Montag, 14. April 2014

Erdrotation

Man soll nicht mit dem Essen spielen. Richtig so. Nach dem Essen allerdings kann man machen, was man will. Ich für meinen Teil spiele am liebsten mit den Tomatentöpfen - nach dem Verspeisen der Früchte und Roden der Strünke im Herbst. Dann stehen die Kübel mit Erde, aber ohne Tomatenpflanzen, den lieben langen Winter hindurch auf der Terrasse herum und langweilen sich. Mir ist es dann ähnlich öde zumute.

Also habe ich mir mittlerweile eine grandiose, spaßige Beschäftigung für die kalte Jahreszeit ausgedacht: Ich säe, stecke und pflanze alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in diese Töpfe. Dazu kommt allerhand Spontanvegetation, die immer auf geheimen Wegen dort hingelangt und auskeimt, was wiederum eine spannende Sache ist.

Durch diese Erdrotation hat die ganze Blumenerde in den Kübeln noch eine Verwendung und kann sich nützlich machen, bevor im April oder Mai die nächste Charge Tomaten gepflanzt werden muss und das Substrat ausgewechselt wird. Günstig ist dieser Nebenjob der Töpfe außerdem noch. Denn obwohl immer wieder geunkt wird, dass Topfsubstrat seine Struktur und überhaupt seine ganze Identität verliert, wenn es von letztem Jahr stammt oder auch nur einen Keimling beherbergt hat, kann man beruhigt darin aussäen, pflanzen und herumprobieren. So schlimm ist das alles nicht, denn toffreie Erde ist aufgrund der unverrotteten Holzfasern deutlich strukturstabiler als konventionelle (siehe auch hier).

Letztes Jahr habe ich einen Ast der Jostabeere zerschnitten und die Teilstücke tief in die alten Tomatenbehältnisse gesteckt. Das Experiment sieht sehr gelungen aus - die Zweige treiben aus und alle sind glücklich. Geht das vielleicht auch mit Johannisbeeren? Auch dafür ist noch ein Platz in der Topf-Phalanx frei.

Dazu kamen noch Samen vom Feldsalat, der mittlerweile in meinem Garten etabliert ist und sich selbst vermehrt, so dass ich ohne Zukauf weiterer Saat auskomme. In den Tomatentöpfen sind leckere kleine Salatköpfe gewachsen, die dazu den ganzen Winter lang alle Zeit der Welt hatten.

Aber noch nicht genug der Experimente - ich möchte auch noch herausfinden, ob schon völlig verholzte, aber noch mit Blättern behaftete Stängel von Moschusmalven bewurzeln (links im nächsten Bild). Und das Ergebnis sieht bis jetzt äußerst vielvesprechend aus!

Dann wäre da noch die bunte Frühlings-Pflanzengesellschaft aus zweijährigem Schöterich (Erysimum) und Vergissmeinnicht, die sich ganz ohne mein Zutun eingefunden hat, obwohl die Erde nicht nur von gestern ist, sondern sogar schon etliche Jahre alt (rechts im Bild):

Dieser unbekannte Sämling, der in Windeseile zu einer großen Pflanze herangewachsen ist, keimte wohl heimlich im Winter. Ich bin mir gar nicht sicher, in welche Richtung ich nach seinem Namen suchen muss - Karde oder Kompasslattich? Ich werde ihn wohl blühen lassen müssen, tendiere aber eher zum Lattich, da sich die Pflanze mittlerweile bis an die Zähne bewaffnet hat mit roten Stacheln.

Man sieht - diese Form der Erdrotation ist unglaublich spannend und viel besser, als die Tomatentöpfe schon im Herbst in den Komposter zu verklappen. Das Substrat gehört nach einer Saison noch lange nicht zum alten Eisen. Und schließlich braucht doch jeder Gärtner etwas zum Spielen, und wenn es nur alte Blumenerde ist!

Kommentare:

  1. Ja, mit Johannisbeeren funktioniert die Steckholzverkehrung auch sehr gut. Mit schwarzen sogar noch etwas besser als mit roten. Auch Stachelbeeren und überhaupt das meiste Beerenobst ist da sehr dankbar.

    Rosen sollen auch teilweise sehr gut gehen, da läuft mein Experiment aber noch, so dass ich noch keine gesicherten eigenen Erfahrungen beisteuern kann.

    AntwortenLöschen
  2. Das ist super!! Bei mir sind diesen Winter auch zwei Tomatentöpfe stehen geblieben... Darin haben sich nun bis zum Frühling die wunderschönsten Hornveilchen-Varianten entwickelt. Und in der grossen Holzkiste sind kleine Dill-Pflänzchen und noch mehr Hornveilchen gewachsen... Ich liebe solche Überraschungen und Versuche... Ein wunderbares Thema, danke dafür! Liebe Grüsse, Miuh

    AntwortenLöschen
  3. Gut, torffreie gebrauchte Tomatenerde ist es bei mir zwar nicht, aber die Kräutertöpfe aus dem Supermarkt mit Basilikum haben bei mir ein ähnliches 'Schicksal'. Die Erde wird für allerlei umgenutzt, oder die Pötte kommen abgeerntet in den 'Rosenkasten'. Da ist dann im Laufe der Zeit mal eine achtlos eingeworfene Hagebutte auferstanden, oder die Stecklinge der Hortensie Limelight vom Frühjahrschnitt waren im Herbst bewurzelt. Farne & Moose sind darin entstanden und ein Tigerschnegel fand es in dem Kasten so nett, dass er dort Eier legte …
    LG Silke

    AntwortenLöschen
  4. Ja, ich hab auch das ein oder andere Teil in mein leeres Hochbeet gebuddelt ;-))

    AntwortenLöschen
  5. Dein Lattich oder was er auch immer sein möge, kam vermutlich als Friedenstruppe, um den armen Feldsalat vorm Ernten zu bewahren. Man schaue nur mal genau hin. Da unten drückt sich so ein kleiner Wicht ganz eng an den wehrhaften Bruder.
    Bei mir sind sie noch nicht einmarschiert. Ich esse gerade die ersten Asia-Salate namens Tatsoi. Die sehen genauso aus wie dein Feldsalat und sind in wenigen Frühlingswochen hochgewachsen. Brassica irgendwas. Auch lecker.
    Deine Josta-Stecklinge habe ich bewundert. Welche Johannisbeerart steckt da drin? Schmecken die Beeren auch einfach so vom Busch? Wenn sie nämlich nicht so herb sind, finde ich bestimmt auch noch ein Plätzchen bei mir für Jostas.
    Viele Grüße aus dem Auenland, Rike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Rike,
      das ist eine Kreuzung aus Stachelbeere und Schwarzer Johannisbeere. Und so schmecken die Früchte auch! Außerdem ist der Strauch immer kerngesund. Die Hummeln lieben die Blüten, obwohl sie doch eher unscheinbar sind.
      VG
      Elke

      Löschen
  6. Liebe Elke,
    ach und ich verräume die Tomatentöpfe immer mit Freuden im Herbst, weil ich dann endlich mal die Terrasse wieder bis ins letzte Winkelchen fegen kann! :D Dann wird die Sonnenbank von der Westseite des Hauses dort abgestellt und dient mir als Wintersonnentankstelle. Aber ein oder zwei Töpfe könnte ich heuer trotzdem doch auch mal stehen lassen. Für den Spieltrieb! :D

    AntwortenLöschen
  7. Wunderschöne Ergebnisse. :)

    Ich habe leider nur meine Wohnung zur Verfügung, säe dort aber ebenfalls gerne allerlei in meine Töpfe - mit erstaunlichen Ergebnissen zum Teil. :) Natur ist einfach etwas Wunderbares.

    AntwortenLöschen
  8. Hi, hi genauso mache ich das auch. Hin und wieder stehe ich dann vor dem Problem " wohin jetzt damit". So steckte ich einst einen roten Hartriegel in den alten Kübel und was soll ich sagen, er wächst. Und das geht auch mit Johannisbeeren .... und vielem anderen ....
    Spieltrieb lustig ...

    Liebe Grüße Alexandra

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Elke,
    so weit bin ich noch nicht, mit Samen zu experimentieren. Bislang habe ich alles in unserem Garten-Laden fertig gekauft (auch Salat ... ). Muss mich aber bald über Porree & Co schlau machen. Da kommt wohl auch der Samen an die Reihe.

    Gruß Dieter

    AntwortenLöschen
  10. Hallo Elke,
    hier rotiert die Erde auch gewaltig...;-) Ich dachte mir, warum soll ich die gute Erde aus den Gemüse- und Dahlientöpfen immer austauschen, die Erde in den Beeten bleibt ja auch wo sie ist. Also bin ich dazu übergegangen, die Erde zu recyceln, d.h. sie wird über den Winter auf den abgeräumten Gemüsebeeten zwischengelagert und kommt dann im Frühjahr zusammen mit Kompost, Dünger und etwas neuer Erde wieder in die Töpfe. In den großen Gemüse-Plastikkübeln lasse ich die Erde über den Winter drin. So bin ich jetzt auch wieder zu neuen Schmuckkörbchensämlingen gekommen, die jetzt hier und da in der Erde aufgehen. Übrigens hatte ich auch Deine Pflänzchen nebst Hornveilchen (das jetzt in einem eigenen Töpfchen wächst) in den Gemüsekübeln zwischengeparkt...;-)

    Liebe Grüße, Bärbel

    AntwortenLöschen
  11. Hallo liebe Elke,
    das ist wirklich eine tolle Idee, um auch jetzt schon die nicht gerade ansehnlichen Töpfe zum "Leben" zu erwecken! Das werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen, denn ich liebe solche Experimente. Auch im Garten unseres Hotels legen wir heuer einen Schwerpunkt auf Pflücksalate und Gemüsesorten, die unser Gärtner zum ersten Mal ausprobiert. Ich werde ihm den Tipp mit den Tomaten-Töpfen aber auf jeden Fall für das "Vorziehen" der Pflanzen im nächsten Jahr geben. Hier seine Gartentipps und Infos zur kommenden Gartensaison: http://www.tyrolblog.at/2014/04/16/garten-hotel-tirol/

    Grüße,
    das Team vom Interalpen-Hotel Tyrol

    AntwortenLöschen
  12. Hi Du
    Ja, das ist immer wieder spannend. Ich hab auch solche Erdrotationstöpfe. Manchmal bin ich schlichtweg zu faul, die Erde auszukippen und platziere die Töpfe erst mal in der Nähe des Kompostplatzes. Beliebt sind diese Second-Hand-Erdtöpfe bei Akalei, Sommerflieder, Vergissmeinnicht, Veilchen, Sauerklee, Leinkraut und Spornblume. Eine Distel hat sich nun auch noch eingenistet *grmpf*. Manchmal warten die Zuzüger nicht mal, bis der Platz frei ist... nö, sie drängeln sich einfach hinzu. Aus Rosentöpfe habe ich ein ganz filigranes Kraut mit Wurzel entfernt und mal in Töpfe platziert um zu sehen, was es daraus gibt. Bin gespannt.
    Hab wunderschöne und vor allem sonnige Ostertage.
    En liebe Gruess
    Alex

    AntwortenLöschen
  13. Liebe Elke
    Also diesen Post muss ich unbedingt dem Walti zeigen! Er kippt nämlich seine Tomatentöpfe im Herbst raus in den Garten - na ja, auch eine Form der Erdrotation :-)
    Ich wünsche dir wundertolle Ostertage und schich herzliche Grüsse. Wie ist denn bei euch das Wetter? (Bei uns kühl und gestern etwas Regen ... heute einfach wieder kühl und ohne Regen. Na ja, was solls. Die Natur dankt es ... es ist kaum zum glauben, aber wir sind am Giessen - viel zu trocken ...).
    Ida

    AntwortenLöschen
  14. wir machen immer baum- und strauchstecklinge in der topferde - wegwerfen geht garnicht! nur empfindliches saatgut bekommt frische erde, damit ich auch weiss, was da am ende rauskommt:)
    viel spass mit dem topfhinhalt:) (ich koennt jetzt grad den feldsalat verspeisen...) - und frohe ostern natuerlich!

    Bettina

    AntwortenLöschen
  15. Hmm, wie geht denn das ?
    Die Erde in meinen Paprikatöpfen ist so durchwurzelt, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß ich damit noch Experimente machen könnte.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Tomatenerde eignet sich wirklich sehr gut zum Stecklinge anziehen. Wenn ich jetzt tiefer in den Töpfen grabe, kommt ganz lockere Erde zutage. Wie gut das mit Paprikatöpfen geht, habe ich noch nicht ausprobiert.

      Löschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...