Samstag, 30. Mai 2026

Allium-Alarm und Größenwahn

In meiner langjährigen Gartenkarriere kann ich mich nicht daran erinnern, dass es im Mai jemals so viel geregnet hätte  und zwischendurch so kalt war. Normalerweise komme ich dann aus dem Urlaub zurück und die Allium-Blüten sind kurz vorm Verblühen. Dieses Mal aber nicht - sie hatten auf mich gewartet und fingen gerade erst an.

Was für ein Allium-Alarm dieses Jahr! Die Anno 2009/2010 gesetzten Zwiebeln von Allium aflatunense - es müssen so um die 10 gewesen sein, wenn das Gartentagebuch vollständig ist und nicht lügt - haben sich mittlerweile so vermehrt, dass ich bei 70 Blüten aufgegeben habe, sie durchzuzählen. Man kann sagen: Es sind echt viele und sie haben sich so gut versamt, dass es nur noch Stehplätze im Beet gibt.

 






Die Samen von Allium aflatunense keimen erst im nächsten Frühjahr und möchten dann einen Boden vorfinden, der in Ruhe gelassen wird, denn die Sämlinge sind dünn und zart, aber anscheinend gänzlich unbeeindruckt von großen Nachbarpflanzen. Nur Bodenbearbeitung würde sie vermutlich sehr stören.

Die anderen Gartenpflanzen sind vielleicht nicht mehr geworden, aber durch den Regen legen sie einen nie dagewesenen Größenwahn an den Tag.

Der Beinwell hinter dem Allium ist so hoch und breit wie nie. Die Hummeln freuen sich, die Stauden daneben nicht so.



Die Pastinakenwurzel, die ich im Winter im Biolade gekauft und dann nicht gekocht habe, weil sie oben schon austreiben wollte, ist im Kübel mittlerweile zu einem vielblütigen Monster von locker zwei Metern Höhe herangewachsen. Ich wusste nicht, dass die überhaupt so hoch werden können. Die Blüten wirken wie ein gelbes Feuerwerk, zumindest so, wie ich mir eines zu Silvester wünschen würde: Leise. Die Rindenspringspinnen, die sich unter die Markise verirrt haben, können jetzt von dort mit Leichtigkeit auf die Pastinake hüpfen und dort nach Beute suchen.




Klein, aber dafür umso breiter ist der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), der dieses Jahr endlich richtig blüht und prompt die Rote Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena labiata) in meinen Garten gelockt hat. Dieses sehr kleine Tier ist auffällig rot gezeichnet und passt ganz hervorragend zu den blauen Blüten.



Der Gamander-Ehrenpreis ist der schönste Rasenersatz, wird nur ein paar Zentimeter hoch, aber wächst unglaublich in die Breite mit kurzen Ausläufern, die man auch eintopfen und verschenken kann. Man kann ihn aber nicht umpflanzen, auch noch kurzer Zeit nicht mehr, denn dann hat man zwei, an der alten und an der neuen Stelle.

Nicht als Rasen, aber als gut riechende Wolke kann die Süßdolde dienen. Dieses Jahr hat sie so richtig aufgedreht und ist ein breites, weißes Ungetüm geworden. Die Samen kann man im grünen Zustand direkt von der Pflanze naschen, sie schmecken frisch nach Anis.



Der Wollkraut-Blütenkäfer lässt sich den Pollen schmecken:


Auch die Rotschopfige Sandbiene und der Mattschwarze Blütenbock sind hier oft zu finden, wenn man sie sucht:

Die zweite Süßdolde hinten im Garten ist weniger imposant, weil sie schattiger steht, hat sich aber dieses Jahr gut versamt.

Die Schnecken glänzen erfreulicherweise weniger durch Schneckenschleim als durch Abwesenheit, was das Gartenjahr erfrischend anders macht. So kann's bleiben, nur gern immer mit ein wenig Regen zwischendurch und ohne große Hitze! Immerhin machen die Monsterpflanzen Schatten...

Nachtrag: Gestern Abend bei dem schweren Gewitter ist die Pastinake abgebrochen. Ich bin untröstlich.😢 


4 Kommentare:

  1. Ich erinnere noch gut den Mai 2010, der muss auch kühl gewesen sein, denn da habe ich mich einen Monat lang an den Kastanienblüten erfreut, die wirklich einen ganzen Monat lang hielten. Ich konnte sie bei der Arbeit durch das Fenster sehen. Später erfuhr ich dann, dass man 1987 eine Kastanie gepflanzt hatte, die keine Früchte trug, sondern nur blühte! Schon damals habe ich darüber nur den Kopf geschüttelt.
    Schönes Wochenende wünscht ALeXa

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  2. Guten Morgen liebe Elke,
    ich fasse es nicht, bei euch hat es im Mai geregnet ? Der Mai war bis vor Kurzem saukalt, aber geregnet hat es nicht . Außer etwas Nieseln hatten wir hier nichts. Und jetzt haben wir auch noch über dreißig Grad !
    Die Lage ist langsam dramatisch, ich komme mit Gießen gar nicht mehr nach, obwohl bei uns ohnehin schon Stauden wachsen, die fast alles aushalten. Das Gras auf unserer Schafweide ist schon verdorrt, wir müssen Heu zufüttern.
    Da wünsche ich mir beinahe ein kleines Grundstück, das man früh morgens schnell mal durchgießen kann.
    Freu dich über die Allium - Massen, bei uns wuchern auch alle Alliumsorten, und manchmal ist fast alles verschwunden ( Mäuse ? ), um dann wieder von alleine aufzutauchen.
    Deine Süßdolde sieht wunderschön aus, zusammen mit Lauch und ländlichem Lattenzaun.
    Schieb doch mal ein paar Regenwolken rüber !
    Viele Grüße
    Inge

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    1. Guten Morgen liebe Inge,
      oh je, das ist ja schlimm bei euch! Ich kenne den Mai auch so, knochentrocken und das oft schon seit März. Dann hat es im Norden wohl diesmal mehr geregnet. Ich drücke euch die Daumen!
      Aber so ein Unwetter wie gestern muss dann auch wieder nicht sein.
      VG
      Elke

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  3. Liebe Elke, in meinem Garten sieht es auch überwiegend aus wie im Dschungel. Viele Pflanzen scheinen sich vervielfältigt zu haben, auch das Allium, vor allem Christophii. Alles scheint höher und breiter geworden zu sein.. Sehr auffällig sind die Fingerhüte. Sie sind sehr hoch, haben mehrere Stängel und die Farbe ist recht dunkel. Bei mir wachsen immer viele, das Erscheinungsbild ist in diesem Jahr jedoch ganz anders.
    Übrigens: Ich habe jetzt auch eine Wildbienen Nisthilfe aus Bethel. Mal sehen, ob sie besiedelt wird.
    Grüße von Ute

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