Sonntag, 28. Dezember 2014

Nicht jugendfrei

Diesen Dezember muss man sich weitestgehend schön trinken, denn er ist nicht nur ein ganz stürmischer, sondern auch reichlich nassforsch. Also hoch die Tassen, mit selbstgemachtem Zierapfellikör. Obwohl ich doch ein schlechtes Gewissen habe, dass ich den Amseln so viele Früchte wegalkoholisiert habe, denn dieses Jahr gibt es eine Welturaufführung: Mein Baum mit der Sortenbezeichnung "Golden Hornet" steht ratzeputz kahlgefressen im fahlen Dezemberlicht. Und die Amseln gucken sparsam.


Nun, da die in Wodka eingelegten Zieräpfel (hier ist das Rezept für den Likör) also draußen ihresgleichen suchen, sind sie um so wertvoller und gehören nach 8 Wochen Schwimmübungen unbedingt in ein Backwerk eingebettet. Aber Obacht: Das folgende Rezept ist nicht für Zuschauer unter 18 Jahren geeignet, da der Alkohol mitnichten vollständig im Backofen verduftet. Alle anderen sollten nach drei Stücken besser nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Treten Fragen seitens der Polizei auf, ob man etwas getrunken hätte, wird die gelallte Antwort "Nee, Herr Wachmeisser, nur Kuchen gegessn, hicks!" auch nicht mehr viel helfen. Aber köstlich ist er schon, der beschwipste Kuchen. Außerdem gibt es den bei uns nur einmal im Jahr, und zwar traditionell (soll heißen: seit letztem Jahr) kurz vor Weihnachten.

Da die Früchtchen ungefähr Kirschgröße haben, habe ich messerscharf gefolgert, dass sich als Basis jedes Kirschli-Kuchen-Rezept eignen sollte, man muss nur die Schokolade weglassen. Dieses hier fand in unserer Versuchsküche großen Anklang:

175 g Butter
100 g Zucker
Eier
200 g Mehl
1 Pkt. Backpulver
50 ml Milch
10 gBourbon-Vanille-Aroma
500-800 g Zieräpfel (einfach alle aus dem Glas, es passt irgendwie immer)

Die Butter schaumig schlagen, dann den Zucker zugeben und alles verrühren. Die Eier untermischen. Mehl, Backpulver und Milch einrühren. Die Zieräpfel unterheben und den Teig in eine gefettete 26er Springform streichen. Je nach Ofen bei 160°C ca. 50-60 Minuten backen (die bestechende Stäbchenprobe hilft).
Wer möchte garniert den Kuchen am Ende noch mit Puderzucker.


Damit das Backen nicht in Stress ausartet, arbeitet man am besten zu zweit: Einer rührt den Teig an, der andere entkernt die Zieräpfel. Das ist eine mühsame Kleinarbeit, aber die Kerngehäuse haben im Kuchen nichts zu suchen. Meist entgeht einem doch immer irgendein spelziges Teil aus dem Inneren der Äpfel, weshalb man allzu pingelige Zeitgenossen lieber nicht einladen sollte (oder ihnen vorab ordentlich Likör einflößen). Bleibt in der leeren Zierapfel-Schüssel noch ein Schluck Wodka übrig, dann immer rein damit in den Teig.

Na dann: Prost und guten Appetit!

Der Kuchen wurde Ihnen präsentiert von meinem antiken Lieblings-Service von Seltmann Weiden: Liane Heidi. Es stammt wohl aus den 50er Jahren und hat leider nicht mehr alle Tassen im Schrank, von den Untertassen ganz zu schweigen, aber ich halte es trotzdem in Ehren.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Schwarz-weiße Weihnachten

Keine weißen Weihnachten in Sicht? Das ist im Westen nichts Neues oder Ungewohntes, da muss man dann einfach durch, wenn auch ganz unromantisch. Wenn der Winter nicht will, machen wir uns die Weihnachtswelt, wie sie uns gefällt. Statt schwarz zu sehen, wird mein Weihnachten diesmal schwarz-weiß - ein Farbschema, das meine Katze sowieso schon seit Jahren verfolgt. Auch einige gern gesehen Gartenvögel machen da mit, wie diese Tannenmeise:



Als ersten Akt habe ich mir weiße Walnüsse gepinselt. Vor dem Anmalen kommt allerdings das fachgerechte Zerlegen, das nicht in allzu vielen Kleinteilen enden sollte, denn dann wird der Zusammenbau der entleerten Hülle ein abendfüllendes Puzzlespiel und das Aufräumen der Küche nicht minder unterhaltsam. Man sollte daher Walnüsse sehr gerne essen oder einen äußerst kooperativen Nussknacker haben. Meiner hat eher die Hau-drauf-Mentalität, so dass ich nach der ersten Runde nur vier intakte Hälften erbeutet hatte.

Die habe ich dann mit weißer Acrylfarbe angemalt und trocknen gelassen. Als Kontrast haben die Hälften noch eine schwarze Zeichnung bekommen, die ich frei Hand und frei Schnauze auf die Nussschale gepinselt habe.


Ist auch die Verzierung getrocknet, kann man die Hälften zusammenleimen, nicht ohne vorher die Enden einer Schnur hinein gesteckt zu haben. Fertig ist der Christbaumschmuck ganz ohne Glitter, aber mit Stil.


Für ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk folgt nun der zweite Akt, nämlich eine von mir professionell leer gegessene Mandarinenkiste. Sie soll stilvoll gute Gaben für Gartenfreunde präsentieren, kann aber auch ganz eigennützig die eigenen Gartenutensilien aufnehmen.

Als erstes muss alles nicht-hölzerne von der Kiste entfernt werden. Der Kleber, mit dem die Papp-Banderole angebracht wurde, kann ziemlichen Ärger machen, bis er endlich mit Hilfe eines spitzen Messers heruntergebrochen wurde.

Dann bekommt das Holz eine weiße Weste verpasst. Während das Ganze gut trocknet, kann man sich an das Herstellen einer Schablone machen für die Beschriftung. Ich habe die Kundenzeitschrift einer großen deutschen Drogeriemarktkette genommen und das Wort "verde" auf der Titelseite mit einem Cutter ausgeschnitten. Die Es und das D sind lästige Lettern, denn man muss ihnen Brücken bauen, damit der Innenraum der Buchstaben eine weiße Fläche bleibt.

Anschließend habe ich die fertige Schablone mit Tesafilm auf das Holz geklebt und mit schwarzer Farbe ausgemalt. Dabei kann allerhand schiefgehen, wenn die Farbe zu dünnflüssig ist, also gut umrühren, damit nichts unter das Papier läuft und den Schriftzug bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

So sieht das dann aus:


Für die Gartenvögel gibt es zum Abschluss noch schwarz-weiße Sonnenblumenkerne, um im Thema zu bleiben.

Wer bis hier hin durchgehalten hat mit lesen, dem wünsche ich die allerschönsten Weihnachten, gerne auch in Farbe.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Der Bock als Gärtner

Die allseits bekannte Redewendung "Den Bock zum Gärtner machen" lässt an den gärtnerischen Fähigkeiten von Böcken im Allgemeinen und Besonderen kein gutes Haar. Welche Art Gehörnter nun genau gemeint ist, darüber schweigt sich das Sprichwort aber lieber aus - ob Rehbock, Schafskerl oder Ziegenmann?

Sicher ist nur - wenn einer was verbockt, dann wohl er und das gründlich. Weshalb tunlichst vermieden wird, dem Sündenbock irgendwelche Tätigkeiten im Garten aufzutragen. Höchstens in der fachgerechten Entbuschung schützenswerter Landschaften wird den Böcken und ihren Frauen Arbeit in den Mund gelegt - Biotoppflege durch Aufessen.



Der Ruf des Bocks ist also meist nicht so gut. Völlig zu unrecht, wie ich unlängst in freier Wildbahn feststellen konnte. Es ist nämlich nicht alles schlecht am Bock, in manchen Dingen ist er sogar richtig gut und kann dem Gärtner enorm viel Handarbeit ersparen.

Sowohl im Nationalpark Kellerwald am hessischen Edersee als auch am Fuße der Zugspitze in Bayern fand ich folgende Formbissbuchen vor, die sicherlich nicht der Förster so geformt hat. Hier zum Vergleich einmal normaler Buchenjungspunt und ein vom Bock geformter.

Die perfekte Kegelform, durch stetes Verbeißen der leckeren Jungtriebe. Besser kann es der Gärtner auch nicht. Welcher Bock das nun genau war, ob Reh, Rotwild oder Damhirsch, das konnte ich nicht ergründen, dafür fehlen mir die forensischen Techniken.

Ob der Förster sich über diese Buchen freut? Die Vögel im Wald finden die dichte Behausung vielleicht ganz nützlich.

Also, hier meine kostengünstige Idee für Baumschulgärtner: Einfach Buchensetzlinge in das nächstgelegene Wildgehege pflanzen und mal schauen, ob auch diese perfekten Formen dabei herausgeknabbert werden. Wenn ja, hat der Gärtner viel Geld und Arbeit gespart, die Scheren wurden geschont, und der Bock ist um ein paar Leckerbissen reicher. In einer großangelegten Studie könnte herausgefunden werden, welcher Bock denn nun genau der beste Gärtner ist. Hoffentlich ist es einer der in Gehegen gut vertretenen (also am besten kein Reh).

Später sollten besonders talentierte Böcke auch an andere Formen herangeführt werden - vielleicht lassen sich sogar Säulen oder Kugeln zurechtbeißen?

Ich nehme auch keine Tantiemen für diese revolutionäre Idee.

So! Nun wurde der Ruf der Böcke ein wenig rehabilitiert. Für weitere Fundmeldungen von verbockten Buchen wäre ich sehr dankbar!

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Damit der Artikel hier noch ein bisschen bunter und weihnachtlicher wird (ich habe nämlich kein Foto vom männlichen Rentier gefunden), zeige ich noch, was ich bei der lieben Urte gewonnen habe: Schöne Geschirrtücher, ihre selbstgemachten Seifen und Postkarten von ihren wunderbaren Rosen-Aquarellen. Danke für die gelungene Überraschung!


Sonntag, 7. Dezember 2014

Fotowettbewerb "Günstig Gärtnern" 2014 - Die Gewinner

Da habt ihr's mir wirklich ganz schön schwer gemacht, die Gewinner auszusuchen. Aber ich hab's ja so gewollt. Eigentlich hätte ich gut und gern noch mehr Preise vergeben müssen, so toll waren eure Ideen! Es gab palettenweise gute und günstige Dinge zu sehen, einige orangefarbene Pfundskerle, bunte Sitzgelegenheiten und kreative Pflanzgefäße. Bei so einer Auswahl an Einfällen zur Schonung des Gartengeldbeutels kann ich meinen Blog eigentlich gleich dichtmachen, denn ihr könnt offensichtlich viel besser mit der Säge umgehen als ich. 

Drei Teilnehmer am Fotowettbewerb dürfen sich nun über ein Buch als Belohnung freuen:

Das Buch "Genial gärtnern mit Strohballen" geht an Heike, die nicht nur ein selbstgebautes Regal aus Palettenholz von ihrem Mann bekommen hat, sondern auch ein Händchen für Natur-Deko hat:


Das Buch "Mein Garten deckt den Tisch" bekommt Margit, weil ihr Garten für die Vögel tatsächlich den Tisch deckt, sogar überdacht - mit dem Deckel eines alten Weck-Topfes. Der Topf ohne Unterleib sorgt ganz professionell dafür, dass Vogelfutter und Vogel nicht nass werden. Die bessere Hälfte vom alten Topf hat sie bepflanzt und mit einem hübschen Metallbanner "Garten" geschmückt:


Das Buch "Blumengärtnern" gewinnt Gabi aus Zülpich, denn ihre selbstgebauten Pfade aus alten Kacheln sind einfach wegweisend. Noch dazu ist ihr blumiger Garten ganz nach meinem Geschmack. Das Runde in der Mitte ist übrigens der Standfuß eines großen Kübels, dem der Frost den Boden ausgeschlagen hat:


Ida hat gleich eine ganze Anleitung mitgeschickt, wie schwindelfreie Sempervivum-Pflanzen zu einem Sitzplatz kommen. Weitere Stauden dürfen in großer Höhe in alten Suppenkellen wachsen.



Xenia zeigt renovierte Biergartenstühle in Blau zum Entspannen unter Weinreben - geradezu paradiesische Zustände in der Großstadt. Sie schreibt dazu: "Sie sind nicht etwa vom Flohmarkt, sondern wurden seit Studentenzeiten von mir höchstselbst shabby gesessen.":



Bei der Seifenfrau gibt es Kürbisse in Reih und Glied zu einem tollen Postkartenmotiv zusammengetragen. Der Hokkaido mit dem einnehmenden Wesen hatte sich selbst ausgesät und den Kompost unter seine Kontrolle gebracht:



.. ebenso wie bei Constanze, die einen originellen Topf dazu präsentiert:



Frauke zeigt eine Bank aus alten Paletten, die nicht nur hübsch aussieht, sondern auch gern bei der Stachelbeerernte behilflich ist:


Sandra aus Lautertal zeigt uns originelle Pflanzgefäße, die echte Antiquitäten sind und von Sammelleidenschaft zeugen:


Doris hat Stiefel und Schuhe bunt bepflanzt, damit sie nach all den Fußtritten noch ein schönes zweites Leben haben:
 

Weitere Ideen gibt es im steinigen Garten und im Waldgarten.

Ich möchte mich bei allen Teilnehmern ganz herzlich bedanken und wünsche den Gewinnern viel Spaß beim Lesen!

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