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Sonntag, 1. Januar 2012

Neues Jahr, neues Glück

Die Christrosen haben verschlafen, die Scillas und Schneeglöckchen zeigen viel zu früh ihre Spitzen und das Wetter ist im Großen und Ganzen eher herbstlich gewesen. Und doch lügt der Kalender nicht: Es ist der erste Januar 2012!

 
Zeit, die Vorsätze für's neue Jahr niederzuschreiben. Aber halt, das wird ja doch wieder in Tränen enden, denn vor dem Vorsatz ist nach dem Vorsatz, und wir alle wissen nur zu gut, was mit den ach so guten Vorsätzen vom letzten Jahr passiert ist. Breiten wir den Mantel des Schweigens darüber. Ein guter Vorsatz hat eine Halbwertszeit, die noch geringer ist als die von Schokolade, die zur freien Verfügung auf dem Tisch herumliegt. Nur, dass letztere besser schmeckt. Vorsätze schmecken in der Regel gar nicht mal so gut, handeln doch die meisten vom wie auch immer gearteten Fasten, von körperlicher Qual um der Fitness willen oder von arg viel Selbstdisziplin. Lediglich um mein Gewissen zu beruhigen mach ich's jetzt doch. Ich schreibe sie auf, dass alle Welt sie lesen kann, meine superguten Vorsätze für das neue Jahr:
  1. Zum Anwalt der Schwachen werden und die ganz kleinen Stauden diesmal besser vor der grünen Übermacht der großen schützen, bevor sie an Schwindsucht sterben.
  2. Mut zur Lücke - auch mal eine Pflanze auslassen, damit es die Stammbelegschaft etwas geräumiger hat. Zur Not Stauden zur Adoption freigeben.
  3. Nur noch Gartenzeitschriften kaufen, die mich für mehr als eine halbe Stunde ans Sofa fesseln und nicht nur schöne Bilder zeigen.
  4. Pilze auswendig lernen, damit ich sie im Wald besser mit Namen ansprechen kann. Ich kann mir nämlich deutlich besser die Vornamen von schwedischen Möbelstücken merken, als den Namen vom Ungezonten Violettmilchling (Lactarius uvidus), um nur ein Beispiel zu nennen. Das ist zwar verständlich, aber doch auch ganz schön traurig.
  5. Endlich was gegen die verdammte Zeckenplage im Garten unternehmen. Nein, Brandrodung ist keine Lösung! Finde ich zumindest. Meine Altvorderen sehen das ganz anders und warten nur darauf, dass ich meinen Garten endlich in das zurückverwandle, was er einmal war: Eine gepflegte Freiluftödnis in Grün mit schlammbraunem Rand, aber immerhin ohne Zecken.
  6. Wenn Besuch kommt, die topfgewordene Unordnung  auf der Terrasse besser im Griff haben, damit es nicht mehr aussieht wie im Resteregal des Gartencenters.
  7. Nicht alles aussäen oder sonstwie zwangsvermehren, was mir in die Finger kommt, denn das gefährdet die Zielerreichung der Punkte 6 und 2.
  8. Für jedes neue Buch, das ich mir kaufe, ein altes in einem öffentlichen Bücherschrank der Allgemeinheit zugänglich machen. Noch besser: Gar kein neues kaufen, sondern gleich einwechseln in besagtem Tauschregal (das ist aber deutlich schwieriger...).
    So, jetzt haben wir alle herzlich gelacht und können das neue Jahr endlich beginnen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass keiner dieser Vorsätze irgendwie gehalten wird. Höchstens ein bisschen. Und das wäre zwar nur ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für mich.


    Also: Prosit Neujahr euch allen!