"Faulsein ist wunderschön, viel schöner als der Fleiß..." sang schon dereinst Pippi Langstrumpf - und wer wollte dieser fundamentalen Erkenntnis ernsthaft widersprechen? Vor ein paar Wochen noch hätte ich auch nicht für möglich gehalten, wie wunderschön und wertvoll doch Faulheit sein kann - im Garten zumindest. Hätte ich nämlich in diesem bis dato feuchtwarmen Luschenwinter dem Drang nach Betätigung einer Schere und einer Harke nachgegeben, hätte es noch mehr Eiseskälte über meine Pflanzen gebracht. Nun sind sie unter all dem Laub, Staudenresten und sonstigem unordentlichen Zeug vielleicht ein bisschen weniger der beißenden Witterung ausgesetzt. Und so sind die Rosen noch nicht geschnitten, das Wald-Geißblatt hat noch seine wilde Sturmfrisur und der Kübelteich seine modrigen Carex-Halme, die ganz unverfroren den Eispanzer durchstoßen. Alles ganz fabelhaft faul soweit also.
Trotz allem gibt es natürlich guten Frost und schlechten Frost. Zu letzterem gehört dieser dämliche Kahlfrost, der nächtens zweistellige Minusgrade bringt. Von Null auf Winter in nur wenigen Tagen zum unpassendsten Zeitpunkt überhaupt. Das haben wir einer randalierenden russischen Kaltfront zu verdanken.
| So sahen die Krokusse vor einer Woche aus - heute liegen sie platt am Boden |
Weil Kahlfrost in diesem unerhörten Ausmaß ganz klar zu den weniger pflanzenfreundlichen Aspekten des Winters gehört, war ich überaus froh, dass es gestern ein wenig Schnee in homöopathischen Dosen gegeben hat. Gefrorene Wassertropfen sind schließlich das beste und preiswerteste Isoliermaterial, was die Jahreszeit zu bieten hat - und es fällt einfach vom Himmel. Leider machen sich die hübschen weißen Flocken aber auch völlig sinnloserweise auf Wegen und Terrassen breit, wo sie eine rutschige Angelegenheit darstellen.
Um meinen unterkühlten Stauden also ein wenig unter die gefrorenen Blätter zu greifen, habe ich den Temperaturen die kalte Schulter gezeigt, mir den Besen geschnappt und die weiße, flauschige Pracht auf die immergrünen Gewächse und allzu voreiligen Blumenzwiebeln gekehrt, das Ganze ein wenig aufgeschüttelt - fertig ist die eiskalte Daunendecke. Obwohl mir dabei die Gesichtszüge einfroren, war ich am Ende sehr stolz auf mein Werk. Vom Abklopfen der Dachpfannen habe ich dann aber doch lieber abgesehen - was genug ist, ist genug.
Da der Frost nun mal gerade hierzulande gastiert, kann man die Gelegenheit beim Schopfe greifen und noch andere preiswerte Dinge herstellen. Der riesige Kühlschrank draußen will ausgenutzt und verschönert werden - mit selbstgemachten Windlichtern. Alles was man dazu braucht, ist eine Schüssel, die der Frost nicht kleinkriegt, ein Gefäß mit kleinerem Durchmesser und ein paar Steine. Die große Schüssel wird mit Wasser gefüllt, die kleinere hineingestellt und mit den Steinen gefüllt, so dass sie auf die gewünschte Tiefe einsinkt. Man kann auch leere Joghurtbecher aus Plastik für den Innenteil verwenden. Nun versenkt man schöne Blätter - beispielweise von Efeu - und Hagebutten oder andere Früchte ins Wasser, schön um die innere Schüssel herum drapiert. Blüten wären noch spektakulärer, aber im Moment ist höchstens teure Treibhausware aus frostfreien Gefilden erhältlich.
Am nächsten Morgen schon hat das Wasser seinen Aggregatzustand gewechselt. Die Schüssel aber sieht im Idealfall noch aus wie vorher und hat Haltung bewahrt. Das Ganze wird nun drinnen ein wenig angetaut, um das eigentliche Windlicht aus seiner rustikalen Verpackung zu befreien. Möchte man ein bisschen Energie sparen, stellt man den Eisblock zum Antauen in den Kühlschrank. Ein Teelicht kommt am Ende in die Vertiefung, die das innere Gefäß freigehalten hat, und fertig ist das winterliche Glanzstück.
Mein Eiskuchen mit Kletterrosen-Hagebutten und Efeu:
Mein Eiskuchen mit Kletterrosen-Hagebutten und Efeu:
Da wird es uns doch gleich warm um's Herz. Vielleicht wärmt es unsere frierenden Stauden auch noch ein bisschen.