Ich sammle botanische Gärten wie andere Leute Briefmarken.
Aber halt - Briefmarken-Sammeln ist ja schon beinahe ein Anachronismus, also noch einmal das Ganze:
Ich sammle botanische Gärten wie andere Frauen Schuhe, wenn man dem Klischee glauben darf.
Natürlich kann man Gärten nicht wirklich "sammeln", man darf sie schließlich nicht mit nach Hause nehmen (im Unterschied zu Schuhen), aber man kann sie mit seiner Anwesenheit beehren, Fotos machen und Pflanzen studieren.
Wann immer ich in einer fremden Stadt bin, versuche ich herauszufinden, ob sie irgendwo einen botanischen Garten versteckt haben. Klappt natürlich nicht immer, so eine Örtlichkeit ist ja auch nicht ganz billig im Unterhalt. Dennoch kann ich es nicht verhindern, dass ich eine Metropole immer ganz geheim erst nach ihrer botanischen Grundausstattung beurteile und dann erst nach ihren Bauwerken - nur eine grüne Stadt ist eine gute Stadt!
Wenn man zuhause nur einen winzigen Garten zur Verfügung hat, kann man in einem botanischen mal sehen, wie es die Profis machen, und für ein paar Stunden erfahren, wie es ist, wenn Platz kein Luxusgut ist.
Wie sehen Pflanzen aus, wenn sie nicht in die Enge eines Reihenhausgartens gequetscht werden? Wie wirken Bäume, die ihre Persönlichkeit frei entfalten können? Wie glücklich sind Gärtner mit Auslauf?
Manche botanischen Anlagen zeichnen sich tatsächlich durch große Wiesenflächen oder waldähnliche Arboreten aus, die man unter einem halben Tag nicht alle ansehen kann, andere sind kleinteilig, und auch dort hat man immer das Gefühl, nicht alles gesehen zu haben - das ist der ewige Fluch bei dieser Art Ausflugsziel, bietet aber dadurch einen willkommenen Vorwand für einen erneuten Besuch.
Am besten sind daher natürlich diejenigen Gärten, die auch noch freien Eintritt bieten.
Und einen solchen habe ich neulich besucht: Den botanischen Garten Düsseldorf.
Der gehört der Kategorie "unendliche Weiten" an - riesige Wiesenflächen direkt an der Universität gelegen, aber auch architekonische Wunderwerke wie sein Markenzeichen, das futuristische Kuppel-Kalthaus mitten im Teletubby-Land:
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| Innen Drachenbäume, Kanarenflora, Baumfarne und anderes |
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| Eine hängende Atlantische Zeder über dem Eingang |
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| Außen Vulkanlandschaft |
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| Palmen und Königskerzen |
Die wichtigsten Dinge, die frau so braucht, wenn sie unterwegs ist, gibt es übrigens genau dort, in der Kuppel (die eine Notwendigkeit zieht natürlich unweigerlich die andere nach sich...):
In diesem spacigen Gewächshaus sollte man übrigens nicht allzu laut reden, und schon gar nicht lästern, denn die Kuppel wirkt wie ein riesiger Verstärker und lässt selbst ein Flüstern weithin hörbar werden. Am besten als ganz den Mund halten, auch wenn's schwer fällt.
Draußen hinter einem übergroßen Trompetenbaum die nächste Attraktion: Eine große Staude mit riesigen, rosa Blütenbällen, doch leider ohne Namensschild:
Bei der Recherche zuhause half mir überraschend ihre Nachbarin, eine weiße Schwalbenwurz, in deren Familie (
Asclepiadoideae) sie nämlich gehört: Gewöhnliche Seidenpflanze (
Asclepias syriaca).
Man muss schon spektakulärere Seidenpflanzen kennen, um dieses kugelige Wunderwerk mit Falterfutter als gewöhnlich abzutun...
Unbekannt blieb dagegen bis heute dieser schöne Steinbrech, der ein bisschen an das Oktoberle erinnert:
Weitere Attraktionen in Bildern:
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| Phlox und Gräser |
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| Honigbienen |
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| Lilium regale im Kräuterbeet |
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| Wasser mit Libellen und Fröschen |
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| Rosen, Schleierkraut und Taglilien |
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| Bauerngarten |
Weitere Gewächshäuser haben es leider nicht auf's Bild geschafft. Vielleicht, weil die Proteen im Südafrikahaus schon verblüht waren.
Alles in allem spürt man die Nähe zur Universität, die mit den Fachbereichen Pharmakologie, Biologie und Chemie den botanischen Garten zu nutzen weiß - überall finden sich wochentags Studentengruppen bei Freilandstudien. Die Glücklichen....
Die Fauna stellt sich jedenfalls ganz von allein ein bei so vielen Attraktionen:
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| Blattschneiderbiene |
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| Osmia truncorum (?) |
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| Wildpflanzen |
...und auch ich werde mich gerne noch mal auf einen Besuch einstellen im botanischen Garten Düsseldorf - denn man geht nie zweimal in denselben Garten...