Montag, 3. Januar 2011

Alarmstufe Rot!

Schnee kann bekanntlich viele Farben annehmen - wie eine eiskalte Leinwand.
Kommt er zunächst in makellosem und sprichwörtlichen Schneeweiß daher, wird er bei übermäßiger Beanspruchung und im fortgeschrittenen Alter eher schmuddelig grau bis schwärzlich.
Auch gelb ist wirklich keine Seltenheit - vor diesem Schnee haben uns unsere Mütter immer gewarnt ("Iss keinen gelben Schnee!") und wir sind dank artiger Befolgung dieses Ratschlages auch alle groß geworden.

Die Farbe Rot aber ist durchaus ungewöhnlich und verheißt meistens nichts Gutes...

Was ist denn hier passiert? Mord und Totschlag? Streit und Zwistigkeiten am Feldrain?


Tatsächlich fand hier ein martialisches Massaker statt, wenn auch ein durchaus erfreuliches, handelt es sich doch um die verräterischen Spuren einer Vogelmahlzeit am Gewöhnlichen Schneeball (Viburnum opulus).
Die Beeren wurden regelrecht zerquetscht, so dass der Saft in alle Richtungen entfleuchte.
Nur die Fruchthäute hängen noch und sorgen weiterhin für eine enorme Fernwirkung der Sträucher.


Moment - Beeren als Vogelfutter? Das klingt ja erstmal nicht so spannend, wenn der Verzehr auch meistens etwas dezenter vonstatten geht mit mehr Tischmanieren, so dass man nicht gleich an ein Attentat denken muss.

Das eigentlich Interessante ist die Tatsache, dass ich diese Sträucher schon jahrelang kenne. Wir sind quasi auf Du und Du. Und trotzdem ist es das erste Mal, dass ich sie besuche und die Beeren angetastet vorfinde, hängen sie doch sonst unbeschadet und massakerfrei bis mindestens März am Strauch.
 

Der Schneeball scheint eine ganz besondere Kundschaft zu bewirten. In diesen elitären Kreis möchte nicht jeder Vogel aufgenommen werden.

Auch Bernd Heinrich hat sich in Winter World: The Ingenuity of Animal Survivalgewundert, warum in seiner Heimat Vermont, USA, die Beeren von Viburnum opulus (Highbush cranberry) so vehement gemieden werden. Giftig sind sie nicht, sagt er, das hat er selbst ausprobiert - und lebt noch!
Bis das Rätsel am Ende doch gelöst wurde, als ein großer Schwarm Seidenschwänze über die Sträucher herfiel und sie mit Genuss plünderte.
Da dies (auch in Europa) Invasionsvögel sind, die erratisch, aber dann in großer Zahl, auftreten, folgert er daraus, dass der Schneeball mit seinen monatelang haltbaren Beeren solche Winter- und Frühjahrszieher bedient.

Dieser Winter ist zwar in der Tat ein Seidenschwanzwinter, allerdings sind sie dafür bekannt, dass sie die Beeren im Ganzen verschlucken und kein Gemetzel veranstalten, bis der Schnee rot wird.
Waren vielleicht Finken hier am Werk? Gierige Gimpel beispielsweise, die am Waldgeißblatt nämlich ähnliche Gelage veranstalten?

 Gimpel-Männchen (das Bild hat mein Mann gemacht)

Angeblich sollen mehr als 20 Vogelarten sich gern von Schneeballbeeren ernähren. Allein, welche das sind, verraten die Quellen nicht. Das scheint das bestgehütete Geheimnis der Naturgartenbewegung zu sein, die den Gewöhnlichen Schneeball immer und immer wieder als Vogelnährgehölz von allererster Güte empfiehlt.

Schön ist er ja auch. Sowohl die Blüten, die Herbstfärbung als auch die Beeren sind ein Spektakel sondergleichen, das man eher bei exotischen Gehölzen vermuten würde - gerade weil die Früchte so ungern gefressen werden und daher monatelang zieren.


Günstig zu bekommen ist er auch - oder man versucht sich in der Stecklingsvermehrung im Herbst.

Wenn man den Gewöhnlichen Schneeball an einen nicht zu trockenen Standort pflanzt (das ist wichtig, denn sein zweiter Name ist Wasserschneeball) und der Schneeballblattkäfer ihn nicht findet, wird man viel Freude daran haben.

Nur sollte man eben nicht erwarten, dass die Gartenvögel deswegen in allzu euphorische Beifallsbekundungen ausbrechen. Dafür muss man schon ein paar Meisenknödel hineinhängen.

Kommentare:

  1. Sehr interessanter Artikel!

    lg kathrin

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  2. Hallo Elke,
    gestern beim Spaziergang in der Umgebung fiel mir ein Schneeballbusch mit Beeren auf. Alle Beeren waren leergefressen und die leeren Hüllen hingen an den Ästen. Ich habe mich gefragt, welche Vögel so akrobatisch sind, dass sie die Beeren erreichen.
    Dein Artikel paßt gut zu meinen überlegungen.
    Liebe Grüße
    Anette

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  3. Guten Morgen liebe Elke
    Wieder so ein aufschlussreicher Beitrag von dir, welcher eben nicht nur gelesen wird, sondern auch Spuren hinterlässt, sprich, ich werde wohl noch oft an dich denken, wenn ich einen Schneeball sehe und die Vogelbeeren bestaune, die ich übrigend auch nie anfasse. Und von wegen gelbem etc. Schnee - bei uns wurde das genau so eingeschärft als Kind - und wir leben noch!
    Hab einen guten Tag! Liebe Grüsse
    Ida

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  4. Elke!!! ich liebe deine Posts!

    LG Carmen

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  5. Hallo Elke,

    vielen Dank für Deinen lieben Kommentar auf meinem Blog. Dein Post über den Schneeball und die Vögel ist echt fantastisch und ich habe ihn mit großem Interesse aber auch mit einem Schmunzeln im Gesicht gelesen.
    Ich habe auch gesehen, dass Du auch ein Foto von den kleinen "Eistannenzweigen" hast. Sehen die nicht wunderschön aus. Ich habe solche Eiskristalle das erste Mal gesehen, als ich Wuschewier war (siehe Post) und war so fasziniert davon und konnte mich einfach nicht sattsehen.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  6. Liebe Elke,
    ich antworte dir mal hier, zu deiner Frage des Stativs.
    Ja, ich habe ein Einbeinstativ, aber so richtig glücklich bin ich damit nicht geworden. Es ist schnell, wenn man in Gärten unterwegs ist reicht es für viele Situationen aus, aber wenn man verreist, oder im winter drinen sowie draussen Bilder machen möchte, dann ist es nicht stabil genug.
    Jetzt habe ich ein super leichtes Carbonstativ von Manfrotto:484RC2, es ist kurz und pst ins Handgepäck hat 3 Auszüge und eine Mittelsäule, was sehr praktisch ist für die Feineinstellung. Praktisch bei Manfrotto finde ich die schnellverschlüsse, das funktioniert gut. Aber, mir geht es wie dir, ich arbeite am liebsten aus der Hand, es ist so schnell und flexibel. Aber wenn man dann die Ergebnisse am Rechner sieht und vergrößert, dann ist durch das Verwackeln sehr viel Ausschuss dabei und das ärgert. Ich glaube das ist Frauentypisch, alles muss etwas schneller gehen, oder besser gleichzeitig mit etwas anderem... gruss sibylle

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  7. Ein ähnliches Massaker kann ich bei uns beobachten. Oranges Blut. Sonderbar? Nein, ganz normal: Sanddornfrüchte haben Besuch von Meisen, Rotkehlchen und Amseln. In manchen Wintern verschmähen sie den Sanddorn ganz. In diesem endlich haben sie ihn akzeptiert als Futterquelle.
    Übrigens, hab ich dir schon mal gesagt, wie sehr ich deinen Schreibstil schäzte? Wenn nicht, sei es hiermit kundgetan: Ich mag ihn sehr!
    Liebe Grüße, Margit

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  8. Hallo Elke,
    nicht nur unsere Mütter, auch Zappa warnte uns in seinem Lied "Don´t eat the yellow snow" vor dem gelben Schnee. ;)
    Zuerst dachte ich bei der Rotfärbung des Schnees an etwas ganz anderes. Auf unserer Terrasse ist der Schnee nämlich auch oft rot-bräunlich gefärbt, und zwar von den Hinterlassenschaften der Amseln...
    Wir haben einen Seidenschwanzwinter? Die würde ich so gerne mal in natura sehen, ich kann ihnen zwar leider keine Schneeballbeeren bieten, aber der Vogelfuttertisch ist hier immer reich gedeckt.

    Ich schließe mich Margit an, obwohl ich es, glaube ich, schon des Öfteren kundgetan habe: Ich mag Deine Berichte und Deinen Schreibstil auch sehr und freue mich auf jeden neuen Post von Dir.

    Liebe Grüße von Bärbel

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  9. Hallo Elke.
    Ist ja allerhand los in deinem Garten.Vögel sind überall dran.Ist eben so obwohl das Vogelfutter dabei steht.Beeren sind eben lecker.
    Ich wünsche dir noch ein Gutes Neues Jahr Gesundheit und Wohlergehen.
    Liebe Grüße Jana

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  10. Wie immer ein interessanter Post und schöne Fotos, wie bekommt man nur so ein schönes Bild vom Gimpel hin?
    Viele Grüße Annette

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  11. Hallöle Elke
    Ich dachte zuerst, Du hättest in der Küche ein leckeres Mousse gezaubert. Hihi, wohl eher für die Vögel. Ich habe mich auch immer gewundert, warum diese Beeren am Ast bleiben. Nun weiss ich endlich, für wen die Natur diese roten Perlen vorgesehen hat. Danke schöööön. Ich mag den Schneeball auch sehr gerne, leider bekommt er bei mir aber oftmals von irgendeiner gierigen Raupenart Besuch. Der Gimpel ist zwar ein wunderschöner Vogel, aber ich seh ihn bei uns überhaupt nicht gern. Er kommt nämlich meistens im März und nur dann, wenn der Schnee nochmals kommt... und den will ich im März echt nicht mehr :o). Du siehst es ist so ne Art Hass Liebe.
    Liebe Grüsse
    Alex

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