Ein Datum kann sich für jeden anders anfühlen.
Während es den einen in Ehrfurcht erstarren lässt, etwa weil sich sein Alter mit einem Mal ohne Rest durch Zehn teilen lässt, lässt es jemand anderen völlig kalt.
Auch volkstümliche Daten wie Freitag der 13. oder gar der 11.11. sind Geschmackssache, entweder man verbindet etwas damit oder nicht.
Wo aber für jeden ganz individuell der Spaß aufhört, ist das gute alte Mindesthaltbarkeitsdatum, auch unschön Verfallsdatum oder einfach nur MHD genannt.
Das Überschreiten desselben ohne vollständigen Verzehr eines Nahrungsmittels lässt einen ins Grübeln geraten. Ein wenig kann man es immer guten Gewissens strecken, aber irgendwann ist Schluss damit.
Es muss sich dabei nicht immer um Lebensmittel handeln, die uns schon über Wochen und Monate im Kühlschrank Guten Morgen gewünscht haben.
Es kann durchaus passieren, dass wir ein eben im Supermarkt erlegtes Stück erst genüsslich zum Abendbrot verspeist haben und dann beim routinemäßigen Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum mit Entsetzen eine böse Übertretung feststellen. Supermärkte sind leider nicht unfehlbar. Was folgt, ist ein unterhaltsamer Abend, an dem man jedes noch so kleine Lebenszeichen seines Magen-Darmtraktes mit Argwohn zur Kenntnis nimmt. Kein schönes Gefühl.
Auf der anderen Seite kann man mit dem Verfallsdatum für einigen Gesprächsstoff sorgen - wer bei der Gammel-Olympiade das älteste Exemplar hervorzaubert, hat gewonnen. Am besten eignen sich dazu luftdicht verpackte Lebensmittel, die optimalerweise auch noch eine undurchsichtige Verpackung haben. Solche Wettkämpfe finden bevorzugt in Firmenküchen statt bei der jährlichen Kühlschrankinventur. Meist geht ihnen eine hochnotpeinliche und bebilderte Email voraus.
Eine der wenigen Warengruppen, wo wir getrost auf das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung pfeifen können, ist Saatgut. Pflanzensamen halten mehr aus als man denkt. Zugegeben, manche Mimosen keimen auch wenige Stunden jung nicht sonderlich gut. Andere dagegen können steinalt werden und wie Phoenix aus der Asche auferstehen.
Wer ganz sicher gehen möchte, macht eine Keimprobe auf feuchtem Küchenpapier. Bei manchen Kandidaten kann man sich das auch gleich sparen.
Diese Erbsen hier (aus der schon etwas derangierten Packung oben) heißen nicht nur Kleine Rheinländerin, sondern sind auch eine echte rheinische Frohnatur, die auch Ewigkeiten nach Ablauf des empfohlenen Zeitpunkts noch alles geben. Die Packung ist wirklich von 2003 und wird einfach nicht leer!
Wer das ganz große Glück hat, noch freie Stellen im Garten zu sehen, der kann einfach alle abgelaufenen Samen dorthin verklappen. Manche Saat wird garantiert aufgehen, zur Überraschung aller.
Also bloß nicht in den Müll schmeißen!
Schließlich hätten es viele Pflanzen nicht so weit gebracht in der Evolution, wenn sie sich schon in wenigen Jahren entkräften ließen.
Selbst, wenn sie den ersten runden Geburtstag feiern, sind sie noch taufrisch.




