Samstag, 23. Mai 2015

Trittbrettfahrer

Das hier ist eine Iris:


Stimmt ja gar nicht? Stimmt. Aber das sollte eine sein, denn meine Mutter übergab mir einen kleinen Ableger ihrer kostbaren Staude, nicht ahnend, dass sich im Wurzelballen die dicke Nachbarin befand: Die Berg-Flockenblume (Centaurea montana). Der blinde Passagier, gar nicht dumm, hat in meinem Garten gleich mal eine kleine Einweihungsparty gefeiert und die Ameisen dazu eingeladen, die die Knospen äußerlich äußerst lecker finden. Andere Stauden haben ihr zur Begrüßung sofort brüderlich ihre Blätter auf die Schulter gelegt (Bild oben rechts). Die arme Iris aber war nicht begeistert und hatte das Nachsehen.


Die graulaubige Flockenblume, die sich schon seit ich denken kann im Familienbesitz befindet, hat schon so einiges mitgemacht und könnte so manche Geschichte erzählen. Deshalb konnte ich es ihr auch nicht antun, sie aus dem Beet zu vertreiben, wo sie augenscheinlich so glücklich ist. Hoffentlich wird sie bei mir auch so alt und ehrwürdig.

Meine Mutter hat mir mittlerweile sogar noch eine Fuhre Berg-Flockenblume mitgebracht, die jetzt im Null-Euro-Beet residiert.


Leider ist die dicke blaue Blume, die immer an Kornblumen und warme Sommernachmittage erinnert, ein wenig aus der Mode gekommen. Ihr haftet eine gewisse Spießigkeit an, weshalb sie in modernen Hausgärten nicht mehr so oft zu sehen ist.

Damit wird ihr Unrecht getan, denn sie ist robust, genügsam (auch im Halbschatten) und vollkommen winterhart, schließlich kommt sie aus den Bergen, wo das Leben kein Honigschlecken ist. Sie versamt sich leicht und wird schnell breiter, so dass sie immer für einen Ableger gut ist. Eine perfekte Pflanze, die man sich schenken lassen kann, um sie dann selbst irgendwann weiterzugeben. Ein toller blauer Wanderpokal mit Geschichte!
 


Wem das trotzdem alles zu langweilig ist, der mag vielleicht die fantastischen neuen Sorten, die mittlerweile erhältlich sind: Es gibt eine weiße ('Alba'), rosafarbene ('Carnea'), dunkelviolette ('Merel') und sogar eine scharze Sorte ('Black Sprite') für ganz geheimnisvolle Staudenbeete.

Die Kombinationsmöglichkeiten mit der grauen Eminenz sind vielfältig und regen zum Tüfteln an, um die perfekten Pflanzpartner zu finden. Ob die kleine Iris dazu gehört, wird sich zeigen. Vielleicht kann sie die Flockenblume mit dem einnehmenden Wesen ja doch irgendwann durchwachsen...

Montag, 18. Mai 2015

Den Samen Beine machen

An kaum einem Gartentier scheiden sich die Geister so wie an Ameisen (ich hatte hier schon einmal zu dem Thema geschrieben). Die einen bemängeln, dass die Krabbeltiere kollektiv die Pflasterwege unterhöhlen, den Sand aus den Fugen nach oben kehren und so für Unordnung sorgen. Die anderen beklagen den Nestbautrieb in Pflanztöpfen und Beeten, was Wurzeln haltlos machen kann. Vertrocknete Pflanzen sind die Folge. Nicht zu verachten ist auch die Viehwirtschaft der Damen, die dazu führt, dass Blattläuse nicht so schnell von Marienkäfern von den Stauden gefressen werden.

Manch einer stört sich außerdem noch am Schwarmverhalten der Geschlechertiere, das auf geheimnisvolle Weise in der ganzen Gegend zum gleichen Zeitpunkt stattfindet und hunderte von Königinnen samt kurzlebigen Prinzen in die Luft gehen lässt.

Aber ist denn gar nichts Gutes an den kleinen Anarchisten auf sechs Beinen? Eine Sache wäre da durchaus, die die Ameisen im Garten in neuem Licht erscheinen lässt und sie zu Verbündeten des Gärtners werden lässt.

Da Pflanzen nicht mobil sind, haben sich einige Arten auf Ameisenkuriere zur Verbreitung ihrer Samen spezialisiert, zum Beispiel die heimischen Lerchensporne Corydalis cava und solida:



Das ist eine praktische Sache, man braucht allerdings einen Lockstoff, denn umsonst machen die Insekten schon mal gar nichts. Die Belohnung für den Samen-Umzugsservice ist ein leckeres Anhängsel am Samen, das Elaiosom. Es ist weiß und hat in etwa die Form und Farbe einer Ameisenlarve.


Die glänzenden Samen mit Elaiosom fallen nach der Reife rasch zu Boden, wo das Fußvolk der hiesigen Ameisenvölker irgendwann einmal vorbeikommt und den Samen ins Nest transportiert. Ist die Leckerei abgefressen, wird der Samen irgendwo weggeworfen, wo er schließlich keimt.

Soweit die Theorie. Aber wie begehrt ist die Ware wirklich? Und wie effektiv sind die Fußgänger unter den Insekten bei der Vermehrung von Lerchenspornen im Garten?

Ich musste es ausprobieren und habe ein paar Samen in der Nähe eines Ameisennestes deponiert und mich auf die Lauer gelegt. Auf dem Bild links ist die Ausgangslage zu sehen mit den schwarzen Perlen, die ich vor die Ameisen geworfen habe, rechts unten der Nesteingang:

Es dauerte tatsächlich keine Minute, und dem ersten Samen wurden bereits Beine gemacht - weg war er. Zum Glück wurde er in Richtung Beet und nicht auf den Rasen getragen.


Auch der Rest ging weg wie warme Semmeln, bis das Volk an seine logistischen Grenzen stieß: Der Nesteingang war zu eng und der erste Samen steckt fest, da half auch kein Zerren und Ziehen mit vereinten Kräften. Übereifrige Kolleginnen stopften gleich noch zwei Samen in dasselbe Loch, was die Situation nicht besser machte. Das Umzugsunternehmen geriet ins Stocken (Bild rechts).

In weniger als einer Stunde waren die elf Testpakete aber verschwunden und auch der Samenstau im Nesteingang war aufgelöst. Die vielen Sämlinge im Garten an verschiedensten Stellen zeigen, dass die Ameisen das schon öfter gemacht haben müssen. Befindet sich ein Bau an einer Stelle, an der man gern neue Pflanzen sehen möchte, kann man die Ameisenvölker also auch gezielt für seine Zwecke einspannen.

Das Prinzip klappt auch bei Leberblümchen, Veilchen, Herbstzeitlosen, Schneeglöckchen und vielen anderen. Also doch gar nicht so doof und unnütz, die Ameisen.

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Die Rätselzwiebel aus der geretteten Biotonnensammlung ist übrigens tatsächlich als Ornithogalum umbellatum enttarnt worden! Kurz darauf habe ich völlig verblüfft so ein Kerlchen auch in meinem Rasen gefunden. Ob es auch per Ameisenkurier dorthin gelangt ist?


Donnerstag, 14. Mai 2015

Robin-Hood-Rasen

So, ab sofort könnt ihr mich den Robin Hood des Gartens nennen, den Rächer der Enterbten. Oder so ähnlich. Ich habe heute den Reichen genommen und meinem armen Rasen gegeben. Beim vatertäglichen Spaziergang durch eines unserer protzigeren Villenviertel fiel mir nämlich ein Haufen Rollrasenreste vor einem Prunkbau auf. Der Gartenabfall lag auf der Straße neben dem Gehweg und bestand zu großen Teilen aus hübsch aufgerolltem Rasenfilz. Darunter winzige Flicken, aber eben auch Stücke von der Größe einer handelsüblichen grünen Fußmatte.

Ein Blick in den Garten der Villa zeigte: Hier war wohl diese Woche erst von Profihand Rollrasen verlegt worden in der Ausdehnung eines mittleren Bolzplatzes. Der Verschnitt trocknete nun vor dem Haus vor sich hin.

Da ich ja immer Plastiktüten in diversen Größen dabei habe, haben wir so eine Rasenroulade einfach mal eingetütet und in den Rucksack gepackt. So ein Wrap ist ganz schön schwer, daher blieb es leider nur bei diesem einen. Mit dem Fahrrad wurde das Fundstück schnell nach Hause gerollt.

Man sieht: Die Qualität ist ausgezeichnet:

Mein eigener Rasen ist nach dem Roden der Buchsbaumhecke um die Süßkirsche herum als dringend bedürftig einzustufen und brauchte unbedingt so eine Rasenspende der gut betuchten Leute. Ich habe dort zwar schon neues Grün eingesät, aber mit einem Rollrasenpflaster geht es natürlich viel schneller und sieht sofort prächtig aus.

Gut, dass mein Mann gerne Dokus im Fernsehen schaut und aufgepasst hat, als holländische Fachkräfte demonstrierten, wie Rollrasen zu verlegen ist.

Also haben wir mit dem Spaten die schadhaften Stellen ausgeschnitten und abgehoben, dann den Untergrund aufgelockert und mit Erdkrümeln für eine ebene Fläche gesorgt. Ein bisschen vorwässern und der Flicken kann aufgelegt werden. Der Zuschnitt erfolgt am besten mit einem scharfen Messer, auch überstehende Ecken lassen sich so in Form schneiden und woanders wieder einsetzen.


Als der neue Teppich an Ort und Stelle lag, haben wir die Stücke kräftig unter Wasser gesetzt. Wir hätten  ruhig noch mehr gebrauchen können vom Instantgrün, aber auch so sieht es nun schon viel besser aus. Ich hoffe, der noble Rasen ist nun nicht enttäuscht, statt im Villenviertel nur in einer schnöden Reihenhaussiedlung zu wohnen - nicht, dass er noch angewidert die Wurzeln rümpft...

Mein Dank geht aber an die reichen Mitbürger dieser Stadt für die großzügige Spende an meinen notleidenden Rasen. Ist doch schön, wenn der Abfall noch einen Sinn hat und nun die Hauptrolle unterm Kirschbaum spielt, oder?

Samstag, 9. Mai 2015

Zwielichtige Verwandtschaft

Es gibt kaum eine Pflanzenfamilie, bei der Tod und Verderben so nah bei kulinarischen Genüssen liegen wie bei den Nachtschattengewächsen. Andere Sippschaften sind da durchaus handzahmer mit ihren Früchten. Nehmen wir nur die Rosengewächse (und hier darf man durchaus mal Äpfeln mit Birnen vergleichen), denn da fällt auf, dass sie uns insgesamt deutlich wohlgesonnener zu sein scheinen in unseren Breiten: Von der Erdbeere über den Speierling bis zu jeder beliebigen Hagebutte haut uns so schnell nichts um. Der Kirschlorbeer ist eine der wenigen Arten, die uns nach dem Leben trachten mit ihren Beeren. Der kommt aber auch aus Asien.

Mit den europäischen Nachtschatten aber ist nicht gut Kirschen essen, haben wir doch einige der giftigsten Vertreter unter ihnen, zum Beispiel die Tollkirsche, die Alraune und die Bilsenkräuter. Alles zwielichtige Gesellen der heimischen Flora.

Am versöhnlichsten sind die Solanaceen offenbar in Mittel- und Südamerika, wo eine erkleckliche Anzahl Arten die Menschen nicht nur nicht vergiften will, sondern sogar noch nahrhaft und schmackhaft ist. Kartoffeln, Tomaten und Paprika sind prominente Beispiele.

Ein anderes Nachtschattengewächs, das so unbekannt wie ungiftig ist, ist die Tomatillo (Physalis philadelphica, Syn.: Physalis ixocarpa), ebenfalls eine Art der neuen Welt. Sie errötet nicht, was sie ungenießbar erscheinen lässt in ihrer aufgeblähten Hülle, dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil der Salsa verde, der sie ganz allein die grüne Farbe verleiht.


Ich habe mich dieses Jahr zum ersten Mal an ihr versucht und bin begeistert. Von den leidigen Tomatenkrankheiten will sie nichts wissen, sie keimt leicht und wächst rasch. Man kann sie im März ähnlich vorziehen wie Tomaten, sollte aber mehrere Pflanzen kultivieren, da sie sich nicht selbst bestäuben kann.

Es handelt sich um ein Gewächs, das auf Konventionen pfeift. Blätter müssen symmetrisch sein? Nicht bei Tomatillos - die leisten sich lieber extravagant schiefes Laub.


Die großen gelben Blüten sind ebenfalls eine echte Show. Nach geglückter Befruchtung wachsen die grünen Lampions heran, die überaus kleidsam sind. Platzt irgendwann de papierartige Hülle auf, ist die Tomatillo-Frucht reif und essbar.


Es erscheinen so viele Früchte, dass die Pflanze gut gestützt werden muss. Überhaupt ist sie bei ruppiger Behandlung nicht so geduldig wie Tomatenpflanzen, die ruhig einmal umgeweht und verletzt werden können und trotzdem weiterwachsen. Die Tomatillo aber ist da schnell geknickt und erholt sich nicht mehr. Also aufpassen vor Windböen.


Hat man diese Blasenkirschenart einmal angezogen, kann man aus den Früchten gleich wieder neue Samen sammeln für das nächste Jahr.

Meine Pflanze ist übrigens deshalb jetzt schon so stattlich, weil ich im Dezember beim Aufschneiden einer überlagerten Frucht schon fertige Keimlinge im Innern gefunden habe - die greift offenbar zum Äußersten, um sich zu vermehren, und ist lebend-gebärend! Auch wieder so eine unkonventionelle Eigenschaft. Also konnte ich schon vor Weihnachten mit der Anzucht beginnnen. Der Tomatillo hat es augenscheinlich überhaupt nicht geschadet.

Wer einen wunderschönen, essbaren Nachtschatten ohne Zicken sucht, der sollte es einmal mit dieser Physalis versuchen!

Mittwoch, 6. Mai 2015

Kraut-Funding

Viele fragen sich bestimmt: Was macht eigentlich das Null-Euro-Beet dieses Jahr so? Hat es immer noch keinen Cent gekostet oder ist dort mittlerweile der Wohlstand ausgebrochen? Seht selbst, was inzwischen passiert ist:

Vergissmeinnicht hat sich über wirklich nur homöopathische Kompostgaben eingeschummelt und blüht in großen Tuffs. Frühlings-Margeriten sind einfach aus dem Nichts erschienen. Kleine Pflänzchen von Geranium phaeum aus meinem Garten haben trotz ihrer Jugend schon Blüten.


Der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) geht es ebenfalls blendend, zur Sicherheit wurde sie noch durch weitere Ableger ergänzt, falls das mit dem Wuchern wider Erwarten nicht so klappen sollte.



Meine Nachbarin von schräg gegenüber hat noch einen stattlichen Ausläufer ihrer Purpur-Schlehe (Prunus spinosa 'Purpurea') gesponsert und als Zugabe Spornblumen aus Pflasterfugen und Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus), die sich nach einiger Anstellerei und vielen Notwasserungen nun doch zum Mitblühen entschlossen haben.


Aus meiner Winterzweige-im-Wasserglas-Aktion stammen Hartriegel und Liguster. Ich bin außerdem ganz stolz, dass ich die geglückte Bewurzelung von Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) in der Vase bekannt geben kann! Der Strauch ist winzig und ziemlich zerrüttet, aber er lebt.

Josta- und Johannisbeere haben netterweise mit Absenkern und Stecklingen zur weiteren Auffüllung des Beetes beigetragen. Beim Thema spontane Bewurzelung macht denen ja so schnell keiner was vor.

Dazu noch ein Sämling vom Schmetterlingsflieder sowie allerlei Ausläufer meiner gesammelten Wildrosen und der Grundstock an Sträuchern steht, wenn auch noch nicht raumgreifend.

Efeu-Ableger und eine kleine Clematis vitalba haben die anspruchsvolle Aufgabe bekommen, den Zaun irgendwann blickdicht zu machen.

Dank des großzügigen Bodenumbruchs im neuen Beetteil, entstanden durch den Zaunbau, keimen reichlich Mohnpflanzen, die sicher Jahrzehnte im Boden auf ihren großen Augenblick gewartet haben. Sie dürfen natürlich blühen, meinen Segen haben sie. In das Erweiterungsbeet habe ich noch Phacelia ausgestreut, das sich im alten Teil durch Selbstaussaat erhalten hat, ebenso wie das Mauretanische Leinkraut.

Die Dahlien und Gladiolen vom letzten Jahr sind wieder glücklich unter der Erde, nachdem sie den Winter auf meinem Dachboden in Dunkelhaft verbracht haben. Von denen sieht man natürlich noch nicht allzu viel.

Und was wäre ein zünftiges Null-Euro-Beet, wenn nicht auch ein paar unbekannte Partycrasher teilnehmen würden, damit auch ja keine Langeweile aufkommt? Zur Fahndung ausgeschrieben sind diese beiden Opportunisten:



Ich freue mich außerdem, dass Anette vom Blog "Neuer Gartentraum" mir beim Kraut-Funding für's Null-Euro-Beet behilflich ist, denn sie hat mich nominiert für den OBI-Frühlingsgruß, das ist ein Sämereienpaket mit tollen Arten, wie Erdbeerspinat, Schnittknoblauch, Lupine und vielen anderen. Die Samen wurden in der Blumenstadt Erfurt produziert. Vor allem die Lupinen werden sich in dem sandigen Boden sicher wie zuhause fühlen.

Ich darf nun zwei weitere Blogs nominieren, die das Samenpaket erhalten können, wenn sie möchten. Ich habe mich entschieden für Patchgarden und Gartenbuddelei, weil beide einen großen Garten haben, der sicher noch viel freien Platz bietet.

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