Freitag, 6. Mai 2011

Zeit bringt Rosen

Zeit ist Geld. Diese Aussage ist so trivial wie richtig.
Auf viele Lebensbereiche trifft sie zu - angefangen vom Telefonieren ganz ohne Kabel und außer Haus bis hin zum Bahnfahren (je höher die angestrebte Reisegeschwindigkeit, desto leerer das Konto).

Ganz besonders viel Geld kostet die Zeit anderer Leute - das kann jeder bestätigen, der schon einmal einen Handwerker beauftragt hat.
Weil "Zeit anderer Leute" nicht so richtig schön klingt, nennt man sowas dann "Dienstleistung".

Natürlich kostet auch die Zeit des Gärtners etwas: Große, stattliche Pflanzen, in die jemand über einen großen Zeitraum Dünger und Herzblut investiert hat, wechseln grundsätzlich für mehr Geld den Besitzer als kleinere Exemplare, die noch nicht soviel hermachen.

Da hat man dann die Qual der Wahl: Soll es schnell gehen oder gönnt man sich die Zeit und wartet mit unendlicher Geduld auf die erste Blüte?

Eine dieser wunderschönen Geduldsproben sind die Strauchpfingstrosen.
Von der Keimung bis zur ersten Blüte kann gut und gerne eine Dekade ins Land streichen.

Dass es sich durchaus lohnen kann, gerade die Wildarten selbst zu ziehen, erlebe ich dieser Tage selbst.


Leider war ich bei der Geburtsstunde meiner Strauchpfingstrose nicht dabei, denn ich habe sie aus einem anderen Garten als Keimling mitnehmen dürfen. Sie hatte noch ihren olivengroßen, glänzend schwarzen Samen bei sich, also musste sie noch ziemlich grün hinter den Ohren sein.
Leider schweigt das Gartentagebuch über das genau Datum, das ist keine Glanzleistung meinerseits. Aktenkundig wurde sie das erste Mal im Jahre 2006. Da das Beet, in das ich sie pflanzte, erst 2005 dem Rasen abgerungen wurde, wird das vermutlich ihr Pflanzjahr sein.

Jahrelang sah sie dann etwa so aus, mit fortschreitender Verholzung und Stammbildung:


Relativ unspektakulär also, aber da muss man durch.

Mittlerweile lebt sie seit 6 Jahren in meinem Garten, die Pflanze selbst wird höchstens ein Jahr älter sein.
Im in diesem Fall ganz und gar nicht verflixten siebten Jahr also zeigten sich im April kugelige Knospen.
Die Sensation war perfekt!
Doch welche Farbe würde es werden? Es kamen immerhin eine gelbe (Paeonia lutea) und eine rote (Paeonia delavayi) als Eltern in Frage.

Langsam kristallisierte sich heraus: Die Blüte wird rot sein! Was war das aufregend!
Das Öffnen der ersten Knospe war wie Ostern und Weihnachten zusammen.



Die Blüten nicken und eigentlich kann man sie nur aus Ameisenperspektive so richtig würdigen, aber das macht nichts. Schließlich hat der Gartengast aus dem Himalaya einen Sonderstatus - dieses geheimnisvoll dunkelrote, unbeschreiblich duftende Wunderwerk könnte auch in Mausgrau daherkommen, es wäre immer noch eine Pfingstrose, und zwar meine, ganz allein meine: Meine selbstgezogene, blühende Geduldsprobe.


Und plötzlich ist die jahrelange Warterei vergessen.
Alles, was diese Pflanze gekostet hat, ist Zeit. 
Zeit und ein bisschen Zuwendung.
Das war es in jedem Fall wert.


Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    da hat sich Deine Mühe und die Geduld wirklich gelohnt. Da ich früher selbst einen Garten hatte, kann ich mir gut vorstellen, was Du jetzt fühlst.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  2. Wunderwunderwuuuunderschön liebe Elke ist sie, deine selbst gezogene Strauchpfingstrose. Die Blüte gefällt mir unheimlich gut und die Farbe.... Hej, die Mühe und die Zeit haben sich mehr wie gelohnt. Hoffe, du kannst dich lange dran freuen - leg dich drunter, schau in den Himmel und der Blüte ins Gesicht :-)
    Herzlichst
    Ida

    AntwortenLöschen
  3. Meine Strauch-Pfingstrosen blühen auch gerade. Sie wurden in der Gärtnerei gekauft und trotzdem liebe ich sie.
    Wie überglücklich mußt du sein, wenn ein selbstgezogenes Exemplar das erste Mal blüht!
    Und wie schön die Blüte ist!
    Ich kann dich gut verstehen, schließlich freue ich mich selbst über jedes selbstgezogenens Blümchen.
    Liebe Grüße
    Anette

    AntwortenLöschen
  4. Du hast einfach immer irre Blog-Post's *grins*
    meine Geduldsprobe aus einem Wurzelstück einer rosa-gelb-gefüllten Pfingstrose wurde nach 3 Jahren beendet, heuer hat sie das erstemal Blütenansätze und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen wann sie die Blüten öffnet.
    Die Farben deines "Schatzes" ist wunderschön!
    LG Carmen

    AntwortenLöschen
  5. da wär ich vor freude auch total aus dem häuschen!

    noch dazu bei diiiieeeser farbe!!

    nachdem ich auch schon jahre vergebens auf blüten warte, gibt mir dein posting wieder neue hoffnung.

    liebe grüße
    gaby

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Elke.
    Da hat sich deine Mühe gelohnt.Ist ja ein hübsches Röschen.Schön das du so geduldig bist mit deinen Pflänzchen.Ich hätte sie schon entfernt und ne neue gepflanzt.
    Wünsche dir einen schönen Muttertag mit Sonnenschein.
    Liebe Grüße Jana

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Elke,

    ach, das ist wirklich ein wunderschönes Röschen. Das Warten darauf hat Dich mit einer traumhaften Blüte belohnt. Mich lehrt der Garten auch immer wieder Geduld, Geduld, Geduld ...

    Liebe Grüße
    und einen schönen Sonntag
    Chalisa

    AntwortenLöschen
  8. Oh Elke, ich kann dir sowas von nachfühlen! Gratuliere!!
    Ich habe vor 5 Jahren aus dem Italienurlaub einen Pfirsichkern mitgenommen, letztes Jahr hat er, unterdessen stattliche 2,5m hoch, das erste Mal geblüht und uns mit riesigen, leckeren Pfirsichen verwöhnt, 15kg(!). Ich war sowas von begeistert!!

    AntwortenLöschen
  9. Hihi, liebe Elke, Dein Post erinnert mich gerade an eine Nachricht, die ich vor wenigen Wochen im Radio gehört hatte. In einem botanischen Garten in Basel hat man jahrelang eine Titanwurz gehätschelt und nach 17 Jahren ist diese dann eeeeendlich erblüht. Das Ding stinkt allerdings zum Himmel. Der Reporter hat den Duft als Mischung zwischen einer offenen Thunfischdose und Schweissfüsse bezeichnet. Hihi, wie deprimierend muss das sein, wenn man 17 Jahre gewartet hat. Da hat sich Deine Warterei wesentlich mehr gelohnt, denn die Blüten Deiner höchstpersönlich eigenen Pfingstrosen sind wirklich schnucklig. Ich bewundere Leute mit Geduld, da ich leider nicht zu dieser Sorte gehöre :o).
    Liebe Grüsse
    Alex

    AntwortenLöschen
  10. Ja, die steht bei mir auch im Garten. Als Ableger bekommen, nahm diese Wildstrauchpäonie allerdings sofort rasant Fahrt auf. Inzwischen ist sie gärtnerinnenhoch und treibt unterirdische Triebe in die nähere Umgebung. Sie blüht hier allerdings noch nicht. Du kannst Dich also auf etwas gefasst machen, sie wird ein Mordspäonienteil in den nächsten Jahren!
    LG
    Sisah

    AntwortenLöschen
  11. Wow, die ist aber schön, da hat sich das Warten wirklich gelohnt! Da soll mal einer sagen Gärtnern sei langweilig...

    Was machen die Tomaten, hast Du sie schon eingetopft?

    Liebe Grüße von Bärbel

    AntwortenLöschen
  12. Und die wird Dir bestimmt auf Ewig die Treu halten Einfach, weil sie Zeit hatte.

    GlG Jane

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...