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Samstag, 15. Februar 2014

Verflixter Februar

Der Februar ist so ein Monat, in dem man richtig viel falsch machen kann. Man kann die Sträucher verschneiden oder Pflanzen zu früh aussäen. Gerne kauft man um diese Zeit auch mehr Saatgut, als Platz im Garten wäre - meistens ungefähr doppelt so viel. Vor allem aber muss man sich entscheiden, ob der Staudenschnitt angebracht wäre oder ob man sich lieber noch in Geduld üben sollte.

Die verblühten Stängel vom letzten Jahr haben schließlich bis jetzt astrein ihren Dienst getan, den Insekten als Versteck gedient und den Vögeln als Futter. Bei milder Witterung aber sind sie nun im Weg, denn unter ihnen regt sich das Leben - in Form von Zwiebelblumen und Knollenpflanzen. Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse drängen zum Licht und möchten bitte, dass ihnen der dicke Laubmantel und das alte Staudenstroh aus der Sonne gehen. Unter dieser Last drohen sie sonst beetlägerig zu werden - im schlimmsten Fall für immer.

 
Der Gärtner tut den Zwergen natürlich gerne den Gefallen, möchte er sie doch auch einmal sehen. Der Zeitpunkt der Befreiungsaktion muss jedoch wohl gewählt sein. Denn kommt nach den milden Temperaturen noch die kleine Eiszeit hinterher, wären die Zwiebeln ganz froh gewesen, wenn sie den dunklen Wintermantel noch gehabt hätten.

In den letzten Jahren hat es so manch kecker Krokus schon bereut, zu früh das Licht der Welt erblickt zu haben. Es ist ein Dilemma, aber immerhin eins, das nach Frühling riecht.

Auch diesen Februar konnte ich es nicht lassen. Zu kläglich lugten die Elfenkrokusse unter den verwelkten Strünken von Katzenminze und Oregano hervor. Zu armselig sahen die Winterlinge aus, die ich unter einer Zentimeter dicken Laubschicht im Vorgarten freischaufelte. Gelb waren sie vor lauter Lichtmangel, und ich rede hier nicht von der Blüte - das ganze dann noch auf elend langen Stielen, verzweifelt auf der Suche nach der Sonne.

Also habe ich mir diesen Februar ein Herz und eine Schere genommen und die Elendsgestalten der Krokusse freigeschnitten. Die Winterlinge habe ich vom Laub befreit, damit sie endlich grün werden können und das Blühen nicht verlernen.

 
Das schlechte Gewissen aber bleibt nach dieser spontanen Aktion "Rettet den Frühling". Was, wenn es doch noch Kahlfrost gibt? Wenn mein vorfrühlingshafter Tatendrang nun doch falsch war? Wenn die Vögel noch etwas vergessen haben in den Oregano-Samenständen?

Egal, das wird schon. Den Staudenschnitt habe ich nicht allzu weit weggelegt, damit ich die Frühlingsboten zur Not noch einmal warm einpacken kann. Und das herrlich gammelige Laub aus dem Vorgarten wartet in einem Eimer auf seine Bestimmung. Entweder wird es zur Rettung der Winterlinge zurück auf's Beet geschüttet, oder es gibt später wunderbaren Laubhumus für die Jostabeere ab. Die Vögel bekommen Sonnenblumenkerne als Entschädigung. Das Rotkehlchen untermalte meine Aktivitäten sogar hinter meinem Rücken mit einer Frühlings-Ouvertüre.

So schlimm und falsch kann das alles also doch nicht werden. Immerhin sind meine Zwiebelzwerge vorerst der Dunkelheit entrissen und zeigen mir hoffentlich eins: Dass der Frühling bald da ist.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Die lieben Kleinen

Diese kleine Blume muss man einfach lieb haben.
Nicht nur, dass sie noch vor Schneeglöckchen und Märzenbechern den Vorfrühling einläutet, wofür wir ihr alle sehr dankbar sind.
Noch dazu bedient sie das pure Kindchenschema - pausbäckig, stämmig und mit niedlichem Ballettröckchen.

So zart und winzig ist sie, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen und ihr versichern möchte, dass alles gut wird, obwohl schon die nächsten Tiefdruckgebiete mit Frost und Schnee im Anmarsch sind.
Das macht ihr bei aller Zartheit aber zum Glück gar nichts aus. Zimperlich ist sie nicht - kämpft sich zur Not auch aus einer dicken Schneedecke hervor.

Die Rede ist vom Winterling (Eranthis hyemalis), der jetzt ab Februar am liebsten auf Wiesen, unter Sträuchern und Bäumen zum Spitzentanz im Tutu auffordert.
Wie Miniaturaufführungen von Schwanensee tanzen sie sich durch jedes Wetter:


Standing Ovations sind ihnen dabei sicher - die Nachbarn würden auch komisch gucken, wenn ich mich vor ihnen auf die Knie werfen würde (den Winterlingen, nicht den Nachbarn).

Also, Spot an für die Ballerina des Monats:


Eigentlich ist die Kleine ja ein rechter Giftzwerg, der herzwirksame Substanzen enthält.
Das kümmert den frühlingshungrigen Gärtner allerdings nicht die Bohne, dessen Herz sowieso schon beim puren Anblick der zarten Pflanze in Wallungen gerät.



Das wahrscheinlich kleinste Hahnenfußgewächs der Welt gehört zu den Knollengeophyten.

Knollen und Zwiebeln von Frühlingsblühern soll man zwar lieber im Herbst pflanzen, aber genau wie sein Kollege, das Schneeglöckchen, mag der Winterling es lieber, wenn er mit Laub verpflanzt wird, das mindert die Gefahr des Austrocknens der Speicherorgane.
Im Gegensatz zu einer Zwiebel weiß man bei den Knöllchen ohnehin nicht so recht, wo oben und unten ist. Mit Blättern kann man dies aber sogar noch im Halbdunkel erkennen.


In belaubtem Zustand wurde auch mein Ensemble aus dem Garten meiner Schwägerin vom Fleck weg engagiert, denn unter ihren Sträuchern vermehren sich die Zwerge sagenhaft gut.

Diese Art des Castings ist dem Kauf deutlich vorzuziehen. Zum einen ist es billiger, zum anderen erspart man den kleinen Ballerinen viel Leid am Naturstandort, denn ein Großteil der Winterlinge stammt noch aus türkischen Wildfängen. Politisch korrekt ist es dagegen, nicht verkaufte, bereits verblühte Ware aus dem Gartencenter vor der Tonne zu retten - das sind dann auch echte Schnäppchen.

Haben die Pflanzen Samen angesetzt, kann man diese an anderen Stellen wieder ausbringen. Für so eine zierliche Pflanze hat der Winterling ziemlich überdimensioniertes Saatgut, was die Aussaat stark vereinfacht.


Hat man die Choreografie dann glücklich über die Bühne gebracht, sollte man die Diven am besten in Ruhe lassen. So sehr sie den Elementen trotzen, so sehr verabscheuen sie es, wenn auf ihnen herumgehackt wird.
Winterlingbeete allzu penibel mit Spaten und Grubber zu bearbeiten führt zum Zickenkrieg.
Die Tänzerinnen gehen dann schnell ein wie eine Primel.


Mein Vorgartenballett habe ich daher mit zwei botanischen Bodyguards gesichert:
Frauenmantel und Herbstanemone sorgen dafür, dass das Beet nach dem großen Auftritt der kleinen Frühlingsblumen schnell mit Blättern bedeckt wird, so dass ich gar nicht erst auf die dumme Idee komme, etwas anderes einzupflanzen und damit den Boden aufzuwühlen.

Wenn das Bühnenbild erstmal steht und ihnen zusagt, werden sich die Winterlinge schnell zu großen Teppichen ausbreiten.


Dann hat man jeden Frühling mehr Grund für Beifallsstürme.