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Dienstag, 15. Oktober 2013

Hosta la vista

Nanu, dachte ich letzte Woche eines Abends, als ich in der Dämmerung vom Wohnzimmerfenster aus in den Garten schaute: Wer hat denn da hinten vor der Hecke Licht angemacht? Als ich genauer hinsah, erkannte ich, was das merkwürdige Wetterleuchten zu bedeuten hatte: Die komische Sonne, die da am Boden vor sich hin glimmte, war niemand Geringeres als eine meiner vielen Hostas.


Denn die guten alten Stauden namens Funkien leben nach dem Motto: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Völlig ohne Not und vor allem ohne Frost ziehen sie sich schon im Oktober aus dem aktiven Gartenleben zurück und wollen nur noch eines: endlich in den Winterschlaf. Das haben diese Stauden mit der Ballonblume (Platycodon) gemeinsam: Beide treiben im Frühjahr erst aus, wenn kaum noch kalte Nächte zu erwarten sind, und sind im Herbst bereits Kompost, wenn andere Pflanzen noch blühen. Man geht also auf Nummer sicher.

Wenn sich das Laub der Hostas über Nacht vergoldet, weiß man, dass der Sommer Geschichte ist. Trotz dieser traurigen Gewissheit sind die großen gelben Blätter aber ein wunderschöner Anblick im Herbstgarten.

Überhaupt sind die Funkien gern gesehene Schattenstauden: Sie lassen sich prima mit Zwiebelblumen vergesellschaften, da sie so spät Laub produzieren. Ihr Austrieb im Frühjahr ist die Wucht in Tüten, danach können nur Schnecken die Freude an ihnen trüben. Allerdings kommt es in meinem Garten höchstens zu Lochfraß, nie zum kompletten Verschwinden.

Die Blüte im Sommer ist so prachtvoll, dass es eine Schande wäre, sie als Blattschmuckstauden zu bezeichnen. Die Hummeln jedenfalls lieben sie.


Trotz der imposanten Blätter kommen meine Pflanzen erstaunlich gut mit sommerlicher Dürre zurecht, solange sie nur schattig stehen.



Vermehren kann man Hostas entweder über die Samen, die sie im Herbst reifen lassen, oder aber über Teilung, die nahezu immer gelingt. Die Aussaat ist besonders spannend, da man auf diese Weise seine eigenen Züchtungen erhält. Meine Pflanzen stammen alle als Ableger aus anderen Gärten, andere wurden vom Friedhof gerettet (immer im Herbst), eine sogar von einer wilden Wald-Müllkippe bestehend aus Gartenabfällen mitgenommen. Eine einzige Pflanze wohnte bereits im Garten, als ich ihn übernahm, und ich habe sie bereits mehrfach geteilt. Die genauen Sortennamen kenne ich daher überhaupt nicht.

Gekauft habe ich jedenfalls keine einzige, und das ist auch gut so, denn nur allzu leicht schleicht sich dadurch der Hosta-Virus X in den Garten ein, der sehr unschöne helle Flecken auf dem Laub verursacht.

Meine Lieblingssorten sind die panaschierten, aber auch die großblättrigen mit dem gehämmerten Laub mag ich sehr gern. Das Flaggschiff unter meinen Funkien aber ist eine ganz ordinäre, einfarbig grüne Varietät, die mittlerweile zu einem riesigen Hosta-Horst herangewachsen ist. Das war auch die, die so schön gelb geleuchtet hat. Auch die vermeintlich unscheinbarsten Exemplare haben also im Herbst ihren großen Auftritt.

In diesem Sinne: Hosta la vista, bis zum nächsten Jahr! Und schlaft gut, ihr Funkien alle!