Mittwoch, 10. Februar 2016

Das kleine schwarze

Es gibt Bücher, die können hohe Folgekosten nach sich ziehen. Entweder man möchte nach dem Lesen seinen ganzen Garten umkrempeln, oder aber unbedingt einen fremden mit eigenen Augen sehen. Den schon im Garten ansässigen Pflanzen gefällt die zweite Möglichkeit weitaus besser, wird ihnen doch so auf keinen Fall der Platz streitig gemacht und sie können unbesorgt weiter vor sich hin wurzeln.

Ein Buch, das auf jeden Fall zu einer Garten-Reise verführt, ist das kleine schwarze, das kürzlich im Ulmer-Verlag erschienen ist:
"Einmal gärtnern wie in Sissinghurst - Ein Blick hinter die Kulissen der berühmten englischen Gartenlegende" von Astrid Ludwig.


2016. 142 S., 100 Farbfotos, geb. ISBN 978-3-8001-0365-2. € 19,90

Nun geht Frau Ludwig aber nicht einfach nur in diesen Garten, indem sie Eintritt zahlt, sondern sie arbeitet für ein paar Wochen dort, als freiwillige Helferin. Die erste Frage: Was zieht man an beim Gärtnern vor Publikum? Dann darf sie Rosen und Taglilien die verblühten Köpfe abschneiden, immer unter den wachsamen Augen der Chefgärtner, damit die deutsche Hobbygärtnerin nicht ein englisches Kulturgut verschandelt, wie sie scherzt.

Es kommt zu netten Begegnungen mit anderen Helfern, mit den Besuchern und den Vermietern des Landhauses, in dem sie während der Zeit wohnt - alles very british.

Es geht aber nicht nur ums Gärtnern im Hier und Jetzt, sondern die Geschichte des Gartens wird ebenso aufbereitet, alles geschmückt durch Fotos. Am Ende ist Frau Ludwig wieder zu Hause und überlegt sofort, wie sie ihren eigenen Garten etwas sissinghurstiger machen könnte.

Mir hat das Buch viel Spaß gemacht, vor allem, weil die Autorin über sich selbst lachen kann und eben mit eigenen Händen zupackt, auch wenn die Rosen pieksen.

Die Idee mit den freiwilligen Helfern hat mir gut gefallen - wer möchte denn mal meinen Reihenhaus in das kleinste Möchtegern-Sissinghurst der Welt verwandeln, während ich mir das echte endlich mal anschauen gehe?

Samstag, 6. Februar 2016

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Grün beruhigt? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Das stimmt zwar in den meisten Fällen, aber es gibt doch Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn ich irgendwo am Wegesrand eine unbekannte Pflanze entdecke. Das lässt mir dann keine Ruhe mehr, bis ich am Ende unter Aufbietung sämtlicher kriminologischer Techniken die Identität des Blümchens zweifelsfrei gelüftet hab, zur Not im Kreuzverhör, wobei sich die meisten Pflanzen da taub stellen.

Manchmal stehe ich nämlich vor der heimischen Flora wie ein Idiot. Es sind einfach zu viele Arten, man kann sie nicht alle kennen. Und so bin ich immer ganz froh, wenn ich jedes Jahr wenigstens eine Handvoll neue Pflanzen lerne. Meist sind es die eher auffälligen, aber sei's drum, gelernt ist gelernt.

Letztes Jahr waren es immerhin drei Arten: Der Dürrwurz-Alant (Inula conyzae), eine unscheinbar gelb blühende, recht hohe Staude, das Scharfe Berufkraut (Erigeron acre), das hübsch blau blüht, aber sich äußerst rar macht, weil es magere Standorte bevorzugt. Auch die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea), die unbekannte heimische Verwandtschaft der invasiven Kanadischen Goldrute, war dabei. Das sind nicht alles Prachtstauden, aber ich habe mich trotzdem gefreut sie kennengelernt zu haben.



Noch schlimmer ist der Wiedererkennungswert im Winter. Bei wildlebenden Stauden, die  man vielleicht zur Blütezeit mit Ach und Krach noch mit Vornamen anreden kann, ist man in der kalten Jahreszeit schon froh, wenn man weiß, dass es eine Staude ist. Im Garten läuft das besser, da kennt man seine Pappenheimer schließlich jahrein, jahraus.

Und so war ich bass erstaunt, bei uns im Teutoburger Wald an einer trockenen und im Sommer warmen Stelle auf merkwürdige, vogelschnabelähnliche Samenkapseln zu stoßen. Die meisten Schnäbel waren schon leer, einige wenige hatten patschnasse Flugsamen in den Hüllen, bereit zum Abflug. Gut, dass mich keiner gefragt hat, was das nun wieder für ein Kraut wäre, ich hätte es sowieso nicht gewusst.


Irgendwie erinnerte mich dieser Flugapparat an die Gewöhnliche Seidenpflanze (Asclepias syriaca), aber die kommt ja nun mal aus Nordamerika und ist größer. Zuhause habe ich dann das Blumenbuch blindlings durchgeblättert, bis ich bei der Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) stutzte: Dort stand tatsächlich was von Seidenpflanzengewächs! Sie ist der einzige heimische Vertreter und eigentlich erkenne ich sie zur Blütezeit ganz gut, hatte mir aber nie Gedanken über ihre Verwandtschaftverhältnisse und ihre Samen gemacht.


Das wäre nun also geklärt. Ist zwar keine neue Art, aber immerhin. Man kann sie sogar im Garten ansiedeln, zum Beispiel an trockenen, steinigen Stellen.

Dieser erkennungsdienstliche Erfolg ist aber kein Grund, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen - das nächste unbekannte Wesen lauert sicher schon irgendwo, vielleicht sogar im eigenen Garten. 

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Flugsamen sind mir auch heute in den Briefkasten geweht worden - Stockrosensaat aus der Manufaktur von Sigrun.



Dann kann im Null-Euro-Beet bald ganz vortrefflich die Welt gerettet werden! Danke, Sigrun, für das wunderschöne Geschenk!

Sonntag, 31. Januar 2016

Für die rosarote Brille

Singvögel sind Augentiere und haben bei der Arbeit oft die rosarote Brille auf - wo etwas rot aus dem Gestrüpp leuchtet, wäre es doch gelacht, wenn es dort nichts Essbares geben würde. Früchte in Signalfarbe sind daher begehrtes Vogelfutter. Selbst Chilis werden in ihrer Heimat von Vögeln verspeist - die müssen wirklich einen Magen aus Asbest haben.

In unseren Breiten sind es eher Hagebutten, Schneeball-, Johannis- oder Weißdornbeeren und die Früchte vieler Geißblattarten. Im Spätsommer kontrastiert das Rot besonders gut mit grünem Hintergrund, aber selbst im Winter hebt sich das Vogelfutter noch schreiend bunt vor brauner oder weißer Kulisse ab, je nach Schneelage.
 

Diesen Winter versucht sich in meinem Garten ein Mönchsgrasmückenmännchen am Überwintern in unseren Breiten, es hat seinen Beruf als Zugvogel an den Nagel gehängt und pfeift auf einen Winterurlaub. Das ist ein bisschen so, als wenn unsereiner untrainiert den Mount Everest besteigen möchte, also nicht ganz ungefährlich bis lebensmüde. Bisher klappt das trotz der arktischen Woche Mitte Januar ganz gut, den roten Hagebutten der Büschelrose (Rosa multiflora) sei Dank. Die Temperaturen sind eher mild und sogar die sonst unscheinbar grüne Stinkende Nieswurz (Hellborus foetidus) blüht mitten im Winter und hat zur Feier des Tages roten Lippenstift aufgetragen.



Weil Rot also so gut bei Vögeln ankommt, habe ich mir einen Meisenknödelhalter aus Naturmaterialien gebastelt. Dazu habe ich vier Zweige vom Hartriegel genommen - natürlich von einer Sorte mit knallroter Rinde, in diesem Fall Cornus alba 'Sibirica' - Vogelfutter mit Sti(e)l serviert.


Die muss man sowieso regelmäßig schneiden, da nur die Rinde junger Hölzer so schön farbig ist. Zweige, die schon mehr zum Bräunlichen tendieren, können im Winterhalbjahr an der Basis gekappt werden - damit der Strauch noch Strauch bleibt und keine Existenzängste bekommt, reicht eine Verschlankung um jeden zweiten oder dritten Ast.

An einem Ende habe ich die abgeschnittenen Äste dann mit roter Schnur zusammengebunden und den Meisenknödel ohne Netz und doppelten Boden darin wie in einem Korb eingeklemmt.
Nun kommt der schwierige Teil, für den man am besten 4-6 Hände vorrätig haben sollte. Da die meisten Menschen nur zwei davon am Körper tragen, musste mein Mann die Zweige über dem Meisenfutter zusammenhalten, während ich den oberen Knoten gemacht habe.


Nun kann nichts mehr verrutschen. Die Konstruktion habe ich dann im Garten über einen Zweig der Büschelrose gesteckt. Fertig ist der Vogelkäfig, nur anders herum.

Nun hoffe ich auch dank der Farbe auf regen Vogelbesuch - sollen die Tiere ruhig mal Rot sehen!

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De Verlosung ist zu Ende! Ein Exemplar meines Buches hat gewonnen: Helge von Hollerbusch und Kaffeekännchen!


Ich möchte mich ganz herzlich für eure zahlreichen, ganz, ganz netten Kommentare zu meinem Buch bedanken - ich war einfach nur sprachlos!

Samstag, 23. Januar 2016

Mein Buch ist da - mit Verlosung

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich ein Buch geschrieben habe! Es ist kein riesiger Bildband und kein großer Wälzer im Ausmaß von Krieg und Frieden, aber es ist meins.

Möglich gemacht hat es der Ulmer-Verlag, der ab sofort zu meinem Lieblingsverlag erklärt ist.

Und hier ist es, über den Bildlink könnt ihr es auch bestellen:



Heimische Pflanzen für den Garten. 100 Blumen, Sträucher und Bäume für mehr Artenvielfalt. Elke Schwarzer. 2016. 128 S., 117 Farbfotos, kart. ISBN 978-3-8001-8455-2. € 12,90


Die Arten- und Sortenauswahl nimmt Rücksicht auf kleine Gärten und stellt heimische oder eingebürgerte Pflanzen im Portrait vor. Auch einige nicht-heimische Arten sind dabei, wenn sie für die Tierwelt von besonderem Nutzen sind. Dazu gibt es kleine Selbstbau-Projekte für die Gartentiere. Bis auf wenige Bilder (zum Beispiel das Titelbild) habe ich alle Fotos selbst aufgenommen.

Während ich Fotomotive mit heimischen Pflanzen gesucht habe, konnte ich einige schöne Gärten entdecken, die zeigen, dass unsere Local Heros sich durchaus sehen lassen können und auch in formalen Szenen punkten:


Ein Garten mit Eibenhecke, dahinter Rosa glauca, davor Schlangenknöterich, zur Straße hin durch eine Ligusterhecke begrenzt:



Ein Hauseingang, der vor der Schwelle zur Tür mit Zypressen-Wolfsmilch bepflanzt ist:


Ein Schwarzer Holunder ganz in Violett vor einer Mauer in ähnlichen Farbtönen:



Wenn ihr ein Exemplar des Buches gewinnen möchtet, hinterlasst bis zum 30. Januar 2016 einen Kommentar und ihr nehmt an der Verlosung teil!

Samstag, 16. Januar 2016

Die Distel darf das

Sie ist die Zicke unter den Pflanzen, das Fräulein-rühr-mich-nicht-an des Grünzeugs. Jeden Annäherungsversuch unterbindet sie mit einer gekonnten Stichprobe ihrer Wehrhaftigkeit. Die meisten Weidetiere meiden sie, verzichten gern auf das Prickeln auf der Zunge. Auch wir Gärtner lieben sie nicht gerade, dabei bekommen wir ihre Samen oft kostenlos eingeflogen, aber mehr als uns lieb wäre: Auf offenem Boden kann sie lästig werden, in dichtbewachsenen Staudenbeeten hat sie aber nicht den Hauch einer Chance. Trotzdem macht es uns die Distel schwer, sie ins Herz zu schließen.
Dabei können die Pflanzen durchaus hübsch sein, die Blüten wie Puderquasten in leuchtendem Lila. Hummeln besuchen sie gern. Distelfinken mampfen die Samen, Raupen fressen sich trotz Bewaffnung durch das Laub.


Die Nickende Distel (Carduus nutans) ist eine besonders hübsche Art mit bescheiden geneigten Köpfen und vom Aussehen her durchaus gartenwürdig. Sonnige, trockene Plätze mag sie gern. Mit dem Sprung über den Gartenzaun täte man ihr einen großen Gefallen, denn ihre Bestände sind rückläufig.



Wer erst einmal testen möchte, ob er mit der kratzbürstigen Art der Disteln im Garten zurechtkommt, der sollte es zunächst mit der zweijährigen Mariendistel (Silybum marianum) probieren. Sie lässt sich leicht aus Samen ziehen und besticht durch weiß gezeichnetes Laub, das den Winter über die Beete schmückt. Ihre violetten Blütenköpfe sind besonders imposant. Die Samen werden von Sumpfmeisen gern geplündert, da sie fettreich und groß sind.

Ebenfalls zweijährig ist die Eselsdistel (Onopordum acanthium) - sie ist groß wie ein Esel und grau wie ein Esel. Mit ihrer mannshohen Gestalt ist die graue Eminenz eine Ausnahmeerscheinung im Pflanzenreich und macht als Solitär soviel her wie ein Kandelaber-Kaktus. Durch ihre herausragende Größe hat sie besonders viele Rasierpinsel-Blüten.

Langlebiger ist die Purpur-Kratzdistel (Cirsium rivulare 'Atropurpureum), eine sterile Züchtung der feuchte Plätze liebenden Wildart. Mit wehrhaften Sämlingen, die sich überall breit machen, ist bei dieser Auslese also nicht zu rechnen.

Ähnlich und besonders edel, aber nicht heimisch sondern aus Japan, ist Cirsium japonicum. Die Staude ist von hoher Gestalt mit weinroten Blüten, die von Hummeln geliebt werden - und auch wohl von Blattläusen.



Im Null-Euro-Beet hat mich dieses Jahr die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) beehrt. Obwohl sie meine Avancen mit bösen Stichen quittiert hat, habe ich ihr den Platz von Herzen gegönnt - zu schön waren ihre rosa Bürstenköpfe.

Ja, Disteln sind Diven, aber das sind Katzen auch mitunter, und die mögen wir schließlich. Wir sollten öfter Platz schaffen in unseren Gärten für die Femme Fatale unter den Pflanzen - man muss sie ja nicht gleich kuscheln wollen.

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Zum Abschluss noch eine Buchbesprechung zu "Mach mir den Garten, Liebling!: (K)ein Landlust-Roman" von Ellen Berg, erscheinen 2015 im Aufbau-Verlag.


Die Handlung: Luisa lebt nur für ihre Arbeit, für anderes hat sie keine Zeit. Ihre Tante, die in Italien weilt, hat ihr zwar ihren Schrebergarten anvertraut, doch Luisa hat ihn lieber einem Auftragsgärtner zur Pflege überlassen. Doch nun kommt ihre Tante zu Besuch und der Garten sieht aus wie ein Friedhof. In der Firma gibt es einen neuen Chef und Luisa muss um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes und den ihrer Mitarbeiter kämpfen. Sie fängt an, den Garten wieder auf Vordermann zu bringen, lernt das Gärtnern zu schätzen und verliebt sich auch noch. Dazu gibt es einige Intrigen zu bewältigen.

Die Art und Weise, wie der Garten gerettet wird, ist nicht alltäglich. Es wird sich des Crowdfundings bedient und mit virtueller Währung bezahlt. 

Das Ganze ist kurzweilig geschrieben und ich habe das Buch in einem Rutsch weggelesen. Viele Passagen, vor allem des Büroalltags, waren witzig erzählt. Die Szenen mit dem Garten haben mich weniger überzeugt. Warum zum Beispiel die Buchsbäume als Friedhofsgewächse bezeichnet werden und weg sollen, passt nicht zum aktuellen Buchstrend, zumal sich die Pflanze jedem Gartenstil unterordnen kann. Und warum gibt es gleichzeitig Magnolienblüten und Tomaten?

Im Grunde war es eine lustige, leichte Lektüre, aber zum Gärtnern hatte ich mir mehr Kompost-Slapstick und mehr Handfestes erhofft.

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