Der urbane Dschungel ist gerade so richtig im Trend. Die ganze Wohnung oder das ganze Haus wird in ein grünes Zimmerpflanzendickicht verwandelt, dazu ist der restliche Einrichtungsstil dann eher minimalistisch gehalten und kommt ohne Schnickschnack aus.
Ähnlich wie bei Hunderassen, die dann massenweise und nicht immer tierfreundlich gezüchtet werden, kommen dann auch plötzlich Pflanzen in Mode, die einige Jahrzehnte lang als völlig verstaubt galten und es vermutlich auch waren, dort, wo es sie in einem einsamen Zimmer noch gab. Jeder, der noch so einen ehemals altmodischen grünen Freund zuhause hat, ist mit einem Mal zum Trendsetter aufgestiegen! Sansevierien, Brutblätter und Gummibäume sind so ein Fall.

Das mit dem Dschungelfieber kann dann schon einmal seltsame Blüten treiben. So wie bei einer Pflanze, die bei uns sogar recht selten, wenn überhaupt zur Blüte gelangt. Das Fensterblatt, besser bekannt als Monstera deliciosa (wegen ihrer essbaren Früchte, die sie bei uns aus einleuchtendem Grund noch weniger oft ausbildet als die Blüten), ist das Flaggschiff der Dschungel-Kultur. Jeder will sie haben, zur Not auch gedruckt auf Textilien oder Tapeten.
Für eine panaschierte Sorte kann man dann schon mal richtig Geld hinblättern, das ist dann die Blaue Mauritius unter den Zimmerpflanzen: Die Sorte 'Thai Constellation' mit weiß gesprenkelten Blättern bekommt man nur selten im Handel, und wenn, dann nur für einen dreistelligen Betrag. Nicht auszudenken, wenn sie durch einen Pflegefehler umkommt! Wer sie aber sein Eigen nennt, ist der Star auf Instagram.
Da junge Pflanzen die markanten Fenster, also die luftigen Löcher in den Blättern, die erst für so ein richtiges Dschungel-Gefühl sorgen, noch nicht ausgebildet haben, sind ältere Pflanzen von einem Meter Höhe auch noch mal um ein Vielfaches teurer als die fensterlosen Knirpse. Für so einen schweizer Käse in Pflanzenform muss man dann schon mal 70-80 Euro hinblättern. Natürlich nur, wenn die Blätter einfarbig grün sind. Panaschierung kostet extra, siehe oben.
Doch egal, wie teuer die Pflanze war, die bei uns einzieht, bei den käuflichen weiß man nie, wie nachhaltig sie gezogen wurde. Wurden Pestizide benutzt oder Treibhausgase bei der Anzucht unter Glas freigesetzt? Ich habe mir vorgenommen, keine Zimmerpflanze mehr zu kaufen, sondern alles selbst heranzuziehen aus Ablegern oder Samen. Das klappt nun auch schon über ein Jahrzehnt ganz hervorragend.
Und jetzt hatte ich das große Glück, eine Monstera bei einer Blogverlosung bei Claudia zu gewinnen! Und nicht etwa irgendeine! Das Fensterblättchen hat Claudia eigenhändig aus Samen gezogen, die aus einer Frucht von Madeira stammen, wo diese Ananasbananen genannten Kolben auf dem Markt als Obst verkauft werden. Sehr nachhaltig also!
Allerdings war das Wetter für einen Pflanzenversand von Haus zu Haus nicht gerade tropisch. Nicht, dass sich die Monstera einen Kälteschaden holt von zuviel Zugluft im Fensterblatt? Zum Glück ist alles gut gegangen, im Karton war es anscheinend noch warm genug.
Zur Begrüßung gab es erst einmal einen Schluck Bielefelder Regenwasser. Es wurde bei Zimmertemperatur serviert.
Und mein Monster hat sogar schon Löcher in den Blättern! Was bei den meisten anderen Pflanzen nichts Gutes bedeutet und alles sein kann von Hagelschaden bis Insektenfraß, ist bei dieser Art ein Zeichen von Reife.
Sie soll nun meinen Home-Office-Arbeitsplatz verschönern, bis sie zu groß für diesen Standort geworden ist.
Da sie früher oder später sowieso einen größeren Topf braucht, habe ich dem jetzigen Übertopf, der einen Zentimeter zu niedrig ist, einfach etwas zum Anziehen gesucht. Eine Papiertüte ist als Übergang ganz hübsch, am Ende habe ich mich dann für den Kaffeesack entschieden.
In naher Zukunft muss ich der Monstera einen Rankstab und einen großen Übertopf besorgen – und irgendwann ist das Dschungelfeeling dann perfekt!
Danke, liebe Claudia, für das schöne, nachhaltige Geschenk!