Habt ihr gute Vorsätze? Für den Garten? Der Garten selbst hat ja nie welche und macht sowieso, was er will. Obwohl, vielleicht hat er aber doch welche, wer weiß das schon? Womöglich hat er sich dieses Jahr vorgenommen, mir endgültig über den Kopf zu wachsen mit Wildrosen und Apfelbäumen? Oder er hat dressierte Nacktschnecken in der Hinterhand, mit denen er mir das nackte Grausen bescheren möchte. Zumindest hat er es im Herbst schon geschafft, den Garten mit Laub zuzuwerfen wie niemals zuvor - vielleicht war das der Vorsatz für 2023?
Was man sich selbst aber vornehmen kann, ist, alles zu hinterfragen, was man uns jahrelang gewissenhaft eingebläut hat. Denn vieles von diesen gebetsmülenartig wiederholten Regeln und Aufgaben, die man zu erledigen hat, sonst geht die Welt unter, halten einer näheren Überprüfung nicht stand.
Ich stolpere zum Beispiel immer über die Anweisung, alle Pflanzenteile, die mit wie auch immer gearteten Schädlingen ausgestattet sind, in den Restmüll zu geben. Dies wird nur noch gesteigert von dem strengen Rat, vorher am besten noch eine Plastiktüte drum zu machen. Bei Raupen und Blattläusen kann man sich die Mühe sparen, denn selbst eine Raupe vom Buchsbaumzünsler ist so gefräßig wie dämlich und schafft es nicht zwei Meter zurück zum Buchsbaum zu laufen, wenn man sie einfach für die Spatzen liegen lässt, anstatt sie in die Tonne zu werfen.
Ich kompostiere sogar ganz aufmüpfig jedes Jahr das Laub und die Stängel der Tomaten, mit und ohne Braunfäule. Ob sie die Krätze kriegen, hängt mehr vom Wetter ab als davon, ob die Restmülltonne im Spiel war. Der Pilz ist sowieso überall, das bisschen mehr oder weniger macht auch keinen Unterschied.
Auch im Haus gibt es viele Fake-News. Da wäre zum Beispiel der gut gemeinte Ratschlag, Zimmerpflanzen im Winter nicht zu düngen. Gut, da denkt man erstmal, wird schon stimmen, weil man das ja mit den Gartenpflanzen auch nicht macht. Nur hocken die auch nicht so gemütlich wie ganzjährig bei 20 Grad im Schatten auf der beheizten Fensterbank, sondern bei Wind und Wetter draußen. Zimmerpflanzen kennen keinen Winter, denn sie kommen meist aus den Tropen. Ich dünge meine grünen Mitbewohner ganzjährig, wenn auch unregelmäßig. (Ha! Da wäre doch etwas, das ich mir für dieses Jahr als Vorsatz nehmen könnte!) Einen Nachteil habe ich noch nie bemerkt, sie freuen sich drüber und wachsen einfach dreist weiter. Sogar im Januar.
Ein anderer Mythos ist der vom Blattglanzspray. Das kann man sich sparen, denn die Pflanzen brauchen es nicht. Durch die klebrige Pampe setzen die Blätter eher Staub an als ohne, was zu weniger Photosynthese führt. Auch das Einnebeln der Blätter soll wenig bringen, da die Feuchtigkeit schnell verdunstet. Wenn Pflanzen wirklich eine hohe Luftfeuchtigkeit brauchen, sind sie in einem Terrarium oder einem geschlossenen Glas besser aufgehoben. Ich hatte es mal gut gemeint mit meiner Dracaena fragrans und sie im Sommer in den Regen gestellt. Prompt hatten alle Blätter wenig später einen Pilz und bekamen braune Stellen. Abstauben bringt aber wirklich etwas - auch das ist auf der Hitliste der Vorsätze für's neue Jahr ganz weit oben.
Fallen euch noch Fake-News aus dem Garten ein?






















