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Sonntag, 19. Oktober 2014

Dahlien ganz menschlich

Dahlien und Menschen haben viel gemeinsam. Was, ihr glaubt dieser gewagten These etwa nicht? Nun, mit den runzligen, feisten unterirdischen Knollen will sich wohl niemand gern vergleichen, vielen Dank auch - mit den Blüten der schönen Mexikanerin dagegen umso lieber.




Und genau da lassen sich Gemeinsamkeiten entdecken! Dahlien werden nämlich ebenso wie viele Leute altersmilde. Will heißen: Wenn die Tage kürzer werden, lassen sich auch stolze Pflanzen mit prall gefüllten Blüten dazu herab, in der Mitte Staubgefäße freizulegen, um endlich einmal die Insekten an dem Blütenfest teilhaben zu lassen.




Das schaffen leider nicht alle Sorten - genauso wie eben auch nicht alle Menschen auf die gleiche Weise altern. Meine bis zum äußersten gefüllte Topfdahlie aber bringt es um Herbstanfang herum immer fertig, mehr oder weniger offene Blüten zu produzieren:


Schmetterlinge und Bienen sind ganz dankbar über so viel Offenheit und Großzügigkeit, da vorher nur knallige Mogelpackungen zur Schau gestellt wurden, die viel Farbe, aber wenig Nektar anbieten.

Hier die normalerweise stark gefüllte Sorte 'Rocco', die in der Mitte ein bisschen Platz geschaffen hat für kleine Insekten:

Von vornherein ungefüllte Dahlien sind natürlich immer besser für die Tierwelt - und haben noch einen großen Vorteil: Aus ihnen lassen sich besonders leicht Samen gewinnen, da ihre Blüten nicht nur Show sind, sondern tatsächlich der Fortpflanzung dienen!



Im Herbst gesammelte Früchte können im März auf der Fensterbank ausgesät und im Mai ins Beet gepflanzt werden. Sie blühen dankenswerterweise noch im selben Sommer, sind kostenlos und immer für Überraschungen gut: Wie werden die Blüten wohl aussehen - ganz die Mama oder ganz anders? Diese Spannung ist es auch, die viele Gärtner zur Anzucht der Pflanzen aus Samen verführt. Im Blog Maifelder Gartenlust kann man sich das Ergebnis der Aussaat anschauen.

Diese Art der Dahlienzucht ist zwar mühsam, vermeidet aber das lästige Überwinterungsproblem der Knollen, das ohne einen wirklich kalten Keller oder Dachboden schnell zur Katastrophe wird und eher in einer Pilzzucht endet.

Getopfte Dahlien sind dabei viel leichter zu überwintern als bodenlose Beetpflanzen - ich stelle sie einfach mitsamt Kübel auf den Dachboden, wo sie immer zuverlässig überleben. Ob die Knollen aus dem Gartenboden geholt nun trocken oder in Sand eingelagert werden müssen, daran scheiden sich die Geister. Frostfreies Klima bei um die 8 °C haben sie in jedem Fall am liebsten.

Und da hört der Vergleich mit den Menschen dann auch schon auf: Altersmilde oder nicht - nach dem Herbst des Lebens und einem erholsamen Winterschlaf fängt bei ihnen einfach ein neuer Frühling an - wie Phoenix aus der Knolle. Was eben noch schrumpeliges Speicherorgan war, ist im Mai schon wieder grün.

Die haben's gut, die Dahlien.