Freitag, 1. Oktober 2010

Fluch der Tomaten

Es reicht! Ende. Aus. Vorbei. Das war's.
Nie mehr versuche ich, Tomaten auf der Terrasse heranzuziehen. Ich schwöre!

Dieses Jahr war es wieder mal völlig desaströs - Braunfäule ohne Ende. Kein einziger rote Paradeiser war dabei. Kurz vor der Reife hatten sie alle die Krätze. Eklig. Sowas schmeckt bestenfalls den Schnecken - können sie sich zur Abwechslung auch mal nützlich machen.

Gut, gekostet hatten sie nichts - ich bekomme immer überzählige Sämlinge von meiner Mutter geschenkt, die sich allerdings reproduzierbar jedes Jahr wieder nicht an die Sorte erinnern kann.

Und was für einen Aufwand man da treiben muss! Erst sehen die Pflänzchen noch so niedlich klein aus, nach ein paar Wochen aber wuchern sie die halbe Fensterbank (außen) zu, haben die Fallsucht, so dass man sie stützen und stäben muss, und wollen drei mal am Tag Wasser haben.

Man wird zum Sklaven der Tomate. Wenn man es wagt, ihnen auch nur einen einzigen Tag den Rücken zu kehren, macht man sich ständig Sorgen um die undankbare grüne Bagage.
Und womit?
Mit Recht: Nach einem Tag allein zuhaus erwarten sie einen dann auch schon beleidigt und dem Verwelken nah.
Im Urlaub gibt sich dann die Nachbarin die allergrößte Mühe, unsere Tomaten am Leben zu erhalten.

Bei soviel Zuwendung könnte man anstandshalber wenigstens ein paar Früchte seiner Arbeit erwarten, aber nix ist. Alles verfault schon am Strauch.

Wahrscheinlich waren es Gewächshaustomaten. Freilandbedingungen sind die ja gar nicht gewöhnt - im Treibhaus bekommen sie von morgens bis abends den Hintern gepudert und bloß keinen Tropfen Wasser auf Blatt oder Frucht, das wäre ja noch schöner!

Um Hochglanzmagazine, die das Thema Garten bedienen, sollte man im Falle erfolgloser Zucht in dieser Zeit auch lieber einen ganz großen Bogen machen. Die dort aufgeführten Tipps und Rezepte, wie man der Tomatenernteschwemme Herr werden kann, klingen wie Hohn, wenn man es nicht mal zu einer einzigen mickrigen Frucht gebracht hat.
Die können was, was ich nicht kann - das steht da schwarz auf weiß.

Was Tomaten angeht, habe ich eher einen braunen Daumen.

Bei anderen klappt das besser, auch wenn sie in die hinterletzte Gartenecke verbannt werden, aber vielleicht hilft der drohende Spaten ihnen auf die Sprünge:


Vor Jahren hatten wir mal Jungpflanzen gekauft von der schönen Sorte Tigerella. Die war kleinwüchsig, hat aber immerhin ein paar wohlschmeckende kleine Früchte gebracht.

Vielleicht probiere ich es nächstes Jahr einfach mal mit Johannisbeertomaten? Was kann da schon schiefgehen?
Oder ich kratze ein paar Samen aus den wilden Tomaten, die es im Bioladen gibt, und die immer so lecker sind? Da klingt die Samengewinnung doch kostengünstig und man vermehrt eine wertvolle alte Sorte!

Und schon scheinen sich die guten Vorsätze vom Ende aller Tomatenzucht wieder in Luft aufzulösen.
Auch das ist der Fluch der Tomaten....

Kommentare:

  1. Ich möchte mich gerne bei dir für deinen Kommentar bedanken.

    Und dann die Tomaten. Ich habe gelacht, als ich dein Wehklagen gelesen habe. War bei mir auch immer so, bis mir jemand Samen von alten Sorten schenkte. Die ziehe ich jedes Jahr und kaufe mir die Sorten, wenn ich nicht selber welche aufgehoben haben sollte, beim SamenArchiv Bohl. Das ist eine ganz einfach Sache. Angesteckt von der Tomatensucht wurde ich durch "Wachsen und Werden". Du, ich habe tolle Tomaten, die zwar in diesem Jahr nur zögerlich rot werden, aber es sind immens viele da. Tomatenkrankheiten, in diesem Jahr keine einzige. Ich nehme an, das könnte an der frühzeitigen Magermilchspritzung gelegen haben.

    Johannisbeertomaten - traubenweise! Echt wie die Johannisbeeren.

    Also, nicht aufgeben, die Sucht, sie lässt einen eh nicht mehr los!

    Lieben Gruss, Brigitte

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  2. Deine Zeilen sind amüsant. Ich konnte mir beim Lesen genau vorstellen wie es Dir ergeht. Die Reaktion habe ich bei manchen Pflanzen auch, doch bei jeder neuen Gartensaison sind diese trüben Gedanken verschwunden und ich starte zum x-ten Versuch, natürlich immer optimiert. Versuche es mal mit alten Sorten und dann die Samen selber ziehen. Die Samen stammen dann von Deinem Standort und passen sich den Gegebenheiten an.

    Sonnige Grüße

    Karin

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  3. ein wunderbar amüsanter beitrag!
    ich hab mich köstlich unterhalten gefühlt, wenn auch auf deine kosten :-)), sorry!

    nach 29 jahren hatte ich dieses jahr zum ersten mal keine tomaten gesetzt.
    im nachhinein bin ich ganz froh darüber, denn wie man so größtenteils hört, hat der viele daueregen ja einige tomatenträume zerstört.

    meine wachsen sonst an einer südhauswand, immer zwei pflanzen in einem großen eimer und werden an drähten bis zum dachüberstand gezogen.
    klappt prima, da sie immer die gespeicherte wärme der hauswand zur verfügung haben und der dachüberstand vor zuviel regen schützt.

    die johannisbeertomaten hören sich gut an, wo kann ich die denn bekommen?

    nächstes jahr gibt es auf jeden fall wieder tomaten!!
    mir hat das naschen bei meinem rituellen morgengartenspaziergang sooooooo gefehlt

    liebe grüße
    gaby

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  4. Hallo...dein Blogbeitrag hat mir sehr gefallen..ich mußte wirklich immer wieder schmunzeln. Früher in meinem alten Garten habe ich es auch manchmal mit den roten Kerlen versucht...erfolglos. Jetzt im neuen Garten habe ich eine Tomatenpflanze an die Mauer bei den Kindernzimmern gesetzt weil mein Sohn unbedingt Tomaten wollte. Was soll ich dir sagen, trotz fehlender Pflege und Liebe und wenig Wasser hatten wir an dieser einen Pflanze eine Tomatenschwemme...der Hammer! Also wollen wir nächste Saison in die größere Tomatenproduktion gehen..hihi..und wehe die werden nix...dann hörst du meinen Schrei bis zu Dir!!! Grüße ela

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  5. Du hast es sehr amüsant auf den Punkt gebracht! Ein herrlicher Beitrag der so viel Wahres hat - geht uns nämlich jedes Jahr auch so, also v.a. meinem Mann, denn für den Gemüsegarten schreibt er sich zuständig und das ist auch gut so.
    Liebe Grüsse
    Ida

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  6. Hallo Elke,
    ich habe wieder einmal köstlich über Deinen Beitrag schmunzeln müssen, obwohl Dir wahrscheinlich beim Anblick Deiner Tomaten nicht gerade zum Lachen zumute ist. Du Arme, ich kann verstehen, dass Du die Lust am Tomatenanbau verlierst, aber glaube mir, es liegt nicht an Dir, sondern an den freilanduntauglichen Tomatensorten. Wenn Du willst, kann ich Dir gerne mal ein paar Samen von absolut freilandtauglichen, z.T. alten Tomatensorten (darunter auch Johannisbeere und Wilde) schicken, die schon ab Juli reifen. Die Tigerella hatte ich auch mal, macht aber in regenreichen Sommern auch recht früh schlapp.

    Liebe Grüße von Bärbel

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  7. Ich hab es auch nach Jahren wieder probiert und gestern die letzten gereiften Zwerge aus dem Eierkarton geholt. Eigentlich sollten es ganz normale sein - aber erst wuchsen sie nur strauchig und dann auch nur winzig klein. Ich glaub die haben mich in der Gärtnerei angschmiert - ber nächstes Jahr probier ich es glaube ich doch noch mal, allerdings lieber im Speisseimer anstatt direkt in der Erde. LG und dir ein schönes WE, Christina

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  8. Liebe Iris, vielen lieben Dank für deinen lieben Kommentar!!! Du machst mich ja ganz verlegen! :)
    Übrigens hab ich bei Tomaten auch alles andere als ein grünes Däumchen... Naja, was solls... ;)
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Juliane

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  9. Wie komme ich denn in aller Welt auf IRIS?? *schämundrotwerd*
    Liebe ELKE natürlich!!! Sorry!!!

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  10. Gröhl, hab mich ja sowas von amüsiert über Deinen Text und mich vollkommen wiedererkannt. Mädel, ich hab Dir aber wirklich einen Tipp: Steig um auf die kleinen Tomaten... Cherrytomaten bei uns genannt und bei Euch wohl Kirschtomaten. Da ich ebenfalls eine erfolglose Tomatenzüchterin war, versuchte ich es in diesem Jahr mit den kleinen Sorten... dafür gönnte ich mir verschieden farbene (gelbe, orange und rote). Ihren Platz erhielten sie auf dem gedeckten Balkon und es schien den Herren und Damen Klein-Tomate zu gefallen. Ich hatte wirklich eine gute Ernte. Es gab Tomatensalat, Nudeln mit frischen Tomaten oder ich hab sie mir einfach gleich in die Schnute gesteckt... legga. Ich geb's aber zu, dass ich die Pflänzchen nicht selber gezogen habe... ich hab's versucht, habe gehätschelt und betütelt um sie dann völlig hirnrissig, zwar mit der Meinung ihnen was Gutes zu tun, aus dem Winterquartier in den Halbschatten zustellen. Diese wenigen Stunden Sonne haben gereicht um alle Pflänzchen zu verbruzzeln. Toll gemacht, Alex! Die drei Pflänzchen, die ich dann aber gekauft haben, waren wirklich sehr dankbar... oder soll ich sagen "Hart im Nehmen". Egal, ich werd's im nächsten Jahr wieder genau so machen.
    Liebe Grüsse und nen tollen Sonntag wünsch ich Dir!
    Alex

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  11. Wie Alex, habe ich jedes Jahr,
    die kleinen Cherry oder Kirschtomaten im Garten. Liebe sie sehr, das sie schnell wachsen, hohen Ertrag bringen und fast zu jedem Salat passen.
    Grosse Tomaten? Da warte ich, bis die Ontario Feldtomaten von den Bauern angeboten werden.
    Das sind die besten:)
    Liebe Grüße und einen erholsamen Sonntag wünsche ich Dir. Der bei uns erst anfängt,
    Gisela

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  12. da kann ich Dir nur zustimmen, nur viel Zeit, Mühe und Geduld und dann kommt ein kalter August und regen reicher Spätsommer und die Brunfäule killt so viele grüne Früchte. erfolgreich war nur die Cocktailtomate, da früher reif und robuster
    aber die Terassenkästen nutze ich im nächsten Jahr für kräuter
    Frauke

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  13. Ach, so ein Rückschlag macht doch nur entschlossener - oder?
    Versuche es doch im nächsten Jahr mal mit anderen Sorten! Es gibt so unglaublich viele und alle haben andere Qualitäten. Braunfäuleresistente Sorten gibt es zwar nicht, aber es gibt recht widerstandsfähige, die auch im Freiland oder auf der Terrasse zurecht kommen.
    Für den Winter empfehle ich dir das Sortenhandbuch von Gerhard Bohl, der beschreibt so viele Tomatensorten, dass dir schwindlig wird und geht auch auf deren Gesundheit ein. Da wirst du sicher fündig - und bist die nächsten 20 Jahre mit dem Testen alter Sorten beschäftigt;-)
    Liebe Grüße, Margit

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  14. Bei mir sind die Tomaten heuer auch nichts geworden. Es war einfach zu nass. Außerdem wurde es schon viel zu früh kalt. Schade. Ich werde mich aber nicht entmutigen lassen und im kommenden Jahr einen neuen Anlauf wagen.

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