Samstag, 15. November 2014

Die Unsäbare

Kaum einer kennt sie, kaum einer hat sie im Garten. Bisher wurde diese Staude eher in großflächigen Pflanzungen verwendet, etwa auf Gartenschauen, oder in Präriegärten - und neuerdings sogar als Energiepflanze der Zukunft anstelle von Mais. Nur Gartengestalter, Landwirte und Botaniker kannten also ihren Namen. Und dieser Name ist es auch, der vielleicht ganz wirkungsvoll eine größere Popularität verhindert: Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) wurde eher pragmatisch getauft, aber nicht gerade poetisch.


Da ihre Blätter um den Stängel herum zusammengewachsen sind, entstehen Becher mit Pfützen darin und auch der komische Name. Wie kleine Blumenvasen auf mehreren Etagen sieht das aus. Würde man die Nordamerikanerin einfach "Sonnenbecher" nennen, wollte sie vielleicht jeder im Garten haben.

Die Blüten sind strahlend gelb wie bei vielen Präriepflanzen und die Staude ist ein wahrer Gigant von bis zu drei Metern Höhe - auch eine Anpassung an den Lebensraum, denn sonst könnten die Blüten nicht über die Gräser und die Bisons hinweggucken.

Im Garten braucht sie aufgrund ihrer elefantösen Ausmaße schon ein bisschen Platz, dafür bietet sie einen perfekten Sichtschutz für den Sommer. Neben anderen Riesen, wie Chinaschilf oder großen Staudensonnenblumen, kann sie grandios aussehen.

Doch wie kommt man an diese Staude ran, sollte man sie trotz ihres komischen Namens nun gern haben wollen? Ich habe sie in einem Bauerngarten bei uns in der Nähe entdeckt, wo mir einer der Gartenpfleger glaubhaft versichert hat, dass die Samen nicht gut keimen und daher Teilung die Methode der Wahl sei. Aber natürlich nehme ich bei solchen Aussagen nicht gleich den Spaten in die Hand, sondern das Ganze lieber als Herausforderung. Daher habe ich mutig und nicht-hören-wollend ein paar Samen abgezweigt - denn wer nicht sät bleibt dumm!

Im Frühjahr auf der Fensterbank bewahrheiteten sich die Unkenrufe: Schlecht keimen konnten die Samen gut, aber immerhin ein Pflänzchen habe ich bekommen. Und eins reicht auch, wenn ich mir die Wachstumsgeschwindigkeit so anschaue. Schon im zarten Alter bilden sich kurze Ausläufer und riesige Blätter, die den Boden gut abdecken. Die Staude hat Großes vor, das ist mal sicher!



Geblüht wurde zwar noch nicht, aber das wäre auch ein bisschen viel verlangt.

Tja, und nun wieder die Preisfrage: Wohin denn bloß mit dem Staudenelefanten, der nicht nur aussehen möchte wie die Sonne, sondern sie auch mit Leichtigkeit verdunkeln kann? So ist das immer, wenn ich die Finger nicht bei mir behalten kann: Wer sät, bleibt vielleicht nicht dumm, aber oft ratlos...

___________________________________________________________

Zur Erinnerung: Fotowettbewerb bis 6.12.

Kommentare:

  1. ... da hast Du wieder eine ganz unbekannte Schönheit "ausgegraben" und ich freue mich, dass die Saat aufgegangen ist!
    Nun bin ich gespannt, wie es mit Deinem Mini-Monster weitergeht
    Viele Grüße von Renate

    AntwortenLöschen
  2. Imker kennen die auch - DIE Energiepflanze, die auch den Bienen was zu bieten hat - späten Pollen und Nektar nämlich :-)
    Bei uns hab ich sie leider noch nirgends gesehen, denn es dauert ja ein, zwei jahre, bis man ernten kann....

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Elke,
    von dieser Pflanze habe ich noch nie gehört. Ich denke, ich bin ihr auch noch nie begegnet. Schön, daß ich auf deinem Blog noch so viel Neues kennen lerne und erfahre!
    Deine Ratlosigkeit angesichts der Diskrepanz zwischen deinem Reihenhaus-Garten (ich habe die Fotos von der "grünen Hölle" gesehen) und dieser Pflanze verstehe ich recht gut. Mein Garten hat ganz ähnliche Ausmaße, und da finde ich leider kein freies Plätzchen mehr für Neues; einige Gartenbewohner verteidigen ihr Territorium in kaum geahntem Auswuchs...und der Rückschnitt fällt mir so schwer.
    Viele Grüße von Kathinka

    AntwortenLöschen
  4. Zuerst dachte ich schon, du schreibst über Topinambur. Die hat ja ähnliche Ausmaße und eine Energiepflanze ist sie wohl auch. Diese hier ist mir völlig unbekannt. Aber du hast doch für solche Fälle immer noch das Gemeinschaftsbeet außerhalb deines Gartens, oder?
    Viele Grüße Sigrun

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sigrun,
      den Topinambur habe ich ja auch schon leichtsinnigerweise im Garten.. Aber du hast Recht - wenn alle Stricke reißen, dann ab ins Gemeinschaftsbeet!
      VG
      Elke

      Löschen
  5. Hey, die Pflanze kenn ich auch nicht.....
    ;-)

    AntwortenLöschen
  6. Tja und so ein Bison, wo sie drüberwegschauen könnte, haste auch nicht *kicher*. Ich bin sicher, Du findest den passenden Platz für die Sonnenvase, wo sie gelassen auf das Treiben unter ihr blicken kann. Und zur Not betätigst Du Dich als Guerilla Gärtnerin und pflanzt die Hübsche beim Zoo aus, damit sie mit den Giraffen konkurieren kann :o). Toller Post!
    En liebe Gruess
    Alex

    AntwortenLöschen
  7. Oh, danke Dir für all die vielen Infos. Und die schönen Bilder auch.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Elke,
    und wieder eine Pflanze, die ich noch nicht kannte.
    Wenn sie so wunderbareAusmaße hat, werde ich mich nächstes Jahr mal umsehen, dann wäre sie perfekt für ein Beet in Richtung Straße! Danke! :D

    AntwortenLöschen
  9. Die Pflanze kannte ich auch noch nicht und hatte bisher nicht davon gehört. Klasse sieht sie aus - Gratulation, dass 1 durchgekommen ist.
    Ich hatte in diesem Jahr ein Erfolgeerlebnis - 3 Arnikapflanzen sind durchgekommen und das bei uns im Norden.
    LG Heidi

    AntwortenLöschen
  10. Liebe Elke, von dieser Pflanze habe ich bislang auch noch nie etwas gehört, klingt aber sehr interessant, wenn auch für meinen Garten viel zu groß :) Zudem kämpfe ich noch gegen Altlasten im Garten :)

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  11. Hallo Elke, ich hab so eine durchwachsene Silphie im Garten (aus einem landwirtschaftlichen Versuch). Von elefantös ist noch keine Rede, offenbar weil sie unter der letztjährigen Herbst/Winter/Frühjahrstrockenheit sehr gelitten hat, und auch den mageren Lehmboden an ihrem Wohnort offenbar nicht so toll mag. Heuer mit reichlich Regen und Kompost hat sie sich zum Blühen durchgerungen. Riesig ist sie nicht, ich schaue mit meinen stolzen einssechzig noch auf sie herab. Besteht also durchaus Hoffnung, wenn du sie knapp hältst, dass sie überschaubar bleibt. Und ich nenn sie "Syphilis" weil ich mir das "Silphie" nie merke. Nette Minipools in den Blattachseln haben auch die Karden.
    glg aus Österreich
    Gabi

    AntwortenLöschen
  12. Liebe Elke,
    oje, vorige Woche war ich in Berlin und habe es nicht geschafft
    alle zu besuchen :-) Aber jetzt hole ich alles nach und lese ganz in Ruhe
    deine beiden interessanten Posts :-)
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir die Urte :-)

    AntwortenLöschen
  13. Also gelb ist ja nicht so meine Farbe und die Pflanze kenne ich auch nicht bzw. den Namen habe ich noch nicht gehört.Der Platz wird auch immer geringer, da muß man gut abwägen, was man sich überhaupt noch in den Garten holt, zumal der Wiesen-Rasen ja bleiben soll.
    Aber das mit den Samen probiere ich auch immer so ... nicht alles kann man glauben, was andere Leute zu wissen meinen. Bei dem einen gelingt's, bei dem anderen nicht und einen Versuch ist es allemal wert.

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...