Freitag, 30. Juli 2010

Den Sommer einkochen

Neulich in einer dieser bunten Werbebeilagen in der Sonntagszeitung, die man immer ungefragt frei Haus geliefert bekommt, fand ich ein Angebot über ein Dreierset Marmeladengläser für 1,99 Euro. Leer natürlich, füllen sollte man sie schon selber. Ein Deckel war auch inklusive (einer pro Glas, versteht sich), und zwar in feschem blauweißen Karomuster - das Oktoberfest lässt herzlich grüßen.
Netter Versuch, aber Marmeladengläser habe ich schon - gesammelte Werke quer durch die Speisekammer.
Darunter schöne bauchige Gläser mit goldenem Schraubdeckel. In ihrem früheren Leben enthielten sie Nudelsauce. Dazu gesellen sich ehemalige Wurstkonservengläser mit genau dem kleinkarierten Dekor, das mir die Sonntagsbeilage so sehr ans Herz zu legen versuchte. Ich habe aber nicht nur die bayerische, sondern auch die grünkarierte Variante, jawoll.
Beim Glas-Recycling ist eigentlich nur wichtig, dass man nicht irgendein Zeug aus dem Supermarkt schleppt, das man gar nicht mag, aber das Glas so schön fand (ich bin auch so eine - kaufe Weinflaschen, weil mir das Etikett gefällt). Dann kann man auch gleich die leere Variante kaufen. Der Anblick einer (womöglich sogar angebrochenen) Wurstkonserve aus dem vorigen Jahrhundert im hintersten Kühlschrankwinkel ist keiner, an den man sich gern erinnert. Fremde Kulturen kann man besser woanders erforschen gehen - wenn es gut läuft unter Palmen statt vor dem eisigen Kühlfach.

Am liebsten sind mir Gläser mit neutralem Deckel - ein Marmeladenglas mit Gurkenaufdruck ist früh morgens auf nüchternen Magen doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Füllung herzustellen ist denkbar einfach. Bis ich es selbst ausprobiert hatte, dachte ich, Marmeladekochen wäre in etwa so schwierig wie eine dreistöckige Torte zu backen (kann ich bis heute nicht).

Ich nehme immer 2:1-Gelierzucker - eine 500 g-Packung auf 1 kg Früchte. Von meinem Stachelbeerhochstämmchen "Hinnonmäki Gelb" kann ich jedes Jahre in etwa soviel ernten.


Die Beeren schneide ich nur grob durch, dann sieht es besser aus, als wenn man das Ganze mit dem Stabmixer malträtiert - und schmeckt auch gleich ganz anders.
Damit es noch besser geliert, gebe ich den Saft einer Zitrone dazu.
Dann nach Anleitung kochen - auf der Packung Gelierzucker ist praktischerweise gleich das Rezept abgedruckt.

Hier ist das Ergebnis:


Damit die gelben Stachelbeeren so schön rot werden, habe ich getrickst und eine Handvoll Jostabeeren mit hineingeschmissen. Die reifen sowieso nie alle auf einmal und man hat Farbe für mehrere Durchgänge parat.

Damit man von seinen Sommerkonserven lange etwas hat, wäre es schön, wenn sie bis zum Herbst halten würden. Tun sie auch - wenn sie nicht so lecker wären, dass sie nur mit Glück den September überhaupt erleben!

Kommentare:

  1. Ich habe die rotkarierten. :) Und die werden gehütet. Alle anderen Gläser kommen nach der Erstbefüllung meistens in den Glaskontainer. Natürlich erst, nachdem sie geleert wurden. :)

    Viele Grüße
    Margrit

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  2. Danke für Dein Lob an mich!

    Vielleicht magste ja mal tauschen? Marmelade gegen Socken? ;)

    LG,
    Pupe

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  3. ... ich nochmal, mußte jetzt doch nochmal aufmerksam den Post lesen.

    Marmelade koche ich ab und zu auch mal ein. Das erste Jahr, ist es mir auch passiert, das ich die se "Karodeckelgläser" kaufen musste. Seitdem, bin ich auch ein bischen ein Sammler und habe nun auch schon ein buntes Potpourri im Keller im Regal stehen. ... bin ja schließlich nicht Onassis! ;)

    LG,
    Pupe

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  4. Schöne Seite mit lustigen Posts, besonders hat mir die Regenepisode gefallen... hat`s inzwischen geregnet?
    Sonnige Grüße Annette

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  5. Was für eine schöne Geschichte. Ich habe zwar noch nie Marmelade eingekocht, aber ich hätte auch nicht genug Obst dazu. Ich bin ja schon froh, wenn die Amseln mir wenigstens ab und zu mal ein paar Blau-, Him-oder Brombeeren lassen würde.
    Nächstes Jahr muss ich mir was einfallen lassen, ich teile an sich gerne, aber nicht meine geliebten Beeren mit den Amseln.

    LG Mio

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  6. Bin eben bei Dir gelandet weil ich auch leidenschaftliche Marmeladekocherin bin, wir haben stets mind. 3 Gläser auf dem Tisch stehen.
    Ich habe mich als Leserin bei Dir eingetragen, weil ich öfter vorbeikommen möchte und sehen möchte, was Du so kochst und gärtnertst.
    Liebe Grüße Andrea

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  7. Danke für deinen lieben Kommentar!!! Ich würde mich freuen, wenn du wieder kommst! :)
    Leider kann man in meiner Familie keinen mit Stachelbeeren locken... :( Aber deine Bilder zur Marmelade sehen lecker aus! :)
    Liebe Grüße,
    Juliane

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  8. ich habe immer zu wenig Marmeladengläser. Das liegt wohl auch daran, dass ich immer mal wieder die gekochte Marmelade verschenke. Daher muss ich mir ab und an mal Gläser kaufen. Ich kaufe eigentlich auch nicht viel im Glas - spontan fällt mir nur Senf und Merretich ein, die gehen beide sehr gut bei uns, weil sie in jede Salatsosse wandern.
    Für Stachelbeermarmelade hat dieses Jahr die Ernte nicht gereicht. Ich denke ich werde im Herbst noch einen zweiten Strauch mit dunklen Stachelbeeren pflanzen.
    Was sind denn Jostabeeren?
    VLG aus Rheinhessen

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  9. Ab und an kaufen wir auch mal diese Marmeladengläser. Aber wir verwenden auch andere Gläser, die wir z.B. von gekauften Marmeladen, aufgehoben haben und kaufen dann lediglich neue Deckel, denn das geht genauso gut, wie Du es auch beschreibst. Nur achte ich darauf, daß da nichts drin war, dessen Geruch sich auf mit Ausspülen und Auskochen nicht entfernen läßt!

    Die Deckel muß man schon öfter mal nachkaufen, denn sie sind es, die nach mehreren Druchgängen nicht mehr so einwandfrei sind oder schließen, so daß das Eingekochte leichter verderben kann.

    Selbst habe ich bis jetzt noch nie Marmelade gekocht, nur meine Mutter. Werde es aber in diesem Jahr einmal versuchen. Nur müßte ich das Obst dazu kaufen, denn wir haben in unserem Garten nur wenige Äpfel, Quitten und ein paar Pflaumen und Kirschen zum Rohverzehr.

    Lieber Gruß und einen schönen Wochenstart
    Sara

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  10. Dafür, dass ich kein kleines Glas wegwerfen kann, schaut mich mein Lieblingsmann hin und wieder etwas seltsam an. Solange, bis die "Neue" den Frühstückstisch krönt.
    Gegen saure Gurken und Silberzwiebeln auf dem Deckel hilft ein Kleks Acrylfarbe.

    GlG Jane

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  11. Liebe Gärtnerin! Ja, genau, es ist Färberkamille! Vielen Dank - so lerne ich doch wunderbar dazu. Liebe Grüße von der Roesnerei

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  12. Hallöle,
    ich habe Dich gerade bei Juliane "gefunden", einen tollen Blog hast Du, ich komme ab jetzt öfter wieder vorbei.
    Liebe Grüße, Coco

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  13. Grins, Dein Text ist einmalig. Musst einfach lachen, weil ich mich selber wieder erkannt habe. Und auch ich stelle wirklich nicht gerne ein Pesto-Glas auf den Frühstückstisch *pfuibäh*. Ansonsten werden die Gläser alle behalten und eben für Marmelade wieder benutzt. Hmm, legga klingt Deine Stachelbeer-Marmelade. Schade, mein zurückgefrorener Ministrauch ergab in diesem Jahr gerade mal 10 Beerchen, dat reicht wohl nicht für eine feine Marmelade. Die Blaubeeren haben mir die Vögel weggepickt und so bleibe ich mal wieder nur auf den Johannisbeeren sitzen :o). Eigentlich wär's mir ja umgekehrt lieber... aber das kapieren die Vögel einfach nicht.
    Liebe Grüsse und "en Guete" beim Frühstück.
    Alex

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