So, jetzt habe ich nach langer, eingehender Feldforschung die ultimative Gärtnerwaffe gegen den Treibhauseffekt entdeckt: Den Blasenstrauch (Colutea arborescens). Der heißt nämlich nicht so, weil er Blasenleiden kurieren kann, sondern weil er so lustig aufgeblähte Schoten hat. Und die sind praktischerweise mit dem bösen Kohlendioxid gefüllt, was sie so luftig-leicht macht. Prima, da hätten wir also das gemeine Gas feinsäuberlich zu etwas ungemein zierendem aufgewertet.
Ach so, das muss auch irgendwann wieder raus? Mist, jetzt wird es also wieder nichts mit dem Nobelpreis. Die Schoten sind wohl doch nur in etwa so hilfreich wie ein aufgeblasener Luftballon, aber immerhin biologisch abbaubar. Weil der Blasenstrauch jedoch so schön blüht, und das zu einer Zeit, wo das nicht mehr allzu viele Gehölze tun, nämlich im Sommer, hat er sich von mir aus trotzdem einen Preis verdient. Wenn schon nicht den zur Rettung des Weltklimas, dann aber auf jeden Fall den Kleinen Gartenpreis.
Der Strauch von überschaubarer Größe hat eine lange Blütezeit und eine noch längere mit Fruchtbehang, irgendwann sogar beides gleichzeitig. Selbst jetzt kann man noch letztjährige Schoten finden, dann aber farblich etwas derangiert und nicht mehr mit jugendlicher Spannkraft.
Bielefeld hat im Innenstadtbereich an einer vielbefahrenen Hauptstraße (Heeper Straße Ecke Hermann-Delius-Straße für Blasenstrauchtouristen) einige von den Blasenträgern stehen, die bisher noch jeden Winter überlebt haben. Autoabgase und Streusalz also auch. Als Zusatzqualifikation sind sie außerdem noch trockenheitsverträglich. Colutea ist der wahre Held der Straße!
Und weil die Pflanze auch noch eine Attraktion für seltene Wildbienen ist, die auf Schmetterlingsblüter fliegen, musste ich natürlich unbedingt Samen von diesen Straßenbegleitblasen sammeln gehen. Also habe ich mit dem Fahrrad dort angehalten und mich als Strauchdieb betätigt, indem ich mich vor dem fließenden Verkehr zum Affen gemacht und Blasen zum Platzen gebracht habe, um an die pechschwarzen, etwa linsengroßen Körner zu kommen.
Vor einigen Wochen dann habe ich mich an die Aussaat gewagt. Obwohl der Strauch so einen robusten, urwüchsigen Eindruck macht, möchten die Samen gern mit warmem Badewasser verwöhnt werden. Nach 24 Stunden Einweichen sieht man gleich, wer das Rennen machen wird, denn die besten Samen wachsen dabei über sich hinaus und quellen schön auf. Da die Sträucher eher mageren Boden mögen, habe ich sie in Kokos-Quelltöpfe gesät. Dann heißt es trotzdem Geduld haben, denn gute vier Wochen dauerte es dann auch noch, bis sich endlich etwas tat im Fensterbankgewächshaus:
Rundliche Keimlinge mit Kindchenschema wecken große Erwartungen. Der dickste Samen hat am Ende auch das feisteste Pflänzchen ergeben.
Ich bin gespannt, ob die Kerlchen auch groß werden, so dass ich in ein paar Jahren meine eigenen Blasen im Garten habe! Denn diese handliche, hübsche Bienenweide hat es wirklich verdient, öfter gepflanzt zu werden.

