Samstag, 10. Oktober 2020

Plant Love

Auch Gartenbücher haben Jahreszeiten. Während man im Winter gern in Gartenreiseführern oder Bildbänden blättert, die den Blick nach draußen in den kahlen Garten ersetzen, sind es im Herbst und Winter auch Bücher über Zimmerpflanzen. Denn nun sieht man seine grünen Mitbewohner wieder öfter, zusammen genießen wir die gleichbleibenden Temperaturen im Haus. Und auch jetzt im Herbst fällt auf, wo eine Zimmerpflanze fehlt. Doch welche Art wird mit dem neuen Standort klarkommen? Ist es dort zu dunkel, zu zugig oder nicht luftfeucht genug?

Eine, die sich damit auskennt, ist Alys Fowler. Ihr neues Buch "Plant Love: Die perfekte Zimmerpflanze für jede Ecke" ist jetzt ins Deutsche übersetzt worden und im Ulmer-Verlag erschienen (Anmerkung: Alle Fotos in diesem Beitrag sind nicht aus dem Buch):

Was das Buch besonders sympathisch macht: Alys sagt gleich klipp und klar, dass unser Zusammenleben mit Zimmerplanzen keine symbiotische Beziehung ist: "Sind wir doch mal ehrlich: Ihre Pflanzen möchten nicht wirklich bei Ihnen leben. [...] Sie hätten gern ein Zuhause, aber eben nicht bei Ihnen."

Der Gang in den Baumarkt ist also nicht gleichzusetzen mit dem Besuch eines Tierheims. Auch wird die Problematik von Pestiziden und Torf angesprochen, die man mitkauft, ob man will oder nicht. Nachhaltige Zimmerpflanzen sind selten und kaum nachgefragt. Alys weist darauf hin, dass man ruhig dagegen protestieren soll und das Thema auch im Gartencenter ansprechen sollte, damit sich etwas ändert.

 

Und damit man eine Pflanze wenigstens nur einmal kaufen muss - oder eben gar nicht, weil man sie von Freunden kostenlos als Ableger bekommt - handeln die ersten Kapitel davon, wo der richtige Standort ist, wieviel man düngen und wässern sollte, wie und wann man umtopft und natürlich auch, welche Arten sich ganz leicht vermehren lassen. So hat man sich am Ende wirklich den Gang in den Baumarkt gespart - und auch Pestizide und Torf können bleiben, wo der Pfeffer wächst.

Den größten Teil des Buchs nehmen die Pflanzenportraits ein, vom Kaktus über Farne bis zur Zamiokulkas ist alles dabei, selbst fleischfressende Pflanzen werden vorgestellt. Praktischerweise sind die Arten nach Standort sortiert von Sonne bis Schatten.

 

Noch etwas macht das Buch sympathisch: Andere Zimmerpflanzenbücher zeigen schicke Arrangements, die nur auf Aesthetik und Instagram-Tauglichkeit gebürstet wurden, ohne die Bedürfnisse der Pflanzen oder des Besitzers zu beachten. Gern steht der Kaktus dann direkt neben der Spüle - wie unpraktisch, da nimmt man doch dann lieber die Spülmaschine. Bei Alys sind die Pflanzen aber realistisch fotografiert.

Ich habe nach der Lektüre eine neue Flause im Kopf, denn ich hätte jetzt so gerne den Bärenfußfarn (Humata tyermannii), weil er so pelzige Rhizome hat - eine tolle Zimmerpflanze zum Kuscheln (und auch hier muss man leider wieder sagen: Die Pflanze möchte nicht gekuschelt werden, sie ist eben keine Katze). Leider findet man diese Art (im Englischen Bear's Foot Fern) unter dem im Buch angegebenen deutschen Namen nicht, hier firmiert sie unter Tarantel-Farn, Vogelspinnen-Farn oder einfach Spinnenfarn - und das ist auch viel treffender, denn die Rhizome sehen wirklich aus wie Vogelspinnenbeine - also doch lieber nichts zum Kuscheln?

 

Mit gefällt das Buch, es ist unterhaltsam geschrieben, enthält die ein oder andere Anekdote zu den Zimmerpflanzen und lässt sie als das erscheinen, was sie sind: Völlig von uns abhängig, aber für uns doch so wohltuend. Und mit den Tipps aus dem Buch sind die Zimmerpflanzen vielleicht doch ein bisschen gern bei uns...

Kommentare:

  1. Ach, liebe Elke, mit Zimmerpflanzen habe ich es so gar nicht...lediglich einige Dickblattgewächse, die ich gerne mag wg. ihrer Genügsam- bzw. Pflegeleichtigkeit. Ob sie sich bei mir wohlfühlen und ein bisschen gern in meinem Zuhause sind...???
    Für alle Zimmerpflanzenliebhaber sicher ein ansprechendes Buch.
    Lieben Gruß und ein gemütliches Wochenende, Marita

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  2. Hallo Elke, mit Zimmerpflanzen werde ich nicht warm. Obwohl ich Floristin bin und mich einigermaßen auskenne, finde ich diese grünen Lebewesen in und useren Wohnräumen deplaziert. Leider verkommen sie zu wegwerf Produkten und führen bis es soweit ist ein tristes Dasein. Ich besitze eine einzige Pflanze (Euphorbie), die es seit fast 30 Jahren, bei meiner "Pflege", geschafft hat zu überleben. Ach ja, da ist auch noch der Ripsalis, der ebenso unverwüstlich ist. Mir tun die Pflanzen, die in Supermärkten als Ramschware angepriesen werden leid! Wir konsumieren einfach und denken nicht darüber nach das auch sie Lebewesen sind! LG...Stephanie

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