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Montag, 7. September 2015

Schatzsuche auf der Schatzalp

Wie ihr wisst, sammle ich botanische Gärten wie andere Leute Facebookfreunde. Nun fehlte zu meiner Sammlung aber noch der Besuch eines richtigen Alpinums. Und ich meine hier nicht so eine ebenerdige Veranstaltung mit ein paar gewichtigen Felsbrocken, wie man sie früher unter dem Namen Steingarten in vielen Hausgärten angetroffen hat. Mittlerweile sind Steingärten ein wenig aus der Mode gekommen. Ein echtes Alpinum ist aber von ganz anderem Kaliber, besonders wenn es auch stilecht in den Alpen liegt und das gesamte Who-is-Who der Pflanzenwelt auf großer Höhe zeigt. Hier blühen die Pflanzen genau dann, wann sie eben so blühen und wenn der Berg ihnen gnädig gestimmt ist - also auf jeden Fall später als im verweichlichenden Flachland. Man erlebt die Arten daher genau in ihrem Element.

Der Vorteil an so einem Alpen-Alpinum ist gleichzeitig der Nachteil: Der Besuch kann sehr anstrengend werden und sollte generalstabsmäßig geplant sein, denn er fällt oft ins Wasser, und zwar in jedwedem Aggregatzustand. So auch letztes Jahr, als ich den Alpengarten auf dem Schachen bei Garmisch Partenkirchen angucken wollte, er aber Anfang September so zugeschneit war, dass man nur Eisblumen hätte sehen können.

Dieses Jahr hat es dann mal geklappt: Es war wieder Anfang September und das Alpinum auf der Schatzalp in Davos sollte erst in ein paar Tagen zuschneien. Also nichts wie hin! Im Gegensatz zum Schachen ist der Aufstieg zur Schatzalp geradezu einfach und auch mit Einsteiger-Kondition zu schaffen. Man könnte sogar eine Zahnradbahn für sich einspannen, aber meine Oberschenkelmuskeln sollten sich schließlich auch nicht zu sehr in Sicherheit wiegen.


Das Alpinum liegt hinter dem großen Hotel und kostet 5 Schweizer Franken Eintritt. Dafür bekommt man auch viele beschriftete Stauden zu sehen, die nicht zwingend aus den Alpen stammen, sondern auch aus anderen Ländern oder Erdteilen, Hauptsache sie schaffen das in 1900 m Höhe. Leider waren genau die Pflanzen, die mich ganz besonders brennend interessiert haben, nicht mit einem Schild ausgestattet. Dafür gab es Edelweiße aus aller Herren Länder und sogar in verschiedenen Sorten, die man auch kaufen kann.




Um das Hotel herum befinden sich weitere Staudenbeete, Topfpflanzen und viele Ideen für das günstige Gärtnern, noch dazu im freien Bereich, wo man keinen Eintritt zahlen muss. Dies hier ist der Frauenschuhgarten, der bepflanztes Schuhwerk zelebriert.


An der Hotelterrasse sieht man, dass Monarden neben Eryngium gut aussehen können und auch Fackellilien nicht fehl am Platze sind.






Der Obergärtner passt auf, dass nur die richtigen Pflanzen gejätet werden und vor allem die Katzenpfötchen dableiben - er behält immer den Überblick.

Der kurze Abstecher zur Strela-Alp lohnt sich auch noch, hier fand ich auf der Almwiese Trollblumen, Augentrost, Wiesen-Knöterich und Herbstzeitlosen.

Der September war sicher nicht der optimale Zeitpunkt für einen Besuch, doch es blühte immer noch viel - und ich habe endlich ein waschechtes Alpinum gesehen!

Mittwoch, 14. September 2011

Zwei Schweizer Gärten

Wer ohne ein paar Katzenhaare (gern auch Hundehaare) am Pullover aus dem Haus geht, ist nicht gut gekleidet.
Selbst nach einer Woche Urlaub ohne Katzenbegleitung findet man immer noch welche, obwohl die Reisegarderobe nachweislich auf dem kürzesten Wege von der Wäscheleine in den Koffer gewandert ist.
So anhänglich Katzenhaare auch sind, so wenig taugen sie als Devisen.

Das macht sich vor allem in der Schweiz negativ bemerkbar.
Wer sein Gehalt in Euro überwiesen bekommt, fühlt sich dort so richtig unterbezahlt.
Alles ist so teuer, dass man seinen kompletten Reiseproviant am besten mitbringt und möglichst mit dem Zug anreist, um bloß nicht in die Verlegenheit zu kommen, ein Parkhaus bezahlen zu müssen.
Besucht man außerdem die Stadt Zürich, kommt man sich nicht nur mittellos, sondern auch noch schlecht gekleidet vor - so elegant wirken die Stadtbewohner dort, mit oder ohne Katzenhaare.

Aber Zürich ist auf jeden Fall eine Reise wert und besitzt ein paar faszinierende und vor allem kostenlose botanische Sehenswürdigkeiten.



Da wäre zum einen der botanische Garten, dort fühlt man sich auch nicht underdressed!

Allein der Aufgang von der Zollikerstraße ist schon beeindruckend:


Das Gelände ist hügelig, wie man sieht, so dass man von einer Attraktion nach der nächsten überrascht wird.

Am faszinierendsten fand ich das Nutzpflanzenbeet.
Viele der Exponate hatte ich noch niemals gesehen, wie zum Beispiel die Menschenfressertomate (Solanum viride). Die heißt nicht so, weil sie Menschen frisst, sondern weil sie als Sauce zubereitet hervorragend zu Menschenfleisch schmecken soll. Naja, Mahlzeit.....

Desweiteren wären dort die Rote Aubergine (Solanum aethiopicum) zu bewundern:

 
Solanum aethiopicum
... sowie eine sagenhafte Auswahl Chilies:


Indischer Spinat (Basella alba)

Faselbohne

Der wahrscheinlich größte Topinambur der Welt, größer als die Baumtomate...

Die Schaugewächshäuser waren leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen:


Überall wuchsen Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens):


Im Steingarten blühte unter anderem noch Allium ramosum neben Herbstzeitlosen und gelbem Fingerhut:




Dreiblättrige Orange (Citrus trifoliatus)

Insektenhotel - links Strangfalzziegel, sehr empfehlenswert!

Breitwegerich (Plantago major) ‘Purpurea’, kein Unkraut!

Und zu guter Letzt noch die lustigste Hinweistafel, die ich je in einem botanischen Garten gesehen habe, bitte vergrößern zum Lesen, es lohnt sich:



Nach dieser Artenfülle ging es weiter zum Rechberggarten, der nicht so sehr botanisch, als hochherrschaftlich daherkommt, aber ebenfalls keinen Eintritt kostet:

Birnenspalier




Von den Aussichtspunkten der Stadt kann man außerdem viele Dachgärten entdecken. Es sind wahre Schmuckstücke darunter.


Leider kann man die ohne Vitamin B nicht besichtigen.
Und davon habe ich in Zürich genausowenig wie Schweizer Franken...