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Samstag, 4. November 2017

Gartengeschichte

Ich bin ein Geschichtsmuffel. Wenn ich mir altertümliche Ruinen anschauen muss, lese ich nicht die Infotafeln, sondern versuche, Eidechsen zwischen den Steinen zu entdecken. Kirchen von innen meide ich wie der Teufel das Weihwasser: Da schaue ich lieber, ob Falken im Dachstuhl brüten, anstatt den Altar zu bewundern. Bei einer Stadtführung hätte wohl niemand Freude mit mir, allerdings würde das nicht lange anhalten, denn schon bald hätte ich die Gruppe verloren, weil ich irgendeine spannende Pflanze entdeckt hätte.

Und so renne ich meistens ganz schnell weg, wenn irgendwo das Wort "historisch" steht. In Annapolis Royal, Kanada, aber stand auf dem Schild das magische Wort Garten mit dabei: Historic Gardens. Da gab's natürlich kein Halten mehr. Der Eintritt kostet 14,50 $, also etwas unter 10 Euro, aber schließlich wird auch einiges in die Pflege des Gartens investiert.

Da Annapolis Royal eine der ersten Siedlungen in Nova Scotia war, soll der Garten alte Sorten und die Geschichte der Region zeigen. Eine alte Deich-Rekonstruktion der frühen Siedler wurde angelegt, dazu ein Wohnhaus mit Küchengarten, ein Rosengarten mit alten Sorten und ein viktorianischer Garten. Es gibt aber auch einen Teil, der neue Gartentechniken vorstellt.




Tja, und auch im Ausland ist es also wieder passiert: Statt brav die Schilder bei der Deichanlage durchzulesen, haben die Schmetterlinge mich doch wieder abgelenkt. Das war einfach höhere Gewalt und ganz unvermeidlich, den Schmetterlingen nachzustellen, einen Kolibri zu bewundern und die Kanada-Kleiber in den Bäumen zu beobachten. Da ihr Ruf an eine Ente erinnert, musste ich erst nachschauen, welcher akrobatische Wasservogel denn wohl gern in Baumkronen herumturnt und habe dabei den netten Kleiber als Bauchredner entlarvt.

Schon hatte ich mich weit von der Deichanlage entfernt...

Hier aber doch ein paar Eindrücke von dem Garten, wenn auch ohne lehrreiche, historische Anekdoten, die man stattdessen dem Video entnehmen kann:



Ein schön bewachsener Teich:



Gelenkblume mit Sonnenhut, Krötenlilie mit Hummel und anfliegender Biene:


Einjährige unter sich und mit Federmohn:




Begonien- und Buntnesselbeet:



Gemüse im Experimental Garden mit vertikaler Bepflanzung und Gießkannenbewohnern:





Man beachte den englischen Namen für die Reisetomate:



Der Eingang zum Rosengarten:


Der Schmetterlingsgarten mit Astern und Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum) und ein Hortensienbusch:







Auch in Halifax gibt es eine historische Parkanlage von 1867, die kostenlos zu besichtigen ist: die Halifax Public Gardens - und natürlich ist mir hier dasselbe passiert: Der Reiher auf der Titanic war interessanter als der Grund für das historische Treiben auf dem Teich. Immerhin weiß ich, dass damals kein übergewichtiger Vogel schuld war am Untergang des Schiffes - und auch keine treibende Wasserflasche.



Wäre so ein wirklich unsinkbares Titanic-Modell nicht auch was für den heimischen Gartenteich? Das gibt dem Ganzen gerade jetzt im Herbst den Hauch des Vergänglichen und mahnt zur Bescheidenheit.

Im Park gibt es bunte Blumenbeete, alte Bäume, Brunnen und Pavillons zu bewundern. Doch Distelfalter und Vögel waren spannender als alle Jahreszahlen zusammen. Das hier links müsste eine Singammer sein, der Park war voll mit diesen kleinen Vögeln, die gern auf Stauden saßen. Der Reiher ist zu groß für solche Experimente.










Auch Geschichts-Ignoranten wie ich können also was lernen. Zumindest weiß ich jetzt, wie die Reisetomate auf Englisch heißt, und dass Reiher historische Schiffsmodelle gern als Sofa benutzen. Das steht nämlich wieder nirgendwo geschrieben - typisch...