Montag, 20. Mai 2013

Verdammt schöner Storchschnabel

Manche Stauden haben einen selten blöden Namen. Da wäre zum Beispiel der Braune Storchschnabel (Geranium phaeum). Poetisch klingt das ja nun nicht gerade, und schon gar nicht so, als müsste man die Pflanze unbedingt im Garten haben. Schlimmer hat es wohl nur noch sein Verwandter, der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum), getroffen. Nun gilt der wiederum als Unkraut, so dass viele Gärtner sagen werden, dass er den Namen ganz zu Recht hat, schließlich sei mit dem kein Staat zu machen. Dabei ist der eigentlich auch ganz hübsch.

Der Braune Storchschnabel ist wiederum so schön, dass er nun wirklich was Besseres verdient hätte. Fast möchte man glauben, er wäre benannt worden, als alle anderen Geranium schon klangvolle Bezeichnungen hatten. Es war vielleicht schon spät geworden und im Zwielicht des Mai-Abends sahen seine Blüten mit zusammengekniffenen Augen irgendwie braun aus. Schon hatte er seinen Namen weg. Nun sind seine Blüten wirklich sehr dunkel, das muss man ja sagen. Trotzdem sind sie eher lila. Ich schlage daher andere Namen vor. Wie wäre es zum Beispiel mit "Verdammt schöner Storchschnabel" oder "Unverzichtbarer Storchschnabel"?

Zu seinem Glück haben wenigstens die Sorten etwas nettere Namen abbekommen: Da wäre zum einen die starkwüchsige Variante "Lily Lovell". Dann hätten wir da noch "Joan Baker", "Margret Wilson", und "Rose Madder". Alles hübsche Frauennamen also. Die eher männlichen Vertreter hören auf Bezeichnungen wie "Stillingfleet Ghost", "Saturn" oder "Samobor".

Die beiden letzteren, "Saturn" und "Samobor", zeichnen sich durch eine attraktive dunkle Zeichnung auf den Blättern aus, wie frisch aus dem Tattoo-Studio. Und die ist jetzt tatsächlich und wahrhaftig braun!



Auch die einfache grünlaubige Naturform ist schön. An einem halbschattigen Standort machen alle Varietäten immer eine gute Figur, sind auch nach einem Platzregen standfest und eine exzellente Bienen-, aber keine Schneckenweide. Egal, welche Farbe das Blatt hat, die wilden Kerle säen sich mit Begeisterung überall aus. Von Geranium phaeum muss man also nur eine einzige Starterpflanze kaufen oder sich schenken lassen, und schon kann der Spaß losgehen. Fortpflanzung scheint sogar so ein wichtiger Punkt auf ihrer Agenda zu sein, dass die Sämlinge oft bereits im nächsten oder übernächsten Jahr blühen.


Das eigentlich Erstaunliche aber ist, dass die Sämlinge der braunlaubigen Vertreter wieder eine mehr oder weniger ähnliche Blattzeichnung aufweisen können wie ihre Eltern. Mal sind es nur dunkle Punkte, mal das ganze Programm. Selbst an einer einzigen Pflanze kann die Zeichnung variieren. Mein Garten hat das jetzt mehrere Jahre lang geübt und zeigt mittlerweile an allen möglichen und unmöglichen Stellen grün-braune Blätter. Selbst im Rasen wird gekeimt, was das Zeug hält.


Jetzt warte ich noch sehnsüchtig darauf, dass vielleicht mal einer der Sämlinge seinen Namen vergisst und in Weiß blüht. Zu kaufen gibt es so eine Sorte nämlich schon, allerdings mit rein grünen Blättern - sie heißt nicht ganz überraschend Geranium phaeum 'Album'. Braun ist an der nun gar nichts mehr.

Wäre das nicht was Feines - ein braungefleckter Nachkomme von Samobor mit reinweißer Blüte in meinem Garten? Ich würde der neuen Kreation auch einen ganz wunderbaren Namen geben, versprochen!

Kommentare:

  1. Stimmt G. phaeum ist wunderschön und ein wunderbarer anspruchsloser Bodendecker...allerdings: Wer ihn einmal hat, wird ihn nicht mehr los...und dann ist sowieso nichts mehr mit wohl klingenden Sortennamen. Der keimt wirklich überall , auch gerne zwischen den Stauden. Aber hübsch ist er doch!
    LG
    Sisah

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  2. ....und genau das ist doch so schön an ihm (das mit dem "überall")- finde ich. Auch bei uns blüht er seit vorgestern endlich! Ich habe die Ursprungspflanze vor vielen Jahren mal aus einem Knick geklaut und ihre Nachkommen - spread the Phaeum - nun schon Dutzende Male mal verschenkt und verschickt. Denn obwohl er sich so schön vermehrt, kennen und haben ihn doch nur wenige GärtnerInnen meines Bekanntenkreises.

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  3. Hallo Elke,
    der Name passt wirklich nicht zu diesem absolut unverzichtbaren Storchschnabel! Ich mag seine extrem dunkellila Blüten sehr gerne und natürlich die schöne Blattzeichnung. Hier fühlt sich der Samobor allerdings noch nicht sehr wohl. Bei einer Freundin, von der ich einen Ableger bekam, war es eine richtig stattliche Pflanze, hier mickert er noch etwas herum, versamt hat er sich auch noch nicht. Vielleicht gefällt ihm der Standort nicht, er steht eher sonnig, oder er braucht einfach noch etwas Zeit...

    Liebe Grüße, Bärbel

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  4. Ich habe ihn noch gar nicht so lange, aber dafür an fast jeder Ecke. Ich werde ihn dieses Jahr dezimieren, sonst wächst hier nichts anderes mehr. Eine Staude blüht rosa, das finde ich sehr hübsch. Aber die dunkellila Blüten gefallen mir auch, nur stechen sie nicht so hervor.

    Viele Grüße
    Margrit

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  5. Ich liebe die Storchschnäbel über alles...und wünsche dir viel Glück mit dem Weißen...;-) LG Lotta.

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  6. Ich finde ihn auch ganz toll für unmögliche Plätze unter Fichten oder Ahorn! Ich will sogar dass er sich dort unbändig ausbreitet, denn dort wächst schon mal kein anderes Wildkraut wie Klettenlabkraut oder Ackerwinde mehr.
    Viel Spaß beim Züchten, vielleicht klappt es ja ;-)
    Lieben Gruß von Heike

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  7. Liebe Elke,
    also ich würde für die Bezeichnung: "wie gedruckt schöner Storchenschnabel" vorschlagen.
    Die Blätter sehen ja auch aus, wie gestempelt!
    Lieben Gruß, Doris

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  8. Liebe Elke,

    manches Blümchen hat ja einen Namen verpasst bekommen, wo man sich fragt, wie sind die bloß darauf gekommen. Den gemusterten kannte ich bisher aber auch noch nicht. Vielleicht klappt es ja mit der weißen Blüte. Ich drücke die Daumen.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  9. Ich krieg den braunen nirgends..... Ich hätte ihn so liebend gerne....
    Der stinkende Storchschnabel ist mein erklärter Liebling..... Er darf im ganzen Garten überall wachsen. Er ist so wunderschön! Dazu robust, und wächst auch noch da, wo sonst gar nix mehr kommt!
    Herzlichst
    yase

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  10. Hallo Elke,
    ich habe auch diverse Storchenschnäbel im Garten, darunter auch den "Stinkenden" oder Ruprechtskraut. Am liebsten ist mir der niedrige Geranium macrorrhizum in Rosa. Der deckt alles zu, mickert nicht, blüht brav und die Hummeln lieben den auch. Den hohen "braunen" hatte ich auch mal, aber bei mir hat er sich nicht so versamt. Und jetzt ist nur noch ein kleines Pflänzchen übrig, das päppel ich, damit er hier auch wieder blüht. Sehr schön hast du das alles wieder geschrieben. Ich drücke dir die Daumen für die weiße Variante, vielleicht hilft es, wenn du einen weißen Stochenschnabel anderer Unterart beipflanzt, damit er sich einmischen kann.
    Schöne Grüße, Johanna

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  11. Hallo Elke
    Hmm, hätte auch noch einen Namen "Will Wieder Haben", denn meine drei Exemplare von dem braunen Storchenschnabel haben sich irgendwie vom Acker gemacht. Anhand der Spuren hätte ich Schnecken als Übeltäter vermutet. Nichts aber auch gar nichts, ist in meinem Garten vor diesen Mistviechern sicher. Noch halte ich durch ohne Schneckenkorn, aber... ich hatte die Packung doch schon das eine oder andere Mal in den Fingern. Sogar die Goldmelissen werden jetzt vertilgt. Grrrrmpf.
    Aber zurück zum Thema: Deine Fotos machen mich wirklich "gluschtig" nochmals so einen braunen Vertreter anzuschaffen. Ich würde ihn dann auch liebevoll "Brownie" benennen.
    En liebe Gruess
    Alex

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  12. Seit einigen Tagen besitzte ich auch einen unbeschreiblich schönen Storchschnabel! :) Freue mich schon auf die Nachkommen, ich weiß ja jetzt durch dich, daß mit reichlich Nachwuchs zu rechnen ist!
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  13. und diesen Storchschnabel mag ich auch besonders gerne und er darf unter den Büschen an der Hecke und den Rändern sich versamen, schöner als Giersch....

    werde mal daruf achten ob die Blattfärbung sich auch verändert.
    vor allem weil auch ich damit eine sehr liebenswerte Erinnerung verbinde

    meine ersten Garten hatte ich in den 80 Jahren sehr naturnah gesaltet, da ich die wunderbaren alten Obstbäume darin mit einer bunten Blumenwiese untermalte ,und auch damals schon viele Stauden als Randbepflanzung.

    Dann gab es einen Gartenwettbewerb für naturnahe Gärten, ich wollte zeigen dass es auch anders geht als nur englischer Rasen in kleinen Gärten.
    Da ich dann gerade im Krankenhaus war, Bansscheibenvorfall mußte meine Tochter mit 14 jahren die Gartenführung machen. es gab eionen der Preise und sie kam auf das Titelbild der Werbe- Zeitung!!
    Damit überraschten sie mich im Krankenhaus!
    und der Naturnahe Garten war perfekt für die Zwangspause. nach der OP.
    nun kamen auch Besucher und einer schenkte mir so einen brauen Strorschschnabel, der war mir damals völlig unbekannt.
    Und ich lernte seinen sehr gepflegten Garten mit viel Gemüse , Kleintierhaltung und vor allem einer sehr erfolgreichen Wurmkompostzucht kennen.
    Liebe Grüße von Frauke





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  14. Storchschnabel...eine wundervolle Pflanze. Deine Farben sind ein Traum:-). Herzlich, Christina

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  15. Seit einem Jahr bin ich ebenfalls glückliche Besitzerin mehrerer Storchschnäbel 'Samobor'. Ich hab sie in größere Lücken ins Schattenbeet auf der Nordseite gesetzt (mein momentanes Lieblingsbeet btw.). Dort leistet er Maiglöckchen, großen Funkien, Trichterfarnen, Ballhortensien, gelben Lerchenspornen, Astilben und Frauenmänteln Gesellschaft. Ich liebe die extravagante Blattzeichnung seiner stattlichen, ordentlichen Horste. Allein dafür lohnt sich die Anschaffung, finde ich. Momentan blüht er aber auch ganz hübsch. Allerdings muss man ihn schon aus der Nähe betrachten, um seine düsterzarten Blüten würdigen zu können. Ich hoffe, er wird seinem Ruf in puncto Vermehrungsfreudigkeit gerecht.

    Herzliche Grüße,
    Iris

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  16. Liebe Elke,
    bei mir blühen die Braunen (und andere Geraniums) in Ermangelung eines Gartens in vielen Kästen und Töpfen. Unter anderem auch ein Phaeum, das auf den hübschen Namen Goldmund hört - und mich genau damit zum Bestellen bezirzt hat. Das Robertianum hab ich von Freunden und werde mir demnächst noch welches im Wald stibitzen... ;-))
    Herzlich,
    Simone

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  17. Hi Elke.Storchenschnabel sind immer schön und schöne Lückenfühler sie füllen leere Stellen in Garten aus und wachsen schnell.Deien sehen schön aus.Ich habe andere.
    Schöne Woche noch und liebe GRÜße Jana.
    Liebe Elke die Bären habe ich selbstgemacht habe keinen gekauften.

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  18. Hallo Elke,

    über die Bezeichnung "Reihenhausgarten. Das klassische Handtuch, oder besser: Gästehandtuch." musste ich etwas schmunzeln.

    Mein Garten ist nur gerinfügig größer, aber ebenfalls lang und schmal, deshalb habe ich mich großer Begeisterung auf Deinem Blog gelesen.

    Ich finde, daß Du den Garten optisch interessant und gut aufgeteilt hast.

    "Die grüne Hölle" steht ihm sehr gut!

    Viele Grüße
    Claudia

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  19. Liebe Elke,
    lieben Dank für Deinen Kommentar bei mir! Endlich findet mal jemand die Vergissmeinnicht genauso anstrengend wie ich. So lieb ich sie habe, sie machen sich einfach zu fett!

    Unglaublich, was Du hier wieder aufgetrieben hast - ich bin ja noch Storchschnabel-Neuling und teste mich gerade vorsichtig heran. Aber diese hier mit den dunklen Blüten, ich glaube, die müssen auf die Haben-Wollen-Liste. Und wenn es soweit ist, melde ich mich bei Dir, denn dann brauche ich Deinen Rat, wie man es schafft, all die Pflänzlein, die man unbedingt braucht, auf 400 qm unterzubringen. Daran scheitere ich momentan ganz meisterhaft!

    Viele liebe Grüße
    Dagmar

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  20. Wow, wie wunderschön. So zart und zierlich.
    Sieht so schön wild aus!
    Ganz viele liebe Grüße und
    viel Sonne sendet dir Urte

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  21. Von den Blüten sieht dieser Storchenschnabel sehr jenem Storchenschnabel sehr ähnlich, welcher hier fast überall wild auf den Wiesen wächst. Im Garten habe ich einen mit pinken Blüten, welcher sehr genügsam ist und fast den ganzen Sommer über blüht.

    lg kathrin

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  22. Hm, Elke, den kannte ich bislang gar nicht. Aber - ganz bestimmt werde ich das nächste Mal im Gartencenter danach Ausschau halten.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und schick liebe Grüsse
    Ida
    ... die heut eigentlich mal was im Garten werkeln wollte ... aber das ist wieder eine andere Geschichte ...

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