Posts mit dem Label Goldlack werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Goldlack werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 18. April 2020

Lila Laune

Die Einjährigen Silberblätter sind los - Lunaria annua ist dieses Jahr übermütig geworden und wächst einfach überall, von vorn bis hinten im Garten. Unterm Zierapfel neigt das Kraut mit den violetten Blüten zur Grüppchenbildung und bleibt dort gern unter sich, flankiert nur von einer gleichfarbigen Tulpe.

Der Aurofalter ist jedenfalls begeistert und dort gar nicht mehr wegzukriegen. Schön sieht die Bande im abendlichen Gegenlicht aus.








Auch das Gelb das Goldlacks unter der Süßkirsche stört nicht weiter - Komplementärfarben machen sich immer gut.



Umgeben von den hellgelben Tulpen ist die Welt noch in Ordnung, das sieht sehr edel aus und fast wie geplant - doch so gern ich das behaupten würde, es stimmt einfach nicht, die lebenslustige Lunaria hat sich auch diesen Platz selbst ausgesucht.







Nur weiter vorn an der Terrasse ist die Farbharmonie doch etwas gestört. Während der Garten in Gelb, Lila, Blau, Weiß und Rosa noch durchaus als geschmackvoll zu bezeichnen wäre, wenn man beide Augen zudrückt und wirklich nur die Farben meint und nicht den Wildwuchs, in dem sie stattfinden, wird man in den terrassennahen Beeten nur in Schwarz-Weiß wirklich glücklich. Hier hocken sie nämlich, die aufmüpfigen Rebellen der Zwiebeltruppe: Die schon mehrere Jahre alten roten Tulpen. Und genau daneben musste sich natürlich auch ein Silberblatt einquartieren. Dort, wo sonst nie eins war.


Doch die rote Tulpe neben der lila Blüte ist ein farblicher Fehltritt und nichts für Feinsinnige. Dabei gibt sich diese Lunaria ja sogar alle nur erdenkliche Mühe und versucht, den maximal möglichen Rotton zu erreichen, der im Violett drinsteckt. Das nenne ich Einsatz.




Trotzdem ein sehr starker Kontrast. Aber was soll man machen, die Tulpen waren zuerst da und das Silberblatt geht auch irgendwann wieder. Mehrjährig sind sie nie, und so werden die Karten im nächsten Jahr neu gemischt. Dann vielleicht mit einer harmonischeren Farbzusammenstellung.

Nächstes Jahr mische ich dann zusätzlich etwas Weiß als Friedensstifter dazwischen. Ich habe nämlich die weiße Form von Lunaria annua gesät und hoffe, dass sie sich ebenso wohlfühlen wird wie der wildfarbene Rebell. Man darf gespannt sein, ob es klappt. Bald ist die rote Tulpe verblüht, viel eher als es das Silberblatt sein könnte. Dann ist auch wieder Ruhe im Beet.

Samstag, 14. April 2018

Die Überlebenden

Im Frühjahr würde man sich am liebsten in den Garten stellen und rufen: "Seid ihr alle da?". Aber mal abgesehen davon, dass die Nachbarn das komisch finden würden, wird keine Pflanze antworten. Nach dem Winter ist das Rätseln also immer groß, welches Grünzeug den Frost wohl überlebt hat.

Die Lenzrosen zum Beispiel. Die lagen bei den starken Frösten mitleiderregend darnieder und haben versucht, sich unter der Kälte wegzuducken. Hat geklappt, bravo!



Diese Helleborusse, die ich vor vier Jahren als winzige Babies von Silke (Wildwuchs unter Aufsicht) bekommen habe, sind endlich erwachsen geworden und blühen in rosa und weiß. Und was hatten wir erst für einen schlechten Start! Die Amseln haben die Winzlinge ständig aus den Anzuchttöpfen gejätet, ich sie wieder eingepflanzt, dann wurden sie wieder rausgerupft. Es war ein ewiger Kampf.

So sahen sie vor einem Monat aus:

 
Und jetzt so:



Es sind wirklich Prachtkerlchen geworden.




Der Goldlack ist ein anderer Fall. Ich glaube zwar nicht an die Zahnfee, aber war immer fest davon überzeugt, dass er so ziemlich jeden Winter überleben kann, wenn man fest an ihn glaubt. Bei meiner Mutter im Garten klappt das nämlich immer, aber ihrer steht auch an die Hauswand angekuschelt einigermaßen geschützt.


Meiner hat auch mehrere Jahre hintereinander durchgehalten und geblüht, aber dieser Winter war zuviel für ihn. Der Großteil der Zweige ist verfroren. Die Minderheit gibt Anlass, wieder ein bisschen an seine Unsterblichkeit zu glauben. Dazu gibt es Jungspunte, die gekeimt sind. Zur Nachwuchsförderung habe ich alles verfrorene über ihnen abgeschnitten, sodass sie nun auch Sonne bekommen.

Der Unterschied zu dem Anblick vor zwei Jahren ist jedenfalls deutlich - und traurig:

Und was gibt es sonst für Überlebende nach diesem Winter, der erst zart, dann hart war? Nach dem Mallorca-Urlaub ist es, als würde man den Garten im Zeitraffer sehen, denn während der Woche Abwesenheit ist so viel passiert!


Der Rauling (Trachystemon orientalis) hat sich gründlich seine erste Charge Blüten verfrieren lassen, aber überraschenderweise neue Knospen getrieben.


Toll, dass das Raubein doch kein Totalschaden geworden ist dieses Jahr. Ich hatte ihm aber auch im Januar noch schnell einen Tannenzweig, den ich im Park gefunden hatte, und einen Topf aufgelegt. Die Heckenbraunelle kam von selber, hat ihn aber nicht ausgebrütet:



Auch der neue Salbei macht Sorgen und treibt nur an wenigen Trieben aus, aber er wird wieder grün.


Die Herbstanemone "Andrea Atkinson" scheint im Gegensatz zum Bronze-Fenchel, der noch fraglich ist, doch kein Ausfall zu werden, obwohl es erst so aussah. Man pflanzt sie eben doch besser im Frühjahr und nicht erst im August.

Die Stinkende Nieswurz blüht unerschütterlich, obwohl sie viele erfrorene Blätter hat.




Die Narzissenzwiebeln, die ich im Herbst in Töpfe an der Hauswand gepflanzt hatte, hat es allerdings mit Mann und Maus zerrissen. Die sind Matsche und ich betrübt. Das war das letzte Mal, dass ich Blumenzwiebeln in Kübeln versuche. Das wird einfach nichts.

Kein Mangel wird dieses Jahr an Knoblauchsrauke herrschen. Die haben gekeimt, was das Zeug hält:


Wenigstens auf das sogenannte Unkraut ist Verlass. Da kann der Winter ja noch so schlimm sein. Und nun frage ich nochmal: "Seid ihr jetzt alle da?"

Samstag, 9. April 2016

Es mendelt

Das hatte ich mir so schön vorgestellt: Einmal im Leben wollte ich eine neue Pflanzensorte züchten. In einer wahnsinnigen Farbe, die die Welt so noch nicht gesehen hat. Staunen sollte man, und das nicht zu knapp.

Ich jedenfalls habe vor zwei Jahren im Garten meiner Mutter sehr gestaunt, als ich in ihrer Goldlackecke eine Pflanze in ganz hellem Gelb fand, so hell wie ein Zitronenfalter. Goldlack ist ja nicht immer goldig, er kann auch rot, braun oder orange sein. Sogar die Knospenfarbe kann sich oft nicht zwischen Grün und Braun entscheiden.
 
Diese zitronensorbet-farbige war jedenfalls ein Knaller - so sanft wie selten. Eine minutenlange Internetrecherche brachte jedenfalls keine solche Sorte zutage. Hier bestand Handlungsbedarf! Die neue Auslese hatte sogar schon einen Namen: Ich würde sie 'Zitronenfalter' nennen.

Hier ist die Sensation neben quietschgelbem Goldlack zu sehen:




Die Pelzbienen und ihr Brutparasit, die Trauerbiene, waren sich schon mal einig, dass diese Pflanze fantastisch ist. Auch ein echter Zitronenfalter, die Graue Sandbiene und ein Taubenschwänzchen kamen zum Goldlack.




Ein Problem galt es aber noch aus dem Weg zu räumen: Meine Mutter ist immer sehr ordentlich und schneidet alles, was nur entfernt nach Samenstand aussieht, unverzüglich ab. Ein Wunder, dass sich der Goldlack trotzdem durch Aussaat vermehren kann. Vielleicht hat er manchmal Glück, und meine Eltern sind zur Samenreife im Urlaub.

Immerhin konnte ich ihr das Versprechen abringen, mir von dem hellgelben Exemplar die Schoten mitzubringen.

Hat sie auch gemacht - in grünem Zustand. Grün ist zwar die Hoffnung, aber hier hatte ich doch davon wenig, da die Samen wohl noch ganz unreif sein würden. Nach dem Trocknen säte ich sie trotzdem aus.

Und noch ein Wunder: Sie keimten. Alle.

Dieses Jahr blühen sie nun gemeinsam in meinem Garten, hübsch im Kreis herum unter der Süßkirsche, was zugegebenermaßen nicht besonders ordentlich aussieht. Aber wer züchten will, muss leiden.


Nur leider ist der große Durchbruch noch in weiter Ferne: Nicht alle Pflanze sind hellgelb. In knalligem Narzissenwarnton leuchtet der Rest vom Goldlack nun schon seit Dezember im Garten herum. Da mendelt es aber ganz gewaltig. Wie man sieht, sind Blüten dabei, die einen weißen Rand haben - auch nicht von schlechten Eltern.

Nun muss ich von den Pflanzen in Wunschfarbe wieder Samen abnehmen und irgendwann wird vielleicht ein reinrassiger 'Zitronenfalter' dabei herauskommen. Doch dafür brauche ich wohl eine große Versuchsfläche. Und so ist meine Züchterkarriere erst ganz am Anfang...