Mittwoch, 16. Februar 2011

Die lieben Kleinen

Diese kleine Blume muss man einfach lieb haben.
Nicht nur, dass sie noch vor Schneeglöckchen und Märzenbechern den Vorfrühling einläutet, wofür wir ihr alle sehr dankbar sind.
Noch dazu bedient sie das pure Kindchenschema - pausbäckig, stämmig und mit niedlichem Ballettröckchen.

So zart und winzig ist sie, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen und ihr versichern möchte, dass alles gut wird, obwohl schon die nächsten Tiefdruckgebiete mit Frost und Schnee im Anmarsch sind.
Das macht ihr bei aller Zartheit aber zum Glück gar nichts aus. Zimperlich ist sie nicht - kämpft sich zur Not auch aus einer dicken Schneedecke hervor.

Die Rede ist vom Winterling (Eranthis hyemalis), der jetzt ab Februar am liebsten auf Wiesen, unter Sträuchern und Bäumen zum Spitzentanz im Tutu auffordert.
Wie Miniaturaufführungen von Schwanensee tanzen sie sich durch jedes Wetter:


Standing Ovations sind ihnen dabei sicher - die Nachbarn würden auch komisch gucken, wenn ich mich vor ihnen auf die Knie werfen würde (den Winterlingen, nicht den Nachbarn).

Also, Spot an für die Ballerina des Monats:


Eigentlich ist die Kleine ja ein rechter Giftzwerg, der herzwirksame Substanzen enthält.
Das kümmert den frühlingshungrigen Gärtner allerdings nicht die Bohne, dessen Herz sowieso schon beim puren Anblick der zarten Pflanze in Wallungen gerät.



Das wahrscheinlich kleinste Hahnenfußgewächs der Welt gehört zu den Knollengeophyten.

Knollen und Zwiebeln von Frühlingsblühern soll man zwar lieber im Herbst pflanzen, aber genau wie sein Kollege, das Schneeglöckchen, mag der Winterling es lieber, wenn er mit Laub verpflanzt wird, das mindert die Gefahr des Austrocknens der Speicherorgane.
Im Gegensatz zu einer Zwiebel weiß man bei den Knöllchen ohnehin nicht so recht, wo oben und unten ist. Mit Blättern kann man dies aber sogar noch im Halbdunkel erkennen.


In belaubtem Zustand wurde auch mein Ensemble aus dem Garten meiner Schwägerin vom Fleck weg engagiert, denn unter ihren Sträuchern vermehren sich die Zwerge sagenhaft gut.

Diese Art des Castings ist dem Kauf deutlich vorzuziehen. Zum einen ist es billiger, zum anderen erspart man den kleinen Ballerinen viel Leid am Naturstandort, denn ein Großteil der Winterlinge stammt noch aus türkischen Wildfängen. Politisch korrekt ist es dagegen, nicht verkaufte, bereits verblühte Ware aus dem Gartencenter vor der Tonne zu retten - das sind dann auch echte Schnäppchen.

Haben die Pflanzen Samen angesetzt, kann man diese an anderen Stellen wieder ausbringen. Für so eine zierliche Pflanze hat der Winterling ziemlich überdimensioniertes Saatgut, was die Aussaat stark vereinfacht.


Hat man die Choreografie dann glücklich über die Bühne gebracht, sollte man die Diven am besten in Ruhe lassen. So sehr sie den Elementen trotzen, so sehr verabscheuen sie es, wenn auf ihnen herumgehackt wird.
Winterlingbeete allzu penibel mit Spaten und Grubber zu bearbeiten führt zum Zickenkrieg.
Die Tänzerinnen gehen dann schnell ein wie eine Primel.


Mein Vorgartenballett habe ich daher mit zwei botanischen Bodyguards gesichert:
Frauenmantel und Herbstanemone sorgen dafür, dass das Beet nach dem großen Auftritt der kleinen Frühlingsblumen schnell mit Blättern bedeckt wird, so dass ich gar nicht erst auf die dumme Idee komme, etwas anderes einzupflanzen und damit den Boden aufzuwühlen.

Wenn das Bühnenbild erstmal steht und ihnen zusagt, werden sich die Winterlinge schnell zu großen Teppichen ausbreiten.


Dann hat man jeden Frühling mehr Grund für Beifallsstürme.

Kommentare:

  1. Hallo Elke
    Aha, das ist die Lösung des Problems. Habe mich gewundert, warum die kleinen Diven sich nicht vermehren wollten bei mir. Lag wohl wirklich am Hacken. Also, Finger weg von heute an. Die Winterlinge sind übrigens fast die einzigen gelben Blümchen, die in meinem Garten toleriert werden... ansonsten mag ich's eher Blau, Weiss, Rosa und so :o).
    Wünsche Dir einen schönen Feierabend.
    Liebe Grüsse
    Alex

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  2. Wenn ich mir das hier durchlese, lag mein Fehler wohl daran, die Winterlinge im Herbst gepflanzt zu haben. Hier blüht nämlich gar nix, null, nada. Möglicherweise waren die Zwiebeln zu trocken. Mal schauen, ob ich im März irgendwo abgeblühte Winterlinge abstauben kann.

    Grüße, KatjaK

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  3. Alles klar - jetzt weiß ich auch, warum in den Beeten unseres Hauses die Winterlinge nur vereinzelt wachsen, während sie unter dem Apfelbaum und dem Hartriegel geradezu wuchern.

    http://llewella.wordpress.com/2011/02/14/vorfruhlingserwachen/

    Ich lese Ihren Blog sehr gerne, liebe Frau Günstiggärtnern, hier lerne ich Gartenanfänger doch immer sehr viel Neues kennen!

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  4. Ach so heißen diese kleinen gelben Blümchen. Mir sind sie letztens zum ersten Mal bewusst ins Auge gefallen. Schön, jetzt etwas genauer darüber bescheid zu wissen.
    Liebe Grüße,
    Thab

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  5. ich freue mich über jeden Winterling, und habe sie schon auf meinem Blog mit Stecknadelköpfen verglichen, nur dass sie nicht so zahlreich sind wie diese in meinem Nadelkissen
    und ich hoffe in diesem Jahr Saat zu ernten und ausszusähen; in Ruhe lasse ich sie dann ja auch...
    und damit auch mal unter meinen Obstgehölzen oder Büschen blühende Teppiche zu erhalten,
    aber dass werden dann wohl unsere Nachkommen erleben, es sei denn ich wohne hier noch in Jahrzehnten...
    Frauke

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  6. Mir waren die gelben Biester mittlerweile schon etwas lästig, weil sie sich bei uns im Garten so penetrant vermehren. Du hast sie aber hier so herzallerliebst beschrieben, dass ich sie jetzt doch wieder ganz süß finde :-)
    LG, Martina

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  7. Liebe Elke,

    ich hatte mir im Herbst auch Winterlinge besorgt und nur zwei sind gekommen. Es war wirklich schwierig sie einzusetzen, weil man oben und unten nicht unterscheiden konnte. Ich muss mal schauen, ob man sie jetzt in einem Töpfchen bekommt.
    Danke für Deine Tipps. Das war sehr hilfreich und Deine Foto sind wunderschön geworden.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  8. Der ganze Post sooo schön geschrieben und sooo schöne Fotos eingestellt. Habs mit Genuss gelesen und auch noch was dabei gelernt. Echt cool!
    Danke und liebe Vorfrühlingsgrüße
    Elisabeth

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  9. Ich liebe Winterlinge! Zum Glück übersiedelten sie wohl im letzten Jahr mit geschenkten Hibiskuspflanzen aus Schwiegermutters Garten in unsren Garten. Denn überall da, wo vor zwei Jahren der Hibsikus eingegraben wurde, blühte im letzten Frühling Winterling. Ich hoffe, das wird in diesem Jahr noch viel mehr!
    Liebe Grüße
    Verena

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  10. Ich hab die Winterlinge auch lieb! Heike

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  11. Pflanzen tauschen und Stecklinge mopsen, das ist nach wie vor die beste Möglichkeit, an gesunde und widerstandfähige Pflanzen zu kommen. Wenn ich nur daran denke, wie viel Geld ich schon in den Beeten versenkt habe, weil ich im Gartenmarkt mal wieder schwach geworden bin, wohingegen die Getauschten prächtig gedeihen und mir viele schöne Gespräche mit "Gleichgesinnten" eingebracht haben.
    Meine Winterlinge gehören zu den Geerbten :o)

    GlG Jane

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  12. Hallo,
    interessante Ausführungen zu den schönen Fotos. Bei uns beginnen sie jetzt endlich auch zu wuchern. Sie wachsen aber auch da wo bisher nie welche waren. Mal sehen was draus wird. VG Manfred

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  13. danke, liebe Elke, da hab' ich wieder so viel gelernt über diesen kleinen Winzling, der auch noch so wunderbar in sonnengelb blüht, ein Augenschmaus
    leider haben wir ihn noch nicht im Garten, muss mal irgendwo luren *lach*

    liebe Donnerstagsgrüße zu Dir von Traudi aus dem Drosselgarten

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  14. Hallo Elke.
    Richtig hübsch fotografiert deinen kleinen Winzling mit den Regentropfen.Deinen Aufklärung war wieder lehrreich.
    Schönen Abend und liebe Grüße Jana

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  15. Liebe Elke,
    wieder mal allerliebst geschrieben, da habe sogar ich Lust auf ein paar GELBE Winterlinge in meinem eigentlich weissen Gärtchen bekommen! Und daß sie jetzt schon soo fleißig blühen ist ja eigentlich auch ein unschlagbares Argument, das auch zuzulassen!
    Herzliche Grüße aus Berlin!

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  16. Dear Elke, I do so love the Winter Aconite. One of the earliest of spring flowers, its wonderfully buttery flowers really light up any area in which they are planted. When I started writing my weblog, one of my first postings was about a garden I knew many years ago in which the Aconites grew as huge drifts. The owner gave Aconite parties to celebrate their arrival in the garden each year!

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  17. Ach, ist das wieder schön beschrieben! Und gut, dass Du wohl weniger Schleimer im Garten hast, oder Deine gelben Tänzerinnen durch den Schnee geschützt sind.
    Denn bei uns auf den Nordseite hat jemand Gelb zum Fressen gern - daher habe ich bis jetzt wohl auch keine Blühfotos von Winterlingen auf dem Blog ...
    Aber mit Deinen Bildern könnten unsere Kümmerlinge wohl auch nie mithalten!
    LG Silke

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  18. Liebe Elke
    Du hast ja eine richtige Homage für die kleinen gelben Feen geschrieben. Seeeehr spannend, was du über sie schreibst. Jetzt endlich weiss ich, warum sie in unserem Garten an bestimmten Stellen sich eben nicht ansiedeln wollten ... schad drum. Aber dank dir weiss ich nun endlich, dass ich sie halt einfach in Ruh lassen soll ... Frau kann ja nicht alles wissen gell. Danke für den wieder so unterhaltenden Bericht!
    Liebste Grüsse und einen gemütlichen Abend und natürlich ein wunderbares Wochenende wünsch ich dir
    Ida

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  19. Welche Blume in unseren Gärten bekommt soviel Verehrung, wie diese doch recht unscheinbare, aber liebliche, sonnengelbe blühende Pflanze?
    Ein schoener Betrag!
    LG Gisela.

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  20. Sehr schöne Ausführung und noch schönere Fotos dieser gelben kleinen Schönheiten. Liebe Grüße von Luzia.

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  21. Freue mich auf meine ersten gelben in diesem Jahr. Bisher konnte ich der Farbe gelb nix abgewinnen, aber die frühe Blühzeit nach einem ausgehungerten Winter verzeiht auch das! Und Hacken tue ich eh praktisch nie, also darf ich mich wohl über eine unglaubliche Vermehrung freuen....
    LG Carmen (ab nun wohl Winterling-Fan...deine bilder sind traumhaft schön!)

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  22. Zu schön mal wieder geschrieben, liebe Elke!
    Um die Winterlinge bei uns brauche ich mir gewiß keine Sorgen zu machen - bei uns liegt genug Laub usw. herum. Und auch die Schnecken gehen da wohl nicht dran.
    Wirklich wie die Ballerinen - einfach zu süß! Ich vergleiche auch immer manche Rosen oder auch die stolzen Japan-Anemonen mit schönen Balletteusen, wenn sie da so anmutig stehen ...

    Alles Liebe zum Wochenende
    Sara

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