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Samstag, 9. Juli 2011

Superhelden

Superhelden haben es auch nicht leicht. Jeder erwartet von ihnen, dass sie überall die Welt retten, und zwar ein bisschen plötzlich. Geschäftszeiten interessieren niemanden - Schönheitsschlaf ebenso wenig (vielleicht sind deswegen viele Superhelden maskiert).
Und zu allem Überfluss müssen sie auch noch in den lächerlichsten Klamotten überhaupt herumlaufen.
Erwachsene Männer oder auch Damen in Strumpfhosen, mit Umhang und möglichst noch am hellichten Tag - da muss man schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein mitbringen. Aber Kunststück - mit Superkräften.

Normalsterbliche, die in der Fußgängerzone Eindruck schinden wollen, sollten sich ein solches Kostüm dagegen nur dann anziehen, wenn sie der staunenden Menge auch wirklich glaubhaft versichern können, dass sie jederzeit die nächste Hauswand emporklettern könnten, aber gerade zu sehr in Eile sind. Ansonsten verkehrt sich die Wirkung doch schnell in ihr Gegenteil. Hier kommt erneut der Gesichtsmaske erhebliche Bedeutung zu. Außer, es ist eine Bank in der Nähe, dann Obacht.

Botanische Superhelden haben so eine Maskerade gar nicht nötig. Sie überzeugen auch so, meistens mit inneren Werten.
Der Staudensuperheld schlechthin kann aber noch mehr - er beeindruckt schon durch schiere Körpergröße, die den Gärtner locker in den Schatten stellen kann. Im wahrsten Sinne.

Die Rede ist von der Stockrose (Alcea rosea). Allerdings ist der Name eine Mogelpackung, denn sie ist genausowenig eine Rose, wie Superman von der Erde stammt.
Sie gehört zu den Malven, daher wird sie auch korrekter Stockmalve genannt.
 

Ihren großen Auftritt hat sie ab etwa Juli.
Sie gehört in den Bauerngarten wie Lois Lane zu Clark Kent, macht aber auch andernorts eine gute Figur, nämlich immer eine schlanke, aufrechte.




Im Gegensatz zum Gemeinen Superhelden kann und darf sie einfach alles tragen. Rüschen stehen ihr genauso wie einfache Blüten, auch jede Farbe passt zu ihr. Die Palette reicht dabei von weißlich über Gelb und Rosa und bis hin zu fast schwarz:


Nur Blau weigert sie sich beharrlich zu tragen. Das hat sie dann doch mit der Rose gemeinsam.

Knospen

Nicht nur oberirdisch überzeugt die Stockrose mit ihrer schieren Größe, auch im Untergrund erreicht sie Superlative - der langen Pfahlwurzel ist es geschuldet, dass man die kurzlebige Staude nicht so einfach umsetzen kann, wenn sie eingewachsen ist.


Macht aber nichts, schließlich geht die Aussaat kinderleicht. Traditionsgemäß werden Stockrosensamen über den Gartenzaun weitergegeben oder gar bei einem Spaziergang an fremder Gartengrenze mitgehen lassen.




Die Samen keimen extrem gut und siedeln sich zur Not auch in der kleinsten Pflasterfuge an.

Aber auch dieser Superheld hat sein Kryptonit, und zwar Licht, beziehungsweise das Fehlen desselben.
Denn nichts ist schlimmer für die größenwahnsinnige Malve, als wenn sie im zarten Keimlingsalter böswillig von Gegenspielern beschattet wird. Das überlebt sie nicht.

Daher scheiterte auch mein Superhelden-Sozialhilfeprojekt im Vorgarten.
Die Besiedlung von kleinsten Bröckchen Erde in anderen Gärten verleitete mich zu der irrigen Annahme, dass auch mein kleines Beet die Bühne sein könnte für ein stattlliches Stockrosen-Ensemble.
Aber da hatte ich die Rechnung ohne die vorhandenen Stauden gemacht. Nur ein einziger der breit ausgestreuten Samen keimte und überlebte auch - blöderweise direkt hinter und halb in der Buchsbaumhecke.
Jetzt haben die Nachbarn mehr davon als ich, dabei hat das Prachtstück auch noch genau meine Malven-Wunschfarbe - das zarteste Rose, das man sich nur vorstellen kann:


Das Vorziehen in Töpfen bis zum jugendlichen Alter ist daher anzuraten, wenn größere Konkurrenz zu erwarten ist.

Das oben gezeigte Exemplar wurde übrigens das ganze Jahr noch nicht einmal gewässert - noch eine fabelhafte Eigenschaft, die nicht unerwähnt bleiben darf.

Also ran an die Stockrosen zum Samensammeln - denn Superhelden braucht das Land!