Genausogut könnte es doch auch "Propellerstaude", "Europäische Antwort auf den Phlox" oder einfach "Nachtfalternelke" heißen?
Tut es aber nicht.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
Zum einen habe ich mir die Namen oben gerade ausgedacht. Und auf mich hört selten einer.
Zum anderen ist der Name Seifenkraut bei näherer Betrachtung doch ganz treffend.
Da sind sich Trivialname und wissenschaftliche Bezeichnung (Saponaria officinalis) sogar ausnahmsweise einig.
Es heißt nicht so, weil es so besonders reinlich ist und sich ganz oft wäscht, sondern die Bezeichnung kommt von seinen gut verborgenen Qualitäten: Es lässt sich aus ihm Seife oder Waschmittel herstellen. Oder beides.
Wie macht man das denn?
Darüber bekommt man in Zeiten von Spülmittel und Flüssigseife im praktischen Spender nicht so leicht Auskunft.
Dabei könnte diese ganz und gar biologisch erzeugte und damit auch abbaubare Seife doch ganz nützlich sein, zum Beispiel an Orten, an denen keine handelsübliche Kanalisation greifbar ist oder gerade kein Vollwaschmittel zur Hand.Wenn es dann gilt, einen Fleck zu entfernen oder schnell einen Abwasch zu improvisieren, hat man hoffentlich diese anspruchslose, ausläufertreibende Staude im (Schreber)Garten.
In einem Buch las ich, man nehme das Kraut und zerreibe es in Wasser. Scheint ja Sinn zu machen, heißt schließlich Seifenkraut und nicht Seifenwurzel. Außerdem braucht man dazu keine Schaufel, das ist praktisch und weniger schweißtreibend.
Eine genaue Anleitung fand sich allerdings nirgends. Alles muss man selber machen.
Also flux eine Versuchsanordnung aufgebaut:
Die Blätter also erst in kaltem, dann warmem Wasser zerrieben, mit folgendem Ergebnis:
Kein Schaum, stattdessen eine leuchtend grüne Farbe.
Es wäre gewagt, mit dieser Lösung zu versuchen, einen Fleck zu entfernen. Es sei denn, das Kleidungsstück gefiel sowieso nicht in seiner jetzigen Farbe...
Das Kraut scheint also nicht der Seifenspender zu sein und das Buch ist damit der Lüge überführt.
Also der nächste Versuch, diesmal mit Schaufel.
Ein Ausläufer, der gerade im Begriff war, in die Spiraea zu entschwinden, musste leider ein Opfer bringen.
Was tut man nicht alles für die Wissenschaft.
Das fleischige Rhizom muss man erst von Erde befreien.
Blöd, wenn der Seifenspender vor dem Waschen erst gewaschen werden muss, aber sei's drum.
Dann habe ich es mit der Küchenreibe fein zerrieben und in kaltes Wasser gegeben.
Und was sagt man dazu: Es schäumt! Riecht aber nicht nach Rosen, sondern nach Erde.
Gut, jetzt sieht es aus wie Seife, aber wirkt es auch so?
Zur Probe habe ich einen fettigen, der Wertstoffsammlung zuzuführenden Konservendeckel in der Lösung gewaschen. Völlig fettfrei kam er wieder zum Vorschein!
Auch meine Finger hatten ein nicht zu leugnendes Seifengefühl.
Gut, ich gebe mich geschlagen und versuche nicht mehr, dem Seifenkraut andere, nicht zielführende Namen zu geben. Saponaria passt schon ganz gut.
Und sollte ich mal ohne Seife in einem Garten stehen, weiß ich ja jetzt, was zu tun ist.
Hoffentlich ist dann der Spaten nicht weit...
PS: Das schöne Clematis-Geschirrtuch habe ich bei Elisabeth's Verlosung auf ihrem Blog Kleine Freude gewonnen. Vielen lieben Dank dafür!!
























