Samstag, 1. August 2015

Schluckspecht

Tomaten bestehen zum großen Teil aus Wasser - sehr schmackhaftem Wasser immerhin, da haben wir Glück. Tomatenpflanzen in Töpfen, auf die stundenlang die Sommersonne hinunter brennt, brauchen ganz besonders viel Wasser für den guten Geschmack. Da ich für ihren Lebensunterhalt in Form von Erde, Wasser und Kübel auch mal arbeiten gehen muss, kann ich nicht den lieben langen Sommernachmittag neben den Damen stehen und die Gießkanne im Anschlag haben. Das hätten die zwar gerne, aber meine Gemüseleidenschaft kennt doch Grenzen.


Und so habe ich mir schon viele kleine Helferlein improvisiert, die den Tomatenpflanzen durch die größte Hitze helfen sollen. Da wäre zum Beispiel die abgebrochene Tülle der Metallgießkanne. Umgedreht in die Erde gesteckt, nimmt der Trichter immerhin eine homöopathische Menge an Wasser auf. Das reicht leider gerade mal von Zwölf bis Mittag.

Die Tonkegel mit Glaskugel obendrauf sind da schon ein bisschen besser. Möchte man das Unterteil aber in der Erde lassen, braucht man unglaubliches Geschick, um die gefüllte Kugel verlustfrei auf den Kegel zu stülpen. Da muss man schneller sein als sein Schatten. Klappt also auch nicht so gut und hält ebenfalls nicht lange vor.

Wasser im Untersetzer oder Übertopf stehen zu lassen, ist verführerisch, aber kann schnell in das Gegenteil umschlagen: Die Pflanze sieht welk aus, aber statt Wassermangel hat sie des Guten zu viel. Da Tomatenwurzeln keine Schwimmhäute entwickeln können, sollte man ihnen den Tauchkurs lieber ersparen.

Für eine auserwählte Pflanze habe ich seit Kurzem ein neues praktisches Helferlein zum Test geschickt bekommen: Meine Tomaten haben ab sofort einen Vogel, nämlich den Wasserspender Bördy von Scheurich. Der ist ein echter Schluckspecht und kann den Schnabel ganz schön weit aufreißen.

Der Vogelkörper in transparentem Kunststoff ist in einen Tonkegel geklebt, den man in die Erde steckt, und kann leicht von oben befüllt werden. Er kann 620 ml speichern und über den Tag langsam an die Tomate abgeben. Es sieht zwar immer so aus als würde er die Früchte lieber aufpicken, aber er benimmt sich dann doch. Das Wasser wird tatsächlich nach unten hin von der Pflanze abgeholt.



Besonders hübsch sieht er im Gegenlicht aus, was ihn für den luftigen Balkonkasten empfiehlt. Es gibt ihn auch in anderen Farben, etwa als Grünschnabel. Ab und zu wird man ihm den Rachen putzen müssen, damit er nicht zum Dreckspatz wird.

Nun kann der nächste Sommertag kommen: Bördy wartet auf seinen ersten Einsatz als Retter in der Tomatennot!

Samstag, 25. Juli 2015

Riesen-Taubnessel

Es ist die unangefochtene Königin unter den Stauden, was die Pflanze auch zu wissen scheint und sich gleich mehrere Kronen aufsetzt. Diesen Sommer hat sich die Diva sogar standesgemäß mit einer Rosenstola aus 'Lovely Fairy' behängt, denn die eigenen Blüten sind jetzt schon aus.


Außerdem hat sie das Geheimnis ewiger Jugend entdeckt, denn nach der Blüte sehen die grünen Samenbehälter immer noch irgendwie knospig aus, als würde die Show erst losgehen - die immer-währende Verheißung also.

Bei soviel Koketterie wundert es ein wenig, dass sie es nicht zu einem weiblichen Namen geschafft hat und nur ein Es ist: Die Rede ist vom Russel-Brandkraut (Phlomis russeliana).

Ein Gartenbesucher, der die Staude nicht kannte, taufte sie kurzerhand und instinktiv auf den Namen "Riesen-Taubnessel", was es ganz gut trifft und ihr immerhin ein Quäntchen mehr Weiblichkeit verpasst.


Zickig ist die Königin mit den vielen goldenen Kronen aber nicht. Sie ist robust und kommt auch mit Trockenheit zurecht, wenn die Dürre nur nicht gerade vor oder zur Blütezeit nervt, so wie dieses Jahr. Dann biegen sich ihre Blütenstängel wehleidig nach unten, was bedeutet, dass ich schleunigst mit einer gut gefüllten Gießkanne anzurücken habe, aber ein bisschen plötzlich.

Ist das Wetter jedoch normal und nicht krisengeschüttelt, hält das Brandkraut seine hellgelben Blütenkerzen, die im Juni aufblühen, wacker aufrecht und setzt noch ein paar lustige hasenohrähnliche Blätter obendrauf. Hummeln mögen die Blüten sehr gern - vielleicht müssen auch sie an eine Riesen-Taubnessel denken?



Die Pflanze geht nach anfangs mehreren blütenlosen Jahren immer mehr in die Breite und erteilt dann kleineren Stauden gern einen Platzverweis mit ihren großen Schlappohr-Blättern. Die Grundblätter sind wintergrün. Da Phlomis russeliana aus lichten nordtürkischen Wäldern stammt, ist es auch im Halbschatten neben Gehölzen ganz zufrieden. Und die kann es nicht verdrängen, so sehr es sich auch anstrengen mag. Ein sonniger Standort ist ihm genauso recht.


Praktisch ist das Brandkraut auch in seiner Reproduktionsfähigkeit: Die dicken Samen keimen oft schon in luftiger Höhe direkt in den Samenkapseln, die auf bis zu einem Meter hohen Blütenstängeln thronen - eine Staude, die mit selbstgebauten Samenbomben wirft! Die Stiele schneidet man wegen ihrer strukturbildenden Größe erst im Vorfrühling ab. Jedes Samenkorn - im Frühjahr in die Erde gesteckt - keimt rasch. Auch Teilung der Pflanzen ist problemlos möglich.


In jedem Fall ist das Russel-Bandkraut eine fantastische Pflanze, die ohne große Kosten in den eigenen Garten einziehen kann, auch wenn der Name alles andere als poetisch ist...

Samstag, 18. Juli 2015

Sommer im Null-Euro-Beet

Die Osterweiterung des Null-Euro-Beetes hatte ich mir doch anders vorgestellt. Ich wollte so gern an den Erfolg vom letzten Jahr mit meterhohen Cosmeen, Dahlien und Gladiolen anknüpfen. Da der Boden aber auf dem neuen Teil schon im Herbst tief umgegraben wurde, haben Partycrasher einfach das ganze neue Beet annektiert - wie es sich für den Osten des Areals gehört stilecht in kommunistischem Rot. Der Mohn ist aufgegangen! Klatschmohn keimte dort schon lange vor dem ersten Frost, überwinterte als kleine Pflanze und legte mit diesem Vorsprung dann so richtig los.


Unter den riesenhaften Wolken aus wogenden roten Blüten mussten sich die Cosmeen ducken und bekamen nicht so viel Licht wie ihnen gut tun würde. Dazu kam noch eine fiese Dürre, die wir im Mai und Juni hatten. Soviel konnte ich gar nicht gießen, um diese Misere auszugleichen.

Weil Mohn aber nur auf gestörtem Boden keimt und danach jahrezehntelang auf genau wieder so ein Ereignis warten muss, habe ich ihm das Schauspiel natürlich von Herzen gegönnt. Pflanze ich nämlich noch mehr Stauden und kann das Beet nicht mehr gründlich durchwalken, wird er nicht wieder auftauchen.

Da müssen die Cosmeen nun also mit leben. Für die Samengewinnung reichen hoffentlich auch die Mini-Pflänzchen, die ihre winzigen Blüten schüchtern aus dem munteren Mohnmeer hinausstrecken.

Auch die beim Zaunbau-Massaker verloren geglaubte Stauden-Wicke, die letztes Jahr so nett die alte Begrenzung berankt hatte, ist glücklicherweise noch unter den Lebenden. Sie hat sich irgendwie aus den Erdmassen befreit und blüht nun in schönem Pink. Zur Strafe für das dominante Mohnopol hat sie sich einfach die Samenkapseln gegriffen und hält sich nun eben am Papaver fest.




Unter den Zuschauern ist der schon im letzten Jahr gepflanzte Oregano (Origanum vulgare). Er blüht in Weiß und Rosa - die reinste Blütenwolke und ein Fest für Insekten.


Fingerhut und Feinstrahl (Erigeron annuus) haben sich von irgendwo her eingefunden. Phacelia hat sich durch Selbstaussaat erhalten und blüht schöner als die neu ausgebrachten Pflanzen im erweiterten Teil. Zusammen mit der Spornblume ein extravagantes Bild.


Das Weiß der neu aufgetauchten Margeriten wird nun von den Schafgarben abgelöst, die zu meiner großen Freude überdauert haben und sich gern mit Käfern schmücken.

Das Pastellgelb der Nachtkerzen ist auch wieder mit von der Partie.

Nun ist der Mohn fast verblüht und wartet auf Nachfolger. Die Gladiolen werden schon irgendwie durchkommen - mit ihren schwertförmigen Blättern können sie sich sicher eine Schneise schlagen. Es gibt bereits erste hoffnungsvolle Blütenansätze, auch bei den Dahlien - rechts Marokkanisches Leinkraut.

Obwohl er meine Beetideen also gründlich torpediert hat, war ich stolz, dem Mohn Platz für sein kurzes Gastspiel gegeben zu haben. Vielleicht sehen wir uns ja nie wieder an der selben Stelle, wer weiß?

Sonntag, 12. Juli 2015

Was Wolliges

Meine Terrasse ist dieses Jahr wieder so richtig zum Knuddeln. Nicht überall, und man muss schon suchen, um diese eine spezielle Stelle zu finden. Aber wenn man sie erfolgreich entdeckt hat, kann man sich vor Entzücken über diese Wonneproppen gar nicht mehr halten.

Was da im April so verschämt hinterm Vergissmeinnicht hervorlugte mit seinen Eierköpfen ist das Hasenschwanzgras (Lagurus ovatus) in der Sorte 'Bunny Tails'. Der Name ist ganz treffend gewählt, man kann sich nun wirklich keinen passenderen ausdenken. Nun im Juli sind die Samen bald reif, die Pflanze sieht aber immer noch entzückend aus.

Genau wie ein Kaninchen von hinten wirken die Blütenpuschel, die reichlich erscheinen und so weich sind, dass man sie rund um die Uhr knuddeln könnte. Schafft man natürlich nicht und das Gras ist auch mal ganz froh, seine Ruhe zu haben und nicht ständig begrabbelt zu werden. Aber ein bisschen Zuwendung und Handgreiflichkeiten hält das schon aus.

Ob mit oder ohne Morgentau im Pelz: Dieses kleine Gras ist immer hübsch und hat schon bei so manchem Besucher Begehrlichkeiten geweckt, kaum hatte ich die wolligen Vorzüge der Blütenstände vorgeführt. Holt man die Wollköpfe frühzeitig ins Haus, halten sie als Trockenstrauß ewig.

Die Hasenschwänzchen lassen sich kinderleicht im Frühjahr aus Samen heranziehen und kuscheln schon im Sommer. Also wirklich ein Anfängergras unter den einjährigen Pflanzen.


Soweit ist das zwar eine nette Geschichte, aber nun erst einmal nichts besonderes. Es gibt ja schließlich Einjährige wie Sand am Meer, die locker-flockig keimen und im Sommer erfreuen. Die sind vielleicht nicht so wollig, aber auch hübsch.

Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Bei meinen diesjährigen Bommeln ist der Clou, dass die Art Ambitionen hat, Zweijährig zu werden. Letztes Jahr schon hat sich mein Grasbüschel in seinem Terrassentopf selbst wieder ausgesät. Gut, dass ich aufgepasst habe, sonst hätte ich die zarten Grashalme vielleicht als vermeintliches Unkraut gejätet.
Dann kam der Winter und Lagurus ovatus hat gezeigt, dass es kein Hasenfuß ist: Es hat überlebt und blühte deswegen schon im April. Ich finde, das ist schon eine Leistung. Die Schnecken sind auch nicht drangegangen - wie praktisch.


Möchte man nichts dem Zufall überlassen, kann man die Samen auch absammeln und gezielt im Frühjahr wieder ausbringen.

Alles in allem ein Rundum-Sorglos-Gras mit Wohlfühlfaktor - und einfach zum Knuddeln. Auf zur Hasenjagd also, falls ihr euch jetzt auch so einen treuen Kuschelfreund wünscht!

Sonntag, 5. Juli 2015

Geburtstagsgäste

Wenn man so wie ich am Johannistag (24. Juni) Geburtstag hat, dann verheißt das nicht nur Gutes. Viele schöne Dinge enden dann: Es gibt keinen Spargel mehr und auch den Rhabarber sollte man dann nicht mehr essen. Die Tage werden allmählich schon wieder kürzer. Dafür steht der Johannis-Schnitt an, mit dem man Bäume und Sträucher gut in ihrem Wachstum bremsen kann, in jedem Fall besser als beim Schnitt im kahlen Zustand. Das bedeutet aber wiederum viel Arbeit und weniger Auf-der-faulen-Haut-Herumliegen, wie man es im Sommer doch am liebsten tut.

Zum Glück gibt es aber natürlich auch Vorteile: Die Wicken fangen zuverlässig an meinem Geburtstag an zu blühen, die Rosenblüte ist in vollem Gange, die ersten Johannisbeeren werden reif und man kann oft draußen feiern.



In lauen Sommernächten, die um den Johannistag herum liegen, findet in meinem Garten eine ganz besondere Lightshow statt: Glühwürmchen - wie sollte es anders sein auch unter dem Namen Johanniswürmchen bekannt.

Ab 22:30 Uhr kann man sich auf die Lauer legen und das kalte grüne Licht genießen, das aus dem Gebüsch hervortanzt und mal heller, mal dunkler wird. Einen Ausschalter haben die Tierchen auch, vor allem, wenn der Selbstauslöser an der Kamera betätigt wird, um eine Langzeitbelichtung mit ihnen zu machen. Dabei sendet der Apparat leider seinerseits ein Licht aus, das anfliegende Glühwürmchen nervt und sie zum Abschalten bringt. So ist es dann noch schwieriger, die kleinen Käfer auf ein Bild zu bannen.


Zugucken ist aber auch immer wieder nett und eine große Freude. Diesen Tierchen scheint das Licht förmlich aus dem Allerwertesten, und das alles mit erneuerbaren Energien! In meinem Garten ist es die Art Kleiner Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Die Männchen können fliegen und suchen die flugunfähigen Weibchen am Boden, die ihrerseits mit Positionslichtern auf glühende Verehrer warten.

In den Genuss der kleinen Lichtorgeln kommt man nur, wenn man es nicht übertreibt mit der Gartenpflege. Sie brauchen luftfeuchte Stellen mit viel Stauden- und Strauchwuchs, wo sich die Larvenspeise aufhält: Schnecken! Mit dem Schneckenkorn an den Wildwuchsstellen sparsam zu sein lohnt sich daher.

Wer meinen Garten um diese Jahreszeit zu wild findet, der sollte ihn also mal bei Nacht sehen. Die Dunkelheit breitet gnädigerweise den Mantel des Schweigens über mein Wildstaudenchaos, stattdessen erscheinen wundersame grüne Leuchtsignale.

Am nächsten Morgen sieht man dann die Opfer der nächtlichen Ausschweifungen. Manche Männchen sind nach der Party in einem Spinnennetz verglüht - Katerfrühstück der besonderen Art. Dieses Tierchen hier habe ich befreit, hoffentlich erholt es sich noch von den Verwicklungen. Gut zu erkennen sind die zwei hellen Segmente auf der Unterseite, die das Licht produzieren:



Als ich das nächtliche Fotografieren schon aufgeben wollte, fiel mir noch ein großer Falter am Wald-Geißblatt auf, den ich mit Blitz erwischt habe. Ein Ligusterschwärmer gab sich die Ehre, leider keine große Leuchte, aber auch ein imposanter Besuch von respektabler Größe.

Also doch ganz gut, am Johannistag Geburtstag zu haben - bei diesen Gästen! Auch wenn sie nie pünktlich sind und manchmal Wochen zu spät kommen...

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...