Manche Verluste im Garten sind ja nur schwer zu verschmerzen, vor allem, wenn man so lange auf etwas hingearbeitet hat. Mein Kaffeestrauch zum Beispiel hat sich letztes Jahr ja mächtig angestrengt und mir mal so richtig gezeigt, wo der Kaffee wächst. Übervoll hing er, das musste doch gewinnbringend einsetzbar sein.
Also zunächst mal Kaffeekirschen pflücken. Das ist der spaßige Teil an der Sache gewesen, denn wo sonst kann man mitten im Winter Beeren pflücken ohne kalte Finger zu bekommen?
Hier waren sie also und mussten gepuhlt werden, dann getrocknet.
Und nun kam der knifflige Teil, das Rösten. Wir haben uns für die Pfannenvariante entschieden, das erschien für die kleine Schale Kaffeebohnen die beste Option. War es dann aber doch nicht, denn das Bisschen Bohne wurde so schnell so heiß, dass es eher der Herstellung von Holzkohle glich. Es roch auch gar nicht nach Kaffee, sondern hatte ein befremdliches, karamellartiges Aroma, das erst noch erfunden werden muss. Was soll ich sagen, es schmeckte auch nach allem, aber nicht nach unserem allerliebsten Heißgetränk. Mist.
Was zu einem herz- wie magenerwärmenden Genuss werden sollte - immerhin sind es Kaffeeebohnen aus Deutschland - wurde immerhin zu einer olfaktorischen Herausforderung.
Zumindest an Erfahrung haben wir gewonnen. Geht also so nicht, die Pfanne muss kälter rösten. Nächstes Jahr ein neuer Versuch.
Dafür hat es dann an anderer Stelle im Garten ganz unverhofft geklappt, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Als im Winter im Park mal wieder Sträucher auf den Stock gesetzt wurden, lagen auch Äste vom Gewöhnlichen Schneeball herum, mitsamt Früchten. Die hängen ja immer wie sauer Bier am Strauch, weil sie so recht keiner fressen mag.
Hier tut die Amsel nur so, als würde sie Schneeballbeeren futtern, in Wahrheit hat sie sich eine Hagebutte geschnappt:
Also habe ich im Sinne der Aufklärung an Ort und Stelle und in Ermangelung einer Gartenschere Risslinge produziert und mit nach Hause genommen. Im Garten angekommen habe ich sie in die Erde gesteckt und auf Kundschaft gehofft. Dummerweise konnte ich die Stelle aber schlecht überblicken und plötzlich waren alle Früchte weg, in welchen Mägen auch immer gelandet.
Wer schon einmal Sträucher vermehrt hat, wird wissen, dass Risslinge die Wunderwaffe sind, denn die Wunde am Ast wird durch das brutale Abziehen vergrößert, die Rinde reißt als langer Streifen mit ab und so werden rasch viel mehr Wurzeln gebildet als bei einem glatten Schnitt.
Der Schneeball scheint ein Großmeister der Risslinge zu sein und hat sich gleich mächtig ins Zeug gelegt. Jetzt hat er dicke Knospen. Also habe ich zwar keinen eigenen Kaffee getrunken, aber einen Strauch mit ungenießbaren Beeren vermehrt. Naja, irgendein Gartentier wird sich schon über diesen Gewinn freuen.





