Montag, 25. August 2014

Eine echte Perle

Ja ja, ich weiß. Ich hatte erst vor gar nicht allzu langer Zeit versucht, die Zaunrübe von ihrem Unkraut-Image zu befreien. Nun ist sie hier leider schon wieder in der Werbetrommel zu finden, denn es gibt neue Heldentaten von ihr zu berichten: Das Männchen aus meiner Hundsrose ist nun anerkanntermaßen so stark wie Herkules, denn es hat dem jahreszeitlich unangepassten Sturmtief "Wilma" klaglos Paroli geboten.

Und das kam so: Als eine meiner Moschusmalven hinfällig wurde und nur noch im Weg herumlag wie ein Häufchen rosafarbenes Elend, habe ich sie mit einer meterlangen, schon fast vertrockneten Zaunrübenranke einfach an den Säulenapfel gebunden.


Und obwohl mein armer Apfel 'Arbat' dieses Jahr von sich aus schon genug Gewicht zu tragen hat mit einer Bombenernte, hat er das Gezerre der gefesselten Malve stoisch hingenommen.


Diese gelungene Verbindung hält noch heute, was eine echte Meisterleistung ist nach den bösen Böen, die wir Anfang letzter Woche erdulden mussten. Ich konnte mich selbst kaum auf den Beinen halten, aber die Malve hat nichts aus ihrer Ranken-Verankerung reißen können. Der Doppelknoten und das Naturseil hielten bei jedem Wetter.

Das Zaunrübenmännchen kann ich persönlich jetzt nicht mehr dafür loben, denn das ist schon wieder unter der Erde verschwunden und verpasst den Rest des Jahres in seiner Knolle. Das Schläfchen sei ihm gegönnt, seine sterblichen Überreste werden noch lange von sich reden machen.

Was auch mittlerweile als Lüge zu entlarven war, ist die Tatsache, dass ich behauptet hatte, ich hätte kein Weibchen im Garten. Hab ich aber sehr wohl, denn das hat sich dieses Jahr zunächst unbemerkt über die Westflanke der Efeuhecke zwischen Wildem Wein und Zaunwinde herübergeschlichen und mir dann hübsche Girlanden voller roter Beeren in die Johannisbeere gehängt.

Und jetzt schaut mal, was man mit denen Schönes anstellen kann:



Eine Perlenkette für Blumentöpfe, filigran und unaufdringlich. Genausogut kann man sie in Kränze einflechten oder als Vogelfutter in Sträucher hängen, wo Mensch und Tier sie gut sehen können. Das ist als Forschungsprojekt geeignet zum Thema: Wer frisst was?

So, nun seid ihr vielleicht bis auf Weiteres erlöst von der Dauerwerbesendung zum Thema "Meine Zaunrübe und ich". Ich hoffe, ihr verzeiht mir den erneuten Lobgesang.

Montag, 18. August 2014

Neue Blumen braucht das Land

Der Alltag ist schon grau genug, sollte man meinen. Manche können aber dennoch nicht genug von dieser Trendfarbe bekommen und holen sich das Grauen auch nach Hause: Über die Maßen viele Gartenbesitzer finden es momentan schick, ihre paar Quadratmeter vor dem Haus in ein steinernes Meer zu verwandeln - grauer Schotter oder sonstwelche Schwergewichte weit und breit, Blumen Fehlanzeige. Die Wackersteine welken wenigstens nicht und säen sich auch nicht unverschämt aus, so!

So wie hier sieht das dann ungefähr aus: Welche dieser beiden Beetansichten ist die ansprechendere? Linker Hand haben wir Buchsbaum an Steinhaufen, garniert mit Moosbeilage. Rechts wurde heimisches Seifenkraut mit Purpur-Leinkraut 'Canon J. Went' angerichtet.


Ich würde mich jederzeit für das rechte Bild entscheiden. Damit das noch mehr Menschen tun, sind zwei neue Bücher erschienen, die hoffentlich den grässlichen Trend zum Vorgartengrau wieder umkehren können:


Das Buch von Frau Wächter, "Blumen-Gärtnern", befasst sich mit Einjährigen, Stauden und Kletterpflanzen und zeigt Pflanzkombinationen sowie Artportraits. Es ist zwar gut geschrieben, aber leider nicht immer gut bebildert. Manche Fotos sind stärker vergrößert als die Auflösung hergibt oder nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Mich stört an diesem Band vor allem der konsequente Verzicht auf lateinische Pflanzennamen. So bleiben die vorgestellten Blumen eher auf Baumarktware beschränkt, die man auch ohne genaue wissenschaftliche Bezeichnung finden kann. Für Anfänger ist das Buch daher geeigneter als für Fortgeschrittene.


Die Gärten von Katrin aus "Immerblühende Beete ganz einfach" werden viele aus ihrem Blog kennen und schon ausgiebig bewundert haben. Das sind wahre Wunderwelten aus unbekannten Stauden, wogenden Blütenmeeren und auch schönen Winterbildern. Nun gibt es diese tollen Gartenansichten als Buch, zusammen mit Tipps, wie man Stauden auswählt, pflanzt, bei Laune hält und kombiniert. Welche wuchern, bei welchen ist das erwünscht, welche muss man im Zaum halten, welche sehen im Winter gut aus? Darauf gibt es Antworten mit Beispielen aus dem Gartenalltag.



Katrins Werk hat mich in allen Punkten überzeugt und ist für Einsteiger wie Gartenerfahrene gleichermaßen ein Gewinn. Ausführliche Pflanzenportraits gibt es hier nicht, es geht eher um das Gemeinschaftsgefühl im Beet. Dafür zeigt sie beeindruckende Beete im Wandel der Jahreszeiten und Kombinationsbeispiele aus anderen Gärten, meist aber aus ihren eigenen. Die Fotos sind ausnahmslos sehr gut und stets von ihr selbst aufgenommen - Hut ab, so etwas schaffen nur wenige Autoren.


Meine Empfehlung also für das Buch von Katrin - wer ihren Blog mag, wird das Buch lieben - und hoffentlich bald ganz viele Stauden pflanzen!

Alle Pflanzenfotos in diesem Artikel von mir, aufgenommen im Umweltzentrum Heerser Mühle in Schötmar - auch das allererste mit dem Beet des Grauens, das dort als abschreckendes Beispiel dient - hoffentlich zeigt es Wirkung.

Mittwoch, 13. August 2014

Männersache

Um diese Zeit ist mein Garten größtenteils in Rosa gekleidet, nicht in sonniges Gelb wie es im Sommer vielerorts üblich ist. Schuld daran ist die Staudenwicke (Lathyrus latifolius), die so sehr an allem herumgriffelt und in die Breite gegangen ist, dass ich von der Terrasse aus sowieso kaum etwas anderes sehe als den pastellfarbenen Rosenbogen, an dem auch das Wald-Geißblatt rankt. 

Daneben steht die Moschus-Malve (Malva moschata) und drängt sich ebenso rosafarben ins Gartengeschehen.



Auf Bodenhöhe blüht das wuchernde Seifenkraut (Saponaria officinalis) und zwar - wie könnte es anders sein - in ganz zartem rosé.




Der Oregano (Origanum vulgare) (hier links mit Purpur-Zünsler, der immerhin nicht rosa ist) mischt da fröhlich mit, zusammen mit Herbst-Anemone und Purpur-Leinkraut - über allem thronen erhaben die pinkfarbene Kletterrose 'Manita' und eine lachsfarbene Stockrose. In der alleruntersten Etage schließlich blüht das Herbst-Alpenveilchen.

Eigentlich daher ein eher weiblich gefärbter Garten, oder? Was für Mädchen eben. Wären das alles auch Pflanzen, die gärtnernden Männern gefallen würden? Mein ehemaliger Nachbar jedenfalls hätte alle diese schlüpferfarbenen Kandidaten aus dem Garten verbannt. Bei ihm sollte es streng nur in Weiß und Blau blühen.

Vor meiner Haustür aber steht sorgsam getopft in einem - man höre und staune - blauen Kübel eine Pflanze mit pinkfarbenen Blüten, die über jeden Zweifel erhaben sein sollte. Ist die Blütenfarbe allein noch ein bisschen auf der weiblichen Seite, so lassen die Blätter doch eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen. Braune Flecken auf grünem Kleeblatt und das ganze Schauspiel in Massen - wenn diese kleine Pflanze nicht Manns genug ist, dann weiß ich es auch nicht.


Was da nun schon seit Mai ununterbrochen blüht und fröhlich Blätter schiebt, ist Glücksklee (Oxalis tetraphylla, syn. Oxalis deppei) 'Iron Cross' - ein Sauerklee mit einem äußerst ernsten Sortennamen, aber einer unbändigen Lebensfreude. Wenn man das Gießen nicht vergisst, ist er eine wahre Frohnatur.

Technisch begabt ist er auch über die Maßen - klappt bei starker Sonne oder wenn er abends müde wird - seine Blätter wie ein Regenschirm nach unten. Ein echter Kerl eben.

Alles, was man für die Inbetriebnahme dieser Pracht braucht, sind ein paar Knollen, die man im Frühjahr in ausreichend Blumenerde setzt. Sobald die kleinen Dinger gepflanzt sind, legen sie auch schon los. Das funktioniert deutlich besser als bei diesen schwindsüchtigen Kandidaten, die um Silvester herum inklusive Schornsteinfeger-Deko in viel zu kleinen Töpfen verschenkt werden und vielleicht Glück bringen, aber selbst keines haben.

Der Sommer ist eher seine Lieblingszeit, dann legt der Klee sich so richtig ins Zeug. Als Kübelpflanze ist er mein diesjähriger Preisleistungssieger - so viel Spaß hat man selten im Topf. Der Glücksklee macht wirklich glücklich, soviel steht fest.

Sogar für den Eintopf wäre der was, denn essbar sind die Knollen auch noch!


Ich werde aber versuchen, den kleinen Mexikaner in Form seiner unterirdischen Speicherorgane trocken zu überwintern, damit ich auch im nächsten Jahr wieder so ein Mannsbild im Vorgarten stehen habe.

Mittwoch, 6. August 2014

Licht aus der Konserve

Unglaublich, es ist Sommer - die Stockrosen blühen, die Wicken wollen den Himmel berühren und die Tomaten fangen endlich an, reif zu werden. Könnte man das alles doch irgendwie konservieren für schlimme Wintertage, vor allem die Tomaten. Aber zum Glück tun das ja andere für uns, nämlich professionell und für die Ewigkeit. Naja, fast - zumindest für eine kleine Ewigkeit.


Konzentrierte konservierte Paradeiser heißen dann Tomatenmark - diese Essenz des Sommers ist meist tief dunkelrot und lässt sich im Winter prima für Saucen verwenden. Es kommt in kleinen Dosen daher - im doppelten Wortsinne. Warum ich das bittschön jetzt mitten im Sommer erzähle, wo ich mir meine Tomaten nur von der Terrasse zu pflücken brauche?

Darum: Das hier waren Tomatenmarkdosen. Leer gegessen im Herbst oder Winter, schmückend nun den Garten im Sommer.



Irgendwann fiel mir endlich einmal auf, dass diese Döschen perfekt um ein Teelicht herum passen. So ein Zufall. Gut gereinigt sind sie Behältnisse dann zwar innen erhellend, aber außen noch zu schlicht und vor allem eben ein Werbeträger für Tomatenmark.

Doch dem kann entgegengewirkt werden mit: Schere, Klebe, Buntpapier. Einfach die Dose außen herum vermessen (vor allem die Höhe ist wichtig, die Länge kann passend gemacht werden, zur Not durch überlappende Enden), ein Stück hübsches Papier zurechtschneiden und außen auf den Behälter kleben. Fertig!

Es geht einfach alles - Geschenkpapier, Birkenrinde, Zeitungen, Landkarten oder einfach ein ausgedruckter Schriftzug. Man möchte gar nicht mehr aufhören mit dem Basteln und überlegt sich immer mehr Rezepte, an die unbedingt Tomatenmark gehört.

Die bunten Döschen können aber noch mehr beherbergen als Kerzen. Sie sind so leicht, dass man sie zum Zelten oder mit in den Garten nehmen kann. Auf einer Pflanze abgestellt kann man an einer anderen bequem darin Samen sammeln - sowas ist eine Kleinigkeit für das Schmuckstück. Falls man das passende Papier mit dem pflanzlichen Samenspender aufgedruckt zur Hand hat, kann dies ein schön verpacktes Gartengeschenk werden. Auch kleine Pflänzchen können für kurze Zeit darin wachsen und so den Besitzer wechseln.


Nett sind auch kleine Urlaubsmitbringsel verpackt in einer Dose, und zwar beklebt mit der Landkarte vom Ferienort. Wenn es etwas mehr sein darf, sind größere Konserven angesagt. Klebstoff gegenüber sind sie alle nicht abgeneigt.

Nur wasserdicht sind sie nicht und lassen bei Regen alsbald die Hüllen fallen. Das dürfte aber zu verschmerzen sein, im Fall der Fälle einfach wieder ein Stück konservierten Sommer ins Essen geben...

Mittwoch, 30. Juli 2014

Pflaumenfest

Ein bekanntes Sprichwort lautet: Man soll die Früchte feiern, wie sie fallen. Oder so ähnlich. Ich kann da jedenfalls nie nein sagen und feiere nun schon seit ein paar Wochen mein ganz persönliches Pflaumenfest. Da habe ich auch einiges nachzuholen, denn seit zehn Jahren hatte ich Pflaumen auf den Augen und daher nicht bemerkt, dass in unserer Siedlung ein Baum mit leckeren Früchten herumsteht, der anteilig sogar mir gehört.


Seit ich Pflaume das nun endlich mal gemerkt habe, ist das Obst nicht mehr vor mir sicher. Ich habe das fabriziert, was ich am besten kann: Marmelade. Dazu gehört nicht viel, man braucht lediglich einen Topf, einen Herd, einen Löffel und Gelierzucker, aber kein Talent. Und natürlich leere Schraubdeckelgläser, die gern recycelt sein dürfen. Als die ersten drei Kilogramm immer noch kein Ende nahmen, habe ich völlig nüchterne Früchte in einen Liter Wodka eingelegt und ihnen 500 g Kandiszucker hinterhergeschmissen. Wäre doch gelacht, wenn am Ende nur die Pflaumen blau würden.



Obwohl die feierliche Entdeckung des Baumes ein Jahrzehnt in Anspruch nahm, ist mir bei der Zubereitung binnen Minuten einiges klar geworden. Erstens: Je blauer die Frucht, umso weniger Gemetzel ist nötig, um den Kern loszuwerden. Zweitens: Die Dinger nie entkernen, wenn man kurz darauf unter Leute geht - der Saft färbt die Finger so gut, dass man am Ende aussieht, als wäre eine starke Nikotinabhängigkeit nicht von der Hand zu weisen. Nach nur zehn bis zwanzig Mal Händewaschen vergeht das dann auch wieder.


Und nun brauche ich Namen und wüsste doch ganz gerne, was das überhaupt für eine Art ist. Ist das nun eine Kirschpflaume oder Myrobalane (Prunus cerasifera) oder eine übereifrige Reneklode oder Kreike (Prunus domestica)? Geblüht wurde sehr früh Anfang April in strahlendem Weiß, aber ohne Blätter. Die Schale der Früchte schmeckt sauer, obwohl das Fruchtfleisch sehr süß ist. Die Reifezeit Mitte Juli müsste eigentlich für eine Myrobalane sprechen, aber wer weiß ob die Züchter nicht andere frühreife Früchtchen erfunden haben.

In der ersten Woche, als ich Pflaumen vom Baum geschüttelt habe, waren sie kugelrund und rötlich. Obwohl sie unreif aussahen, schmeckten sie hervorragend und das Gehölz versuchte mit bemerkenswerter Entschlossenheit, sich ihrer zu entledigen. In der zweiten Woche waren sie immer noch rundlich, aber herrlich pflaumenblau. Das hat dem Baum dann selbst so gut gefallen, dass er sie doch nicht heruntergeworfen hat. Versteh einer diese Pflaume!


Ein anderes Rätsel ist, warum ich beim Ernten offenbar die einzige bin. Erkennt denn niemand, dass dort etwas Essbares und noch dazu Kostenloses wächst? Schmecken Obst und Marmelade aus dem Supermarkt denn besser als frisch vom Baum? Noch nicht mal mit den Wespen muss ich mir die Pflaumen teilen, die Früchte sind völlig unversehrt - und die Nachbarn wohl alle zu mundfaul zum Probieren.

Egal, so langsam bin ich der Obstschwemme Herr geworden. Nur noch ein Kuchen trennt mich von der vollständigen Erleichterung der schon ganz krummen Äste. Zumindest die, an die ich heran komme. Die in den höheren Sphären biegen sich immer noch unter der süßen Last. Aber auch die Früchte werden irgendwann fallen, denn runter kommen sie am Ende alle!

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