Dienstag, 20. Dezember 2011

Jetzt wird's wild - Teil III

Auch heute heißt es wieder - Wilde Rosen: Gute Idee oder gefährliche Liebschaft - Wie wild gebährden sie sich im kleinen Garten?

Ich stelle dieses Mal wieder zwei sehr gegensätzliche Rosenpersönlichkeiten vor: Zum einen wäre dort der personifizierte Stacheldraht schlechthin, zum anderen die auf Nordseeinseln mittlerweile allgegenwärtige Asiatin, die den Rekord im Dauerblühen einer Wildart hält. Beide haben aber eines gemeinsam: Sie sind  Expertinnen für Extremstandorte.

Zimtrose / Mairose (Rosa majalis)



Besonderheiten und Wuchs:
Warum die einheimische Zimtrose so heißt, darüber streiten sich die Geister: Während die einen einen zimtartigen Geruch wahrnehmen wollen, meinen die anderen, der Name käme von der Färbung der Zweige. Letzteres scheint mir wahrscheinlicher zu sein. Diese Rose kann 1,5 m, aber auch mal 2 m Höhe erreichen und wächst mit überhängenden Zweigen in alle Richtungen. Sie ist eine der wehrhaftesten Rosen überhaupt - der Albtraum von Einbrechern wie Kleidungsstücken gleichermaßen. Diese militante Mitbewohnerin hat hakenförmigen Stacheln, die so anhänglich wie zahlreich sind und stets dazu neigen, sich den Gärtner beim Schlafittchen zu packen. Die Blütezeit ist früh, die Blüten selbst aber wenig spektakulär, das Laub gesund, aber unscheinbar mattgrün. Daher scheint diese Rose im Mittelmaß zu versinken und ist äußerst selten überhaupt in Gärten zu finden. Wenn da nicht ihre besondere Fähigkeit wäre, auch schwierige Standorte zu besiedeln: Sie verträgt Überschwemmungen und kann daher auch in feuchteren Böden gepflanzt werden!

Ansprüche:
Kennt sie nicht. Toleriert nasse Füße, Halbschatten und Vernachlässigung.

Stacheln:
Sie hat nicht einfach nur welche, sondern daraus eine Kunst gemacht und bildet einen regelrechten Verhau aus wehrhaften Klauen. Eine Begegnung kann schmerzhaft enden. Da im Winter stets sehr viele Zweige im Inneren des Strauches absterben, wird das Auslichten zum Gewinn für die Wundpflasterindustrie.

Herbstfärbung:
Recht spät vereinzelt gelb werdend.

Blüte:
Pinkfarbene, kleine, duftende Blüten im Mai.

Blattgesundheit:
Relativ gesund.

Hagebutten:
Kugelige, kleine Hagebutten - zerstreut und mit geringer Fernwirkung.

Ausläufer:
Ausufernd und Allerorten aus dem Boden schießend. So selten sie ist, so sehr arbeitet sie daran, es nicht zu bleiben.

Wildtiernutzen:
Bei Hummeln sehr begehrt. Hagebutten werden von Vögeln nicht verschmäht. Durch ihren Stacheldrahtwuchs als Brutgehölz zu empfehlen.


Kartoffelrose (Rosa rugosa)

Besonderheiten und Wuchs:
Die Ostasiatin ist der Blütenstreber unter den Wildrosen, denn sie ist die einzige, die zuverlässig dauerblühend ist. Dazu ist sie salztolerant, weswegen sie zur Dünenbefestigung eingesetzt wird.  Ihr runzeliges Laub gab ihr den Namen Kartoffelrose, und sowohl Gemüse als auch Rose kommen von weit her. Deshalb gilt sie mittlerweile als Neophyt und man möchte sie jetzt doch nicht mehr so gerne in den Nordseedünen haben. Dabei ist sie der Traum vieler Urlauber und eine der stachligsten Ferienerinnerungen seit es Seeigel gibt. Weil sie so gut mit versalzenen Böden klarkommt, ist sie auch an der Autobahn vielerorts allgegenwärtig. Im Garten kann man sich das zunutze machen und sie straßenseitig als Hecke pflanzen, falls dort winterlicher Streusalzeinsatz stattfindet. Überhaupt ist eine Hecke aus Rosa rugosa immer abwechselnd in der Blütenfarbe Rosa und Weiß gesetzt einfach umwerfend - und der günstigste Kurzurlaub, den man haben kann ohne zu verreisen.
Es gibt viele Zuchtsorten mit stärker gefüllten Blüten (Foto unten rechts).

Ansprüche:
Sonne möchte sie bitte. Und wenig Kalk im Boden, weswegen sie bei mir vielleicht immer schwächer wird, da der ganze Garten mit Eierschalen versetzen Kompost bekommt.

Stacheln:
Sie ist kein Kuscheltier, sondern bis obenhin mit dichten, gerade abstehenden Borsten besetzt - daher nur mit Handschuhen zu genießen.

Herbstfärbung:
Eine der schönsten - von Gelb bis Rot über Orange kann alles dabei sein.

Blüte:
Sehr große, duftende, knittrige Blütenblätter in Rosa bis Pink. Auch Weiß kommt vor. Dauerblüte den ganzen Sommer lang. Auch die überdimensionalen Knospen sind sehenswert.

Blattgesundheit:
Kann höchstens mal Mehltau haben.

Hagebutten:
Riesige Hagebutten, die schon zur Blüte reifen. Der Juckpulverlieferant par Excellence!

Ausläufer:
Ja. Kommt gern in einem Meter Abstand zur Mutterpflanze beim Nachbarn wieder zum Vorschein, wo sie nicht immer gern gesehen ist.

Wildtiernutzen:
Hummeln und Honigbienen besuchen die großen Blüten. Die Hagebutten werden von Grünlingen geschreddert, um die Samen herauszupflücken (Bild oben links).


Also, welches Sondereinsatzkommando soll es sein: Die wehrhafte Dame mit den nassen Füßen, oder lieber die würzige Variante inklusive Urlaubsflair für salzige Standorte?

Diese Wildrosenliste ist noch nicht vollständig, es wird aber zunächst bei einer Trilogie bleiben müssen, weil mir noch Bildmaterial zu den restlichen Kandidatinnen fehlt. Alle habe ich nämlich auch nicht leibhaftig im Garten, denn dann könnte ich wirklich nur noch im Kettenhemd hinein....

Kommentare:

  1. Hallo Elke!

    Dein Artikel war grade sehr interessant für mich. Rosa rugosa hatte ich nun zwei Jahre im Garten. Sie blühte bisher noch nicht. Ich hatte mich schon gefragt, ob sie vielleicht keinen Lehmboden mag, obwohl alle anderen Rosen ihn offensichtlich lieben. Gegen Ausläufer hätte ich nichts einzuwenden - Platz genug hätten wir.
    Liebe Grüße und ein schönes Weihnachtsfest!
    Verena

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  2. Ha, die habe ich auch! Also die Kartoffelrose meine ich jetzt und ja, sie macht Ausläufer, habe im Herbst mal eine ausgebuddelt und versetzt, bin gespannt, ob sie im Frühling noch Leben in sich zeigt.
    Das Zimtröschen kannte ich noch nicht, aber die Stacheln sehen ja ober fies aus. Na, wenn die sich dann noch fleissig vermehrt... autsch.
    Wünsche Dir einen gemütlichen Abend.
    En liebe Gruess
    Alex

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  3. Liebe Elke, also mir gefallen alle von Dir gezeigten Rosen sehr gut :) Im neuen Garten wohnt auch ein großer Rosenstock, allerdings muss ich erst herausfinden, um welche es sich dabei handelt.

    lg kathrin

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  4. Wieder so schöne Fotocollagen!
    Also die Kartoffelrose ist eines meiner absoluten Lieblinge im Garten. Sie blüht eigentlich unermüdlich die fast die ganze Saison lang, duftet herrlich, oft weht ihr Duft durch den Garten. Sie ist die gesündeste Rose bei mir, eigentlich unverwüstlich. Ich schneide ise alle paar Frühling ziemlich zurück, um ihrer *Herr* zu bleiben, denn die Dornen sind als einiges bei ihr eine Katastrofe, so dicht bewehrt! Da brauch ich immer die Gummihandschuhe und da stechen sie noch durch! Juckpuver?!?!, da hab ich wieder was gelernt. Allerdings bin ich da wahrscheinlich ein zu braves Mädchen ;-), um diese neugewonnene Kenntnis erfolgreich umzusetzen.

    Deine Beschreibung ist sehr übersichtlich und interessant, bitte mehr davon :-)

    LG
    Elisabeth

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  5. Meine Rugosas auf stark kalkigen Boden benehmen sich ganz brav und machen auch keine Ausläufer.

    Übrigens ich liebe wehrhafte Rosen - so ganz sicher bin ich noch nicht, wer den in meinem Garten das größte Stachelmonster ist.

    Liebe Grüsse Rosana

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  6. Ich lese Deine Serie als Rosenliebhaberin sehr gerne.
    Gibt es eigentlich Wildrosen,
    die NICHT blühen?
    Ich habe da so einige Exemplare, die von eingegangenen Rosen geblieben sind....
    Da hat noch keine davon geblüht.
    Vielleicht müssen diese erst größer und wüchsiger werden.
    EInzige die Multiflora.
    Aber die ist ja, wie schon erzählt, ein eigenes Kapitel der "Wüchsigkeit".

    Die Kartoffelrose gefällt mir auch.
    Aber ich habe schon viel zuviele Rosen in meinem Garten.
    Und vor meinem Garten auch schon.
    Weihnachtliche Grüße von Luna

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  7. sehr schöne serie, Elke. Da ich, bis auf die kartoffelrose, die bisher vorgestellten rosen auch im garten habe, kann ich Deine erfahrungen mit meinen hier vergleichen - spannend.

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  8. Elke - deine Rosenberichte sind ja eine wahre Offenbarung. Wie schön. Die Wildrosen habe ich zwar immer bewundert wenn ich an ihnen vorbeigeradelt bin -ich hab auch eine im Garten, die Rosa canina- aber ansonsten hab ich mich nicht weiter mit ihnen beschäftigt. Das wird sich ab sofort ändern. Mir ist grad eine Hagebutte aufgefallen, die dort immer um diese Zeit an den Büschen hängt, aber ich hab ihr mehr Aufmerksamkeit gewidmet, weil sie so besonders aus sieht. Danke für die Berichte.
    LG Heidi

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  9. Elke, zu Deiner frage wegen unterschiedlichen erfahrungen:

    die kartoffelrose geht hier auf basischer schwarzerde überhaupt nicht, sie war sowas von chlorotisch, ein trauerspiel.

    Die zimtrose: ausser mit dem hübschen laub überzeugt sie mich im winter mit den rötlichen zweigen. Zu den stacheln: muss ich erst 'nachspüren' gehen, bei uns wächst sie unbehelligt im unterholz unter höheren sträuchern - und blüht daher nur mehr wenig. Ich überlege gerade, wohin ich einen ausläufer setzen kann. Es gibt übrigens eine hübsche leicht gefüllte form.

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  10. Liebe Elke
    Vielen Dank für diesen sehr interessanten und lehrreichen Post.
    Von ganzem Herzen wünsche ich Dir und Deinen Lieben ein wunderschönes und lichterfülltes Weihnachtsfest.
    Herzlichst grüsst Dich Yvonne

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  11. hach, liebe Elke, ich bin ein Rosenfan und weiß eigentlich doch noch viel zu wenig wenig über diese Schönheiten, danke für Deine sehr interessanten Infos
    wir haben eine *Opa-Meyer-Gedächtnis-Rose* im Garten, die offenbar schon sehr alt ist, nun, zur nächsten Blütezeit muss ich sie mir mal genauer anschauen, sie blüht zwar weiß und duftet himmlisch, hat aber mit der von Dir beschriebenen Zimtrose so ziemlich viel gemeinsam ;-))

    danke sage ich für Deine Besuche und netten Kommentare im Drosselgarten und wünsche Dir und Deinen Lieben ein besinnliches Weihnachtsfest und für das Neue Jahr 2012 Gesundheit, Glück und Frieden

    mit herzlichen Grüßen Traudi

    P.S.
    ich habe ein altes LeinenKüchentuch (von Oma Meyer ;-) ) fürs GrannyKissen genommen

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  12. eins hast du aber vergessen zu erwaehnen: dass die kartoffelrose die einfachsten hagebutten fuer marmelade produziert - und dazu auch noch viele davon:)) das auskratzen ist zwar muehsam, aber immerhin von relativ viel fruchtfleisch belohnt:))
    mal sehen, was Pauls himalayan musk demnaechst hier abzieht, ich konnte nicht widerstehen und musste mal wieder eine neue kaufen:)
    ein froehliches fest wuensch ich dir - und dass das naechste rosenjahr bald wieder losgeht!
    Bettina (aus irland, wo es jetzt wieder ganz mild ist, ueber 10 grad)

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  13. Hallöchen liebe Elke.
    Danke dir für deine lieben Geburtstagswünsche.
    Und was du wieder alles weißt.Ich kenne mich auch ganz gutt in Rosen aus.Aber die Sorten kenne ich natürlich nicht.Bloß gut das es dich gibt die so viel weiß.Wunderbar.
    Wünsche dir ein schönes,besinnliches Weihnachtsfest für dich und deine lieben.
    Schicke dir liebe Weihnachtsgrüße Jana

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  14. Liebe Elke, nach deiner Trilogie habe ich einen Weihnachtswunsch oben auf meine Liste gesetzt-die Zimtrose soll mein Herzblatt sein. Anspruchslos, wie sie sich gibt, hat sie gute Überlebenschancen in meinem Garten.

    Herzliche Grüße in die Weihnachtstage, hab es fein! Jo

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  15. Liebe Elke
    Frohe und glückliche Weihnachten wünsch ich dir im Kreis deiner Lieben!
    Und Elke, an dieser Stelle dir einfach ein ganz dickes DANKESCHÖN für deine immer so lehrreichen, kreativen und mit ganz viel Humor gespickten Posts. Auch wenn ich in der letzten Zeit nicht immer meine Worte hinterlassen hab - du bist mein Favorit und ich komme immer so gerne zu dir auf Besuch.
    Sei lieb gegrüsst und geniesse die Zeit!
    Ida

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