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Samstag, 26. August 2017

Neue Liebe: Andrea Atkinson

Ich habe mich getrennt. Wegen Andrea Atkinson. Getroffen habe ich sie in Münster auf dem Bloggertreffen bei Volmary. Sie gab sich zunächst etwas verschlossen, aber ich habe ihr romantisches Potential gleich erkannt, schließlich hat sie mir auch sofort ihre Visitenkarte gezeigt. Also habe ich sie eingeladen, mit nach Bielefeld zu kommen. Erst war sie etwas geknickt, weil sie im Kofferraum mitfahren musste, aber es hat doch ein gutes Ende genommen.

Und dann musste ich mich für Andrea, die mit vollem Namen Anemone hupehensis 'Andrea Atkinson' heißt, von einer anderen weißen Dame trennen, nämlich von Spiraea cinerea 'Grefsheim'. Das tat mir wirklich unendlich leid, denn der Strauch und ich kennen uns jetzt auch schon seit 12 Jahren. Aber sie blühte nicht mehr, weil ihr alles zu schattig wurde. Im Gegenzug verschattete sie meine Stauden, was die wiederum gemein fanden.



Also wollte ich sie mal eben ausgraben. Der Spaten war schnell bei Fuß, ich habe ihn beherzt neben dem Strauch in die Erde gerammt und bin wild drauf herum gehopst. Das hat auch ordentlich Eindruck gemacht. Ungefähr zwei Zentimeter tief. Noch hätte ich es mir der Spiraea zuliebe anders überlegen können, aber ich habe mir doch Verstärkung geholt. Mein Mann und ich haben sie schließlich erfolgreich ausgegraben. Es war aber ein Knochenjob, das kann ich euch sagen. Ich kam mir bei dem gemeinen Meuchelmord auch ganz schäbig vor - und nicht nur, weil Jacke und Hose ganz schmuddelig aussahen am Ende. Pflanzentrennungen sind nie schön und eine schmutzige Angelegenheit - ein Rosenkrieg eben.

Die Nachbarpflanzen atmeten am Ende aber geradezu auf, als der Spierstrauch weg war. Natürlich auch, weil wir es doch geschafft hatten, nur geringe Kollateralschäden bei den Stauden anzurichten.

Eine weiße Herbst-Anemone hatte ich noch nicht. Mal schauen, ob Andrea Atkinson und ich uns auf Dauer verstehen werden. Jetzt blüht sie aber erst einmal zum Verlieben schön - und hat noch viele Knospen, die aussehen wie Popcorn.





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...und dann hatte ich neulich eine handgeschriebene Karte im Briefkasten von den Stadtgärtnern. Das grüne Kleeblatt über dem Glücksschweinchen kann man abtrennen und einpflanzen, damit daraus ein Instant-Blumengruß wächst. Eine gute Sache mit Zukunftsperspektive, um mehr Grün unter's Volk zu bringen - für die Insekten und zum Freuen.



Ich fand die Idee so gut, dass ich gleich noch mehr von den Karten bestellt habe, denn die Stadtgärtner waren so nett, mich zum Shoppen einzuladen. Auch perfekt für das beengte Leben in der Stadt ist dieses Pflanzregal aus einem recycelten Zwiebelsieb - vorher im horizontalen Gewerbe tätig für die Aufbewahrung von Zwiebeln hat es nun eine tragende Rolle.




Wenn man es aufhängt - hier an meiner Efeuwand - kann man es nach Herzenslust bepflanzen oder einfach kleine Gartengeräte darin aufbewahren. Hier genießen die Aussicht: Basilikum, Aztekisches Süßkraut (Lippia dulcis) und Salbei (alle vom Bloggertreffen bei Volmary).

Vielen Dank an die Stadtgärtner für die gelungene Überraschung!

Donnerstag, 22. August 2013

Brautschau

Auf meinem Schulweg damals kam ich an einer Spierstrauch-Hecke vorbei, die im Frühjahr einfach grandios aussah - wie ein übergroßer Brautstrauß. Ich kann nicht mehr sagen, ob es eine Spiraea arguta oder eine betulifolia war, jedenfalls blühte sie weiß - und das üppig, obwohl sie so streng geschnitten war. Wenn wir an diesem Grundstück vorbei kamen, wurde meine Mutter nie müde zu erwähnen, wie sehr Spierstrauchblüten stinken. Dennoch stand für mich eines schon in jungen Jahren fest: Wenn ich groß bin, habe ich auch eine weiße Spiraea. Keine edle - und vor allem duftende - Rose sollte es sein, nur dieses eine, wenig extravagante Gehölz.


Die Hecke gibt es mittlerweile nur noch in Fragmenten, einem Neubau sei Dank, aber groß bin ich inzwischen geworden. Meinen Wunsch von damals hatte ich allerdings nie vergessen. Bei der nächstpassenden Gelegenheit, als wir im Reihenhausgarten gerade Rasen abgestochen hatten, holte ich mir für wenig Geld einen kleinen Strauch aus dem Gartencenter - wenn doch alle Kindheitsträume so einfach zu erfüllen wären!

Meine Wahl war auf die grazile Spiraea cinerea 'Grefsheim' gefallen, eine frühblühende Variante Marke Brautstrauß, die praktischerweise immer zeitgleich und farblich abgestimmt mit meiner Süßkirsche blüht.


Dieser Strauch mit seinem immer gepflegten graugrünen Laub ist wirklich ohne Fehl und Tadel, sieht stets adrett aus und meldet sich nie krank. Eine zweite Blüte hat er leider nicht, höchstens eine ganz minimalistische im September an den Triebenden.

Und weil ich diese Spiraea so gern habe, wollte ich sie auch einmal vermehren. Ich habe zwar gar keinen Platz für noch ein Exemplar, aber meine Neugier musste einfach befriedigt werden. Würde ich es schaffen, diese zauberhafte Sorte zu vervielfältigen?

Überall steht geschrieben, dass man Spiersträucher durch Stecklinge vermehren kann. Aus Samen schon mal nicht, das stand scheinbar fest. Also steckte ich zu jeder Jahreszeit, die ich finden konnte, ein paar abgeschnittene Äste an schattige Plätze im Garten. Und siehe da - sie vertrockneten allesamt, das aber zuverlässig. Statt 'Grefsheim' sah das eher nach 'Altersheim' aus. Jetzt hatte ich also eine sichere Möglichkeit entdeckt, Äste dieser Pflanze umzubringen, mehr nicht.

In der Vase wollten sie auch lieber nicht wurzeln, dabei hatte ich so schon erfolgreich ihre bucklige Verwandtschaft, die Weidenblättrige Spiere (Spiraea salicifolia), zum Austreiben bewegt. Es sah also so aus, als wollte sich die Dame von mir persönlich eher nicht vermehren lassen.

Einige Jahre und mehrere fruchtlose Versuche später entdeckte ich beim Kompostverteilen im April an der Strauchbasis Jungtriebe in einiger Entfernung zu den älteren Zweigen - gerade weit genug weg, um einen Keil zwischen sie und den Hauptstrauch zu treiben. Wenig euphorisch stocherte ich also etwas mit dem Spaten an ihnen herum, bis ich mehrere dieser zarten Wesen in der Hand hielt. Welch Wunder - sie hatten tatsächlich schon von Haus aus einige feine, aber vielversprechende Wurzeln!

Diesmal wollte ich alles richtig machen. Ich setzte sie in Töpfe mit Blumenerde, stellte sie schattig auf und wässerte sie pflichtbewusst. Schon nach ein paar Monaten zeigten sich immer mehr neue Jungtriebe, die aus dem Substrat wuchsen. Die ältesten Zweige wuchsen ebenfalls ganz hervorragend, so dass das Ganze im Sommer schon aussah wie eine richtige Spiraea!

Jetzt hätte ich zwar bald eine richtige Hecke, aber leider ist mein Garten immer noch zu voll. Also muss mein Grefsheim-Nachwuchs ausziehen. Eine Idee, wo ich die Jungspunde hinpflanze, habe ich auch schon: Vorne in eines der Siedlungs-Gemeinschaftsbeete. Wer weiß - vielleicht sieht sie ja dort jemand auf dem Schulweg und der nächste Kindheitstraum ist geboren?