Mittwoch, 25. September 2013

Fehlkäufe

Jeder kennt sie, jeder fürchtet sie: Fehlkäufe. Vor allem bei Kleidung ist das Phänomen bekannt: Was im Laden ganz fabelhaft und schmeichelnd aussah, entpuppt sich zuhause als untragbar - entweder, weil die Gelegenheit, das schicke Abendkleid auszuführen, doch nie kam, oder weil der eigene Spiegel ganz andere Ansichten hat als der im Kaufhaus.

Auch im Garten kann uns ein Fehlkauf ereilen, hierbei sind die Folgen jedoch ganz unterschiedlich und man kann verschiedene Typen des fälschlichen Einkaufs unterscheiden:

Typ 1: Der Anhängliche

Hierbei handelt es sich um Pflanzen, die uns im ersten Jahr glauben lassen, wir hätten den besten grünen Daumen, den die Welt je gesehen hat. Später streben die Neuzugänge allerdings die Weltherrschaft an und bringen uns zur Verzweiflung. Oft kommt uns die Idee zu so einer Pflanze beim Betrachten von Gartenbüchern, vor allem Bildbänden. Uns gefällt das Foto, es hat aber leider nicht viel erklärenden Text abbekommen. Und natürlich sehen wir weder die Wurzelsperre, denn die ist nicht mit auf dem Bild, noch die Anstrengungen des Gärtners. So war es bei mir mit dem Hopfen - im Buch wuchs er zahm an einem Obelisken, bei mir klettert er mittlerweile meterhoch in Nachbars Thujahecke und erwürgt nebenbei meine Stauden und Sträucher. Auch auf die diversen Felberiche muss man gut achtgeben - im Bild Lysimachia ciliata 'Firecracker' und Lysimachia clethroides.



Typ 2: Der biologisch Abbaubare

Diese Art von Fehlkauf ist der am ähnlichsten, die wir schon vom Kleiderkauf kennen: Auf den ersten Blick ganz hübsch, passt die neue Pflanze aber gar nicht zum Standort, woraufhin unser Garten den Neuzugang langsam aber sicher in der Versenkung verschwinden lässt. Im Gegensatz zur nie getragenen Bluse ist diese Variante immerhin vollständig biologisch abbaubar. Mir ist dies schon mit mehreren Sonnenhüten geglückt, die mein Garten unter Mithilfe etablierter Stauden zu Tode verschattet hat. Auch eine falsche Farbe kann ein Grund sein, in diesem Fall muss man die Pflanze meistens selbst kompostieren (bringe ich sowieso nicht über's Herz).


Typ 3: Der Trojaner

Dieser Typ Fehlkauf ist mit Abstand der frustrierendste und oft auch der mit den höchsten Kosten. Er könnte auch Suizid-Fehlkauf heißen, denn bei dieser Variante bringen sich die neu erworbenen Pflanzen mit quälender Langsamkeit selbst um, da sie schon beim Kauf voll sind mit äußerst effizienten Plagen. Dieses Dahinsiechen kann Jahre dauern und bringt den Gärtner an den Rand des Aufgebens. Hostas kann zum Beispiel der Virus X anhaften. Das allerbeste Beispiel für diese Art Fehlkauf aber ist der Buchsbaum. Mit ihm kann man den passenden Pilz gleich dazu erwerben. Der ist kostenlos dabei, rafft jedoch oft genug ganze teure Hecken dahin. Kennzeichnend ist, dass der Parasit erst so richtig in Erscheinung tritt, wenn die Bäumchen bereits im Garten stehen, dann aber plötzlich und ohne Zeit zu verlieren.


Heilmittel

Typ 1 der Fehlkäufe lässt sich nur mit Wissen verhindern. Falls das Internet nichts hergibt (der Pflanzenname plus "wuchern" in der Suchmaschine sind ein erster Anfang), helfen Gartenforen weiter, denn dort gibt es meistens jemanden, der schon Erfahrungen mit einer Pflanze gemacht hat. Erlebnisse werden dort gern plastisch und emotional geschildert, was immer eine größere abschreckende Wirkung hat als ein schnöder Fachtext. Wenn man sich nicht anmelden möchte, um seine Frage vorzubringen, reicht oft schon die Suchfunktion. Selbstverständlich kann man dort auch seine Leiden mit einer wuchernden Pflanze anderen wortreich mitteilen.

Gegen Typ 2 ist nun wirklich kein Kraut gewachsen - genauso wenig wie beim Kleidungsfehlkauf, daher muss man wohl mit ihm leben. Wirksam ist nur das komplette Meiden von Gartencentern und Pflanzenbörsen.

Typ 3 lässt sich am besten mit eigenen Pflanzen bekämpfen - statt zu kaufen, kann man Buchs auch aus Stecklingen vermehren. Das ist zwar langwieriger, aber gesünder. Wenn man noch keinen eigenen Buchs hat, kann vielleicht der Nachbar mit hoffentlich pilzfreiem Schnittgut aushelfen.


Alles in allem werden viele Gärtner sagen, dass so ein Kaufrausch - mit oder ohne Fehlermeldung - auch ganz gehörig Spaß machen kann. Bei aller Freude gilt es dann Typ 3 möglichst gänzlich zu vermeiden. Denn nichts trübt den Gartenspaß so sehr wie ein alles dahinraffender Trojaner.

Kommentare:

  1. Schau, schau..... Wie gut hast du einen Blog, und ich lese den auch!
    Hopfen! Steht seit Jahren auf meiner Wunschliste. Und ist soeben gestorben...
    Goldfelberich! Wie gerne hätte ich ihn..... Ich verschiebe das wieder.
    Buchs habe ich selber vermehrt. Aber as niedliche Beeträndchen ist eine zu hohe Kleinhecke geworden - wie werd ich das bloss wieder los?
    Herzlichen Dank!
    yase

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  2. Deine Posts sind immer herrlich und ich lese gerne bei dir. Auch wenn ich nicht oft kommentiere, ich war da. :)

    Viele Grüße
    Margrit

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  3. Sehr amüsant geschrieben und leider nur zu wahr. Solche Fehlkäufe kennt wohl jeder Gärtner. Aber wie heißt es so schön: Aus Erfahrung wird man klug. Oder auch nicht ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

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  4. Oh...aus der Kategorie 1und 2 fallen mir einige Fehlkäufe ein....;-) ...wenn es nur Hopfen wäre...bei mir bräuchte es mittlerweile starke Geschütze...oder zumindest eine sehr gute Gartenschere...;-) LG Lotta.

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  5. Hallo Elke,
    gegen Gartencenter-Käufe bin ich mittlerweile völlig immun. Auch Gartenmessen können mir nichts mehr anhaben - ausser, ja ausser ich kenne eine Pflanze noch nicht (was zum Glück nicht soooo oft ist) - ja dann muss sie mit und getestet, über sie gelesen, fotografiert und über den Winter gebraucht werden :-)
    Und Bux - da vermeide ich es sogar in die Nähe von Buxen zu gelangen - denn über die Schuhe könnte ich mir was einschleppen. Ich bin da super vorsichtig geworden...

    Zu unserem Euonymus planipes:
    er steht bei uns schon sehr lange und ich habe trotzdem im letzten Jahr mit Hosta problemlos unterpflanzen könnnen. Er wird auch nicht von Schädlingen befallen - also bei uns ist er pflegeleicht und fügt sich ein.
    Viele Grüße von Renate

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  6. der einfachste tipp gegen fehlkauf,
    eine simple schere, d
    amit schneide ich alles passend..
    entweder ganz kurz,
    wie der hopfen,

    oder nur einkürzen, ideal bei stauden,

    oder gar nicht.
    so beschneide ich nie mehr meinen buchs,
    bis er zu groß ist, dann mache ich neue stecklinge,und der wildwuchs passt auch viel besser den bienen, er blüht dann nämlich und wird von ihnen sehr gerne besucht. liebe grüße wiebke

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  7. Weißt du, ich hab noch eine viel schlimmere Variante: Von meinem Gärtner bringe ich immer in den Staudentöpfen auch noch Fremdgänger mit, irgend was samt sich da immer aus. Manchmal ist es eine Staude, eine invasive, die man nicht mehr loskriegt. Erst gestern bin ich wieder durch den Garten getobt, um sie zu dezimieren. Den Namen hab ich vergessen, sieht aus wie Elfenspiegel.

    Gegen den Felberich, außer den gelben, hab ich nichts mehr einzuwenden, er hat sich meinen Prachtstauden untergeordnet, und wo er stört, zieh ich ihn raus.

    Sigrun

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  8. Oh ja. der Hopfen - wir hatten mal einen im Mietgarten und mein GG hat ihn ausgebuddelt, da er die Dachrinne zu ermorden schien. Jetzt hat unser Nachbar einen, aber er ließ sich nicht warnen und jetzt geht seine Rose dahin. Leider habe ich auch einen Trojaner, den Kornus florida 'Rubra'. Man kauft ihn praktisch mit dem Pilz, aber ich bringe es noch nicht fertig ihn bioligisch abzubauen. Eher wird alles umgesiedelt, was nicht passt....

    LG Sigrun

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  9. Mhm, ich glaube, da sitzt jeder Gärtner da und nickt mit dem Kopf beim Lesen deines wieder einmal herrlich ausgeführten und geschriebenen Post ! Bei mir trifft vor allem Typ 3 zu - der Trojaner ist und bleibt leider sehr heimtückisch !!! Ärgerlich, aber was soll man machen ? Nach vielen Jahren gärtnern kommen mir inzwischen nur noch bewährte Pflanzen in die Beete und inzwischen kann ich zum Glück von vielen Pflanzen selbst Ableger machen... Buchsbaum kaufe ich überhaupt keinen mehr und nach dem Schneiden desinfiziere ich meine verwendeten Werkzeuge. Das Schnittgut fange ich mit einem vorher ausgebrachten Duschhandtuch auf und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Aber wie du schon so schön schreibst - man ist immer in Gefahr *lach* !!!
    Hab noch eine schöne Woche und vielen Dank für die tollen Fotos - GLG, Christine

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  10. Hej, Elke, wieder super geschrieben! Oh ja, der Felberich... und genau diesen, der Schneefelberich. Er ist zwar wirklich hübsch anzusehen, aber das Ding ist ja ober fies und scheut auch keine Kämpfe mit Rosen und denen helfen nicht mal die Stacheln gegen diesen weissen Fiesling. Grmpf. ich werde da wohl eine Wurzelsperre einbauen müssen und zuerst aber die übereifrigen Wurzeln ausbuddeln.
    Und das mit den Sonnenhüten kenne ich auch... die fliegen mir laufend von selbst aus dem Garten, als ob ein Luftzug sie davon geweht hätte. Ich hab aufgegeben, den so nach der 4 oder 5 Pflanze wird auch Frau Gwundergarten klüger.
    En liebe Gruess
    Alex

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  11. Wir haben mit dem Haus eine Buchsbaumhecke mitgekauft, die noch ganz in Ordnung ist. allerdings bin ich mir nicht sicher wie lange das noch so bleibt. Am meisten haben mich heuer im Garten die Winden genervt, obwohl ich die nicht gepflanzt habe :)

    Was ich aber nie wieder pflanzen würde ist Efeu. Hat man diesen einmal im Garten, wird man ihn nicht mehr los und er untergräbt ganze Gartenstreifen unter seinen Blättern.

    lg kathrin

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  12. Hallo Elke,
    oh je, der Schneefelberich ist eine Plage???? Den habe ich vor kurzem erst gepflanzt...hättest Du den Post nicht früher schreiben können!!! *lach*
    Also ich finde wirklich die anhänglichen Fehlkäufe am schlimmsten und davon habe ich wirklich genug: Schlehen, Monsterclematis, viel zu viele Wildrosen...aber weißt Du,auf welche Fehlkäufe ich auch verzichten könnte? Diejenigen, die nach wochenlanger Recherche im Internet nach der besten Sorte zustandekommen und die vermeintlich tolle Sorte sich dann doch nicht als so toll entpuppt...
    Tolle Fotos!!

    Der Portulak ist aufgegangen!

    Liebe Grüße und schönes Wochenende, Bärbel

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  13. Lysima....
    Moment mal, das war doch das, was ich von dir bekommen habe ;-)
    Na, da bin ich mal auf die nächsten Jahre gespannt.

    Deine Typisierung ist jedenfalls herrlich!
    Grüße vom Frollein

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  14. Liebe Elke,
    meine Buchshecke ist nun schon 5 Jahre alt und ich habe noch keinen Pilz.
    Du meinst also er hat eine Chance gesund zu bleiben, wenn ich keinen Buchs nachkaufe?
    Habe eine kleine auszubessernde Ecke - da werde ich wohl mal Stecklinge machen :-)
    Ganz viele liebe Wochenendsgrüße sendet dir Urte

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  15. Liebe Elke,
    süß hast du das wieder geschrieben. Aber manches findet sich auch von alleine hier ein. Der Buchsbaumzünsler hat meine selbst gezogene Hecke ganz alleine gefunen und bereitet dem Pilz nun den Boden. Und so mancher Wucherer zog hier im Garten vom Winde verweht zu, erst bestaunt und willkommen, später gefürchtet und verbannt. Da ich Ecken habe, wo kaum was wächst, bin ich mit den Wucherern dort zufrieden. Sie halten es aus und kriegen nicht genug Kraft, lästig zu werden. Danke für deinen unterhaltsamen Text, habe es wieder mit Schmunzeln gelesen.
    Liebe Gartengrüße von Johanna

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  16. Liebe Elke
    Kurz und bündig: Du hast es absolut und wieder mal auf sehr amüsante Weise auf den Punkt gebracht! Ich erinnere mich mit Graus an den Schneefelberich im Rosenbeet, den ich als hübschen Rosenbegleiter gesehen habe ... ein Jahr lang und dann wurde fast das ganze Beet umgegraben und kübelweise Wurzeln ausgegraben ...
    Liebste Grüsse
    Ida

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