Es ist frostig draußen. Zum Glück tragen manche Pflanzen Pelz. Nicht, weil sie versnobt sind, sondern weil sie sich gern ihre Knospen warmhalten. Diese Kuschelknospen sehen hübsch aus und man möchte sie ständig anfassen. Die schönsten Handschuhe an ihren Blütenknospen tragen zweifelsohne die Magnolien. Groß sind sie und dadurch besonders knuddelig.
Gegen Kälte sind die Pflanzen mit ihrem Pelzmantel ganz gut gewappnet, nicht aber gegen fiese Stürme. Und schon war bei der Magnolie im Park wieder mal ein kapitaler Ast abgebrochen. Das passiert bei ihr so oft, dass es an ein mittleres Wunder grenzt, dass überhaupt noch Äste dran sind.
Als ich mit dem Fahrrad an dem verunfallten Zweig vorbei kam, kam mir die Idee, es damit mal in der Vase zu versuchen. Die Äste ließen sich ganz leicht abbrechen, ohne eine Schere holen zu müssen.
Und dann passierte in der warmen Stube zwei Wochen lang mal gar nichts. Die Knospen waren unverändert kuschlig, rührten sich aber nicht weiter. In der dritten Woche konnte man erahnen, dass sie gewachsen waren.
Und nun fangen sie tatsächlich an zu blühen. Unter den Fellmützen kommt vornehmes Purpur zutage. Das ist ja fast wie Ostern und Weihnachten gleichzeitig.

