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Samstag, 3. Oktober 2015

Rosarote Geduldsprobe

Ich gehöre nicht gerade zu den geduldigsten Menschen. Sogar beim Teekochen schaffe ich es kaum, die erforderliche Ziehzeit einzuhalten, mir reicht da oft schon ein bisschen Farbe im Wasser. Und das, obwohl so ein Heißgetränk doch die sprichwörtliche Ausübung der Geduld ist - Abwarten und Teetrinken. Teetrinken von mir aus, Abwarten nur wenn's schnell geht.

Komischerweise bin ich bei Pflanzen wiederum die Geduld in Person. Blühste heut nicht, blühste morgen. Oder nächstes Jahr. Mir egal, ich kann warten. Solange die Pflanze nicht eingeht, bin ich erstaunlich gnädig mit ihr. 

Gewächse, die bei mir auch mal eine Blühpause von mehr als einem Jahr machen, habe ich reichlich. Genug jedenfalls, um sich in Geduld zu üben. Phlox paniculata zum Beispiel bringt es meist nicht zu einer Blüte. Mein Säulenapfel Arbat ist auch so einer. Manches Frühjahr streikt er komplett, dann wiederum hat er an einem nur wenige Zentimeter langen Abschnitt ein paar Blüten und sonst nirgendwo.

Ein weiterer Wackelkandidat ist meine einzige Herbstzeitlose.
 

Das liegt aber nicht daran, dass sie es nicht jedes Jahr tapfer versuchen würde. Die will ja blühen, die gibt immer ihr Bestes. Doch bei ihr geht es nur mit Gewalt: Da ich sie nicht auf dem Rasen oder sonstwo auf weiter Flur stehen habe, muss sie ihre Blüten dummerweise durch andere Stauden hindurch schieben.


Auf dem Weg ans Licht lauern jedoch dunkle Gestalten, die es auf Herbstzeitlosenblüten abgesehen haben. Nacktschnecken lieben schon die ersten zarten Spitzen, die sich aus dem Erdreich wagen. Kommen die Schleimer zu spät, beißen sie den Blütenstiel einfach am Boden ab und lassen den Rest liegen - welch Verschwendung!


Möchte ich die Schöne also nicht nur als Blattschmuckpflanze haben, muss ich rechtzeitig Anfang September anfangen, die Stelle mit der Herbstzeitlose freizuschneiden. Alsdann gilt es, sämtliche Übergriffe der Nacktschnecken zu vereiteln, sei es durch Absammeln oder Zerschneiden. Wenn ich diesen unvermeidlichen Arbeitseinsatz verpasse oder zu faul bin, heißt es wieder ein Jahr geduldig auf die nächste Blüte warten.

Die Belohnung für das Bewachen der rosafarbenen Giftspritze mit dem Namen 'The Giant' ist grandios: Zehn gigantische Blüten oder mehr bringt das Zwiebelgewächs hervor, wenn es nicht gefressen wird. Dieses Jahr ist die Schneckenrazzia offenbar besonders gut gelungen und es gibt fein gemusterte Blüten bis in den Oktober hinein.


Übrigens sind die Zwiebeln so teuer wie sie giftig sind. Sie kommen bereits im August in den Handel, weil sie dann noch im selben Jahr blühen. Wartet man ein bisschen mit dem Kauf, werden sie im Preis immer weiter reduziert. Packungen, in denen die Blüte schon weit ausgetrieben ist, bekommt man für die Hälfte. Der beste Zeitpunkt für ein Schnäppchen ist Mitte bis Ende September und oft noch Anfang Oktober. Mein Gigant stammt aus dem Jahr 2009 und hatte damals 1,75 Euro für eine einzige Zwiebel gekostet, was immerhin die Hälfte des ursprünglichen Preises war.
 

Doch bei solchen Schnäppchen heißt es wieder Geduld haben, denn diese Elendsgestalten werden erst im nächsten Herbst so richtig schön blühen. Aber ich kann ja warten...