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  11. ... ich tippe auch auf Hesperis, denn meine Sämlinge sehen ganz ähnlich aus. Ein paar versuche ich grad umzupflanzen - sie sehen alles andere als glücklich am neuen Platz aus.
    Keep smiling Renate

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  12. Good grief! I can't imagine getting on with gardening while restaurant customers observe me. Hopefully some are gardeners and 'sympathisch'

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  13. Der Pflanzenexperte bist ja eigentlich du...ich hab grundsätzlich Probleme, zweijährige zu erkennen. Inzwischen gelingt es mir wenigstens, Fingerhut von der Königskerze zu unterscheiden. Im Zweifelsfall bleibt alles an 'Unkraut' im Beet, bis ich weiß, was es ist....:-) Ja, das Gärtnern in der Stadt ist schon lustig....ich fühle mich leider im eigenen Garten ähnlich beobachtet. Das sind dann wenigstens immer die gleichen erstaunten Gesichter...
    LG Sigrun

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  14. Nun mußte ich noch einmal lesen kommen, denn mich interessieren auch die Kommentare zum Thema :-)
    Das mit den Bilderrahmen werde ich vielleicht sogar mal aufgreifen, im Ernst jetzt! :-) ;-) Wenn sich mancher vielleicht auch brüskiert fühlt ... Die armen Leute können schließlich auch nichts dafür, wenn sie an unserem Garten vorbei müssen. Da gibt's leider kaum Ausweichmöglichkeiten. (Wenn ich das vorher "gewusst" hätte - aber so ähnlich wohnten wir ja schon mal ... und was anderes Passendes zu finden ist bei uns seeeehr schwierig, vor allem, wenn die Zeit drängt...)
    Tja und das mit dem grimmigen Gesicht ... ich habe leider manchmal den Verdacht, die Passanten denken, es sei auf sie gemünzt (was so abwegig manchmal nicht ist ...)

    Die Rosette kann durchaus die Mondviole sein, wie hier schon angeklungen war. Ich konnte von unterwegs leider nicht so viel auf dem Tablet schreiben. Wobei das Blattwerk recht unterschiedlich sein kann - aber die andere ist ja die Nachtviole Lunaria rediviva ... welche gern verwechselt werden. ;-)

    http://mein-waldgarten.blogspot.de/2012/05/silbertaler-mondviole-judaspfennig.html

    http://mein-waldgarten.blogspot.de/2014/05/mondviolen.html

    Und in diesem Post kannst Du eine meiner Mondviolen-Rosetten sehen

    http://mein-waldgarten.blogspot.de/2015/03/die-kraft-die-die-erde-durchdringt.html


    So geht es also einigen Anderen ähnlich ... ich komme mir nämlich langsam "komisch" vor, weil ich in einem Dorf wohne, wo die anderen Nachbarn in der Umgebung scheinbar öffentliches Gärtnern geradezu lieben - wobei ... die gärtnern ja auch kaum .... fast nur Rasenflächen ;-) ;-)

    Liebe Grüße
    Sara

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  15. Genau, an die Nachtviole habe ich auch gleich gedacht, denn mein wieder getopftes Pflänzchen sieht Deinem sehr ähnlich. Die Kinder der Mutterpflanze schafften es übrigens auch mal vom Wiesenrand am Haus nach hinten zur Betonfläche. Die Saat scheint also recht wanderfreudig zu sein …

    Und Deine bühnenreife Vorstellung beschreibt unheimlich gut, warum mein Vorgarten nach fast 20 Jahren immer wilder wird - ebenso wie der weiße Vorgarten in BS mit seinen inzwischen 32 Jahren. Beide bräuchten ganz dringend mal eine Überarbeitung.
    Und auch wenn ich mit zerschlissenen, dreckigen Arbeitsklamotten die Haustradition in Hannover perfekt fortsetze, so stelle ich meine gealterten akrobatischen Fähigkeiten doch nicht so gern auf dem Präsentierteller unter Beweis. Zumal ich unsere ca. 8m lange Ligusterhecke zum Fußweg auch nach 20 Jahren noch immer mit der Rosenschere schneide, und dafür jedes Mal Kopfschütteln hinter diversen Fensterscheiben, von Fußgängern und Hundebesitzern ernte, da es dafür doch schließlich elektrische Heckenscheren gibt!
    VG Silke

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  16. Ich habe mich gerade richtig gut amüsiert liebe Elke. Dennoch hab ich allen Respekt vor Dir. Oh Mann! Das würde mich sowas von nerven. Mir reicht schon die eine Nachbarin die mich hinter ihren Thujas hervorspitzt und beobachtet. Lass Dich nicht unterkriegen!
    VG Sabine

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  17. Guten Morgen Elke!
    Der Text....einfach herrlich wie immer,aber nur Gedanke an einen einsehbaren Garten, geht für mich gar nicht.Wir sind in der glücklichen Lage, dass unser Garten vorfremden Blicken völlig verschont bleibt und wir dort treiben können, was und wie wir wollen;) Naja...viell. läuft das Restaurant doch nicht so gut wie befürchtet ;)
    LG
    Sabine

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  18. Hallo Elke, danke für deinen amüsanten Post - so druckreif beschrieben, musste ich doch sehr schmunzeln auch wenn ich dich um die Lage des Beetes nicht beneide. Mein Garten ist zwar vom Nachbarn einsehbar, doch der hatte sich nur in einem Jahr gewundert, als wir in der Dämmerung mit Stirnlampen ausgerüstet durch die Beete wuselten auf der Suche nach Schleimern...und wir waren sowas von erfolgreich. ;-))
    LG & einen schönen Sonntag, Marita

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  19. Hallo Elke,
    vielleicht solltest du mal über einen Preisnachlass für dich beim Essen sprechen!!! Ich frage mich übrigens auch öfter was die Nachbarn so über meine Fotografierwut denken. "Jetzt hängt die schon wieder total verrenkt über einer klitzekleine Blüte" Womöglich noch bei Nieselregen.
    LG Dagmar

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  20. Herrrlich - sehr amüsant beschrieben. Ich bin froh, daß ich ganz Ruhe ohne Zuschauer gärtnern kann.
    LG Christiane

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  21. Hallo Elke,
    herzlichen Dank dafür, dass ich jetzt mal wieder herzlich Lachen durfte!
    Also ganz ehrlich: Nach meiner Peking-Ente oder dem Genuss des Buffets wäre ich zu Dir nach draussen gekommen und hätte mich mit Dir ein wenig unterhalten. Auch wenn Du schon wieder im Haus gewesen wärst!
    Garten-Slapstick hat einfach etwas!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch
    der gartenengel

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  22. also von mir gibt es applaus :-) herrlich deine amüsanten gartenbotschaften!
    herzlichste grüße & wünsche an dich :-)
    amy

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  23. Liebe Elke, ich habe auch so ein Null-Euro Beet bei mir auf der Strasse angelegt, allerdings ohne China Restaurant Gäste. Aber alle Strassennachbarn sind hin und weg und freuen sich ja so über das schöne Beet, das den Hundekackplatz verschönert hat. auf die Frage ob sie nicht gerne bei der Pflege helfen wollen fallen Ihnen 1000 Ausreden ein: Rücken, Zeit, kann nicht gärtnern..aber mir macht es auch viel Freude. 10 Meter mal 4 meter Extrabeet.
    Habe gerade dein schönes Buch vor mir liegen und stelle es jetzt mal auf meinem Blog vor. LG Sibylle

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  24. ich bin ja sehr froh und dankbar, dass mir beim gaertnern keiner zuschaut! die nachbarn sind zu weit weg, umgeben von weiden hab ich da kein problem, puh. das ist auch besser so - weil mir grad wieder die szene einfaellt, wo ich versucht habe, eine tief sitzende (tun sie das nicht alle?) ampferwurzel rauszuziehen - und als sie riss, prompt durch den garten kullerte und wie ein kaefer auf dem ruecken liegenblieb:( das haette garantiert applaus gegeben - aber nicht von mir! naja, bei dem wetter heute waere draussen eh keine show zu sehen, es regnet cats, dogs und andere kleintiere - und dazu stuermt es ganz gut. noch keine gartenzeit in sicht - ob mit oder ohne peinlichkeiten:)
    stuermische gruesse von der nassen gruenen insel sendet dir
    Bettina

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  25. Liebe Elke, herrlich - wieder schön gelacht :-)
    Meine Eltern hatten einen Schrebergarten.
    Das war auch wie ne Bühne. Aber sie haben
    sich alle gut verstanden und sogar gegenseitig
    geholfen und zusammen gefeiert.
    Unser Garten ist zum Glück nur von einer älteren
    lieben Dame einsehbar. Und da gibts sogar
    Pflanzenaustausch.
    Ganz viele liebe Sonnengrüße
    sendet dir die Urte :-)

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