Samstag, 22. November 2014

Die Vögel

Dieses Jahr sind die Vögel in meinem Garten komisch. So früh wie sonst nie sind die Hagebutten von Rosa multiflora komplett weg-schnabuliert worden. Sogar der aus Versehen abgeschnittenen Ast, der als Deko auf der Terrasse endete, ist nun seines Schmuckwerts einigermaßen beraubt. Auch die Zieräpfel vom 'Golden Hornet', den sie sonst äußerst widerwillig erst nach kapitalem Frost in Angriff nehmen, werden dieses Mal schon seit Oktober kollektiv bearbeitet. Bis zu fünf Amseln gleichzeitig, je nach Sozialneid, hocken im Baum und picken sich gegenseitig die Früchte weg. Der Vogel mit dem goldenen Schnabel frisst die goldenen Äpfelchen, so soll es sein.


Das Brutgeschäft wurde im Sommer ähnlich ambitioniert unter Amsel-Fittiche genommen: Mein winziger Stadtgarten hatte dieses Jahr gleich zwei Nester gleichzeitig - eins hinten im Wald-Geißblatt, das andere gegenüber auf der anderen Gartengrenze in der Rosa multiflora. Die bei soviel Nähe unvermeidlichen Hahnenkämpfe fanden daher bevorzugt mitten im Garten statt, wo ordentlich Federn gelassen wurden.

Dass die Aufzucht von Jungvögeln nichts für Zartbesaitete ist, konnte ich vor wenigen Wochen feststellen. An einem schönen Oktobermorgen gab es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, dicht gefolgt von ordentlich Geschepper. Instinktiv habe ich zuerst im Badezimmer nachgeschaut, wo ich die Fensterbank seltsam leer vorfand. Kein Wunder, Blumentöpfe und eine der zur Deko umgerüsteten Grappaflaschen lagen ja auch alle in einem wilden Haufen in der Badewanne. Mein heißgeliebter Crassula 'Hottentott' hatte sich bei seinem unfreiwilligen Purzelbaum sämtliche oberen Triebe abgebrochen und somit viel von seinem Rasta-Locken-Charme eingebüßt.

Nachdem ich die Bescherung beseitigt hatte, fiel mir beim Blick nach oben erst der riesige Fettfleck in Taubenform an der Scheibe auf. Und richtig - auf dem Dach unterhalb vom Fenster hockte eine gerade flügge gewordene Ringeltaube und sah ziemlich angeschlagen aus. Um das Tier nicht noch weiter zu strapazieren, habe ich auf das Anfertigen von Bilddokumenten, und seien sie noch so diskret, verzichtet. Zum Glück erholte sich der Pechvogel und wurde zum zweiten Mal flügge, denn der Spatz in der Hand ist in jedem Fall besser als eine tote Taube auf dem Dach.

Bei dem Sturz vom Fensterbrett war auch der Verschluss der Grappa-Flasche zerbrochen - der Korkanteil war vom Holzstöpsel getrennt worden. Toll, dachte ich, dann schneid ich den Rest auch noch ab und nehm das Ding als Pflanzenstecker. Einfach einen Holzstab in den Kork gerammt und das Holz oben beschriftet - fertig.

So sieht das dann aus:

Dank der Kamikaze-Taube habe ich endlich eine sinnvolle Verwendung für die vielen gesammelten Korken mit Holzdeckel. Danach bin ich erst einmal Fensterputzen gegangen.

Und so bin ich jetzt für's Erste bedient und brauche keine weiteren gefiederten Selbstmordversuche an der Fensterscheibe. Dann schau ich lieber den Amseln beim fachgerechten Zerlegen der Zieräpfel zu...
___________________________________________________________

Zur Erinnerung: Fotowettbewerb bis 6.12.

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    ich habe mich vorzüglich ämusiert über die detailreiche Beschreibung deiner Amselbeobachtungen. Es ist für mich immer wieder eine Wonne, deine Texte zu lesen! Deine Idee mit dem Kräutersticker ist auch genial!
    Liebe Grüße
    Kathinka

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Elke,
    ach da bin ich jetzt aber beruhigt. Ich dachte schon nur die hier ansässigen Vögel hätten ihre Fressvorlieben von einem Jahr aufs andere geändert! Was letzten Winter noch der Renner war, steht unberührt im Garten, dafür hänge ich schon die 3. Garnitur Meisenknödel auf, die letztes Jahr Moos angesetzt hatten (im Ernst!). :D

    AntwortenLöschen
  3. :-)))))) Oje, ich stelle mir alles bildhaft vor :-)
    Das arme Vieh :-) Aber komisch - bei uns sind auch schon sehr viele
    Hagebutten von meiner Lykkefund verschwunden - sonst immer erst im Januar!
    Diese gefräßige Bande :-))) Naja - ist schon ok - ist ja für sie gedacht!
    Ganz viele liebe Wochenendsgrüße
    sendet dir die Urte :-)

    AntwortenLöschen
  4. Kamikaze-Taube :) armes Ding..... Gut, hast du die Amsel im Garten und keine tote Taube auf dem Dach.... Herrlich wieder dein Post!
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Elke,
    oh, ja, wild gewordene und manchmal suizidgefährdete Vögel hab ich auch ;)! Aber alles soweit noch im grünen Bereich. Oh wie ich mich freue, dass du in der nächsten Ausgabe zu sehen bist - hättest ja schon viel früher deinen "zeitungs-öffentlichen Auftritt haben müssen.
    Ein wundervolles Wochenende
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  6. Ich freu mich schon drauf, wenn mein neuer Zierapfel (Red Sentinel) vielleicht auch mal die Vögel in den Garten lockt. Dann brauchst du den Golden Hornet diesmal ja nicht selber verarbeiten....ist doch auch was.
    Liebe Grüße Sigrun

    AntwortenLöschen
  7. Es gibt auch bei uns enorm viele Vögel im Garten und meine Futterstellen muss ich ständig neu auffüllen. Ist schon irgendwie seltsam aber schön zur Vogelbeobachtung.
    Liebe Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
  8. Die Amseln sind auch in meinem Garten sehr aktiv!!!! Im Sommer picken sie schon in aller Frühe nach Regenwürmern und zeigen auch sehr gerne, wie lecker die zerhackten Tierchen schmecken! Jetzt lassen sie sich von mir mit Rosinen verwöhnen! Manchmal fliegen sie so tief über meinen Kopf, dass ich mich richtig ducke! Amseln sind immer herrlich zu beobachten!!!!
    Viele Grüße von
    Margit

    AntwortenLöschen
  9. Die Taube war eben eine Schnapsdrossel. Die hatte Deinen Grappa erspäht und sie volle Kanne draufgestürzt. Ging wohl knapp daneben. Tolle Wiederverwertung von dem Korken. Hmm, ich werde morgen bei Tageslicht mal meine Multiflora inspiziren gehen.
    Hab ein gemütliches Wochenende.
    En liebe Gruess
    Alex

    AntwortenLöschen
  10. Liebe Elke,
    bei uns sind heuer die Hagebutten auch noch recht unberührt. Die Vogelbeeren schon lange aufgefuttert und der Sanddorn ist so üppig bestückt, dass er den ganzen Winter über als Futterquelle was hergibt.
    Du hast recht, für Zartbesaitete ist die Vogelaufzucht wirklich nichts. Ich hab mal zugeschaut, als eine gerade flügge gewordene Meise auf dem Boden saß und Schwierigkeiten hatte, wieder abzuheben. Eine halbe Stunde lang musste ich Nachbarkatzen fernhalten, die schon das Kleine ins Visier genommen hatten!
    Liebe Grüße & ein schönes Wochenende, Margit

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Margit,
      oh ja, das kenne ich auch - vor allem die Blaumeisen können ganz schlecht fliegen, wenn sie aus dem Nest kommen. Ich habe letztes Jahr auch fast eine Stunde Nachbarskatze ferngehalten, aber am Ende hat sie das Meisenbaby doch erwischt.
      VG
      Elke

      Löschen
  11. danke für die schönen bilder und die tipps!!! ein schönes we wünscht angie

    AntwortenLöschen
  12. Liebe Elke,
    brillant beschrieben, wie immer. Obs ein besonders harter Winter wird? Mir war aufgefallen, dass im letzten Winter fast nichts weggefressen war. Die wilden Trauben hingen bis in den nächsten Sommer und auch die Hagebutten habe ich im Frühling entsorgt. Waren aber auch alle sehr trocken, vielleicht deshalb ungenießbar? Meine Zieräpfelchen sind noch unversehrt, was aber auch an der Katzendichte hier liegen kann. Wünsche all deinen gefiederten Freunden, auch den Kamikazetauben, guten Flug durch den Winter.
    lg Johanna

    AntwortenLöschen
  13. Bei uns gehen die Vögel leider gar nicht an die Hagebutten. Die der Lykkefund mußte ich jetzt teilweise selbst abschneiden, weil sie unansehnlich und schwarz wurden und heute auf einem schönen Spaziergang entdeckte ich Rosensträucher über und über mit Hagebutten besetzt in freier Feldmark. Schon seltsam, daß die nicht gefressen werden! Aber das beobachtete ich ja schon im Waldgarten. Es wird häufig eben auch früh und viel gefüttert, vielleicht haben die Vögel dann keine große Lust mehr, sich anzustrengen, ähnlich wie wir Menschen ;-)
    Wie auch immer ... ich glaube an einen eher milden Winter - bei uns .,.. in den USA sieht das ja schon ganz anders aus.

    Liebe Grüße
    Sara

    AntwortenLöschen
  14. Vielleicht hat sich die Amselpopulation wieder erholt und vielleicht gab es ja dieses Jahr eine zusätzliche Brut. Ich kenn mich da nicht so aus, aber das Frühjahr hatte ja sehr zeitig begonnen und bei uns waren die Vögel enorm früh aktiv. Wir hatten hier noch gar keinen Frost, sehr ungewöhnlich! Dein Zierapfel sieht jedenfalls wunderschön aus, so viele Früchte!

    AntwortenLöschen
  15. Hmm, da muss ich doch glatt mal schauen, ob bei uns die Vögel auch schon so fleißig am Fressen sind und zudem sollte demnächst überhaupt erst einmal das Vogelhäuschen aufgestellt werden. Mit Hagebutten und Co kann mein Garten leider nicht dienen, daher muss ich die Tierchen mit etwas anderem locken.

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  16. tolle Idee mit den Korken! Wenn ich dazu nur nicht den Grappa trinken müsste ...
    Super Bilder und wie immer, sooo schön geschrieben.
    Viele Grüsse von Renate

    AntwortenLöschen
  17. Hallo Elke,
    irgendwann spricht es sich halt in der Vogelwelt herum, dass in Deinem Garten der Tisch für sie reichlich gedeckt ist. ;-) Bei uns hier auf dem Land gibt es wohl genug zu futtern, denn die Hagebutten von Wein- und Bibernellrose bleiben jedes Jahr größtenteils hängen. An den Zieräpfelchen wird allerdings auch schon eifrig von den Amseln gefuttert, letztens habe ich sogar eine Kohlmeise wie wild auf einem Äpfelchen rumhacken sehen...Mir ist vor kurzem allerdings aufgefallen, dass die Spatzen scharenweise an den Samenständen der Goldrute knabbern, das haben sie sonst nie gemacht. Es kann aber auch sein, dass ich in anderen Jahren früher mit dem Füttern begonnen habe und die Samenstände deshalb links liegen gelassen wurden.
    Da hat die Taube ja noch mal Glück gehabt! Du hast vollkommen recht, dass die Jungvogelaufzucht nichts für Zartbesaitete ist, bei all den Spatzennestern an unserem Haus habe ich auch schon einige Dramen erlebt...

    Liebe Grüße, Bärbel

    AntwortenLöschen
  18. Hallo Elke,
    hier habe ich so langsam das Gefühl fliegende gefrässige Raupen im Garten zu haben! Es ist alles abgegrast und wir füttern eifrig. Diverse Unfälle erleben wir aufgrund unserer riesigen Fensterscheiben des öfteren und ich glaube die jeweiligen Probanden sind froh wenn sie den vielen fürsorglichen Kinderherzen wieder entfliehen dürfen . Sollte es mal ein schlimmerer Unfall sein gibt es hier im Ort eine Wildvogelstation die sich liebevoll um große und kleine Vögel kümmert.
    Gesammelte Korkon hab ich auch noch so einige, tolle Idee!

    Liebe Grüße und eine besinnliche Zeit

    Alexandra

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...