Samstag, 14. Mai 2022

Orchideen, Falter und Hundehaufen

Gärtner und Naturfotografen brauchen kein Fitnessstudio. Erstere aus naheliegenden Gründen: Das Auf und Nieder beim Unkrautjäten oder Kompostverteilen strapaziert Muskeln, an deren Existenz man bis dahin gar nicht geglaubt hatte.

Doch auch das Fotografieren freier Wildbahn oder im Garten ist kein Spaziergang. Möchte man Insekten auf Augenhöhe begegnen, heißt es erstmal: In die Hocke gehen. Sollte das Insekt wieder Erwarten dann noch nicht die Schnauze voll haben von der Tante mit dem schwarzen Ding in der Hand, muss man sich sehr langsam hinknien und heranrobben. Meist ist das Maß jetzt aber voll und weg ist der Schmetterlinge. Das kann man sehr oft wiederholen, ohne jemals zum Schuss gekommen zu sein. Gymnastik für Naturfotografen also.

Selbstverständlich hält ein Insekt aber genau dann seelenruhig still, wenn der Hintergrund unschön ist, also keine Blüte darstellt, sondern Asphalt oder immerhin Gras. Es geht aber noch schlimmer. Ihr dürft ruhig erstmal raten, auf was dieser Kleine Würfel-Dickkopffalter oder Malven-Würfelfleck (Pyrgus malvae).


Die Fliege gibt einen dezenten Hinweis, der gar nicht dezente Geruch ist ja nicht ansatzweise zu erahnen. Trotzdem habe ich mich pflichtschuldigst hingekniet und diese Fotos gemacht. Ist ja auch eine Erkenntnis, dass der Dickkopf stinkende Dinge mag.

Und dabei gab es hübsche Hintergründe genug. Das Scheißfoto entstand nämlich im Biosphärenreservat Bliesgau im Orchideengebiet bei Gersheim im Saarland.

Hier grasen große Unpaarhufer, deren Hinterlassenschaften zum Fotografieren deutlich angenehmer sind - und für den Garten auch!



Von den Stars, den Orchideen, gibt es nicht nur alle zwei Meter mal eine versprengte! Nein, es ist alles voll davon, und gleich in mehreren Arten. Da kann die Naturfotografin ganz viel Gymnastik machen!


Zum Bestimmen der Arten liegt ein wetterfestes Buch aus. 

Nicht zu übersehen ist das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) - eine gigantisch große Pflanze!


Ähnlich, aber viel kleiner ist das Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), rechts im Bild die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum):


 Das hier ist das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris):

 

Sehr häufig ist das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), manche Pflanzen blühen sogar weiß.


Außer Orchideen finden sich noch die Zypressen-Wolfsmilch, Kleiner Wiesenknopf, Wiesen-Salbei, Kreuzblümchen, Hornklee und die Weiße Schwalbenwurz im Gebiet.



Auch den Goldenen Scheckenfalter gibt es hier, der schönere Untergründe gewählt hat als der Dickkopf:

 

Hier sitzt ein Dunkler Dickkopffalter (Erynnis tages), immerhin auf einem Hintergrund, der zwar keine Blüte ist, aber auch nicht den Appetit verdirbt:



Der Besuch des Orchideengebiets ist ein Muss, wenn man im Bliesgau ist! Es verbietet sich ausdrücklich, Pflanzen zu pflücken oder ganz auszugraben, im Garten würden sie sowieso nichts, sie brauchen diesen trockenen Magerrasen.

Für dieses wunderschöne Naturschutzgebiet lohnt die Naturfotografengymnastik auf jeden Fall!

10 Kommentare:

  1. Vielen Dank, dass du diese Gymnastik auf dich genommen hast, um uns diese schönen Falter und Orchideen zu zeigen, liebe Elke! Die Knabenkräuter haben bemerkenswerte Blüten. Das Brand-Knabenkraut erinnert mich an ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem man kleine Plastikmännchen stapeln muss, bis die schöne Artistikpyramide zusammenbricht. Ich hoffe, dein Muskelkater hält sich in Grenzen und wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Viele Grüße
    Susanna

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  2. Örg... Dickkopf hin oder her, die anderen Fotos gefallen mir wesentlich besser! :D
    So eine Menge Orchideen, ich bin ganz platt. Bei uns gibt es eine Sorte Knabenkraut, und die selten. Welche genau vergesse ich jedes Jahr wieder und naja, 100%ig sicher bin ich mir eh nicht. ;-)
    LG
    Centi

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  3. Eine interessante Kombination in deiner Postüberschrift ;-), liebe Elke...tolle Bilder hast du dazu eingestellt.
    Lieben Gruß und ein feines Wochenende wünscht dir Marita

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  4. wunderschöner garten * und danke für die viele fotos !
    lieber gruss
    mo

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  5. Was man nicht alles fpr einen Falter tut... Aber appetitlich ist wirklich anders. Mich ärgert da der Hundebesitzer, der die Hinterlassenschaft seines Tiers nicht motnimmt. Unter anderem ein Grund, weshalb ich keinen Hund habe.
    Herzlichst
    yase

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  6. Haha... da muss ich an ein Erlebnis in den Bergen denken. Wir waren fotografisch auf der Jagd nach Schwalbenschwänzen, die bevorzugt auf Kuhfladen saßen.
    Da muss man durch!
    viele Grüße von
    Margit

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  7. Mich wundert, dass die Knabenkräuter, die ja auch ziemliche Schlamperl sein können, hier doch so artenrein vorkommen. Jetzt weiß ich, warum ich im Garten nicht so viele verschiedene Falter finde, es gibt da weder Hunde- noch Kuhhaufen, wieder was gelernt. LG Wurzerl

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  8. Mit Orchideen sind wir hier am Kaiserstuhl gesegnet, unser Naturzentrum bietet im Moment Führungen an. Bücken für originelle Fotos muss manchmal sein und man kommt nicht drum herum. Deine Ausbeute an Schmetterlingen beeindruckt mich sehr, ich muss auch mal wieder meine Spezialgebiete aufsuchen, obwohl ich feststelle, es werden immer weniger, kannst du das auch bestätigen?
    Liebe Grüße
    Edith

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    1. Hallo Edith, in dem Gebiet im Saarland kenne ich mich nicht aus, aber allgemein sind sie schon seltener geworden.
      Viele Grüße
      Elke

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  9. Hallo Elke,
    so schön deine Fotos, besonders die Schmetterlinge hätte ich auch gerne vor der Kamera gehabt. Und was die Kamera-/Gartengymnastik angeht, da kann ich auch ein Liedchen von singen. Zusätzliche Herausforderung beim aufstehen aus der Hocke: wenn man noch einen Rucksack mit Fotoausrüstung auf dem Rücken hat.
    Grüße
    Gabi

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