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Samstag, 6. Januar 2024

Gute Vorsätze und Fake News

Habt ihr gute Vorsätze? Für den Garten? Der Garten selbst hat ja nie welche und macht sowieso, was er will. Obwohl, vielleicht hat er aber doch welche, wer weiß das schon? Womöglich hat er sich dieses Jahr vorgenommen, mir endgültig über den Kopf zu wachsen mit Wildrosen und Apfelbäumen? Oder er hat dressierte Nacktschnecken in der Hinterhand, mit denen er mir das nackte Grausen bescheren möchte. Zumindest hat er es im Herbst schon geschafft, den Garten mit Laub zuzuwerfen wie niemals zuvor - vielleicht war das der Vorsatz für 2023?

Was man sich selbst aber vornehmen kann, ist, alles zu hinterfragen, was man uns jahrelang gewissenhaft eingebläut hat. Denn vieles von diesen gebetsmülenartig wiederholten Regeln und Aufgaben, die man zu erledigen hat, sonst geht die Welt unter, halten einer näheren Überprüfung nicht stand.

Ich stolpere zum Beispiel immer über die Anweisung, alle Pflanzenteile, die mit wie auch immer gearteten Schädlingen ausgestattet sind, in den Restmüll zu geben. Dies wird nur noch gesteigert von dem strengen Rat, vorher am besten noch eine Plastiktüte drum zu machen. Bei Raupen und Blattläusen kann man sich die Mühe sparen, denn selbst eine Raupe vom Buchsbaumzünsler ist so gefräßig wie dämlich und schafft es nicht zwei Meter zurück zum Buchsbaum zu laufen, wenn man sie einfach für die Spatzen liegen lässt, anstatt sie in die Tonne zu werfen.



 

Ich kompostiere sogar ganz aufmüpfig jedes Jahr das Laub und die Stängel der Tomaten, mit und ohne Braunfäule. Ob sie die Krätze kriegen, hängt mehr vom Wetter ab als davon, ob die Restmülltonne im Spiel war. Der Pilz ist sowieso überall, das bisschen mehr oder weniger macht auch keinen Unterschied.

Auch im Haus gibt es viele Fake-News. Da wäre zum Beispiel der gut gemeinte Ratschlag, Zimmerpflanzen im Winter nicht zu düngen. Gut, da denkt man erstmal, wird schon stimmen, weil man das ja mit den Gartenpflanzen auch nicht macht. Nur hocken die auch nicht so gemütlich wie ganzjährig bei 20 Grad im Schatten auf der beheizten Fensterbank, sondern bei Wind und Wetter draußen. Zimmerpflanzen kennen keinen Winter, denn sie kommen meist aus den Tropen. Ich dünge meine grünen Mitbewohner ganzjährig, wenn auch unregelmäßig. (Ha! Da wäre doch etwas, das ich mir für dieses Jahr als Vorsatz nehmen könnte!) Einen Nachteil habe ich noch nie bemerkt, sie freuen sich drüber und wachsen einfach dreist weiter. Sogar im Januar.


Ein anderer Mythos ist der vom Blattglanzspray. Das kann man sich sparen, denn die Pflanzen brauchen es nicht. Durch die klebrige Pampe setzen die Blätter eher Staub an als ohne, was zu weniger Photosynthese führt. Auch das Einnebeln der Blätter soll wenig bringen, da die Feuchtigkeit schnell verdunstet. Wenn Pflanzen wirklich eine hohe Luftfeuchtigkeit brauchen, sind sie in einem Terrarium oder einem geschlossenen Glas besser aufgehoben. Ich hatte es mal gut gemeint mit meiner Dracaena fragrans und sie im Sommer in den Regen gestellt. Prompt hatten alle Blätter wenig später einen Pilz und bekamen braune Stellen. Abstauben bringt aber wirklich etwas - auch das ist auf der Hitliste der Vorsätze für's neue Jahr ganz weit oben.



 

Fallen euch noch Fake-News aus dem Garten ein?

Samstag, 31. Dezember 2022

Gute Vorsätze

Gute Vorsätze für mich hätte ich genug, aber heute möchte ich mal anderen ein paar empfehlen, nämlich den Schnecken. Wäre doch toll, wenn sie die auch mal beherzigen würden, damit wir Waffenstillstand schließen können - nach dem Motto: Radula zu Pflugscharen!

Da ich nämlich nicht weiß, ob die sibirische Woche mit Kahlfrost dieses Jahr im Dezember gereicht hat, um meiner Hundertschaft an Nacktschnecken einen nachhaltigen Dämpfer zu verpassen, möchte ich zusätzlich an die Vernunft in der Molluske appellieren.

 


Also, liebe Freunde der Nacht und des Morgentaus, hier einige Vorschläge für euch:

  • Esst weniger Gemüse! Fresst doch zur Abwechslung mal Falllaub oder irgendwelchen pflanzlichen Gammel, der sowieso zu Schneckenscheiße verarbeitet werden soll. Den Grünkohl würde ich gerne mal behalten.

 

  • Seid nett zu Schnirkelschnecken! Immer freundlich grüßen und ihnen auch mal einen Happen übrig lassen, das wäre super und ein großer Schritt in Richtung Weltfrieden!

 

  • Bleibt am Boden! Wäre total nett, wenn ich euch nächstes Jahr nicht so oft auf den Stauden sehen würde, dort wo die Blüten wären, wenn ihr sie nicht fressen würdet.

 

  • Schenkt mehr Blumen! Lasst also mal welche übrig, anstatt sie zu grünem Schleim zu zermahlen.

 

  • Auch mal eine Mahlzeit auslassen, vor allem, wenn die Mahlzeit Salomonssiegel oder Glockenblume heißt!

 

  • Rettet die Bienen! Da wären wir noch mal beim Appell pro Glockenblume.

 

  • Bewegt euch mehr! Vor allem raus aus meinem Garten, bitteschön. Aber hurtig!

 

Meint ihr, die lesen das hier? Ich glaube nicht, denn sie verwenden Schneckenpost statt WLAN. Ich werde es ihnen wohl ausdrucken müssen. Auf ein Blatt Lollo Rosso.

Samstag, 19. Oktober 2019

Der Kalender zum Essen

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Kalender haben's auch nicht leicht. Wenn sie Glück haben, dürfen sie ein Jahr lang irgendwo abhängen und werden mehr oder weniger gewürdigt, bis sie schließlich im Altpapier landen. Dabei haben sie sich wirklich angestrengt, jeden Tag das richtige Datum zu zeigen, und nun werden sie durch ein jüngeres Modell ersetzt. Da leidet nicht nur der Kalender, es ist auch schade um das ganze, meist dicke Hochglanzpapier. Aber was soll man denn dann am Anfang des neuen Jahres mit so einem unaktuellen Zeitgenossen machen? Papierflieger basteln? Warten, bis die Daten in vielen Jahren wieder passen?

Der Wachsende Kalender ist da anders: Den kann man am Ende des Jahres essen. Wenn man möchte, auch schon zum Ende eines jeden Monats. Das Kalendarium ist aber kein Esspapier, sondern voll mit Samen, die man aussäen und wachsen lassen kann, bis schließlich leckeres Gemüse dabei rauskommt.



Die Samen sind in das Papier integriert, noch dazu besteht der Kalender aus Recyclingpapier, das Saatgut ist aus dem Bio-Landbau. Jedes Kalenderblatt ist mit einem Aquarell verziert, neben dem neben der obligatorischen Monatsangabe Wissenswertes zur Pflanze steht.






Unten folgt das Kalendarium, darunter findet man weitere Infos zum Gemüse in Kurzform, unter anderem werden auch günstige und ungünstige Beetpartner genannt. Vermisst habe ich dort allerdings einen Hinweis zum besten Aussaat-Zeitpunkt.

Mein Kalender enthält Saatgut von vergessenen Gemüsesorten. Die Chinesische Gemüsemalve finde ich ja sehr spannend, die habe ich schon mal in einem anderen Garten gesehen.



Diese Malve heißt mit vollem Namen Malva verticillata und blüht im Hochsommer. Die Aussaat erfolgt unter Glas von März bis April oder direkt ins Freiland zwischen Mai und Juni. Sie trägt kleine weiße Blüten, die sehr spartanisch aussehen über dem krausen Blattwerk. Ich werde es mal mit ihr versuchen. Da das Kalenderblatt im April seine große Zeit hat, werde ich sie wohl im Mai draußen aussäen.


Auch die Tomaten sind bereits fürs nächste Jahr reserviert, es ist die Sorte 'Green Zebra'. Wie praktisch, dass man ihre Samen dem Kalender zur genau passenden Zeit entreißen kann, nämlich Anfang März.


Und wer weiß, vielleicht stammt das Papier ja aus alten Kalendern, die nun endlich wieder eine Sinn im Leben sehen?

Sonntag, 1. Januar 2012

Neues Jahr, neues Glück

Die Christrosen haben verschlafen, die Scillas und Schneeglöckchen zeigen viel zu früh ihre Spitzen und das Wetter ist im Großen und Ganzen eher herbstlich gewesen. Und doch lügt der Kalender nicht: Es ist der erste Januar 2012!

 
Zeit, die Vorsätze für's neue Jahr niederzuschreiben. Aber halt, das wird ja doch wieder in Tränen enden, denn vor dem Vorsatz ist nach dem Vorsatz, und wir alle wissen nur zu gut, was mit den ach so guten Vorsätzen vom letzten Jahr passiert ist. Breiten wir den Mantel des Schweigens darüber. Ein guter Vorsatz hat eine Halbwertszeit, die noch geringer ist als die von Schokolade, die zur freien Verfügung auf dem Tisch herumliegt. Nur, dass letztere besser schmeckt. Vorsätze schmecken in der Regel gar nicht mal so gut, handeln doch die meisten vom wie auch immer gearteten Fasten, von körperlicher Qual um der Fitness willen oder von arg viel Selbstdisziplin. Lediglich um mein Gewissen zu beruhigen mach ich's jetzt doch. Ich schreibe sie auf, dass alle Welt sie lesen kann, meine superguten Vorsätze für das neue Jahr:
  1. Zum Anwalt der Schwachen werden und die ganz kleinen Stauden diesmal besser vor der grünen Übermacht der großen schützen, bevor sie an Schwindsucht sterben.
  2. Mut zur Lücke - auch mal eine Pflanze auslassen, damit es die Stammbelegschaft etwas geräumiger hat. Zur Not Stauden zur Adoption freigeben.
  3. Nur noch Gartenzeitschriften kaufen, die mich für mehr als eine halbe Stunde ans Sofa fesseln und nicht nur schöne Bilder zeigen.
  4. Pilze auswendig lernen, damit ich sie im Wald besser mit Namen ansprechen kann. Ich kann mir nämlich deutlich besser die Vornamen von schwedischen Möbelstücken merken, als den Namen vom Ungezonten Violettmilchling (Lactarius uvidus), um nur ein Beispiel zu nennen. Das ist zwar verständlich, aber doch auch ganz schön traurig.
  5. Endlich was gegen die verdammte Zeckenplage im Garten unternehmen. Nein, Brandrodung ist keine Lösung! Finde ich zumindest. Meine Altvorderen sehen das ganz anders und warten nur darauf, dass ich meinen Garten endlich in das zurückverwandle, was er einmal war: Eine gepflegte Freiluftödnis in Grün mit schlammbraunem Rand, aber immerhin ohne Zecken.
  6. Wenn Besuch kommt, die topfgewordene Unordnung  auf der Terrasse besser im Griff haben, damit es nicht mehr aussieht wie im Resteregal des Gartencenters.
  7. Nicht alles aussäen oder sonstwie zwangsvermehren, was mir in die Finger kommt, denn das gefährdet die Zielerreichung der Punkte 6 und 2.
  8. Für jedes neue Buch, das ich mir kaufe, ein altes in einem öffentlichen Bücherschrank der Allgemeinheit zugänglich machen. Noch besser: Gar kein neues kaufen, sondern gleich einwechseln in besagtem Tauschregal (das ist aber deutlich schwieriger...).
    So, jetzt haben wir alle herzlich gelacht und können das neue Jahr endlich beginnen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass keiner dieser Vorsätze irgendwie gehalten wird. Höchstens ein bisschen. Und das wäre zwar nur ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für mich.


    Also: Prosit Neujahr euch allen!

    Sonntag, 2. Januar 2011

    Prosit Neujahr!

    Ich wünsche allen Lesern von Günstig Gärtnern ein tolles Gartenjahr 2011!

    Das alte Jahr hat sich noch einmal mit Glanz und Gloria bei Eiseskälte verabschiedet.

    Hier ein paar Winterimpressionen vom Aschenputtel der Saison, einer Pflanze, die kein Gärtner so richtig zu schätzen weiß, die aber vehement immer und überall auftaucht. Nie wird sie beachtet, außer, sie bekommt eins mit dem Spaten übergezogen.
    Gewürdigt wird sie schon gar nicht.

    Aber damit ist jetzt Schluss: Das Aschenputtel hat nämlich endlich seinen Prinzen gefunden und sich mit Silber und Juwelen herausgeputzt für die eiskalte Ballnacht.

    Hier ist sie, die gute alte Brennnessel, feingemacht von Väterchen Frost: