Bei blauem Himmel kann man im Frühjahr braune Wollknäuel über sich schweben sehen. Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug oder gar eine bemannte Drohne? Nein, es ist eines der enzückendsten Insekten überhaupt, das da wie ein fliegender Teddybär so festgetackert in der Luft schwebt. Kuschlig wie eine Biene, ist dieses Pelztier doch aus der Nähe betrachtet als Fliege zu erkennen: Der Große Wollschweber (Bombylius major), auch Hummelschweber genannt, hat wie bei Dipteren üblich zwei Flügel, die man nur aber erkennt, wenn das hektische Insekt auch mal stillsitzt, sonst sieht man nur zwei verschwommene Wirbel. Typisch sind die dunkel gefärbten Partien auf den Flügeln.
Setzen tut sich der wuschelige Wirbelwind zum Sonnenbaden oder ausnahmsweise auch mal beim Blütenbesuch - der gefährlich lange Rüssel, der so nach Stechmücke aussieht, ist in Wahrheit ein harmloser Strohhalm, mit dem die dicke Fliege aus tiefen Blüten trinkt, stechen kann sie damit nicht. Die wuseligen Stofftiere sind also nicht nur unfassbar niedlich, sondern auch noch sehr gute Bestäuber.
Die Fliege im Pelzmantel ist für Bienen allerdings weniger lustig, denn die Tiere werfen ihre Eier in Bienennester, wo die Larven die Bienenbrut verspeisen. Das tun sie vor allem in Sandbienennestern. Damit das Ei auch in die Brutröhre der Biene gelangt, wird es irgendwie in die Nähe des Nesteingangs geschmissen, denn die Wollschweber sind keine besonders akkuraten Kunstflieger, da geht das Ei auch gern mal daneben. Die Larven bewegen sich zum Glück aktiv auf die Bienenlarve zu, da muss man nicht ganz so genau sein. Damit das Zielen einfacher wird, beschweren die Hummelschweberweibchen die Eier mit Sandkörnern oder Erdpartikeln. Dazu schubbern sie ihren Fellhintern über die Erde wie ein kleiner Staubsauger, um Ballast aufzusammeln. Die Eier passieren bei der Eiablage diese Erdschicht. Das Verhalten kann man an unbewachsenen Bodenstellen oft beobachten.
Eine in Nordamerika heimische Art, Bombylius varius, hat einen schneeweißen Pelzpopo, der sicher beim Erdeschubbern schnell schmuddelig wird.
Seltener als der Große ist der Gefleckte Wollschweber (Bombylius discolor). Er zeichnet sich durch hübsch gepunktete Flügel aus.
| Bombylius discolor |
Dieser Teddybär parasitiert in den Nestern der Weiden-Sandbiene (Andrena vaga).
| Andrena vaga |
| Andrena vaga |
Die diese große Kolonien gründet, kann man hier auch leicht die Exuvien (leere Larven-Hüllen nach dem Schlupf der Fliege) finden. Auch die Puppen sieht man hier leicht, wenn die Bienen sie einfach mit ausgraben bei ihrem in diesem Fall wenig sozialen Wohnungsbau.
| Exuvie von Bombylius discolor |
Vermutlich kann so eine frei gelegte Puppe nicht mehr schlüpfen, denn sie weist am Rücken dicke Borsten auf, mit denen sie sich in der Erde verankert. Ohne dieses Widerlager gelingt der unfallfreie Schlupf wahrscheinlich nicht und sie ist Vogelfutter. Die Biene wird's freuen, hat sie so doch aus Versehen bei ihren Erdarbeiten den Feind aus ihrem Umfeld entfernt.
| Puppe von Bombylius discolor, Rücken |
| Puppe von Bombylius discolor vor einem Nesteingang der Sandbiene, man erkennt hier schon den langen Rüssel |
Ein Wolf im Schafspelz also? Man kann einem Bombylius nicht ernsthaft böse sein, denn die Tiere werden nie den Bestand der Wildbienen schädigen. Und so darf man sich ruhig ungeniert freuen über diese harmlosen, hübschen Wollknäuel mit dem langen Rüssel und den beeindruckenden Flugmanövern.